Ronny Blaschke - Versteckspieler

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Homosexualität gilt als letztes Tabu im Profifußball. Aus Furcht vor den öffentlichen Reaktionen hat sich bisher noch kein namhafter Spieler geoutet. Marcus Urban bricht jetzt das Schweigen. Einst galt er als eines der größten Talente des ostdeutschen Fußballs. Sport zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben, war Abenteuer und Befreiung, zugleich aber eine schwere Kette für seine persönliche Entwicklung. Weil Urban um seine Zukunft als Fußballer fürchtete, verschwieg er seine Homosexualität. In dem bewegenden Buch schildert er diese schwierige Situation und seine seelische Zerrissenheit, aus der er sich erst spät befreite. Heute, als 36-Jähriger, wagt er den Schritt an die Öffentlichkeit. Nach intensiven Gesprächen mit dem Journalisten Ronny Blaschke legt er seine Lebensgeschichte als Buch vor. Marcus Urban will dazu beitragen, dass dieses letzte Tabu im Fußball fällt, weitere Spieler seinem Beispiel folgen und Homosexualität auch im vermeintlich «männlichen» Sport als etwas ganz Normales betrachtet wird.

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Auch Wowereit oder Westerwelle müssen sich schwulenfeindliche Witze anhören, nicht immer haben sie es leicht in ihrer jeweiligen Partei. Homosexualität wird allenfalls geduldet, als Normalität wird sie noch lange nicht angesehen. Der Fußball ist daher keine Insel der Ignoranz. Auf den Tribünen sowie auf dem Spielfeld treten Homophobie, Klischees und Ressentiments einer ganzen Gesellschaft eher verschärft auf. Studien belegen, dass die Ausgrenzung gesamtgesellschaftlich zwar zurückgeht, aber noch lange nicht der Vergangenheit angehört. So soll die Selbstmordrate bei homosexuellen Jugendlichen viermal so hoch sein wie bei heterosexuellen.

Marcus Urban wird von Journalisten oft gefragt, ob er schwule Bundesligaspieler kenne, oder sogar Nationalspieler. Diese Annäherung zeigt, dass es in vielen Medien nicht um Aufklärung und Bewusstseinsbildung geht, sondern um Voyeurismus und Schlagzeilen. So mancher Boulevardreporter hat Spielern schon Geld für ein Coming-out angeboten, andere halten entlarvende Fotos zurück, im Gegenzug fordern sie von den Betroffenen exklusive Informationen. Das Thema ist jedoch nicht von weltbekannten Namen abhängig, Personenkult würde die Inhalte nur überdecken.

Neben der eindringlichen Lebensgeschichte von Marcus Urban will dieses Buch in Exkursen weitere Einblicke bieten. Es will verdeutlichen, warum das Wort „schwul“ schon in Jugendmannschaften zu den gängigen Schimpfwörtern zählt. Es will erklären, warum schwullesbische Sportvereine und Fanklubs so wichtig sind. Es will die schwierige Arbeit eines Psychologen dokumentieren, der homosexuelle Spitzensportler betreut. Und es will einen kritischen Blick auf die Rolle der Funktionäre werfen, die sich erst allmählich für Schwule und Lesben im Fußball zu interessieren beginnen.

Natürlich müssen sich Manager von Klubs und Verbänden die gleiche Frage stellen lassen, wie sie Politiker vor Jahren haben hören müssen: Warum erst jetzt? Der Paragraph 175, der Homosexualität unter Strafe gestellt hatte, wurde erst 1994 endgültig aus dem deutschen Strafgesetzbuch gestrichen. In Satzungen der großen Bundesligavereine wird kein Wort über die Bekämpfung von Homophobie verloren. Marcus Urban möchte mit seiner Erzählung helfen, das zu ändern. So wie sich der Hamburger Stadtteil St. Georg gewandelt hat, so kann sich auch der Fußball verändern. Marcus kann mit seinem Freund Hand in Hand durch die Lange Reihe spazieren. Niemand nimmt daran heute Anstoß, das war nicht immer so.

Ohrfeige für den Blitzableiter

Marcus führte elegant den Ball, er schleppte ihn nicht mit sich, er betrachtete ihn als Partner. Er drehte sich wie ein Kreisel, schlug Haken, dribbelte, fühlte sich unschlagbar. Die Gegner beobachteten ihn bewundernd und liefen ins Leere. Wer wollte ihm etwas anhaben? Im Mittelfeld, in seinem Revier? Es gab jemanden. Langes Bein, Grätsche von rechts, alles fair, der Ball war weg. Marcus stand starr, er konnte es nicht glauben. Wer hatte es gewagt, seine Show zu unterbrechen? Er war wütend, atmete schnell, sein Puls raste. Den Ball hatte er aus den Augen verloren, nur sein Gegner interessierte ihn noch. Er rannte ihm hinterher, als wollte er ein entlaufendes Kaninchen einfangen. Als er ihn eingeholt hatte, gab er ihm einen Tritt in den Hintern. „Das hast du jetzt davon“, sagte er leise, „niemand klaut mir den Ball.“

Der Schiedsrichter zeigte Marcus die rote Karte. Was hatte er getan? Wie konnte er nur so ausrasten? Er schaute nach links, nach rechts, langsam drangen die Rufe von außen in sein Bewusstsein. Die Zuschauer an den Seitenlinien konnten sich kaum beherrschen. Marcus suchte die Reihen nach seinem Stiefvater ab, seinem einzigen Verbündeten. Er entdeckte den massigen Rücken in der Ferne. Sein Stiefvater hatte fast den Parkplatz erreicht, er wollte nach Hause, ohne Marcus, für den er sich zutiefst schämte. „Du gehörst nicht mehr zu mir“, blaffte er Marcus an und machte mit seiner rechten Hand eine abwertende Bewegung. „Du nicht!“ Marcus fühlte sich gedemütigt. Er war ein schmächtiger Junge, gerade zehn Jahre alt. Wie sollte er aus Walschleben, einem Vorort von Erfurt, zurück nach Weimar kommen? Ganz allein? Sein Stiefvater ließ sich doch noch erweichen, auf der Rückfahrt sagte keiner von beiden ein Wort. Marcus schrie trotzdem. Innerlich. Er sollte diesen Tag niemals vergessen. Es war ein Erlebnis von vielen, das seine Kindheit nicht erstrebenswert machte. Im Gegenteil.

Wo beginnt Missbrauch? Wo beginnt Gewalt? Diese Frage hatte sich Marcus, geboren 1971 in Weimar, früh in seinem Leben stellen müssen. Er hat viele Definitionen in dutzenden von Lexika gelesen, doch die glaubwürdigste Antwort gab ihm stets sein Gefühl. Vor allem das Gefühl, nicht erwünscht zu sein. Es begleitete ihn, seit er denken kann. Marcus war nicht geplant gewesen. Seine Mutter stammte aus Köthen in Sachsen-Anhalt, sie war mit seinem Vater nach Weimar gezogen. Seine Eltern waren jung, füreinander geschaffen waren sie nicht, drei Jahre nach der Geburt von Marcus trennten sie sich. Es war eine räumliche und gedankliche Trennung. Seine Mutter erwirkte einen Gerichtsbeschluss, Marcus sollte seinen Vater nicht oft zu Gesicht bekommen, alle drei Monate, höchstens. Sie glaubte, das sei besser für ihn.

Seine Mutter war eine herzliche Frau, leidenschaftlich, tolerant – und manchmal etwas naiv. Sie arbeitete in Weimar als Laborantin im VEB Limona, einem großen Getränkekombinat, das 1991 von Coca Cola übernommen werden sollte. Dort lernte sie Klaus Schneider *kennen. Er war zehn Jahre älter als sie, ein großer, kräftiger Mann mit schwarzen Haaren und einem buschigen Vollbart. Ohne Probleme konnte er schwere Zuckersäcke durch die Fabrik schleppen. Die beiden trafen sich, schätzten sich, gingen eine Beziehung ein, heirateten. Ob sie sich liebten? Die Trennung von Marcus’ leiblichem Vater lag erst wenige Monate zurück, doch seine Mutter wollte nicht allein sein, sie hatte Angst vor der Einsamkeit. Außerdem brauchte Marcus, damals drei Jahre alt, einen Ersatzvater, einen Versorger, das redete sie sich zumindest ein. Klaus Schneider hatte Geld, wenigstens das, ein guter Stiefvater wurde er nicht. Nicht für einen Tag.

Sie lebten nicht schlecht, 1978 bezogen sie einen Plattenbau, drei Zimmer mit Balkon, gelegen im Westen Weimars. Seine Eltern hielten das für ein Privileg, die Neubauten der DDR waren begehrt, sie galten als modern, ihre Wohnung war eine der ersten, die bezugsfertig war. Eine klobige Schrankwand beherrschte ihr Wohnzimmer, in den Regalen standen verzierte Gläser, aufgereiht wie eine Kette, davor ein heller Tisch. Aus dem Fenster konnten sie die Hubschrauber sehen, die auf der sowjetischen Militärstation landeten. Marcus hatte Angst vor dem Krach, er stellte viele Lebensfragen, dachte an Krieg, Antworten erhielt er nicht.

Auf den ersten Blick konnte er sich nicht beschweren. Marcus hatte genug zu essen, er hatte Spielzeug, trotzdem fühlte er sich einsam in seiner Familie. Sein Stiefvater gab ihm nicht die Liebe, die er eigentlich brauchte und sich so sehr wünschte. An den Wochenenden pflegte er lieber seinen gelben Trabant. Abends saß er im Unterhemd vor dem Fernseher, die Arme auf dem massigen Bauch verschränkt. Wie in einem schlechten Film. Marcus musste ihm Bier holen, das zischende Geräusch, wenn der Deckel von der Flasche sprang, und das Bild, wie er die ersten Schlucke genoss und sich dann zufrieden den Mund abwischte, brannten sich in sein Gedächtnis, ebenso der Geruch von Alkohol und Schweiß. Irgendwann sammelte er die Flaschendeckel und stopfte sie in eine Tüte, er wollte seinem Stiefvater zeigen, wie ungesund er lebte. Der lachte nur.

Streicheleinheit Marcus 10 Jahre alt mit seinem YorkshireTerrier Klaus - фото 2

Streicheleinheit: Marcus, 10 Jahre alt, mit seinem Yorkshire-Terrier.

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