Philip Mirowski - Untote leben länger

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"Jahrhundertkrise", «Bankencrash», «Systemkollaps» – Markige
Worte wurden bemüht, um die Wirtschaftskrise zu beschreiben,
die in den letzten Jahren zum Bankrott ganzer Länder geführt hat
und den Euro an den Rand des Abgrunds trieb. Markige Worte, die
nach grundlegenden Änderungen schreien. Doch als wäre nichts
geschehen, geht alles weiter wie bisher: Die neoliberale Wirtschaft
beginnt erneut heißzulaufen, Staatsinvestitionen sind weiter verpönt
und schon sieht man wieder die ersten Spekulationsblasen wachsen.
Angesichts dieser aberwitzigen Beharrungskräfte verfolgt Philip
Mirowski das neoliberale Projekt bis zu seinen Anfängen zurück
und zeigt, wie es gelingen konnte, der Welt eine ökonomische Theorie
nach starren mathematischen Gesetzen überzustülpen, die sich als
stählernes Mantra festgesetzt hat. Seine tiefgreifende, bissig und
anschaulich geschriebene Untersuchung, die Intellectual History,
Kulturkritik und die Aufdeckung des Einflusses mächtiger Interessenverbände
umfasst, zeigt zudem, dass sich der Neoliberalismus
mittlerweile zu einer Kultur verdichtet hat, die alle Bereiche unseres
Lebens bestimmt und auch unser Denken fest im Griff hat. Die Krise
der Wirtschaft entpuppt sich so auch als intellektuelle Krise.

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Was den Neoliberalismus angesichts dieser die Gefahr einer Spaltung bergenden Zentrifugalkräfte zusammengehalten hat, ist eine begründete Frage. David Harvey vertritt die marxistische Position, er sei schlicht ein Klassenprojekt, das sich hinter diversen Spielarten einer Rhetorik des »freien Marktes« verberge. Die Ideen an sich sind ihm zufolge deutlich weniger wichtig als die simple Funktion, dem Interesse des Finanzkapitals und globaler Eliten an einer Umverteilung des Reichtums von unten nach oben zu dienen. Ähnlich wie Harvey vertreten auch Michael Howard und John King eine historisch-materialistische Lesart, die die »Bedeutung der Widersprüche in den maßgeblichen Institutionen der Nachkriegsära sowie die daraus resultierenden Krisen der Siebzigerjahre betont«.31 Daniel Stedman Jones unterteilt den Neoliberalismus anhand der jeweils vorherrschenden Politik in drei Phasen: die Vorgeschichte bis zum ersten Treffen in Mont Pèlerin, eine zweite, von der monetaristischen Kritik am Neokeynesianismus bestimmte Phase bis zum Machtantritt Reagans und Thatchers und eine dritte Phase seit den Achtzigerjahren.32 Jamie Peck misst den Ideen als solchen mehr Gewicht bei: Die Fragmentierung des Neoliberalismus sei zwar real, werde aber durch die gemeinsame Verpflichtung auf ein unrealistisch-utopisches Freiheitsverständnis kompensiert. Allerdings ließ die erfolgreiche Infiltration des Staates laut Peck eine Bandbreite divergierender Theoriebausteine deutlich werden: »Erst mit der Übernahme der Staatsmacht konnte immanente Kritik zu einer scharfen Selbstkritik werden.«33 Peter-Wim Zuidhof deutet die Fragmentierung als Teil eines bewussten rhetorischen Programms, das dem Begriff »Markt« jede klare Bedeutung nehmen soll.34 Ohne die Stärken dieser Erklärungen zu bestreiten, lassen sich allerdings auch einige schlichte Beobachtungen über die Struktur der MPS und ihrer Satellitenorganisationen anstellen.

Die MPS entwickelte sich meiner Ansicht nach in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem ungemein erfolgreichen Gebilde, das die Ausarbeitung einer handlungsorientierten politischen Theorie jenseits der herkömmlichen Strukturen von Parteien und akademischen Institutionen ermöglichte. Vielleicht wird man sie eines Tages als ein neues Phänomen in der Wissenssoziologie des 20. Jahrhunderts studieren. Zumindest bot sie einen neuartigen Rahmen, der die theoretischen Auflösungstendenzen bremste und die drei Fraktionen in produktiver Spannung zueinander hielt. Hayek vertrat 1946 eine Vision der MPS als »Mittelweg zwischen wissenschaftlicher Vereinigung und politischer Gesellschaft«35, doch sie wurde weit mehr als das. Wir verfolgen den Neoliberalismus hier vor allem deshalb anhand der MPS, weil sie Teil einer eigentümlichen, in den Vierzigerjahren vielleicht beispiellosen Struktur des intellektuellen Diskurses ist, in der Forschung und Praxis nach dem Vorbild einer russischen Schachtelpuppe ineinanderstecken. Ziel war es, eine funktionale hierarchische Elite straff organisierter politischer Intellektueller hervorzubringen; wie Hayek an Bertrand de Jouvenel schrieb: »Manchmal frage ich mich, ob es anstatt des Kapitalismus nicht vielmehr der (als Demokratie bezeichnete) starke egalitäre Zug in Amerika ist, der die Entwicklung einer kulturellen Elite derart behindert.«36 In der MPS erkannten die Neoliberalen ein effektives, von lokalen Bedingungen unabhängiges Mittel zur Neuerrichtung einer Hierarchie. Dieser auf mehreren Ebenen, Phasen und Sektoren aufbauende Versuch, die politische Fähigkeit zur Entwicklung, Kritik und Verbreitung von Ideen zu erlangen, wird im Folgenden als »Denkkollektiv« bezeichnet.

Das Neoliberale Denkkollektiv unterschied sich in seiner Struktur deutlich von den anderen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts um geistigen Einfluss ringenden »unsichtbaren Akademien«. Anders als die meisten Intellektuellen der Fünfzigerjahre erkannte die MPS den entscheidenden Hebel für ihre Bestrebungen nicht in den Universitäten, den akademischen Berufen oder der Mobilisierung von Interessengruppen – alle drei waren aus ihrer Sicht zu staatshörig. Die ersten Neoliberalen fühlten sich mit einer gewissen Berechtigung von den geistigen Schaltstellen im Westen weitgehend abgeschnitten. So entstand die MPS als ein geschlossener, privater Debattierclub, dessen Mitglieder sorgfältig ausgewählt wurden (zunächst vor allem von Hayek, später durch ein nichtöffentliches Ernennungsverfahren) und der sich bewusst abseits der Öffentlichkeit hielt. Es ging um die Schaffung eines besonderen Raums, in dem politisch ähnlich Gesinnte über die Konturen einer zukünftigen, vom klassischen Liberalismus abweichenden Bewegung debattieren konnten, ohne für ihre oftmals utopischen Vorschläge Spott zu ernten oder in den Ruf einer fünften Kolonne machtvoller dubioser Interessengruppen der Nachkriegsgesellschaft zu geraten. Selbst der Name der Gesellschaft wurde gewählt, weil er relativ nichtssagend war – er verriet Außenstehenden wenig über substanzielle Inhalte.37 Viele Mitglieder gehörten diversen Fakultäten an, aber da dies keine Voraussetzung für die Mitgliedschaft war, konnten der MPS auch einflussreiche Kapitalisten beitreten, sodass sie nicht nur aus Intellektuellen bestand.

Als nächstgrößere Puppe, die dem Denkkollektiv als ein öffentliches Gesicht diente – aber ihre Verbindungen zur MPS nur selten öffentlich zugab –, lassen sich bestimmte, bereits vor 1980 von den Neoliberalen eroberte akademische Einrichtungen betrachten: die wirtschaftswissenschaftliche und die juristische Fakultät der University of Chicago, die London School of Economics, das Institut universitaire des hautes études internationales (Genf), die University of St. Andrews (Schottland), wirtschaftswissenschaftliche Institute in Freiburg, die Virginia School und die George Mason University. Eine weitere Puppe bildeten die für Bildungsarbeit und die Verbreitung neoliberaler Doktrinen zuständigen Stiftungen; anfangs zählten dazu etwa der Volker Fund, die Earhart Foundation, die Relm Foundation, das Lilly Endowment, die John M. Olin Foundation, die Bradley Foundation und die Foundation for Economic Education. Schon aus steuerlichen Gründen und zur Wahrung eines Anscheins von Neutralität wurden sie oft als gemeinnützige oder karitative Einrichtungen gegründet.38 Mitunter versorgten sie nicht nur treue Anhänger mit gutdotierten Jobs, sondern erfüllten auch wichtige organisatorische Funktionen: Der Volker Fund führte beispielsweise ein umfangreiches »Adressbuch« sympathisierender neoliberaler Intellektueller, das bis 1956 auf 1841 Namen angewachsen war.39 Die nächste Ebene bestand aus breit ausgerichteten Denkfabriken (Institute for Economic Affairs, American Enterprise Institute, Schweizerisches Institut für Auslandforschung, Hoover Institution an der Stanford University) und Satellitenorganisationen wie der Federalist Society, in denen Neoliberale wirkten, die teilweise zugleich angesehene Akademiker aus unterschiedlichen Disziplinen waren. Die Denkfabriken wiederum versteckten sich häufig hinter spezialisierten Ablegern, die bei Bedarf zügig Positionspapiere für sympathisierende Politiker ausarbeiten konnten und in Nachrichten- wie Meinungsmedien präsent waren.40

Um ihre Botschaften rund um den Globus effektiv zu verbreiten, schufen die Neoliberalen sogar eine Art »Mutter aller Think-Tanks«: Die 1981 von Antony Fisher gegründete Atlas Economic Research Foundation sollte MPS-nahe Gruppen in diversen Ländern beim Aufbau von Denkfabriken unterstützen. Laut eigenen Angaben war sie an der Gründung eines Drittels aller »marktorientierten« Think-Tanks auf der Welt beteiligt, darunter das Fraser Institute (Kanada), das venezolanische Centro de Divulgación del Conocimiento Económico para la Libertad (CEDICE), das Centar za slobodno tržište (Belgrad), das Liberty Institute (Rumänien) und Unirule (Peking).41 Die Stiftung diente unter anderem als Geldwaschanlage, die Spenden von Konzernen wie Philip Morris und Exxon an stärker spezialisierte Think-Tanks weiterleitete. Zur effektiveren Verbreitung der Arbeitsergebnisse der inneren Puppen schuf das Denkkollektiv später außerdem eine journalistische Ebene, mit der etwa Rupert Murdochs News Corporation,42 die Bertelsmann AG und ein breites Spektrum an Blogs und Social-Networking-Webseiten verbunden sind.

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