Wir schaffen es einige Minuten vor dem Termin zur Arztpraxis. Nate aus dem Auto zu holen und ihn in die Praxis zu bringen, ist der leichteste Teil. Zu versuchen, meine Erkennungsmarke aus seinem Mund zu bekommen, ist schon schwieriger. Ich weiß, Izzy hasst es, wenn er das bei Axel macht, aber verdammt, dem armen Kind geht es nicht gut. In der einen Sekunde lacht er, in der nächsten schreit er wie am Spieß. Ich hasse es, zu sehen, dass der kleine Mann Schmerzen hat, daher weiß ich, dass es Izzy und Axel umbringen muss.
Ich gehe zum Empfangstresen und lächele die hübsche kleine Blondine an. „Hallo. Nate Reid hier hat einen Termin bei Dr. Shannon.“ Sie sieht mich mit großen Augen an, und ich könnte schwören, dass sie ein bisschen sabbert. Ich verabscheue solche Reaktionen. Ja, ich bin ein großer Mann, aber verdammt. „Miss? Nate. Sein Termin.“
„Oh, natürlich. Es tut mir leid.“ Sie macht ein paar Notizen, sieht ein paar Mal zu mir auf, errötet und schiebt fast den Kopf in den Monitor. „Haben Sie die Versicherungskarte Ihres Sohns? Wir haben gerade ein neues System installiert und müssen daher sichergehen, dass alles passt.“
Der scharfe Schmerz, der mich immer bei dem Gedanken, ein eigenes Kind zu haben, ergreift, scheint nie schwächer zu werden. Eines Tages.
„Nate ist mein Neffe. Seine Mutter, Izzy, hat mir die Versicherungskarte nicht mitgegeben. Aber ich kann Ihnen sagen, dass sich bei der Versicherung nichts geändert hat.“ Da das Mädchen immer noch sabbert, könnte ich wetten, dass sie kein Wort von dem gehört hat, was ich gerade gesagt habe. Ich werfe einen Blick auf ihr Namensschild, um ihr beim Konzentrieren zu helfen, sehe den Schriftzug ‚Lauren‘ und sage zu ihr: „Lauren, Süße?“ Sie blinzelt ein paar Mal und ruft endlich das Programm auf. Sie trägt Nate ein und fordert mich auf, mich zu setzen und darauf zu warten, dass uns jemand aufruft. Halleluja.
Ich folge ihren Anweisungen, nehme Nate und setze mich auf einen der harten Stühle im Wartezimmer. Himmel, diese Dinger müssen für Frauen oder sehr kleine Männer gemacht worden sein. Ich schiebe Nate auf meinem Schoß zurecht, damit wenigstens er für den Moment zufrieden und still ist, und ziehe mein Handy hervor, um Izzy eine kurze Nachricht zu schicken, damit sie weiß, dass wir angekommen sind. Nate beschließt ein weiteres Mal, dass meine Erkennungsmarke das beste Spielzeug beim Zahnen ist. Izzy kann mir in den Hintern treten, aber ich nehme sie ihm auf keinen Fall weg, jetzt, wo er glücklich ist.
Dreißig Minuten später – mein Shirt, die Erkennungsmarke und Nate sind nass gesabbert – ruft jemand seinen Namen.
„Nate Reid?“
Die Stimme erklingt seitlich von uns. Ich sehe auf und jetzt verschlucke ich fast meine Zunge. Heilige Scheiße. Es ist eine Weile her, dass nur der Anblick einer Frau mich aus den Socken gehauen hat. Das ist keine gewöhnliche Frau. Nein, diese Frau schreit Sex .
Ihr pinkfarbener Arbeitskittel schmiegt sich an ihren Körper, als wäre er für sie maßgeschneidert worden. Sie ist vielleicht fünfzehn Zentimeter kleiner als ich mit meinen einsneunzig und hat so tolle Beine, dass selbst die grässliche Dienstkleidung sie nicht verbergen kann. Und ihre Titten, verdammt, die sind riesig. Ich muss mich zwingen, mir nicht über die Lippen zu lecken. Nachdem ich es endlich schaffe, meinen Blick von ihrer Brust zu lösen, sehe ich auf und entdecke hochgezogene dunkle Brauen und spöttische blaue Augen. Mist.
„Mr. Reid?“
Verdammt, selbst ihre Stimme ist höllisch sexy. So tief und rau, dass selbst mein Schwanz aufmerksam wird.
Ich räuspere mich, bevor ich mich traue, zu sprechen. „Cage.“
„Was?“
Hä? Verdammt. Was habe ich gerade gesagt? Cage . Wahnsinnig cool, echt jetzt.
„Ich bin nicht Mr. Reid. Ich bin der Onkel, Greg Cage.“ Ich fühle mich wie ein Teenager, der gerade zum ersten Mal einen Ständer wegen der Mom seines besten Freundes bekommen hat. Kann es noch peinlicher werden?
„Okay, Onkel Greg Cage. Und wie geht es dem Kleinen heute?“
Ich will ihr antworten, doch bevor ich ein Wort sagen kann, macht Nate ein merkwürdiges Geräusch tief in der Kehle. Ich höre, wie die Krankenschwester meiner feuchten Träume keucht und mache einen Schritt zurück, bevor Nate meinen ganzen Körper mit Erbrochenem bedeckt. Das ist auch eine Art, mir aus der Patsche zu helfen, Nate.
Nach einem unfassbar langen und unbehaglichen Besuch beim Arzt, ist Nate endlich soweit, dass wir gehen können. Izzy wird durchdrehen. Beidseitige Mittelohrentzündung. Der Arzt hat mir erklärt, dass das der Grund dafür war, dass Nate mich so großzügig mit seiner Babykotze bedeckt hat. Und um alles noch schlimmer zu machen, musste ich den kleinen Kerl festhalten, während die Schwester eine Spritze mit einem Antibiotikum in sein pummeliges kleines Bein stach. Ich habe die höllisch sexy Schwester nicht mehr gesehen, seit der Arzt mir Nates Rezepte gab und wegging. Mir wird erst klar, dass ich nicht einmal ihren Namen kenne, als ich mit Nate und seinem Erbrochenem zurück zum Auto gehe. Zumindest ist Nate nicht mehr mit dem widerlich riechenden Scheiß bedeckt.
Ich beschließe, dass es am besten ist, Izzy nicht wissen zu lassen, wie krank Nate ist. Also fahre ich ins Büro, um ihn seinem Vater zu übergeben, damit ich nach Hause fahren und duschen kann. Zumindest kann ich, wenn Sway rauskommt und über mich herfällt, ihn mit einem Schutzschild aus Babykotze abwehren.
„Ohh!“, höre ich ein Quietschen wie von einem verdammten Schwein, noch bevor ich aus Izzys Auto gestiegen bin. Es ist lächerlich, dass ich gedacht habe, ich könnte Sway aus dem Weg gehen. Ich schwöre, der Mann arbeitet nie, sitzt nur am Fenster und wartet darauf, dass jemand von Corps vorbeikommt.
„Gregory, beweg deinen süßen Arsch hierher. Das Baby !“
Und jetzt läuft Sway in seiner ganzen Pracht auf das Auto zu. Wie ein so rundlicher Mann wie er auf zehn Zentimeter hohen Absätzen rennen kann, ohne auf den Hintern zu fallen, ist mir ein Rätsel.
„Nein, Sway. Beruhige dich jetzt mal.“
„Gregory, warum bist du so nass?“
Er keucht und bleibt so dicht wie möglich vor mir stehen, ohne gleich in meinen Körper zu kriechen. Ich trete einen Schritt zurück und verlagere Nate auf meinem Arm. Weg von diesem gestörten Mann.
„Würdest du bitte aufhören, mich Gregory zu nennen? Du klingst wie meine verdammte Mutter.“ Sway streckt wieder die Arme aus, um mir Nate abzunehmen. „Nein, Sway. Nicht heute.“
„Aber Gregory!“ Er keucht und presst sich die fleischigen Hände gegen die Brust.
Himmel.
„Ich habe es eilig, Sway. Wenn du das Baby besuchen willst, geh zu Axel.“
Ich höre Sways Absätze hinter mir auf dem Parkplatz klacken. Dieser Mann, diese Frau, oder was auch immer … ich könnte ihm das Leben schwermachen, aber er ist saukomisch. „Wir sehen uns, Dilbert!“
Wenn ich ins Büro komme, macht es mich immer unheimlich stolz. Stolz auf mich, stolz auf meine Jungs. Bevor ich mich mit Axel und den anderen Jungs zusammenschloss, lief es bei mir auch sehr gut, aber je mehr Kunden ich bekam, desto mehr wuchs mir die Sache über den Kopf. Außerdem machte Izzy zu der Zeit viel durch. Ich konnte es mir einfach nicht leisten, so oft weg zu sein. Sie brauchte mich, und ich werde nie wieder eine Frau im Stich lassen, die ich liebe.
Izzy und ich sind die besten Freunde. Viele Leute denken, dass es verrückt ist, dass ich einer Frau so nahestehe. Aber Izzy ist für mich nicht irgendjemand. Sie ist von meinem Blut, auch wenn wir nicht wirklich miteinander verwandt sind. Ihr gehört ein genauso großer Teil meines Herzens wie einst Grace.
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