Bernd Berndsen - Im Licht betrachtet
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Ich wollte und will der Kirche nicht unterstellen – zumal nicht als Gast in ihrem Hause, auf ihrer Bank! – sie verstehe sich als Auslaufmodell, für das sich Renovierungen nicht mehr lohnen oder dem Veränderungen nicht mehr helfen. Aber wenn sie sich weiterhin der Moderne verschließt – wohlgemerkt: was das Sitzen betrifft! – wird sie es sich bald gefallen lassen müssen, als Sitzenbleiber tituliert zu werden.
Angestachelt vom aggressiven Holz, spann ich den Faden weiter: Wie alles muss auch der Misstand seine Ursache haben. Wohlan: Wäre es möglich, man wolle den Besuchern nachdrücklich einprägen (in des Wortes doppelter Bedeutung), dass der Aufenthalt in dieser Welt und gerade an diesem Ort nicht gedacht ist, sich weltlichen Freuden hinzugeben, die dem Körper schmeicheln? Dass die Gedanken sich vom harten Hier und Jetzt lösen und auf den Weg machen sollen hinauf zu den Sternen und darüber hinaus? Ad aspera ad astra?
Dann waren sie fertig, da vorn, und das Brautpaar bog gemessenen Schrittes in den Mittelgang ein. Um unserer Ehrerbietung Ausdruck zu verleihen, vor allem aber, um Haupt und Glieder vorsichtig in die Senkrechte zu recken, erhoben wir uns alle, mühsam und schwerfällig, in gehöriger Feierlichkeit, was hier eine Sehne, da ein Gelenk dezent, aber doch vernehmbar zu knacken animierte. Ich sah mich gezwungen, wie meine Vorderfrau und wie auch der Herr an ihrer Seite, einige Sekunden in leicht gekrümmter Haltung zu verharren. Sodann begannen unsere Beine, sich tastend zu bewegen, als trauten sie noch nicht dem Glück der Rückkehr in die wiedergewonnene Freiheit der Alltagsnormalität. Und dann, Gesäß und Steiß unauffällig reibend, mit gekrümmten Knien und platt aufgesetzten Füßen, taten wir vorsichtig die ersten kleinen Schritte zum Ausgang hin.
Vor dem Café auf der anderen Straßenseite saß man behaglich und entspannt auf den dicken Kissen der Korbstuhlsessel, trank, plauderte, las, ließ es sich wohlergehen. In diesem Augenblick verstand ich und entschuldigte den auf dem platten Lande über Jahrhunderte und in manchem Dorf noch heute gepflegten und zum Ritus sublimierten Brauch, dass die Männer am Sonntagvormittag nach Verlassen der Kirche noch unter Glockengeläut schnurstracks über den Dorfplatz ins Wirtshaus streben. Nun ja, dachte ich da, immerhin können sich unsere Kirchen mit ihrer individuellen Art der Bestuhlung sicher sein, dass niemand hineingeht, der, von shopping oder sightseeing erschöpft, für eine kleine Weile zur Entspannung und Erholung malträtierter Füße und meuternder Wirbelsäule nichts anderes als eine Sitzgelegenheit sucht. Wer kommt, hat der Würde des Hauses angemessene Absichten. Es sei denn, ein Lehrer demonstriert seiner ungläubig staunenden Klasse, welchen Stühlen und Bänken die Vorfahren allüberall ausgeliefert waren. Ein modernes Museum, weil es nicht nur zeigt, sondern unmittelbar am lebendigen Objekt erleben lässt, wie’s einmal war.
Womit ich um des Himmels Willen nicht gedacht haben wollte noch will, dass die ganze Kirche ein Museum sei.
Wo das Kleine das Allergrößte ist
Schon so lange hatten wir darauf gewartet, meine Frau und ich, dass wir das Warten nicht mehr merkten. Kurz nach dem Weihnachtsfest geschah es unerwartet, plötzlich und ohne Vorspiel. Meine Tochter kam mit ihrem Freund, einem langjährigen, herein und verkündete ohne Umschweife, ohne Förmlichkeiten und Feierlichkeiten, dass sie heiraten wollten.
Meine Frau und ich umarmten zuerst uns stumm, dann sie, dann ihn, und als ich sah, dass die Augen meiner Frau sich mit Tränen gefüllt hatten, zog ich nach.
Das Fest hätten sie für den Mai angesetzt. 14 bis 18 Gäste. Nach der Standesamtlichen ein üppiges Essen bei unserem Griechen, Spaziergang an den See, dort im Restaurant an der Brücke Kaffeetrinken, abends hier im Haus fröhliches Beisammensein, vielleicht etwas Musik. Sakko und Krawatte erwünscht. Kirchliche Trauung? Nein, überflüssiger Ballast.
Ich holte die obligatorische Flasche Sekt, wir stießen an auf die Einrichtung der Ehe und auf diese bevorstehende im besonderen.
Im März fragte meine Frau unsere Tochter, ob wir Freunden und Verwandten bei passender Gelegenheit schon mal Andeutungen machen dürften über das Ereignis im Mai. „Natürlich, das müsst ihr“, sagte meine Tochter, „aber Mai ist vorbei.“ „Also schon April?“ fragte ich. „Nein, mitten im Hochsommer, im Juli, wenn die Rosen noch und die Hortensien schon blühen, die Tage warm und lang sind. Aber nicht in diesem Jahr schon, das wäre nicht zu schaffen.“ Sie sah unsere ratlosen Gesichter und erläuterte: Sie hätten alles umgeworfen, das heiße, viel sei ja gar nicht aufgebaut gewesen, aber jetzt planten sie ein Fest, das dem Anlass angemessen sei. „Wir haben das Gerüst, das Gerippe, die Struktur im Kern. Nach dem augenblicklichen Stand kommen 207 Gäste. Wir feiern 5 Tage lang. Standesamtliche hier im alten Rathaus. Kirchliche im gotischen Dom St. Johannis, Weltkulturerbe. Da muss der Bischof mal ran. Sonst streichen wir diesen Programmpunkt. Und anschließend mit offenen Kutschen der große Festzug ins Schloss, bis dahin hoffentlich auch Weltkulturerbe. Da wird gefeiert bis über den Morgen hinaus!“ Meine Frau und ich verdauten schweigend.
Die Details wurden uns in den folgenden Monaten in Fülle mitgeteilt. Vieles ergänzte das schon Vorhandene, manches warf das wieder über den Haufen. Die Kreativität meiner Tochter öffnete ein Arsenal bunter, prächtiger, einmaliger Accessoires, mit denen man eine Agentur für die Gestaltung großer Hochzeitsfeste hätte auftun können. Allein der geeignete Ort für das Jawort: auf der Cheopspyramide, das Heer der Gäste lässig drumherum gruppiert auf den sich türmenden Quadern. Oder die Zeremonie auf den glänzenden Rücken der Quadriga über dem Pariser Platz. Oder im kleinen Sonderzug der DB, streng privatissime, vom Hbf zu einem Sonderhalt auf der Museumsinsel, wo Trauung hoch oben auf dem Pergamonaltar, Gäste darunter auf dem breiten Berg der Stufen lagernd, Nofretete wird als Trauzeugin herübergetragen. Auf dem Rand des gütig grummelnden Ätna, auf der sicheren Insel im Kreis der fauchenden Formel I, in der Halbzeitpause Borussia-Schalke, im Kreis der Kuppel über dem Plenarsaal mit dem zur Sitzung versammelten – diesmal vollzählig! – Parlament.
Schon bald entschloss ich mich, Buch zu führen, und manchmal schlich sich mir die Frage in den Vordergrund: Haben wir unsere eigene Hochzeit verpennt? Aber ich war glücklich, in der ersten Reihe die Geburt zu erleben einer perfekt geplanten Inszenierung eines extravaganten und spektakulären Events, mit dem das Herkömmliche als abgegriffene Standartware eines nüchternen Verwaltungsaktes demaskiert wurde.
Ich muss gestehen, dass ich anfangs Ängste empfand, schien es doch, als wachse etwas zur Lawine, die uns alle überrollen und verschlingen würde, und meine Frau vertraute sich mir an, ihr werde von zwei Befürchtungen die Vorfreude verdorben. Würden die Beiden sich in finanzielle Ausgaben stürzen, die sie für den Rest ihres Lebens zu Schuldnern machten? Und wenn die Eheschließung noch über ein Jahr warten müsste, sei doch die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass unser ersehnter und schon jetzt geliebter Enkel ein unehelicher werden könnte. Ich konnte sie beruhigen, denn für das finanzielle galt, beide waren Unternehmensberater. Und für das Baby: Die Beiden waren mit den Vorbereitungen so ausgefüllt, dass sie für nichts Anderes Zeit hätten.
Aber auch mich ließ das alles nicht kalt. Ich träumte drei- oder viermal – darüber führte ich kein Buch – den gleichen Traum. Ich sitze in einem prächtigen, schwach erleuchteten Konzertsaal, ich als einziger mitten im Parterre. In den Händen Stift und Tafel, die in wohl 20 gleich große Felder unterteilt ist, in deren linker oberer Ecke eine Nummer steht. Trompeten schmettern eine Ouvertüre wagnerschen Kalibers, von einem engen Lichtstrahl eingefangen, tänzelt ein allerliebster pausbäckiger Engel mit goldenen Locken auf die Bühne, hebt eine Tafel mit einer 1 über den Kopf und verschwindet flugs hinter dem Vorhang. Und da gleitet ein lebendes Bild herein. Hoch oben auf dem Scheitelpunkt einer prächtigen Brücke das ausnehmend glückliche Paar, links und rechts auf den Stufen freudig gestimmte Menschen, fast ausgelassen, alle in festlich-feiner Kleidung. Unter ihnen ein schier unentwirrbarer Gondelwust. Die Gondolieri rufen ihr Vivat hinauf, so voller Inbrunst, dass sie fast den Vivaldi des Kammerorchesters am Fuß der Brücke ersticken.
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