Michael Lehofer - Die fremde Gestalt

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Hermann Glettler, Bischof von Innsbruck und Künstler, und der Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut Michael Lehofer führen Gespräche über befremdliche und aufregende Texte aus dem Neuen Testament. In ihnen begegnet uns Jesus von Nazareth berührend nahe und fremd zugleich. Und unbequem. Die Dialoge und Reflexionen eröffnen einen neuen Blick auf die Person Jesu und auf die Relevanz von Spiritualität für unsere Zeit. Traditionelle Vorstellungen werden infrage gestellt, um neuen lebendigen Erfahrungen von Spiritualität Platz zu machen.

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HG: Dieser Gedanke bewegt mich. Christlicher Glaube gründet auf der Weitung des nur ethnischen und nationalen Identitätsraums. Jesus selbst hat diese Weitung vorgegeben, auch wenn es seine primäre Intention war, sein eigenes Volk zu sammeln. Historisch vollzogen wurde die Weitung des neuen Identitätsraumes durch die Öffnung der Kirche auf die Heiden hin – inmitten des römischen Weltreiches, in dem es ohnehin eine reiche Palette von Nationalitäten, kulturellen Eigenheiten, religiösen Lehren und Kulten gab. Die vom jüdischen Gesetz vorgeschriebene Beschneidung war nicht mehr notwendig, um Christ zu werden. Ohne diese Grenzüberschreitung, die vor allem durch den Apostel Paulus betrieben wurde, wäre das Christentum eine vom Judentum abgespaltete Sekte geblieben. Die junge Kirche konnte gerade in den sozial schwierigen Randzonen der großen multikulturellen Städte an Bedeutung gewinnen, gestützt auf die Lehre und Lebenspraxis Jesu. Er selbst identifizierte sich mit Menschen an den sozialen Rändern.

Christlicher Glaube empfängt seine Dynamik aus einer radikalen Öffnung gegenüber allen. Ich durfte etwas von der Freude erleben, die einer Pfarrgemeinde geschenkt wird, wenn sie das versucht. Wir haben uns in St. Andrä in Graz inmitten eines multikulturellen Stadtteils nicht auf die kleine Restmenge der noch praktizierenden Katholiken beschränkt, sondern eine „neue Familienaufstellung“ im Sinne Jesu versucht. Aufgrund einer entschieden gelebten Gastfreundschaft für unterschiedliche ethnische Gruppen, soziale Milieus und Kulturen hat sich die Ahnung von der neuen Familie Jesu eingestellt. Backstage gab es viel Mühe, viele Kämpfe und auch Unverständnis für die konsequente Öffnung, aber durchgesetzt hat sich die Gewissheit, dass wir im Namen des menschgewordenen Gottes doch alle zusammengehören – ohne Wenn und Aber.

3 Spirituell überheblich Lk 416242830 So kam Jesus auch nach Nazareth - фото 3

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Spirituell überheblich?

Lk 4,16-24.28-30

So kam Jesus auch nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen, reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Alle stimmten ihm zu; sie staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen, und sagten: Ist das nicht Josefs Sohn? Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, ich sage euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging weg.

HG: Eine Erzählung mit einer extrem bitteren Wende. Faszination am Anfang, Versuch zum Totschlag am Ende. Kurz zur Vorgeschichte: Die Menschen in Galiläa erlebten mit Jesus einen Aufbruch. Sie waren begeistert von seiner Art, in verständlichen Bildern von Gott zu reden, und ebenso begeistert von seinen Taten. In der Dynamik dieses Aufbruchs kommt er in seine Heimatstadt und geht am Sabbat in die Synagoge. Es ist üblich, dass der Gast gebeten wird, den Tagestext vorzulesen und auszulegen. So trägt Jesus den Text des Propheten Jesaja vor, wo es unter anderem heißt: „Der Herr hat mich gesandt, den Armen eine Frohe Botschaft zu verkünden.“ Provokanterweise hat Jesus beim Vorlesen die Passage vom Gericht, das heißt, von der Vergeltung durch Gott ausgelassen.

Damit hat er schon einen deutlichen Akzent gesetzt. Seine Predigt beginnt er mit dem Hinweis auf das „Heute“. Es ist Gottes Zeitwort. Die Leute sind begeistert, staunen und begreifen, dass dieses Heute Gottes jetzt gilt. Blinde, Zerschlagene, Arme und Versager sind von Gott Geliebte! Noch nie hat das jemand so plastisch gepredigt. Aber sind sie selbst damit gemeint? Hat das Konsequenzen? Und was ist mit den anderen, jenen, denen logischerweise das Gericht gelten soll? Hat der Prediger durch die Manipulation des Wortes Gottes nicht die Grenzen zwischen ihnen, die ja doch fromm sind, und den anderen verwischt? Schlägt die positive Stimmung in ihr Gegenteil um? Jesus ist ihnen total sympathisch und unfassbar fremd zugleich.

Es beginnt jedenfalls eine ganz eigenartige Krise. Die eben noch euphorischen Landsleute sagen: „Den kennen wir doch! Ist das nicht der Sohn des Josef?“ Die skeptische Frage sagt schon alles. Ist es Unglaube? Oder Hochmut? Fromme und eingebildete Menschen lassen sich nicht gerne infrage stellen. Doch Jesus beschwichtigt die Situation nicht – ganz im Gegenteil. Er schürt und verstärkt den Unmut der Versammlung. Er erzählt mit einigen Beispielen vom Wirken Gottes außerhalb von Israel. Alle geraten in Wut. Die emotional aufgeladene Ablehnung erreicht ihren traurigen Höhepunkt im handgreiflichen Versuch, Jesus zu töten. Dieser jedoch schreitet mit einer erstaunlichen Souveränität durch die aufgebrachte Menge und geht weg. Aber warum ist es überhaupt zu diesem Bruch gekommen?

ML: Es zeigt sich ja immer wieder, dass Führungskräfte, die aus einem Team berufen werden, sogenannte Hausberufungen, Schwierigkeiten haben, vom Team anerkannt zu werden. In der Regel haben es die leichter, die von außen kommen. Mit gleichrangigen Menschen vergleicht man sich gewöhnlich. Das Vergleichen soll die eigene Größe definieren. Wenn ein anderer zu groß ist, fühlt man sich klein und minderwertig. Daraus resultiert der Eindruck, den anderen nicht mehr aushalten zu können. Um diesen psychologischen Mechanismus geht es aus meiner Sicht hier in der Begegnung Jesu mit seinen Landsleuten. Wenn sich Jesus in seiner wahren Größe zeigt, ist das eine Bedrohung des Narzissmus. Um der Selbstrelativierung zu entgehen, müssen sie ihn ablehnen. Am Schluss heißt es: „Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus.“

Die Agitation ist der schweren narzisstischen Kränkung geschuldet. Sie bringen ihn dann, laut Erzählung, an den Abhang des Berges und wollen ihn hinabstürzen. In dem Moment, in dem er offensichtlich in höchster Gefahr ist, geht er souverän durch die Menge hindurch. Sie halten ihn nicht fest, sondern lassen ihn gehen, oder besser: Sie müssen ihn gehen lassen. Verblüffend, nicht? Es gibt eine Form der Reinheit und des nicht egoistischen Lebensstils, der Menschen so geheimnisvoll unangreifbar macht. Sie sind nicht aufzuhalten in dem, was sie tun. Dies bedarf aber einer totalen Reinheit. Wenn nur ein bisschen etwas Unreines in der Person ist, kann man sie an dieser Unreinheit festhalten. Das heißt mit anderen Worten: Die Neigung zur Selbstkorruption schwächt uns. Da genügt eine Kleinigkeit. Aber Jesus macht sich durch seine Reinheit und Authentizität unangreifbar. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht angreifbar. Das fasziniert mich, ist einfach schön.

HG: Das kommt dann auch später bei der Verhaftung Jesu in der Passionsgeschichte des Evangelisten Johannes vor. Die gesamte Kompanie stürzt zu Boden, als Jesus sich ihnen zu erkennen gibt mit dem schlichten Satz: „Ich bin es.“ Eigenartig. Warum eigentlich? Angesichts des Heiligen scheiden sich offensichtlich die Geister. Wahrscheinlich geht es nicht nur mir so: In der Begegnung mit einer wirklich großen Persönlichkeit können einem oft die eigene Herzensenge und Kleinkariertheit ganz deutlich bewusst werden. Angesichts der Liebe fühlt man den Schmerz über die eigene Lieblosigkeit. Das wäre ohnehin schon eine Form der Läuterung, aber es kann die Erfahrung einer Differenz auch zum Gegenteil führen, wie wir im Text lesen.

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