Prolog PROLOG
Dämmerung PROLOG
I. Taufe TEIL I
1 Wasser EINS
2 Glaubenstaufe ZWEI
3 Nackt an Ostern DREI
4 Chubby Bunny VIER
5 Genug FÜNF
6 Flüsse SECHS
II. Beichte TEIL II
7 Asche SIEBEN
8 Ja zu Vorschlag Nummer 1
9 Schmutzige Wäsche
10 Was haben wir getan
11 Meet the Press
12 Staub
III. Weihe
13 Hände
14 Die Mission
15 Epic Fail
16 Füße
IV. Abendmahl
17 Brot
18 Die Mahlzeit
19 Tanzparty bei den Methodisten
20 Offene Hände
21 Offenes Abendmahl
22 Wein
V. Konfirmation
23 Atem
24 Wegkreuze
25 Der zitternde Riese
26 Osterzweifel
27 Mit Gottes Hilfe
28 Wind
VI. Krankensalbung
29 Öl
30 Heilung
31 Von der evangelikalen Trägheit des Herzens
32 Das ganze Ding mit dem Leichenwagen
33 Parfüm
VII. Ehe
34 Kronen
35 Geheimnis
36 Körper
37 Königreich
Epilog
Dunkel
Danksagungen
Fußnoten
Immer wenn ich mir selbst einen Schrecken einjagen will, überlege ich mir, was wohl mit der Welt passieren würde, wenn Rachel Held Evans mit dem Schreiben aufhörte.
Während ich durch die Seiten dieses Buches pflügte, wurde mir bewusst, dass ich mein Leben lang auf „Es ist kompliziert“ gewartet habe. Dieser Jesus, den Rachel unbändig liebt, ist derselbe Jesus, in den ich mich vor langer Zeit verliebt habe, bevor die Heucheleien der Kirche und meines eigenen Herzens alles vermasselten. „Es ist kompliziert“ half mir dabei, der Kirche und mir selbst zu vergeben und mich wieder ganz neu in Gott zu verlieben. Es war, als wären mit der Zeit Straßensperren zwischen mir und Gott aufgebaut worden, und während ich dieses Buch las, spürte ich, wie Rachels Worte diese Hindernisse eins ums andere aus dem Weg räumten, bis ich zum Ende des Buches hin wieder einen unverstellten Blick auf Gott hatte.
Rachels Christsein ist die tägliche Übung grenzenloser Gnade – gegenüber sich selbst, der Kirche, gegenüber denjenigen, die die Kirche vor der Tür stehen lässt. Der Glaube, den sie in „Es ist kompliziert“ beschreibt, ist weniger eine Art Verein, zu dem man gehört, sondern mehr eine Art Strömung, in die man sich hineinbegibt – eine Strömung, die einen beständig zu Leuten und Orten trägt, vor denen man sich in Acht nehmen sollte, so jedenfalls wurde sie es gelehrt. Rachel stellt nicht nur fest, dass sie diese Leute liebt, sondern dass sie selbst „eine von denen“ ist . In „Es ist kompliziert“ überzeugt uns Rachel davon, dass es kein „die da“ im Gegensatz zu einem „wir“ gibt; es gibt einfach nur uns. Dieser Gedanke ist gleichzeitig tröstlich und auch ein bisschen beängstigend. Mir scheint, als wären „tröstlich“ und „ein bisschen beängstigend“ Eigenschaften, die beschreiben, wie Glaube sein sollte.
„Es ist kompliziert“ ist kurz gesagt mein Lieblingsbuch, geschrieben von meiner Lieblingsautorin. Wenn mich ab jetzt jemand nach meinem Glauben fragt, werde ich einfach dieses Buch weitergeben. Herr im Himmel, was bin ich dankbar für Rachel Held Evans.
– Glennon Doyle Melton
Autorin von „Aufstehen, Krone richten, weitermachen: Entwaffnend ehrliche Gedanken, die helfen, das Leben zu meistern“ und Gründerin von momastery.com sowie Together Rising.
PROLOG
Ich will dir erzählen, wie die Sonne aufging, Strahl für Strahl …
– Emily Dickinson
Der deutsche Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb: „Die Frühe des Morgens gehört der Gemeinde des auferstandenen Christus. Beim Anbruch des Lichtes gedenkt sie des Morgens, an dem Tod, Teufel und Sünde bezwungen darniederlagen und neues Leben und Heil den Menschen geschenkt ward.“2
Das sind nicht ganz so gute Neuigkeiten für jemanden wie mich. Ich weiß „beim Anbruch des Lichtes“ kaum, wer ich eigentlich bin; über den theologischen Gehalt der Auferstehung könnte ich um diese Zeit wohl kaum nachdenken. Ich bin nicht unbedingt das, was man als Frühaufsteher bezeichnen würde, und ehrlich gesagt bin ich um die Zeit lieber diejenige, die „bezwungen darniederliegt“. Das Glück, das einem Sonnenaufgang innewohnt, bleibt für mich eines der unerreichbaren Geschenke der Natur, so wie Nordlicht oder Naturlocken. Ich hätte die arme Maria von Magdala zweifellos mit einem leisen, von meinem kuschligen Kissen gedämpften Grunzen verscheucht, wenn sie mich gebeten hätte, an jenem schicksalsträchtigen Morgen mit wohlriechenden Ölen zum Grab des Herrn zu gehen. Ich hätte die Hauptveranstaltung einfach verschlafen.
Die Religiösen haben es schon immer auf uns Nachteulen abgesehen. In meinem Stundenbuch steht, die Morgengebete sollten zwischen 4.30 Uhr und 7.30 Uhr gesprochen werden. Wie ich zu einer Zeit, in der ich schon meinem Mann gegenüber kaum einen zusammenhängenden Satz herausbringe, mit Gott sprechen soll, weiß ich beim besten Willen nicht. Dennoch heißt es von den am höchsten verehrten Heiligen der Kirche, sie sollen Frühaufsteher gewesen sein. Außerdem erinnere ich mich, wie Pastoren in meiner Kindheit ehrfürchtig über ihre Stille Zeit am frühen Morgen sprachen, als habe Gott strenge Sprechzeiten. Sogar die großartigen Kathedralen dieser Welt haben ihre Eingangstüren im Westen und die Altäre im bevorzugten Osten. Alte europäische Friedhöfe, mit verwitterten Grabsteinen hier und da, spiegeln bis heute die Sitte wider, die Toten mit den Füßen zur aufgehenden Sonne hin zu begraben, wobei die aufgehende Sonne Hoffnung symbolisiert und für die Erwartung steht, dass bei der Wiederkunft Christi die Gläubigen vom Tode auferstehen und ihm in die Augen schauen werden. Ich kann nur hoffen, dass das alles in meiner Zeitzone irgendwann nach neun Uhr morgens stattfindet.
Wenn die frühen Morgenstunden tatsächlich der Gemeinde des auferstandenen Christus gehören, dann schläft meine Generation aus.
In den Vereinigten Staaten haben 59 % der jungen Erwachsenen im Alter von 18 – 29 Jahren mit einem christlichen Hintergrund der Kirche den Rücken gekehrt. Unter denjenigen von uns, die um das Jahr 2000 herum volljährig wurden, behauptet ein gutes Viertel, sie hätten überhaupt keine religiöse Zugehörigkeit, was uns noch deutlicher vom Glauben trennt als die Mitglieder der „Generation X“ zur gleichen Zeit in ihrem Leben. Und wir sind sozusagen doppelt so sehr dem Glauben entfremdet wie die „Baby Boomer“, als sie in unserem Alter waren. Es gibt Schätzungen, die besagen, dass etwa acht Millionen junger Erwachsener die Kirche vor ihrem 30. Geburtstag verlassen werden.3
Mit 32 gelte ich gerade noch so als „Millennial“, als ein Mitglied der Generation Y. (Sagen wir es so: Ich besitze immer noch eine Menge aufgezeichneter Folgen von Friends – auf Kassetten!) Aber obwohl ich mit einem Fuß in der Generation X stehe, neige ich dazu, mich am stärksten mit den Haltungen und dem Ethos der Generation der Jahrtausendwende zu identifizieren, und deswegen werde ich häufig darum gebeten, vor Gemeindeleitern darüber zu sprechen, warum junge Erwachsene die Kirche verlassen.
Darüber könnte man unzählige Bücher schreiben, und das haben ja auch schon so einige gemacht. Ich kann nicht hinreichend über die sozialen und geschichtlichen Entwicklungen sprechen, die das religiöse Leben Amerikas nicht nur prägen, oder über die Kräfte, die so viele meiner Altersgenossen vom Glauben an und für sich wegzerren. Die Probleme, die die Evangelikalen umtreiben, sind andere als die, die Protestanten im Allgemeinen so beschäftigen, welche sich wiederum von denen unterscheiden, die katholische oder episkopale Pfarreien betreffen, welche wiederum ganz anders sind als die, die auf das Christentum dort Einfluss nehmen, wo es tatsächlich im Aufschwung ist – nämlich im globalen Süden und Osten.
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