Kommt es als Nebenwirkung der Einnahme von oben genannten Präparaten zu Reizbarkeit und Stimmungslabilität, so muss an eine Schwermetallbelastung gedacht werden. In diesem Fall hilft die zusätzliche Einnahme von MSM oder Acetylcystein (zur Unterstützung der bereits erwähnten Entgiftungsphase 2). Fragen Sie außerdem Ihren Therapeuten nach einer geeigneten Entgiftung.
Patienten mit Reizdarm-Syndrom oder psychischen Belastungen nehmen als Einstieg in die Therapie erst einmal nur Zink und die Aminosäure Taurin ein. Dies ist ein sanfter Weg, den Stoffwechsel zu öffnen – schonend sowohl für den Verdauungstrakt wie auch für die Psyche. HPU-Patienten haben oft jahrelang kaum geträumt oder seelische Konflikte verdrängt und nicht verarbeitet. Ein langsames, schonendes Vorgehen ist hier oft zielführender als ein abruptes „Öffnen von Schleusen“.
Unter der HPU-Therapie wird oft auch Traumatherapie zum ersten Mal wirklich möglich. Der Patient kann in dieser Zeit deutliche Entwicklungsprozesse durchmachen; das ist für seine Umgebung nicht immer einfach. Es ist jedoch in keiner Weise als negativ, sondern als positiv anzusehen; so berichten es vor allem viele HPU-positive Patientinnen. Sie fühlen sich bereits nach kurzer Zeit der Behandlung stabiler und stärker. Sie berichten, dass sie Konflikten nicht mehr aus dem Weg gehen und im Leben deutlich besser „ihre Frau stehen“ können.
Nach zwei bis drei Monaten der Therapie nur mit Zink und Taurin kann man dann ohne Nebenwirkungen zu den Kombipräparaten wechseln. Wir empfehlen eine Therapie nach dem „Aronal-Elmex-Modell“, also morgens ein Kombipräparat zum Ausgleichen von HPU und abends ein Multivitaminpräparat ohne Kupfer. (Patienten mit bekannten autoimmunen Schilddrüsenstörungen sollten mit einem Kombipräparat auch kein Jod einnehmen.)
Je nach Alter und Gewicht des Kindes werden ebenfalls die auf dem Markt erhältlichen Kombipräparate mit aktivem Vitamin B 6eingesetzt. Kleinkinder bis 5 Jahre erhalten dabei Präparate ohne Mangan. Ab 5 Jahren können die normalen Kombipräparate zum Ausgleichen der HPU eingesetzt werden, mit entsprechender Dosierung nach Gewicht des Kindes. Die Einnahme erfolgt im Wesentlichen im Wechsel mit einem aktiven Vitamin-B-Komplex. Zusätzlich ist für eine gute Gehirnentwicklung die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren angezeigt (beispielsweise Omega-3-DHA-Konzentrat, Omega-3-Fischölkapseln).
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Grundsätzlich raten wir gerade zu Beginn der Therapie von Präparaten ab, die zusätzlich Kupfer enthalten. Die meisten HPU-Patienten haben Probleme mit dem Histaminspiegel und vertragen solche Präparate nur schlecht. Entscheidend ist das Zink-Kupfer-Verhältnis im Körper. Durch das ständige Ausscheiden von Zink kommt es zu einem Kupferüberschuss im Verhältnis zum Zink. Dieses Verhältnis sollte zu Beginn der Therapie als Erstes verbessert werden. Später kann es durchaus sinnvoll sein, Kupfer mit maximal 6 mg täglich zu supplementieren. Bei Unverträglichkeit kann die Kupferaufnahme mit Cuprum metallicum D4 verbessert werden.
Die Einnahme von Pyridoxin (inaktives Vitamin B 6), wie es die meisten deutschen Hersteller propagieren, ist bei HPU oft wirkungslos. Manche HPU-Patienten sind nicht in der Lage, das normale Vitamin B 6überhaupt aus dem Blutkreislauf aufzunehmen (– das erkennt man an erhöhten Vitamin-B 6-Spiegeln im Blut bei gleichzeitig vorliegender HPU), geschweige denn, es in die aktive Form von P5P zu überführen. Dafür sind Magnesium, Zink und aktives Vitamin B 2(Riboflavin-5-Phosphat) nötig. Viele dieser Mikronährstoffe sind bei bestehender HPU im Mangel und dementsprechend für diesen Stoffwechselvorgang nicht verfügbar.
● Essen Sie alle 2 Stunden eine kleine Mahlzeit (lange Nahrungskarenzen vermeiden).
● Schränken Sie den Konsum von Zucker stark ein.
● Reduzieren Sie Gluten und Kohlenhydrate.
● Vermeiden Sie Überanstrengung.
● Gehen Sie täglich an die frische Luft, am besten in die Natur.
Möglichst täglich: ein Spaziergang in freier Natur
Aus den Forschungsergebnissen des KEAC wissen wir, dass eine HPU-Therapie in der Regel zwischen vier und sechs Monate dauert. In dieser Zeit kommt es zur Abnahme der Ausscheidung von HPL-Komplexen und der Stoffwechsel normalisiert sich. Durch die Einnahme der B-Vitamine werden Blutbildung und Muskelaufbau gefördert. Patienten mit normalem oder hohem Ferritinspiegel werden bereits nach wenigen Wochen Verbesserungen spüren. Patienten mit niedrigem Ferritinspiegel müssen sich gedulden und können nach vier bis sechs Monaten mit deutlichen Verbesserungen rechnen.
Das liegt daran, dass für die Blutbildung Eisen erforderlich ist. Sind auch die Eisenspeicher limitiert, so muss eine neue Blutbildung über mehrere Monate erfolgen. Die Halbwertszeit der roten Blutzellen beträgt 120 Tage, das heißt vier Monate. Das ist der Zeitraum, den eine „interne Blutwäsche“ in Anspruch nimmt.
Während oder nach der Therapie kann jedes Stressereignis die HPL-Ausscheidung allerdings wieder sehr stark ansteigen lassen. Das muss man als HPU-Patient im Kopf behalten und sich entsprechend verhalten. Bei Stress, in welcher Form auch immer, sollten HPU-positive Patienten wieder über einen längeren Zeitraum die Mikronährstoffe zum Ausgleichen der Störung einnehmen.
Die Dauer der Therapie richtet sich nach dem anfangs vorherrschenden Beschwerdebild. Es ist nicht sinnvoll, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt mit der Einnahme der Supplemente aufzuhören. Therapieren sollte man immer so lange, bis der Patient sich wieder sehr gut fühlt. Manche Patienten, die einen Burn-out erlitten haben oder chronische Erschöpfung kennen, wollen gar nicht mehr auf Mikronährstoffe verzichten. Das ist durchaus in Ordnung, ebenso wie die Idee, ab und zu eine „HPU-Kur“ durchzuführen. Es kommt immer auf die Leistungsfähigkeit des Patienten an.
Spezielle Therapieempfehlungen zu den Themen HPU und Schilddrüsenstörungen, Schwermetallbelastung, Nebennierenschwäche sowie Magen-Darm-Störungen finden Sie in den entsprechenden Abschnitten in Kapitel 4.
Richtig entgiften bei HPU
Der Nachweis für die Stoffwechselstörung HPU ist auch ein Nachweis über eine mangelnde Entgiftungskapazität. HPU-Patienten sind schlechte „Entgifter“. Die HPU-Therapie und das Ausgleichen der Mikronährstoffmängel sind Voraussetzung für eine bessere Entgiftungsleistung. Bei vielen Patienten ist allein die Einnahme von Zink, Mangan und aktivem Vitamin B 6bereits entlastend und teilweise sogar schon ausreichend. Wie viel Entgiftungsunterstützung ein Patient benötigt, ist abhängig von der Giftexposition, der er ausgesetzt war oder noch ist. (Siehe Kapitel 2 – es befasst sich grundsätzlich und ausführlich mit dem Thema Entgiftung.)
Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, die ausleitend wirken, ohne die zusätzliche Einnahme der fehlenden Mikronährstoffe, das ist in der Regel ineffizient. Die Patienten spüren eine Verbesserung oder Entlastung, aber keinen wirklichen „Durchbruch“ in der Therapie. Bei ineffizienter intrazellulärer Entgiftung aufgrund der Mikronährstoffmängel werden Toxine oder Schwermetalle zurückbehalten. Eine Entgiftungstherapie ist dann nicht wirklich erfolgreich.
Sinnvoll ist, wenn beides sozusagen Hand in Hand gehen kann: wenn also eine intrazelluläre Entgiftung durch Zink und P5P gewährleistet ist und der Abtransport der Toxine aus dem Gewebe ebenfalls erfolgen kann, zum Beispiel durch die zusätzliche Einnahme wichtiger Phytotherapeutika wie Chlorella, Koriander oder Bärlauch.
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