Die Einnahme von Vitaminen des B-Komplexes und von Zink verfälscht den Test. Vor Durchführung des Tests setzen Sie daher bitte alle Nahrungsergänzungsmittel für 7 bis 10 Tage ab, die diese Mikronährstoffe enthalten. (Alle vom Arzt verordneten Medikamente nehmen Sie ganz normal ein.) Notieren Sie im Begleitschreiben, wie viel Vitamin B 6Sie gegebenenfalls vorher täglich eingenommen haben, oder sagen Sie es Ihrem Therapeuten.
Der HPU-Test sollte nicht in einer stressfreien Zeit durchgeführt werden (also nicht im Urlaub), sondern am besten während der normalen Stressbelastung im Alltag. Auch Zeiten der Bettlägerigkeit können den Test verfälschen und eignen sich nicht zur Durchführung, ebenso wenig wie Zeiten der Einnahme von Antibiotika. Nach Einnahme von Antibiotika bitte zehn Tage Abstand einhalten! Frauen achten darauf, dass sie den Test nicht während ihrer Blutung durchführen. Halten Sie auch hier bitte eine Woche Abstand nach dem letzten Tag der Blutung.
Circa drei Wochen nach Einschicken des Urins an das KEAC erhalten Sie das Ergebnis. Der Morgenurin gilt ab 0,6 µmol/l als leicht positiv. Proben, die kleiner als 0,4 µmol/l gemessen werden, sind eindeutig negativ. Beschwerden haben dann nichts mit HPU zu tun oder mit Mikronährstoffmängeln, die aus einer HPU resultieren.
24-Stunden-Sammelurine gelten ab einer Konzentration von 0,85 µmol/l als positiv. Achtung: Auf dem Befund werden immer drei Positionen angegeben: zum einen die Konzentration der eingeschickten Probe, zum anderen das angegebene Volumen (die über den Tag ausgeschiedene Menge, also etwa 2000 ml) sowie der eigentlich relevante Wert, nämlich der aus Konzentration mal Volumen errechnete Wert. Der letzte Wert ist also der Wert, der die tatsächlich ausgeschiedene Menge an HPL-Komplexen (innerhalb der 24 Stunden) anzeigt und Ihnen sagt, ob der Test positiv zu bewerten ist oder nicht.
Menschen, die schon längere Zeit Beschwerden haben, die auf eine HPU hindeuten, sowie Patienten, die nachts häufig Wasser lassen müssen, sollten in jedem Fall einen 24-Stunden-Sammelurintest durchführen.
Weiterführende Diagnostik
Schilddrüse
Wenn Sie eine Schilddrüsenerkrankung haben oder der Verdacht auf eine Unterfunktion trotz normaler Blutwerte besteht, ist der Test auf T3 und T4 der Schilddrüsenhormone im Urin sinnvoll. Diese Untersuchung erfolgt ebenfalls mit 24-Stunden-Sammelurin. (Bezugsquellen für Testsets: die im Anhang dafür angegebenen Labore). Möglich ist auch, gleich beides, also HPU und T3/T4, aus demselben Sammelurin bestimmen zu lassen. Es ist ausreichend, eine zweite Urinprobe (auch möglich ohne Stabilisator; gelbe Probenröhrchen hat jede Hausarztpraxis oder Apotheke) mit beizulegen. Einen Anforderungsbogen für T3/T4 erhalten Sie bei Ihrem Therapeuten (oder ebenfalls bei den für die Testsets angegebenen Laboren).
Der Test misst die freien Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Urin. (Diese Spezialanalytik gibt es nur beim KEAC.) Zum Vergleich: Beim Arzt wird immer der Wert im Blut bestimmt. Warum ist das sinnvoll? Schilddrüsenhormone sind im Blut immer an Transportproteine gebunden. So zirkulieren sie durch den ganzen Körper. Erst am Ort des Verbrauchs werden sie freigesetzt, reagieren und werden dann sofort ausgeschieden. Das bedeutet, dass freie, aktive Schilddrüsenhormone im Blut nur eine sehr kurze „Lebensdauer“ aufweisen. Eine aktuelle Messung gestaltet sich schwierig. In der Praxis stellen wir als Therapeuten oft fest, dass die Blutwerte der Patienten völlig unauffällig bzw. normal sind. Schaut man sich aber die gleichen Werte im Urin an, so sieht man, dass sich derselbe Patient unter Umständen in einer Hypothyreose befindet oder aber an einer Konversionsstörung leidet.
Konversionsstörung bedeutet, dass genügend Thyroxin (T4) vorhanden ist, der Organismus es aber nicht ausreichend in die stoffwechselaktive Form, das Trijodthyronin (T3), umwandeln kann. Auch hier ist die Diagnosemethode, die Schilddrüsenhormone im Urin überprüfen zu lassen, oft von großem Wert; anschließend kann die Schilddrüse durch geeignete Präparate besser eingestellt werden. (Bitte lesen Sie hierzu auch in Kapitel 4 den Abschnitt über Schilddrüsenstörungen.)
Der sogenannte HPU-Screening-Test misst vier verschiedene Parameter: TSH, Histamin im Vollblut, Gesamt-IgA (Gluten) und Fructosamin.
Wenn Nahrungsmittelunverträglichkeiten vermutet oder immer wieder Zustände der Schwäche und des Irritiertseins beobachtet werden, ist im Anschluss an den HPU-Test das sogenannte HPU-Screening (ein Bluttest) sinnvoll. Getestet werden hierbei:
● der TSH-Wert, der Auskunft über die Stoffwechsellage der Schilddrüse gibt. (TSH steht für „Thyreoidea stimulierendes Hormon“ und wird von der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) sezerniert. Die Schilddrüse bildet daraufhin Schilddrüsenhormone, beschleunigt ihren Stoffwechsel und erhöht die Jodaufnahme.)
● das Histamin (ein Gewebshormon), da bei HPU das Gesamthistamin oft erniedrigt oder aber auch zu hoch sein kann und bei vielen Patienten beide Abweichungen zu massiven Problemen führen;
● der Fructosamin-Spiegel, der Auskunft darüber gibt, ob wechselnde Blutzuckerspiegel vorkommen oder Sie sich eventuell bereits in der Frühphase einer Insulinresistenz befinden (Altersdiabetes);
● der Gesamt-IgA-Wert; er lässt eine Aussage über mögliche Gluten-Empfindlichkeit zu und ermöglicht Rückschlüsse darauf, ob das Immunsystem generell auf Nahrungsmittel reagiert und weitere Anschlusstests auf einzelne Allergene (wie Kuhmilch, Ei, Fleisch, Fisch …) sinnvoll sind.
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Je nach Symptomspektrum sollten Therapeuten außerdem folgende weiteren Untersuchungen veranlassen:
Bei Magen-Darm-Problemen: Histamin im Vollblut oder auch im Stuhl, Florastatus, Abklärung auf pathogene Keime (wie Clostridien, Yersinien oder Helicobacter pylori), Organix-Dysbiose-Profil (Urin), Nahrungsmittelunverträglichkeiten IgG3, IgG4 oder gesamt IgG im Blut, Gluten-Unverträglichkeit Stuhl, sekretorisches IgA, Entzündungsparameter Darm (Stuhl)
Bei Burn-out, Leistungsschwäche, depressiver Verstimmung: Cortisol-Tagesprofil, DHEA, Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin im Speichel, TSH, fT3, fT4, T3 und T4 im 24-Stunden-Urin
Bei ADS/ADHS: Neurotransmitterprofile im Speichel, Fettsäureprofil
Bei HWS-Trauma: das sogenannte „nitrosative Stressprofil“ (Citrullin, Methylmalonsäure, Nitrotyrosin, evtl. NSE und S100, Laktat / Pyruvat-Ratio), ATP, intrazelluläre Analysen von Zink und B-Vitaminen, Fructosamin
Bei unerfülltem Kinderwunsch: Schilddrüse (TSH, T3 und T4 im Urin)
(Im Anhang finden Sie Angaben dazu, welche Labore welche Spezialgebiete unter den hier genannten Untersuchungen haben.)
Körperzeichen und Symptome der HPU
Es gibt zahlreiche körperliche Anzeichen, die auf das Vorhandensein einer HPU hinweisen können. Dazu zählen weiße Flecken auf den Fingernägeln, überstreckbare Gelenke (etwa der Finger oder der Ellenbogen), Schwangerschaftsstreifen, feine Haare, das „Porzellanpuppengesicht“ (das heißt: ein ovales, längliches Gesicht mit blassem Teint), engstehende Vorderzähne oder ein verlängerter zweiter Zeh. Blasse Lippen oder blau-weiße Skleren und Ränder unter den Augen können ebenfalls Hinweise geben. Da sich die Muskulatur bei HPU-Patienten oft weniger gut entwickelt, kommt es zu dem beobachtbaren Phänomen, dass sie bereits als Kinder Mühe haben, an einem Seil hochzuklettern oder Klimmzüge zu machen. Es kommt in den betreffenden Familien häufiger zur Geburt von Mädchen.
Körperzeichen: Feine Haare
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