Damit hat dieser Songpoet die Populärmusik moderner Prägung reif und erwachsen gemacht, angereichert mit literarischer Tiefe und stilistischer Sprachkraft. Und dies in immer neuer Gestalt und Verwandlung – über viele Jahrzehnte hinweg. Für Millionen Menschen in der Welt ist Dylan zum Genre-Schöpfer und zum Anregungs-Genie schlechthin geworden – und immer blieb er dabei eigenwillig und unabhängig, rastlos kreativ und auf beeindruckende Weise unberechenbar.
Am 24. Mai 2021 feiert er seinen 80. Geburtstag, und dieses Buch soll ihm Reverenz erweisen – als eine tiefe Verbeugung vor einem Jahrhundertkünstler, der uns unglaublich viel gegeben hat, das nun ganz fest zu uns gehört. Zur fränkischen Sprache und zu unserem Leben. May he stay forever young!
Helmut Haberkamm
Frühjahr 2021

@ Helmut Haberkamm
I
Ganz leis bloß im Wind
Blowin’ In The Wind
Wievill Strassn muss a Mensch noogeh
Bisser als Mensch amoll wos zälld?
Durch wievill Länder muss a weißa Daum flieng
Bissi a Ruh find in dera Welt?
Wie oft missn Bombn und Granoodn nu falln
Bis Friedn mehra zälld wie Macht und Geld?
Die Antwort, mei Freind, heersd ganz leis im Wind
Die Antwort heersd ganz leis bloß im Wind
Und wievill Johr kann a Berch besteh
Bisser ganz flach is und eem?
Und wievill Johr hält a Volk des aus
Net frei und selbstbestimmt zu leem?
Und wie oft kann a Mensch wechschaua
Und so doo, als dääder goor nix sehng?
Die Antwort, mei Freind, heersd ganz leis im Wind
Die Antwort heersd ganz leis bloß im Wind
Und wie oft schaut a Mensch in die Heh
Bevor er in Himml amoll sicht?
Und wievill Ohrn braucht woll a Mensch
Bisn an die Annern ihrm Leid wos lichd?
Und wievill Menschn missn etz nu sterm
Bis amoll a End is mid dera Gschicht?
Die Antwort, mei Freind, heersd ganz leis im Wind
Die Antwort heersd ganz leis bloß im Wind
Hängdi net noo, des is okee
Don’t Think Twice It’s Alright
Des hat kann Wert, dassd rumhängsd und bloß rumglotzd
Hasders immer nu net kabierd?
Des hat kann Wert, dassd rumhängsd und bloß rumglotzd
Doo is scho vill zu vill bassierd.
Wenn dei Wegger schelld in aller Herrgoddsfrieh
Na is mei Koffer fort und dei Bedd, des is leer.
Du bist schuld, dass ich im Reeng draußn steh
Obber hängdi net noo, des is okee.
Des hat kann Wert, dassd aufstehsd und an Kaffee mäggsd
Ich geh nichdern meiner Weech.
Des hat kann Wert, dassd aufstehsd und an Kaffee mäggsd
Mich wärmd nix mehr auf meim Weech.
Ach, ich wollerd, du soochersdmer an freindlin Satz
Dassi doobleim meecherd, bismer der Groong widder blatzd
Mir hamms nie verstanna, des Blaudern und Versteh
Obber hängdi net noo, des is okee.
Des hat kann Wert, dassd blägn dusd und rumgreinsd
Des hast doch sunst aa net gmacht.
Des hat kann Wert, dassd blägn dusd und rumgreinsd
Des hat doch nu kann wos bracht.
Ich ieberleech und frooch mich in aana Duur
Wu isn die Fraa hie mid dera Grafd und dera Figur?
Mei Herz hobberder gschengd, obber du grallsder ja mei Seeln
Obber hängdi net noo, des is okee.
Ich laaf etz auf am langa, finsdern Weech, heersd
Wennis net schaff, na pfeifi eem drauf.
Ich laaf etz auf am hardn, kaltn Weech, heersd
Ich soochder aans: Bass auf dich auf.
Ich kann net soong, dassd gemein zu mir woorsd
Du häsd freindliä sei kenna, obber des woor nie dei Oord.
Mei Zeit hasdmer gstolln und mei Leem hasdmer verpfuschd
Obber hängdi net noo, des is eh scho worschd.
Denk nämmer droo, bassd scho, alles gloor.
Mid Godd auf unnera Seitn
With God On Our Side
Ach, mein Nooma kannsd vergessn
Und mei Alter na erschd recht
Ich kumm vo doo aus Frankn
Mer lebbd doo net schlecht
Dassmer Gsetze befolng muss
Hammsmer beibracht beizeitn
Ja, des Land, wu ich leem du
Hat Godd auf seina Seitn
Ach, die Gschichtsbiecher derzällns uns
So wohr glingd die Gschicht
Die Soldoodn woorn arch dichdi
Und die Feind, die sinn gflichd
Die Soldoodn hamm neigfungd
Dass a Ruh woor mid die Heidn
Ja, des Reich, des woor heilich
Mid Godd auf seina Seitn
Mir hamm kämpfd geecher die Franzosn
Die Heimood zu bewohrn
Ob ludderisch odder kadoolisch
Wos falsch is, des woor gloor
Mir hamm kämpfd bis aufs Blut
Aa geecher die eigna Leit
Die Heldn stenna im Gschichtsbuch
Und hamm Godd auf ihra Seitn
Ach, der Erschde Weltgriech
Woor a bludicha Gschicht
Des Ganze woor so sinnlos
So vill Leem hadder vernichd
Manche soong, des woor needi
An bessern Boodn zu bereidn
Und drum zäll net die Doodn
Die hamm Godd auf ihra Seitn
Wussi na in Zweidn Weltgriech
Vom Zaun brochn hamm
Hamms alles kabudd gmacht
Wos gut woor in dem Land
Hamm Milliona Judn umbracht
Heid wissmer Bescheid
Heid hammer obber aa widder
Godd auf unnera Seitn
Uns werd gsochd, wu der Feind hoggd
Ob Moslem odder Grisd
Des kann widder der Russ sei
Odder ergnd a Derrorisd
Die kemmer na widder hassn
Wall sowos därfmer net leidn
Denner zeingmer scho, wos gschloong hat
Mid Godd auf unnera Seitn
Heidzerdooch doo gibbds Waffn
Die joong alles in die Lufd
A Verriggder wenns in die Gralln gricht
Is die ganz Welt glei verbuffd
A Finger driggd aufs Gnepfla
Den Schlooch spiersd na weltweit
Mer därf goor net droo denkn
Mir hamm ja Godd auf unnera Seitn
In so manchera dunkln Stund
Hobbi drieber noochdenkn gmissd
A Kuss woor der Oofang
Wu Grisdus greizichd worn is
Ka Mensch kann des wissn
Doo drieber kammer streidn
Woor beim Verräder Judas
Aa Godd auf seina Seitn?
Etz machermi auf die Soggn
Ich bin saumäßi mied
Ich bin ganz neeberder Kabbn
Und am End mid meim Lied
Die Wörder fliengmer durchn Kopf
Vielleichd dassis falsch siech –
Obber is Godd auf unnera Seitn
Verhinderder na in näggsdn Griech?
Die Fraa aus die dunkln Wälder
Girl From The North Country
Wennsd widder naufkummsd, zu die dunkln Wälder nauf
Wu der Wind gscheit pfeifd und beißd so greisli streng
Sooch scheena Grieß, ich hoff, sie is wohlauf
Ich woor amoll so arch annera kängd
Und driffsders oo, wenns in Schnee roodrabbd
Wenn der Frost na kummt und der Summer geht
Na schau, dass an warma Mandl hat
Dass net friern muss im Wind und im Schnee
Horch, schau fier mich, obs ihr langa Hoor nu hat
Ob ihr Loggn roofalln denn bis auf die Brusd
Schau fei nooch, obs ihr langa Hoor nu hat
So stehtsi vormer, so wie doomools im August
Ich frooch mich, obsersi nu derinnern dudd an mich
Ach, wie oft denk ich an sie
In mei ganzn finsdern Nächd
Und all Dooch scho in aller Frieh
Wennsd widder naufkummsd, zu die dunkln Wälder nauf
Wu der Wind gscheit pfeifd und beißd so greisli streng
Sooch scheena Grieß, ich hoff, sie is wohlauf
Ich woor amoll so arch annera kängd
A archer Reeng werd nu roofalln auf uns
A Hard Rain’s A-Gonna Fall
Wu bistn na gwesn, mei Engerla, mei Buu?
Sooch, wu bistn gwesn, mei ganzer Scheener, du?
Rumgstolberd binni zwischer zwölf raacherda Gipfl
Ich bin gloffn und grochn auf zehr grumma Strassn
Rumgstiefld binni middn in siem stinggerda Wälder
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