Michael Lehofer - Die fremde Gestalt

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Hermann Glettler, Bischof von Innsbruck und Künstler, und der Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut Michael Lehofer führen Gespräche über befremdliche und aufregende Texte aus dem Neuen Testament. In ihnen begegnet uns Jesus von Nazareth berührend nahe und fremd zugleich. Und unbequem. Die Dialoge und Reflexionen eröffnen einen neuen Blick auf die Person Jesu und auf die Relevanz von Spiritualität für unsere Zeit. Traditionelle Vorstellungen werden infrage gestellt, um neuen lebendigen Erfahrungen von Spiritualität Platz zu machen.

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HG: Was ist die Sünde gegen den Heiligen Geist? Bitte entschuldige diesen steilen Einstieg in unser Gespräch. Ich möchte diese Frage aufgreifen, weil Bücherregale füllend darüber in der Schultheologie spekuliert wurde. Die für mich überzeugendste Antwort stammt von Papst Franziskus: „Es ist die Sünde, nicht an Gottes Barmherzigkeit zu glauben.“ Der Hintergrund der Diskussion um die neue Verwandtschaft Jesu ist jedenfalls beklemmend. Die Schriftgelehrten versuchten, sich das außergewöhnliche Wirken Jesu durch den Einfluss dämonischer Kräfte zu erklären. Drastischer kann das Missverständnis nicht sein.

In ihrem vernichtenden Urteil drückt sich eine radikale Ablehnung Jesu aus. Es scheint, dass diese negative Dynamik auch die eigene, leibliche Familie erfasst hat. Sie wollen Jesus vermutlich wieder auf den Boden der Realität holen, weil er doch „von Sinnen sei“, wie es an anderer Stelle heißt. Mit einer ziemlich energischen Initiative tritt also die Verwandtschaft auf den Plan. Sie lassen Jesus „herausrufen“ – allerdings mit wenig Erfolg. Sie handeln sich eine ziemliche Abfuhr ein.

ML: Der Text schildert eine schwere Brüskierung seiner Mutter und seiner Brüder. Jesus bricht geradezu mit seiner Verwandtschaft, er steht nicht mehr zu ihr. Und das muss man sich vorstellen angesichts orientalischer Familienbande! Vermutlich habe nicht nur ich solche Erlebnisse auch schon gehabt: Ich dachte, eine innige Beziehung zu jemanden zu haben, aber dieser Mensch tat in einem anderen sozialen Kontext so, als ob er mich kaum kennen würde. Solche Erfahrungen der Verleugnung, der Untreue sind immer sehr kränkend. Und so muss auch dieses Verhalten Jesu eine Kränkung für seine Mutter und seine engste Verwandtschaft dargestellt haben.

HG: Jesus sitzt inmitten einer neuen Familie, rundherum seine Jüngerinnen und Jünger. Seine ursprüngliche Familie hat in dieser neuen Familienaufstellung vordergründig keinen Platz mehr – zumindest nicht im Innenkreis. Sie ist zwangsläufig draußen. Drinnen sind diejenigen, die sich auf das Wort Jesu einlassen, an ihn glauben und den Willen Gottes auch tun. Bei der schroffen Gegenfrage „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?“ spürt man den Widerstand Jesu gegen die familiäre Rückholaktion. Seine Antwort ist extrem befremdend und verletzend – speziell gegenüber seiner Mutter: „Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“

ML: Liebesbeziehungen sind etwas Heiliges, indem sie einen heil werden lassen. Wir neigen allerdings dazu, sie durch unsere übergroßen Erwartungen zu überfrachten und durch unsere Bedürftigkeit sogar zu zerstören. Die Beziehungen werden überstrapaziert, wenn wir nicht verstehen, dass sie dem Wesen nach Symbole für die spirituelle Verbundenheit, auf christlich übersetzt, Symbole für die große Liebe Gottes zu uns sind. Nur durch diese Einsicht entsprechen wir dem Heiligen. Wenn wir das verstehen, entlasten wir unsere Beziehungen und können sie frei und liebevoll leben. Das heißt, die Radikalität in diesem Text ist bei näherer Betrachtung ein Hinweis darauf, dass jede Beziehung dem Wesen nach auf etwas anderes verweist. Nur in dieser Durchlässigkeit für das Eigentliche kann die Beziehung frei bleiben.

HG: Mir fällt dazu eine Begebenheit ein, die sich bei einem Workshop zum Thema „Partnerschaft und Sexualität“ im Rahmen eines interreligiösen Kongresses zugetragen hat. Eine junge Studentin, die nur die Aufgabe hatte, das Protokoll zu erstellen, hat die Diskussion von uns Religionsvertretern mit der Frage unterbrochen: „Wozu ist es eigentlich notwendig, die persönliche Partnerschaft mit Gott in Verbindung zu bringen?“ Sie hat sich für die Frage entschuldigt, aber im Grunde nach dem Wesentlichen gefragt.

Nach einer knappen Verlegenheit habe ich folgende Antwort versucht: „Erstens könnte Gott die erste Adresse deiner Dankbarkeit sein, dass du unter Millionen von Alternativen genau diesen wunderbaren Menschen gefunden hast. Zweitens hilft dir der Glaube, dass du deinem Partner verzeihst, für dich nicht Gott sein zu können. Und drittens ist es für einen gläubigen Menschen klar, dass Kinder ein Geschenk Gottes sind und niemand das Recht hat, über sie zu verfügen.“

ML: Genau um diesen Punkt geht es in allen menschlichen Beziehungen, um eine verweisende Durchlässigkeit auf das Göttliche hin. Selbstverständlich identifizieren wir uns mit Menschen, die wir lieben. Darauf gründet jede Leidenschaftlichkeit in Beziehungen. Leidenschaftlich müssen sie sein, sonst sind sie leer. Jedoch heißt Identifikation, sich etwas zu eigen zu machen. Die Gefahr ist die Vereinnahmung, die dabei passieren kann. Daher ist es notwendig, den Menschen in dieser Beziehung gleichzeitig auch immer wieder herzugeben, auf ihn zu verzichten. Du bist meine Frau, mein Mann, mein Kind, mein Freund und gleichzeitig bist du mir das alles ohne das „mein“. Jesus fordert in radikaler Weise das innere Loslassen ein.

HG: Die erste Provokation in der Antwort Jesu lag aber in der unerhörten Weitung des Beziehungshorizonts, wenn er auf den großen Kreis der Jünger verweist und sinngemäß sagt: „Das ist jetzt meine Familie.“ Mir fällt dazu eine Begebenheit bei einer Taufe ein, bei der die Familie sehr ausführliche Bitten für das Taufkind vorgetragen hat. Diese waren – gut gemeint – allesamt auf eine maximale Entfaltung und Selbstverwirklichung des Täuflings ausgerichtet. Das Kind sollte mit der Hilfe Gottes der allerbeste, erfolgreichste und alle seine Chancen optimal nützende Mensch werden. Etwas spöttisch würde ich das gerne als Viagra-Spiritualität bezeichnen. Mit der Hilfe Gottes alles zur höchsten Potenz treiben. Ergänzt hat dann ein Diakon diese Bitten in folgender Weise: „Wir beten auch für unsere Verwandten auf den Philippinen.“ Damals hat dort gerade ein schrecklicher Tsunami gewütet und viel Elend angerichtet. Die Leute waren etwas verstört und verwundert, dass man für die Verwandtschaft des Diakons beten muss. Beim Taufessen danach haben sie sich erkundigt. Der Diakon gab ihnen eine überraschende Antwort: „Wer getauft wird, hat überall auf der Welt Schwestern und Brüder, das ist die neue Verwandtschaft, die jetzt zählt.“

Tatsächlich bekommen unsere ganz natürlichen Beziehungen eine neue Qualität, wenn sie auf einen größeren Kreis hin geöffnet bleiben. Wie wir wissen, gibt es Familien, deren Mitglieder in ungesunder Weise aufeinander kleben und sich gegen die Umgebung abschließen. Und es gibt natürlich auch das andere Extrem: Familienbande, die zu unverlässlich oder gar nicht mehr vorhanden sind. Die neue, umfassende „Familie Gottes“ ist jedenfalls begründet durch Christus, den menschgewordenen Gott. Ein starkes Bild von Kirche. Das neue familiäre Netzwerk Jesu reicht weit über die Grenzen Palästinas und auch über die Grenzen einer institutionalisierten Religion hinaus. Das gibt dem Reden von der Menschheitsfamilie ihren tiefsten Sinn.

ML: Vor einigen Jahren sind Neurobiologen draufgekommen, dass das Hormon Oxytocin eine starke Rolle bei Liebesbeziehungen spielt. Wenn man sich verbunden fühlt, steigt die Oxytocinwirksamkeit im Gehirn an. Einerseits wird Oxytocin ausgestoßen und andererseits werden Rezeptoren sensibilisiert, die diese Informationen empfangen können. Auch wenn zwei Menschen Geheimnisse austauschen, wird Vertraulichkeit erzeugt und dadurch das Oxytocinlevel im Gehirn erhöht.

Interessanterweise ist es aber auch jenes Neurohormon, das für die Fremdenfeindlichkeit zuständig ist. Fremdenfeindlichkeit ist nichts anderes als eine Reflexion: Wer gehört zu mir und wer gehört nicht zu mir? Daher sind alle politischen Strömungen darauf bedacht, wenn sie sich auf die Ängste in Bezug auf Fremde draufsetzen wollen, die Bewusstheit von Nationalismus, des Eigenständigen und des Besonderen zu fördern, weil sie implizit damit sofort die Fremdenfeindlichkeit und die Angst vor den Fremden erhöhen. Jesus schlägt in diesem Text vor, die Grenzen des Eigenen zu erweitern, um damit die Destruktivität an der Grenze zwischen Ich und Du zu verunmöglichen. Diese Erweiterung der Grenzen ist keine Selbstaufgabe, sondern nur eine Ausdehnung des Identitätsraums.

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