Das verkündigte Wort Gottes, das Ursprung und Grund der Kirche ist, ruft alle dazu auf, die empfangene Botschaft des Heils mit ihren Kräften in der eigenen Lebenswelt zu leben und bekanntzumachen. Das drückt der Protestantismus in der Kurzformel vom »allgemeinen Priestertum aller Glaubenden« aus. Damit wird auch gesagt, dass es zwischen Mensch und Gott keiner priesterlichen Vermittlung bedarf, sondern jeder Glaubende Botschafter Gottes sein kann und sein soll.
Die protestantischen Kirchen kennen grundsätzlich nur ein kirchliches Amt. Es ist das Amt, mit dem die Gemeinde geeignete und qualifizierte Mitglieder beauftragt, öffentlich zu wirken: als Prediger, als Seelsorger, als Lehrende, in der Öffentlichkeitsarbeit, als Verwalter, als Leiter. Die Bezeichnungen für diese öffentlichen Funktionen bis hin zu den Leitungsämtern sind nicht festgelegt. Die Beauftragung und Bevollmächtigung zum öffentlichen Dienst findet in einer Ordination in einem Gemeindegottesdienst statt. Dadurch wird der Ordinierte weder in einen höheren Stand erhoben noch mit besonderen Geistesgaben ausgestattet. Der Ordinierte verpflichtet sich, aus dem Geist der Heiligen Schrift zu leben |35| und zu handeln. Die Gemeinde bittet um Gottes Geist und Beistand für den Ordinierten.
3.3.4 Die Rolle der Theologie
Der Protestantismus kennt keine festgeschriebenen kirchlichen Dogmen. Das protestantische Prinzip besteht in dem bleibenden Bemühen, Glauben und kirchliches Leben an der Christusbotschaft zu orientieren, wie diese in den neutestamentlichen Texten bezeugt ist. Die Bekenntnisschriften gelten als die historisch bedingten Dokumente dieses Bemühens um das rechte Verständnis der Botschaft Christi. Den Kern und die konkreten Impulse für die jeweilige Gegenwart zu finden, ist nicht einem kirchlichen Lehramt überlassen, sondern bleibt die ständige Aufgabe der offenen christlichen Dialog-Gemeinschaft. Die Theologie hat dabei die Aufgabe, dieser Dialog-Gemeinschaft alle verfügbaren wissenschaftlichen Hilfen bereitzustellen, mit denen die Christusbotschaft erschlossen und für die Gegenwart auch sprachlich präzisiert werden kann. Die Theologie ist dabei der wissenschaftlichen Wahrheit und keinem ihr übergeordnetem Lehramt und auch keiner vorgeordneten Lehre verpflichtet. Ihre Aufgabe besteht auch darin, Glauben und kirchliches Leben mit dem Maßstab der Bibel kritisch zu begleiten. Selbstkritik und Selbstprüfung gehören zum Wesen des protestantischen Kirchenmodells. Es bleibt der Auftrag der Dialog-Gemeinschaft aller Glaubenden, diese Selbstkritik gegenüber allen Beharrungstendenzen einzufordern und auch selbst zu leisten.
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