Die Eltern von Klaus sind manchmal ratlos. Sie selbst hatten in ihrer eigenen Kindheit vielleicht einen Super Nintendo als Spielkonsole, aber diese modernen Geräte mit ständiger Internetverbindung hatten sie nicht. Sie verstehen manchmal nicht, worin die Faszination für Klaus liegt. Ihnen fällt jedoch auf, dass Regeln oft ignoriert werden und ständig über die Nutzungsdauer verhandelt werden muss. Das neue Handy ist schnell nicht mehr gut genug und überhaupt will Klaus einen umfassenderen Handyvertrag, da das Downloadvolumen von mehreren Gigabyte schon wieder aufgebraucht ist. Gleichzeitig sind sie der Überzeugung, dass diese Technologien nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart sind. Klaus muss lernen, sie zu bedienen, in beinahe jedem Job wird eine Vertrautheit im Umgang mit neuen Medien als selbstverständliche Voraussetzung gesehen.
Die neuen Generationen aber wachsen in Bezug auf Technologie vollkommen anders auf als noch ihre Eltern. Das Internet war immer Teil ihrer Lebenswelt. Fernseher, Beamer, Tablet und Smartphone sind Technologien und Geräte, die für sie immer da waren. Kleinkinder behandeln Printmagazine wie Tablets und versuchen, von einer Seite auf die nächste zu wischen. Kinder im Alter von vier Jahren nutzen Videotelefonie ganz selbstverständlich am Telefon der Eltern, spielen Spiele oder sehen Fotos an.
Für diesen Generationenwechsel lässt sich kein genauer Zeitpunkt festmachen. Die Kinder der späten 80er und frühen 90er Jahre sind eine Art Sandwich-Generation. Viele hatten in ihrer Teenagerzeit bereits Mobiltelefone, jedoch keine Smartphones. Die Spät-80er und 90er kauften ihr erstes Smartphone mit Anfang 20. Momentan findet der Einstieg in die Welt der Smartphones mehr als zehn Jahre früher statt. Das Smartphone ist zum beliebtesten Geschenk zur Erstkommunion geworden, also für Kinder im Alter von circa 8 bis 9 Jahren. Die Zahlen für Deutschland sprechen eine klare Sprache: Bereits 33 % der Kinder im Alter zwischen 8 und 9 besitzen ein eigenes Smartphone, im Alter von 10 bis 11 Jahren sind es dann schon 75 %. Eine Studie des Vereins Safer Internet Österreich berichtet davon, dass 33 % der Kinder zwischen null und sechs täglich internetfähige Geräte nutzen weitere 46 % der Kinder mehrmals pro Woche. Im Durchschnitt waren die Kinder bei ihren ersten Versuchen ein Jahr alt. Der Großteil der Kinder hat zum Zeitpunkt des ersten Eigenbesitzes also schon über sechs Jahre Medienerfahrung.
Mit den technologischen Möglichkeiten haben Smartphones für Kinder immens an Anziehung gewonnen. Kleine Kinder sind fasziniert vom Smartphone der Eltern. Viele Jugendliche sind technologisch voll ausgestattet – Smartphone, Tablet, Smartwatch, eBook-Reader, Laptop. Sie wachsen in einer vernetzen Welt auf.
Welche Geräte hatten Sie in Ihrer Jugend?
Was hat Sie an diesen Geräten fasziniert?
Das vorliegende Buch gliedert sich in drei große Abschnitte: Begreifen, Begleiten und Begrenzen. Im ersten Abschnitt wollen wir gemeinsam die Faszination und Magie des Internets und der digitalen Geräte verstehen und herausfinden, wie sie funktionieren und welche Mechanismen sie so attraktiv für uns Menschen machen. Nur das, was ich verstehe, kann ich reflektieren und ändern. Im zweiten Abschnitt – Begleiten – wird es darum gehen, wie wir Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt unterstützen können. Wie viel müssen wir wirklich wissen? Wie können erste Schritte gelingen? Welche Rolle spielt Kontrolle? Wie kann die digitale Welt gemeinsam erschlossen werden? Der letzte Abschnitt – Begrenzen – widmet sich der Frage, wie ein Rahmen für Kinder und Jugendliche geschaffen werden kann. Welche Grenzen oder Regeln sind notwendig und wie können wir sie durchsetzen? Sind technische Sperren sinnvoll?
Im Lauf des Buches finden Sie immer wieder Reflexionsfragen. Diese Fragen sollen Ihnen helfen, sich an eigene Erlebnisse zu erinnern, die eigenen Positionen zu hinterfragen und eine Haltung zum Thema Neue Medien zu entwickeln. Sie sind eine Einladung, zu reflektieren und mit Freundinnen und Freunden oder der Partnerin oder dem Partner zu diskutieren.
Das Buch will Mut machen und dazu anregen, die digitale Welt (gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen) zu entdecken und sich diesen neuen Herausforderungen in unterschiedlichsten Kontexten zu stellen. Das Internet bietet gegenüber älteren und digitalen Technologien wie dem Fernsehen einen großen Vorteil: Es ist ein partizipatives Medium. Wir alle können es mitgestalten. Durch unsere Nutzung, durch Inhalte, die wir hochladen, durch das Akzeptieren oder Verneinen von Geschäftspraktiken und durch Regeln und Grenzen. Wenn wir uns diesen neuen Herausforderungen der Mitgestaltung in der digitalen Welt stellen, kann es uns gelingen, dieses Medium nach unseren Wünschen zu formen und die neuen digitalen Generationen gut in diese spannende Welt voller Wunder zu begleiten.
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