Damit wird dann die Frau vom Opfer gleich mit zur Schuldigen. Um vom eigenen Fehlverhalten abzulenken, muss sowohl der Beznesser mit seiner Familie als auch die Familie, der Freundeskreis und die ganze westliche Umgebung der Frau Gründe finden, warum sie „es nicht besser verdient“ hat.
Die Schuldige ist also klar ausgemacht und das hat noch den schönen Nebeneffekt, dass sich niemand (außer CIB e.V.) in der Verantwortung sieht, dieser Frau zu helfen, wenn sie sich endlich mit letzter Kraft und total ausgeblutet aus den Fängen ihres Beznessers befreit hat und eher seelische Unterstützung bräuchte als zusätzliche Vorhaltungen.
Wie das „schuldige“ Opfer wieder zur zufriedenen Frau werden kann
Schließlich muss das bisherige Opfer jetzt Schwerstarbeit leisten. Es muss sich (und ihren Kindern) eine neue Existenz aufbauen, die schlimmen Traumata überwinden und sich gegen eine Gesellschaft verteidigen, die nur zu gerne bereit ist, die Ermordete zur Mörderin zu machen.
Hilfe auf psychologischer Ebene muss so aussehen:
Die Traumata bearbeiten. Das geht am besten mit schnellen Methoden wie Wingwave (siehe Quellennachweise), in denen besonders auch die Selbstverurteilungen bearbeitet werden, die Frauen erst zum potentiellen Opfer werden lassen (ich bin nicht liebenswert, ich bin hilflos ….) und die sie wohlgemerkt der Verurteilung aus ihrer Umwelt verdanken.
Es gilt also erst einmal herauszufinden, was die äußeren und inneren Voraussetzungen waren, die die Frau ansprechbar machten für einen Beznesser. Dann sind die Traumata zu heilen, die daraus entstanden, dass die vorgegaukelte Traumwelt einer Liebe geplatzt ist und man sich als ausgebeutetes und jetzt als wertlos missachtetes Opfer wiederfindet. Und dann braucht die Frau Unterstützung, um aus den Scherben ihrer alten Leben (dem westlichen vorher und dem orientalischen Scheinleben) wieder die alten Fähigkeiten und neuen Erfahrungen herauszuklauben und damit ein drittes, wieder lebenswertes Leben aufzubauen.
Sich wieder ein neues Leben aufzubauen gelingt vielen Frauen auch über die Tatsache, dass sie nur so ihren Leidensschwestern demonstrieren können, wie sehr es sich lohnt, um so ein neues Leben zu kämpfen und mit aller Kraft diejenigen zu warnen, die kurz davor sind, einem Beznesser in die Falle zu laufen.
Der Beznesser kennt seine „Zielgruppe“ und weiß, worauf das künftige Opfer anspricht.
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Natürlich kommt auch immer wieder der Vorwurf, dass das alles doch nicht wahr sei, dass man diese Geschichten erfindet oder an den Haaren herbeizieht. Das alles sei doch nicht so schlimm und wenn, seien schließlich die Frauen doch selbst schuld.
Beweise gibt es viele in Form von Dokumenten, Gerichtsurteilen, den vielen „Wahren Geschichten“, die auf 1001Geschichte.de veröffentlicht werden, Reportagen, der Schwarzen Liste und den autobiografischen Berichten, die teilweise in Buchform erschienen sind (siehe Literaturhinweiseam Ende des Buches).
Eindeutige Beweise sind die Meldungen auf der vom 1001Geschichteinstallierten „Schwarzen Liste“. Hier kann man für ein paar Euro, die für den Erhalt der Hilfeseite dienen, erfahren, ob der Mann, den man im Urlaub oder sonstwo kennengelernt hat, bereits auffällig war und von einer anderen Person gelistet wurde. Die Liste, die unter strengen Datenschutzauflagen geführt und verwaltet wird und auf der bereits tausende potentielle Beznesser gemeldet sind und die stetig wächst, hat schon so mancher Frau den Kopf wieder gerade gerückt und vor dem Schlimmsten bewahrt. Ein positiver Nebeneffekt dieser Liste, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, sind die vielen von beiden Seiten gewünschten Kontakte, die dabei unter den Betroffenen geknüpft werden. Auch kommen dadurch viele neue Geschichten zutage, die dann oft in den „Wahren Geschichten“ bei 1001Geschichte zur Abschreckung veröffentlicht werden.
Einer, der es genau wissen wollte und seitdem hinter unserer Arbeit steht, ist der Enthüllungsjournalist Guido Grandt. Er reiste zusammen mit einem Reporterteam (Bild der Frau) „Auf den Spuren der Liebesmafia“ nach Kenia, in die Türkei und nach Tunesien. Mit versteckter Kamera gaben sie sich als Touristen aus, die an der Masche der Beznesser interessiert sind, um an Frauen heranzukommen.
Guido Grandt sagt dazu Folgendes: „Aus dem, was die Liebesbetrügervor versteckter Kamera auspacken, ist leicht das perfide System von Bezness zu erkennen. Aber lesen Sie selbst.“
„R” steht für „Reporter”, also für mich und „A” für den Kellner „Achmed” und „M” für den Hotelanimateur „Mehmet” (Namen geändert).
Auszug aus dem Filmtreatment („Auf den Spuren der Liebesmafia” von Guido Grandt):
Einer von ihnen ist Achmed, der Restaurantkellner. Scheinbar zufällig verwickeln die Reporter ihn in ein Gespräch, fragen gezielt nach den Anmachmaschen.
Situative O-Töne Reporter und Achmed
R: Die Frauen kriegt man doch relativ leicht rum hier?
A: Ja …
R: Viele Deutsche dann, oder alle?
A: Alle …
R: Dann einmal ins Hotel, am anderen Tag ist vorbei, oder kommen die wieder?
A: Wieder, wenn du hast gut gemacht, kommen die wieder!
R: Dann kommen die manchmal den ganzen Urlaub her?
A: Ja …
R: Bist du eigentlich verheiratet?
A: Ja …
R: Egal, müssen die ja nicht wissen
A: Psssst …
R: Ein Kollege kam bei der Frau nicht an, die wollte nichts mit ihm haben und dann hat der Kellner zu seinem Kollegen gesagt, geh du da hin und dann ist sie nachher mit dem weggegangen. Ist es bei euch auch so, dass ihr ein wenig miteinander redet, so?
A: Ja, ja …
R: Bisschen rumschicken und so?
A: Genau …
R: Und bleibt ihr mit denen in Kontakt, Email, SMS und so?
A:Ja …
R: Und es ist tatsächlich so, dass die dann noch Geld schicken später, Geld schicken oder Handys?
A: Ja, ja … die machen das.
R: Machen die das?
A: Wenn er macht Arbeit gut, wenn Frau zufrieden, er kriegt alles. – Was möchte eine Frau? Frau möchte das, schöne Zeit, wenn sie eine rote Rose geben, sie macht alles.
Romantik, Zärtlichkeit und eine schöne Zeit – das also scheint die Masche der türkischen Gigolos zu sein, um Touristinnen zu verführen. Dass dahinter jedoch mehr als nur orientalische Liebesnächte stecken, stellen die Reporter schon sehr bald fest.
(…)
Kurze Verschnaufpause am Pool. Hotelangestellte Ilona gesellt sich dazu. Die Deutsche kennt die Anbagger- und Abzockstrukturen der türkischen Männer nur zu gut.
Situativer O-Ton Ilona (deutsche Hotelangestellte)
„Ich habe hier Leute an meinem Schreibtisch sitzen, die sagen, der Animateur liebt mich. Der wollte sich einen Roller kaufen. Aber ihm fehlten noch 300 Euro, die habe ich ihm dann gegeben. Ein Kellner verdient hier 300 Euro und wenn ich hier so eine Ische knalle und ihr jeden Tag erzähle, wie toll sie ist und wie sexy sie doch aussieht, weiß ich doch, ich habe einen guten Zusatzverdienst. Ich würde, wenn ich eine Tochter hätte, sie nicht hierher lassen.”
„Wenn ein Bus ankommt und neue Touristinnen bringt, dann stehen die Kellner schon da und begucken sich, welches Frischfleisch kommt. Die Betreuung ist dann natürlich sehr intensiv. Dann werden den ganzen Tag mehr oder weniger immer wieder kleine Aufmerksamkeiten gemacht, so dass die Frauen schon merken, da ist ein deutliches Interesse.“
Deutliches Interesse zeigt auch Hotelanimateur Mehmet an den zahlreichen Touristinnen. Ihm geht es nicht nur um jobbedingte Freundlichkeit, sondern um weitaus mehr. Vor versteckter Kamera packt der Hotelanimateur bei den Reportern aus.
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