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2015 führten Demonstrationen mit der Forderung nach Teilverstaatlichung der Kumtor-Goldmine zum Rücktritt der Regierung. Diese hatte es nicht geschafft, sich mit dem kanadischen Eigentümer auf den Rückkauf von Staatsanteilen zu einigen. Die auf 4000 Meter liegende Kumtor-Mine ist die zweithöchste Goldmine der Welt und die größte Goldlagerstätte Zentralasiens. Sie sorgt für rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung im Land. Das kirgisische Parlament kritisierte, dass zu viele Gewinne ins Ausland fließen. Von den Minenbetreibern verursachte Umweltschäden trugen zusätzlich zur aufgeheizten Stimmung bei. Die auch einem britischen Mitarbeiter zum Verhängnis wurde. Sein abschätziger Facebook-Eintrag über eine lokale Delikatesse löste einen Bergarbeiterstreik aus. Der Mann musste das Land binnen 24 Stunden verlassen. Sein Vergehen: Er hatte die traditionelle Pferdefleischwurst Tschutschuk als „Pferdepenis“ bezeichnet. Dabei hatte er noch Glück: Wegen Mangels an Beweisen entging er einer Verurteilung wegen Anstachelung zu „ethnischem Hass“ und bis zu fünf Jahren Haft – bei Wasser und Tschutschuk.
Kumtor-Mine
Republik Malediven
Berühmt, berüchtigt, beneidet für:
Das Frachtschiff „Maldive Victory“ rammte 1981 im Nord-Malé-Atoll ein Riff und sank. Besatzung und Passagiere konnten sich retten, Taucher plünderten die Fracht, vor allem Alkohol. Heute ist das Wrack ein beliebtes Ziel für Taucher.
Fläche: |
298 Quadratkilometer, ein wenig kleiner als Malta |
Einwohner: |
344.023, drei Viertel von Malta |
Die Malediven sind ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. Gleichzeitig ist die „Inselkette“, wie Malediven wörtlich übersetzt heißt, ein geteiltes Land: Urlaubsparadies zum einen, von Umstürzen, Korruption, Armut und islamischem Fundamentalismus geplagtes Eiland zum anderen. Die Parlamentswahlen im April 2019 gewann die Partei des kurz davor aus dem Exil zurückgekehrten Ex-Präsidenten Mohamed Nasheed. Bekannt wurde der Ozeanograf und Politiker für sein medienwirksames Auftreten während des Klimagipfels in Kopenhagen 2009, als er mit seiner Regierung zu einer Unterwasser-Kabinettssitzung abtauchte. Zwischenzeitlich hatte Nasheed unter der autokratischen Herrschaft von Präsident Abdulla Yameen jahrelang im Gefängnis gesessen. Yameen wurde 2018 abgewählt, wegen Geldwäsche und Unterschlagung angeklagt und verhaftet, und Nasheed kündigte an, das Land wieder in eine parlamentarische Demokratie umzuwandeln.
So weit so hoffnungsvoll, gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren der Einfluss radikaler Islamisten stetig gewachsen. Die Touristen sind auf eigenen Inseln, in eigenen Resorts untergebracht, in denen oft Manager aus dem Westen und Gastarbeiter aus Bangladesch oder Sri Lanka arbeiten. Geduldet wird der Tourismus, weil er die wichtigste Einnahmequelle ist. Was in den Ressorts passiert, wird aber vom Klerus des Landes mit Argwohn beobachtet. Vor einigen Jahren entbrannte ein Streit über die Wellness-Bereiche der Hotels, die als Sündenpfuhl verunglimpft wurden. Zahlreiche Ressorts mussten ihre Spas vorübergehend schließen.
„Die Urlaubsidylle auf den Malediven ist eine sehr fragile“, schrieb die österreichische Tageszeitung „Die Presse“. Als Beispiel nannte die Korrespondentin die Zerstörung aller Figuren im ersten Unterwassermuseum der Malediven im Herbst 2018. Die vom Briten Jason deCaires Taylor im Coralarium des Luxusressorts Sirru Fen Fushi geschaffenen Figuren waren Hybride aus Mensch und Koralle – der Künstler wollte damit die Symbiose von Mensch und Natur zeigen. Der Staat qualifizierte die Korallenwelt als unislamisch und Gotteslästerung. Das Hotel habe trotz Aufforderung nicht reagiert, deswegen musste die Polizei einschreiten, hieß es seitens der Behörde. Man habe nicht provozieren wollen, lautete die zurückhaltende Reaktion des Hotels. Gemeinsam mit dem Künstler werde man eine Lösung finden, die auch für die Einheimischen tragbar ist.
Unterwassermuseum von Jason deCaires Taylor
Der religiösen Zerstörungswut fielen bereits unersetzliche buddhistische und hinduistische Artefakte aus dem Nationalmuseum zum Opfer. Die gesamte vorislamische Geschichte wurde vernichtet, darunter der einzige archäologische Beweis einer buddhistischen Ära auf den Malediven. Doch damit noch nicht genug, erklärte ein Oppositionssprecher in den „Maldives Independent“, es brauche generell eine Diskussion darüber, was als Götzenbild gewertet werden soll. Was ist zum Beispiel mit den Schaufensterpuppen in den Modegeschäften von Malé?
Touristen-Ressorts – ein Dorn im Auge islamischer Kleriker
Islamische Republik Pakistan
Berühmt, berüchtigt, beneidet für:
Der Karakorum Highway verbindet über 1284 Kilometer Westchina mit dem Nordwesten Pakistans. Nach zwanzig Jahren Bauzeit wurde der KKH 1978 fertiggestellt. Der höchste Punkt ist der 4693 Meter hohe Khunjerab-Pass an der Grenze.
Fläche: |
796.095 Quadratkilometer, ein wenig größer als die Türkei |
Einwohner: |
200.800.000, zweieinhalbmal so viele wie die Türkei |
Pakistan ist ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen, die aller Erzfeindschaft mit dem Nachbarn zum Trotz den Filmgeschmack der Inderinnen und Inder teilen. Zum Ärger der Staatsführung, die nach jedem politischen Säbelrasseln den Import jeglicher Medieninhalte aus Indien verbietet, um den Bann wenig später wieder aufzuheben. Wahrscheinlich stehen die pakistanischen Politiker und ihre Familien selbst zu sehr auf Bollywood-Filme, um den Boykott länger durchzuhalten. Für Amir Haider, Mitglied einer Kinobetreiber-Gesellschaft, hängt gar Wohl und Wehe der Unterhaltungsindustrie von den Filmimporten ab: „Pakistanische Kinos machen pleite, wenn sie indische Filme nicht zeigen.“
Bevor indische Filme aber aufgeführt werden dürfen, müssen diese von einem Komitee unter Leitung des Informationsministeriums auf „anti-pakistanische Propaganda“ überprüft werden, bevor sie im Nachbarland gezeigt werden. Zu den Mitgliedern des Komitees gehört auch ein Mitarbeiter des Geheimdienstes ISI, berichtete die „dpa“ unter Berufung auf Regierungskreise. Keine Unbedenklichkeitsbescheinigung erhielt beispielsweise der Film „Tiger Zinda Hai“ („Der Tiger ist am Leben“). Der Plot des Films mit dem in Indien wie Pakistan populären Schauspieler Salman Khan dreht sich um einen Agenten des indischen Geheimdienstes, der eine indische Krankenschwester aus den Fängen militanter Islamisten im Irak befreit. „Der Film zielt auf unsere Verteidigungsinstitutionen, das können wir nicht tolerieren“, lautete die Begründung für das Verbot seitens der Zensurbehörde, und ließ damit mehr Fragen offen, als sie beantwortete.
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