Falsches Meditieren
Es ist tatsächlich so: Eine heimliche Hypnosetechnik hat sich verbreitet. Kurzum, viele Menschen machen im Grunde Selbsthypnose, meinen aber, sie würden meditieren. Nach den bisherigen Erklärungen wird dir sicherlich klar: Indem wir unser Gehirn dazu anregen, viele Verknüpfungen herzustellen, geben wir die Fokussierung auf und verlassen somit höchstwahrscheinlich den meditativen Zustand.
Wenn wir uns in der Meditation vorstellen, wir würden durch einen Wald spazieren, und all die Wald-Erlebnisse mit vergangenen Erlebnissen oder mit beliebigen, willkürlichen unbewussten Inhalten verknüpfen, so machen wir Hypnose.
Merke dir: Alles Verbundene wirkt höchstwahrscheinlich hypnotisch. Doch sobald du deine Gedanken fokussierst und somit von anderen Gedanken trennst, machst du Meditation.
Solltest du des Öfteren in der Badewanne entspannt und dich einer sogenannten geführten Meditation hingegeben haben, dann hast du dabei die diversesten Verknüpfungen im Gehirn herbeigeführt. Du warst mit großer Wahrscheinlichkeit in einem hypnoiden Zustand. Das ist nicht schlimm. Nein, das ist sogar sehr gut. Du hast Selbsthypnose gemacht. Ein sehr wertvolles Instrument, das dir hilft, neue, positivere Verknüpfungen im Gehirn anzulegen.
Du weißt: Meditieren heißt, dass das Gehirn hohe Frequenzbänder produziert. Unser Körper ist zwar schon entspannt, aber zugleich meist aufrecht – mitsamt dem Kopf –, weil diese Haltung hilft, fokussiert zu bleiben und die Energie zu bündeln. Erhöhtes Wachbewusstsein.
Sobald wir uns hinlegen, wird unser Gehirn an den Schlafmodus erinnert. Die Wahrscheinlichkeit, dass unser Gehirn deshalb träumen will – also Verknüpfungen herstellt, um diverse Gedanken und Erlebnisse zu verarbeiten –, ist so viel größer. Deshalb wird man auch kaum einen Mönch während seiner Meditationen liegen sehen.
Bei der Selbsthypnose im Sitzen ist meist der Nacken entspannt, sodass der Kopf bzw. das Kinn in Richtung Brust herunterhängt. Dies kann dabei unterstützen, die Energie im Gehirn buchstäblich zu verteilen. Einige legen sich dafür auch gerne hin. Andere wiederum befürchten, dass sie einschlafen und dann die neuen Verknüpfungen nicht mehr kontrollieren können.
Meditative Atemtechnik
Die folgende einfache Atemtechnik eignet sich gut, wenn wir wenig Erfahrung mit Meditation haben. Es ist aber auch eine schöne Übung, wenn wir bereits über mehr Erfahrung verfügen.
Die Übung kannst du mit geöffneten, aber auch mit geschlossenen Augen durchführen. Du lernst dabei, deine Gedanken zu kontrollieren. Gedankenkontrolle heißt, dass du autonom entscheidest, wo sich deine Gedanken befinden sollen. Dein Gehirn hat im Lauf der Jahre selbst gelernt, wo es die Gedanken hinlenken will. Wohin die Energie in deinem Gehirn strömt, dort sind deine Gedanken – und umgekehrt.
Dein Gehirn entscheidet also autonom, wohin die Energie strömt. Dies jedoch meist eher zu deinem Schutz als zu deinem Wachstum. Denn unser Gehirn will natürlich unser Überleben sichern, indem es die Energie in (auch bloß vermeintlichen) Notlagen vermehrt auf das Überstehen der angstbehafteten Situation lenkt und eine eventuelle Chance zur Entfaltung ungenutzt lässt. Sobald unser Gehirn überreizt wird, neigt es dazu, der Angst zu gehorchen. Wenn das ganze System sozusagen »außer Kontrolle« gerät und die Energie zum Angstzentrum lenkt, hilft uns das am meisten dabei, zu überleben.
Doch diesen Mechanismus gilt es nun zu positivieren. Dieser Mechanismus, bei Überreizung in die Angst zu gehen, kommt aus der Steinzeit. Deshalb ist es an der Zeit, dass wir lernen, auch in Krisensituationen bewusst zu bleiben. Wach zu bleiben.
Einen ersten Schritt in diese Richtung bietet die Meditation. Wenn dein Unterbewusstsein wieder vergangene schreckliche Erlebnisse mit den aktuellen vergleicht, hilft sie dir, solche Vergleiche zu unterlassen. Sie bringt dich zurück in einen wachen Bewusstseinszustand. Ja, sogar in ein erhöhtes Bewusstsein.
Mit einer einfachen, meditativen Atemtechnik üben wir also nun, die Gedanken zu kontrollieren. Das Ziel besteht darin, die Gedanken konzentriert auf den Atem zu lenken. Nur auf den Atem. Und sobald sie abschweifen, führen wir sie zum Atem zurück. Wir denken an nichts anderes als an den Atem. Nur an den Atem.
Wir können dies gemeinsam üben. Ich bitte dich im Folgenden, jedes Mal, wenn du »Ein- und ausatmen« liest, dies auch wirklich zu tun und dich dabei nur auf dein Ein- und Ausatmen zu konzentrieren. Denke an nichts anderes außer an das Ein- und Ausatmen. Jedes Mal, wenn du »Ein- und ausatmen« liest, atmest du auch wirklich ein und aus, bleibst in Gedanken nur bei dieser Handlung und gehst dann zum nächsten »Ein- und ausatmen« – so lange, bis du bei der letzten Zeile mit »Ein- und ausatmen« angelangt bist.
Ich betone: Die Kunst liegt darin, zwischen diesen Worten und bei diesem Tun an nichts anderes zu denken. Und wenn ich »nichts« schreibe, meine ich wirklich das Nichts. Du denkst an nichts anderes. Auch nicht für einen Bruchteil einer Sekunde.
Hier ist die Anleitung für die Übung:
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
»Ein- und ausatmen.«
Fertig.
Und? Hast du auch bloß ein Mal an etwas anderes gedacht als an das Ein- und Ausatmen? Falls ja, so wiederhole die Übung so lange, bis du 12-mal ein- und ausatmen konntest, ohne an etwas anderes zu denken.
Diese Übung bringt dir bei, deine Gedanken zu kontrollieren. Indem du dein Gehirn darin trainierst, bei jenen Gedanken zu bleiben, die du denken willst, hast du ein großes Stück mehr Freiheit erlangt.
Vor allem in unserem Zeitalter, wo man unsere Gedanken gezielt durch Werbung, Medien und Politik zu lenken und zu beeinflussen versucht, ist ein wacher Geist, der autonom denken kann, das eigentliche Kapital.
Lass nicht andere für dich denken, sondern beweise dir selbst, dass du deiner eigenen Gedanken mächtig bist.
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