Je größer Partikel sind, umso stärker macht sich die Schwerkraft bemerkbar. Sie sinken auf den Boden eines Gefäßes. Kolloidales Silber setzt sich nicht auf dem Gefäßboden ab, da sich die elektrisch geladenen Partikel gegenseitig abstoßen und in der Schwebe halten. Die Ladung geht allerdings (wie bei einer Batterie) mit der Zeit verloren - vor allem durch Lichteinfluss. Deshalb sollte kolloidales Silber immer lichtgeschützt aufbewahrt werden.
Bei kleinen Teilchen, so auch bei Kolloidpartikeln, gibt es noch eine andere Kraft, die das Absinken verhindert. Diese Kraft bezeichnet man als Brown’sche Molekularbewegung. Der schottische Botaniker Robert Brown (1773–1858) hatte nämlich beobachtet und dies 1827 erstmals beschrieben, dass sich kleinste Teilchen in Flüssigkeiten ständig bewegen. Dadurch stoßen sie immer wieder aneinander. Dies verhindert ebenfalls, dass die Teilchen zu Boden sinken und sich dort absetzen. Die Brown’sche Molekularbewegung tritt nur bei Partikeln auf, die kleiner als ein Mikrometer (1 μm = 1 tausendstel Millimeter) sind. Trotzdem sollte man kolloidales Silber vor Gebrauch stets leicht schütteln, um eine optimale Verteilung der Partikel zu gewährleisten.
Schließlich sei noch eine moderne Definition von Kolloiden aus dem Webster’s Third New International Dictionary (nach Jefferson 2003) wiedergegeben. Demnach ist ein Kolloid „ … eine Substanz (wie ein Aggregat von Atomen oder Molekülen), ob als Gas, Flüssigkeit oder feste Form, in einem Zustand fein verteilter Partikel, zu klein, um in einem herkömmlichen Mikroskop sichtbar zu sein, die in einem Gas, einer Flüssigkeit oder einem festen Medium verteilt ist und sich nicht oder nur sehr langsam absetzt (wie die Flüssigkeitstropfen im Nebel, feste Partikel im Rauch, Blasen im Schaum oder Goldpartikel in Rubinglas).“
Seit wann ist kolloidales Silber bekannt?
Geschichtliches zum medizinischen Einsatz von Silber
Der Begriff kolloidal wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem britischen Chemiker Thomas Graham (1805–1869) geprägt. Er hatte ihn aufgrund des auffälligen Aggregationsverhaltens dem griechischen Wort kolla für Klebstoff entlehnt. Er wandte den Begriff auf solche Partikel an, die sich durch eine Pergamentmembran abfiltern lassen. Davon grenzte er die Stoffe als kristalloid ab, die eine solche Membran passieren können (zum Beispiel Salz und Zucker). Kolloidales Silber liegt allerdings fein verteilt als Sol vor und hat nichts mit einem Klebstoff zu tun. Obwohl man Graham aufgrund seiner Veröffentlichung im Jahre 1861 später den „Vater der Kolloidchemie“ nannte, hatte der berühmte Michael Faraday (1791–1867) schon mindestens fünf Jahre früher ein anderes Kolloid, nämlich kolloidales Gold, zubereitet und beschrieben. Die damalige Herstellung unterschied sich allerdings noch stark von der heutigen.
Wie eingangs bereits erwähnt, erlebt kolloidales Silber zur Zeit eine Renaissance. Seine Heilkraft war schon unseren Vorfahren bekannt. Aber wie dies so häufig geschieht, gingen die guten Erfahrungen mit der Zeit verloren. Sie wurden von der modernen medizinischen Entwicklung verdrängt. Wenn wir uns heute wieder auf die Erfahrungen unserer Vorfahren zurückbesinnen wollen, müssen wir uns deshalb auch ein wenig mit der Geschichte des medizinischen Einsatzes von Silber beschäftigen.
Silber ist eines von neun Edelmetallen, von denen außerdem Gold und Platin am besten bekannt sind. Das weiß glänzende, weiche Silber ist das Element mit der besten elektrischen und thermischen (Wärme-) Leitfähigkeit und kommt zwanzigmal häufiger vor als Gold. Es war schon immer sehr begehrt und wurde schon sehr früh zur Herstellung von Schmuck, Tafelgeschirr und Münzen verwendet. Bereits Homer erwähnt silberne Rüstungen und Cäsar ließ um 65 v. Chr. 320 Gladiatoren in silbernen Rüstungen kämpfen. Im Mittelalter war Gold dreizehn Mal so viel wert wie Silber. Vor 100 Jahren erhielt man für ein Kilogramm Gold 28 Kilogramm Silber. Heute liegt der Wert von Silber im Verhältnis zu Gold bei etwa 48 zu 1. Ein Kilogramm Gold kostet um die 40000 Euro und ein Kilogramm Silber etwa 850 Euro.
Aber auch in der Medizin fand das Silber Anwendung. Silber – nicht nur in seiner kolloidalen Form – wird schon seit Jahrtausenden in der Medizin eingesetzt. Die Chinesen entwickelten vor mehr als 5 500 Jahren die Akupunktur und verfeinerten sie immer weiter. Verwendeten sie zunächst noch Hölzer und Dornen, wurden diese später durch Eisennadeln und dann durch Gold- und Silbernadeln ersetzt. Die ältesten Silbernadeln fand man in dem Grab eines vor etwa 4000 Jahren verstorbenen Mitglieds der kaiserlichen Familie. Die Akupunkteure stellten fest, dass Gold bei dieser Behandlungsform eher stimuliert und Silber eher beruhigt. Man kann davon ausgehen, dass weltweit Millionen Heilkundige Silbernadeln für die Akupunktur benutzen.
Der persische Gelehrte und Arzt Avicenna (AbuAli al-Husayn ibn Abdullah ibn Sina, 980–1037) kannte Silber schon als Medizin.
In der Medizin ist seit ungefähr drei Jahrtausenden bekannt, dass Wasser länger trinkbar bleibt, wenn es in Silbergefäßen aufbewahrt wird. Die ersten schriftlichen Hinweise auf die medizinische Bedeutung von Silbernitrat stammen aus dem Werk des legendären Gabir ibn Haiyan as-Sufi aus der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts n. Chr. Auch der in Bagdad ausgebildete Arzt und Philosoph Avicenna (980–1037) wandte Silber vielfältig medizinisch an und beschrieb erstmals die Argyrie (eine Hautverfärbung aufgrund von Silberüberdosierung; vgl. Welche Nebenwirkungen hat kolloidales Silber?). Auch der berühmte Paracelsus (1493–1541) maß dem Silber Heilkraft bei und in der Alchemie zählt „Argentum Potabile“ zu den Metall-Essenzen, die unter anderem nach seinen Rezepturen hergestellt werden.
Ebenfalls hat Silber in der vor etwa 2000 Jahren entstandenen ayurvedischen Medizin seinen Platz. Es wird in Form von Asche und als kolloidales Silber zur Verjüngung angewendet sowie bei Leberbeschwerden und Entzündungen.
Schon vor dem Jahr 1800 wurde Silbernitrat bei Epilepsie, Geschlechtskrankheiten, Akne und Entzündungen eingesetzt, und schon früh benutzte man Silberfolie zur Infektionsvorbeugung nach Operationen. Silbernitratstifte (Höllenstein) wurden zur Entfernung von Warzen und Geschwüren verwendet.
Die antibiotische Wirkung von Silber wurde auch von unseren Vorfahren praktisch genutzt. Bevor es Kühlschränke gab, war es im Sommer fast unmöglich, Lebensmittel längere Zeit frisch zu halten. Unsere Urgroßmütter legten daher eine Silbermünze in Milch, damit sie nicht so schnell sauer wurde. Diese Frischhaltemethode ist leicht zu verstehen, denn die äußerste Schicht der Silberatome einer solchen Münze reagiert mit Luftsauerstoff zu einer unsichtbaren Schicht Silberoxid. Legt man nun eine Silbermünze in Milch, wandern einige der Silberionen in das flüssige Medium und töten die Milchsäurebakterien, die dafür verantwortlich sind, dass Milch sauer wird. Mit der heute allgemein erhältlichen Milch, die etwa zwei Dutzend Behandlungsschritte hinter sich hat, bevor sie auf unserem Tisch landet, lässt sich dieses Experiment nicht wiederholen, da die Milch im wahrsten Sinne „tot“ ist; so auch die Milchsäurebakterien (Pies 2005).
Einige Zeitgenossen haben die bewährte Methode unserer Ahnen aber für andere Anwendungen wieder entdeckt. So schreibt James Harrison auf einer Chatseite im Internet (www.colloidal-silver.com/food.htm): „Hier in Texas verdirbt Eistee über Nacht. Ich gebe 1 bis 1 1/2 Unzen [ca. 30–45 ml] kolloidales Silber in den Tee und er hält sich eine Woche, ohne gekühlt werden zu müssen!“.
Читать дальше