Jürgen Brokoff - Literaturstreit und Bocksgesang

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Nach dem Literaturstreit um Christa Wolf kommt es im vereinten Deutschland zu einem tiefgreifenden Wandel im Verhältnis von literarischer Autorschaft und öffentlicher Meinung.
Mauerfall und Wiedervereinigung haben die Produktion von Literatur grundlegend verändert. Neue Formen der Erzeugung von medialer Aufmerksamkeit lassen das alte Modell kritischer Öffentlichkeit zunehmend fragwürdig erscheinen. An die Stelle von literarischer Autorschaft als moralischer Instanz tritt der Skandalautor, der durch intervenierende Texte den Kultur- und Medienbetrieb provoziert und stört.
Jürgen Brokoff fragt nach ästhetischen Formen und politischen Funktionen dieser Interventionen im öffentlichen Meinungsbildungsprozess. Am Beispiel von Christa Wolfs Erzählung «Was bleibt» und Botho Strauß` Essay «Anschwellender Bocksgesang» analysiert er die Verschlingung von Literatur und Politik im vereinten Deutschland und verknüpft auf neue Weise Aspekte der Literaturästhetik und Textinterpretation mit Fragen der Meinungsforschung.

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Diese betreffen zunächst die Vieldeutigkeit des Begriffs der Intellektuellen, der, nach einem historischen Vorlauf, am Ende des 19. Jahrhunderts im Kontext der Dreyfus-Affäre in Frankreich geprägt wurde und eine von zahlreichen Kontroversen gekennzeichnete Geschichte als »Schimpfwort« und Selbstverständigungskonzept besitzt.[17] Eine Besonderheit ist darin zu sehen, dass an der Definition des Intellektuellenbegriffs vor allem Intellektuelle beteiligt sind, die sich in ihren Kämpfen um Meinungsherrschaft polemisch aufeinander beziehen. Das ist auch dann der Fall, wenn die am Diskurs Teilnehmenden ihre Gegner als Intellektuelle markieren und für sich selbst den Begriff und die Rolle von Intellektuellen ablehnen. In dieser Perspektive, die regionale und nationale Unterschiede (etwa zwischen Frankreich und Deutschland) zu berücksichtigen hat, ist der Begriff der Intellektuellen das Ergebnis eines sich selbst reproduzierenden Diskurses von Intellektuellen über Intellektuelle.[18] Jacques Derrida spricht in Bezug auf Intellektuelle von einem »Definitionsversuch durch sie selbst«.[19] Das erklärt auch die Vielzahl der Bücher über die Rolle und den Status von Intellektuellen im 20. Jahrhundert, die nicht zuletzt nach dem Mauerfall und dem Ende des Ost-West-Konflikts erschienen sind.[20]

Ungeachtet der skizzierten Vieldeutigkeit lässt sich eine Minimaldefinition des Begriffs angeben. Nach einer Formulierung des österreichisch-amerikanischen Nationalökonomen Joseph A. Schumpeter sind Intellektuelle »Leute, die die Macht des gesprochenen und des geschriebenen Wortes handhaben«.[21] Diese Definition wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem von Arnold Gehlen aufgegriffen.[22] Die für Schumpeters »Soziologie der Intellektuellen«[23] maßgeblichen Elemente – das Fehlen einer »direkten Verantwortlichkeit für praktische Dinge«, das Fehlen von »Kenntnissen aus erster Hand« und die »kritische Haltung« als Zuschauer und Außenseiter – zeigen die Ambivalenz einer Begrifflichkeit an, die insbesondere bei Gehlen und später bei Helmut Schelsky eine stark intellektuellenkritische Tendenz erhält. Dagegen gibt Ralf Dahrendorf Schumpeters Definition, dass Intellektuelle die Macht des Wortes handhaben, eine Wendung ins Positive, wenn er die Tätigkeit der Intellektuellen als »selbständigen und bewußten Umgang mit dem Wort«[24] beschreibt. Anhand dieser sprachbezogenen Definition lässt sich der Intellektuellenbegriff mit Blick auf den hier interessierenden Zusammenhang weiter eingrenzen.

Für den »selbständigen und bewußten Umgang mit dem Wort« sind Schriftsteller und Dichter wenn nicht exklusiv zuständig, so doch in besonderer Weise prädestiniert. Schon Gehlens kritische Betrachtung hatte »Publizisten und engagierte Schriftsteller« als »Kerngruppe« der Intellektuellen identifiziert.[25] Auch Dahrendorf selbst, der die Rolle der Intellektuellen jenseits von Berufsgruppe, Status und Klassenzugehörigkeit prinzipiell durch jede Form des selbstständigen und bewussten Umgangs mit dem Wort erfüllt sieht, nennt an vorderster Stelle den »Dichter«.[26] In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist es dann Michel Foucault, der bis zum Aufstieg der Figur des »spezifischen Intellektuellen«[27] die von ihm kritisch betrachtete Figur des »universalen Intellektuellen« in erster Linie im Schriftsteller repräsentiert sieht: »Bis dahin war der Intellektuelle par excellence der Schriftsteller«.[28] Und noch im Übergang zum 21. Jahrhundert sieht die Forschung bei aller Schwächung und Infragestellung der öffentlichen Wirksamkeit von Literatur den Schriftsteller als »Musterfall«[29] des Intellektuellen an. Im Anschluss an diese Überlegungen geht es in der nachfolgenden Analyse um Schriftsteller als Intellektuelle und um Intellektuelle als Schriftsteller, wobei zu berücksichtigen ist, dass es sich hierbei nur um einen Ausschnitt aus dem Feld der Intellektuellen und der »Intellektualität«[30] handelt. Dieser Ausschnitt wird von literarischen Akteuren und von der Diskussion über ihr mögliches Verschwinden aus der Öffentlichkeit bestimmt.

Wenn es, wie der angeführte Kontext der Glosse von Strauß aus dem Jahr 2015 zeigt, dabei auch um die unfreiwillige oder selbstgewählte Positionierung im »rechten« politischen Spektrum geht, erscheint es sinnvoll, die kontrovers diskutierte Frage nach der Figur des ›Rechtsintellektuellen‹ auf die Frage nach der Figur des ›rechtsintellektuellen Schriftstellers‹ einzugrenzen. Beide sind nicht identisch. Wortmächtige Rechtsintellektuelle hat es in allen Phasen der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und auch davor, etwa in der Weimarer Republik, gegeben. Das Spektrum nach 1945 reicht, um einschlägige Namen zu nennen, von Martin Heidegger, Carl Schmitt und Ernst Jünger über Armin Mohler, Arnold Gehlen und Helmut Schelsky bis zu Robert Spaemann und, mit Einschränkungen, Karl Heinz Bohrer. Wesentlich unklarer ist dagegen die Lage in Bezug auf die Figur des rechtsintellektuellen Schriftstellers. Gibt es diese Figur überhaupt oder ist sie eine Fiktion, die nach dem Fall der Mauer im vereinten Deutschland einer politischen Linken als Schreckgespenst und einer politischen Rechten als Wunschtraum und Projektionsfläche dient? Welche Gründe sprechen für, welche gegen ihre Existenz? Lässt sich im Zuge einer zunehmenden Auflösung von Rechts-Links-Schemata überhaupt sinnvoll von einer solchen Figur sprechen? Und falls dies möglich oder, aus welchen politischen oder moralischen Gründen auch immer, sogar geboten erscheint: Was ist das Anstößige, das Skandalöse an ihr? Obwohl viele Arbeiten zur literarischen Skandalproduktion, zu medialen Aufmerksamkeitsstrategien von literarischen Autoren und zur Formierung einer Neuen Rechten im vereinten Deutschland vorgelegt wurden, sind die genannten Fragen bislang weitgehend unbeantwortet geblieben. Das hat auch mit der von Foucault konstatierten Reduktion der Intellektuellen auf »so genannte ›Links‹intellektuelle«[31] zu tun. Eine in diesem Kontext zu erörternde Frage ist, ob die für Linksintellektuelle beanspruchte »politische Kultur des Widerspruchs«[32] nicht in vergleichbarer Weise auch die andere Seite des politischen Spektrums zu kennzeichnen vermag, ohne dass damit ein weitergehender Symmetriegedanke in Bezug auf das politische Gefüge impliziert sein muss.

Die vorliegende Analyse versucht eine erste Antwort auf die gestellten Fragen und geht dabei auch auf Diskussionen zurück, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der neu gegründeten Bundesrepublik über Öffentlichkeit, öffentliche Meinung und die Bedeutung der Literatur für den öffentlichen Meinungsbildungsprozess geführt wurden. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht jedoch die angedeutete intellektuelle Verschiebung in der deutschsprachigen Diskussions- und Debattenkultur zwischen Mauerfall und Einheit einerseits und der Veröffentlichung von Strauß’ Essay im Frühjahr 1993 andererseits – zwischen Literaturstreit und Bocksgesang. Diese Verschiebung hängt auch mit Veränderungen des politischen Koordinatensystems nach dem Untergang der DDR, dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, der Auflösung des Ost-West-Konflikts und der Formierung der Berliner Republik zusammen, vor allem aber ist sie Ausdruck eines ebenso komplexen wie umfassenden Transformationsprozesses, der die von Massenmedien bestimmte Sphäre der Öffentlichkeit(en) betrifft. In einer durch verschärfte Medienkonkurrenz geprägten Situation verstärke sich auf dem Feld der Literatur und des Literaturbetriebs die Neigung zur Skandalisierung ebenso wie der Kampf um die knapper gewordene Ressource medialer Aufmerksamkeit. Jürgen Habermas, der nach 1945 zu den wichtigsten Theoretikern eines »Strukturwandel[s] der Öffentlichkeit«[33] gehört, sieht durch die abermalige Transformation der »Medienöffentlichkeit«[34] auch die Rolle der Intellektuellen beeinträchtigt:

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