Annette Stechmann - Das Leid von Müttern totgeborener Kinder

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Das Leid von Müttern totgeborener Kinder: краткое содержание, описание и аннотация

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Theologie und Seelsorge sind mit zunehmender Bedeutungslosigkeit in der Postsäkularität konfrontiert. Es stellt sich die drängende Frage nach der Sprachfähigkeit von Theologie. Zwei bekannte Umgangsweisen – das einfache Wiederholen traditioneller Sprachformen, aber auch der Verzicht auf christliche Gottesrede – erweisen sich nicht als zielführend.
Die vorliegende Dissertation versucht eine Alternative: Sie sucht nach einem Qualitätsmerkmal christlicher Gottesrede in der Gegenwart an einem existentiellen theologischen Ort – dem Leiden von Müttern totgeborener Kinder. Es werden «eigene Theologien» von Müttern totgeborener Kinder durch narrative Untersuchungsverfahren herausgearbeitet. Systematische Theolog/inn/en (Plattig, Faber, Bründl, Rahner, Sander, Klinger) kommentieren diese «eigenen Theologien». Mittels der Reflexion dieses Forschungsprozesses wird dann ein Qualitätsmerkmal christlicher Gottesrede in der Postsäkularität gewonnen: die Haltung der Zärtlichkeit.

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Solche Reaktionen gibt es aber nicht nur bei Ärzt/inn/en (natürlich gibt es viele, die auch menschlich hervorragende Arbeit leisten, das sei an dieser Stelle gesagt, damit nicht der Eindruck entsteht, Ärzt/inn/en seien gefühlskalte Monster), sondern auch bei Seelsorgenden.

Ich habe miterlebt, wie eine Pastorin bei einem Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder von den glücklichen Momenten der Geburt ihres eigenen Kindes erzählte: Wie sie ihr Kind erhofft hatte, wie es größer wurde in ihrem Bauch, wie sie es nach glücklicher Geburt auf ihre Brust gelegt bekam, wie wunderschön es war, dieses Kind aufwachsen zu sehen und mit ihm durch den Wald zu tollen. Das verkündete sie als „frohe Botschaft“ Eltern, die manchmal noch nicht einmal einen Körper hatten, den sie hätten beerdigen können, weil das Kind – so klein wie es war – tatsächlich bei einer Blutung verloren gegangen war? Ein größeres Maß an Abkanzlung der Trauer der Eltern kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Der Grund mag vielleicht eine zu große Betroffenheit der Pastorin gewesen sein, dass sie dieses furchtbare Schicksal so vieler Eltern emotional nicht ausgehalten hat. Aber ist es ihr erlaubt, als Predigerin, als Verkünderin der Frohen Botschaft, Eltern gegenüber mit einer solchen Gefühlskälte zu agieren? Die Botschaft, die sie verkündet hat, war: „Ich bin glückliche Mutter – und ihr seid es nicht!“ – wo ist da der Trost?

Weitere kalte Reaktionen sind die Reaktionen von Umstehenden – manche Eltern haben eine „Hitliste“ von verletzenden Bemerkungen gemacht:

„Es hat eben nicht sollen sein./Nächstes mal (!) klappt es bestimmt. Ach, du wirst doch bestimmt schnell wieder schwanger./Ich hab doch gleich gesagt, wenn man Babysachen zu früh kauft, dass das Unglück bringt./War vielleicht besser so, wer weiß, was für eine Behinderung das Kind gehabt hätte./Bis jetzt war es doch nur ein Zellklumpen./Warum? Was hast du falsch gemacht?/Das passiert so vielen Frauen und die heulen auch nicht./Das Kind sucht sich selbst aus, wo es wohnen will./Übertreib mal nicht mit dem trauern (!)./Ist eine Beerdigung nicht völlig übertrieben?/Du bist keine Mutter, weil das noch kein richtiges Kind war“ 14.

Der Tod von Kindern bevor sie geboren worden sind, ist etwas, das Menschen emotional bis ans Äußerste herausgefordert, sodass es zu solchen Reaktionen der Abwertung kommt. Manches ist vielleicht noch nicht einmal böse gemeint, sondern einfach sehr ungeschickt geäußert. Manche Menschen lässt dieser Tod aber vielleicht wirklich kalt. Er bedeutet ihnen nichts, weil ja noch nichts gewesen sei.

In jedem Fall lässt sich feststellen, dass der Tod von Kindern zu Stellungnahmen herausfordert – sowohl bei Außenstehenden als auch bei den Müttern, Vätern und allen anderen Familienangehörigen.

2.4 Verstummen – Worte finden

Am Anfang meiner Bestattungspraxis habe ich gemerkt, wie mir die Worte im Mund stecken geblieben sind. Was habe ich solchen Frauen zu sagen? Was habe ich ihnen von Gott zu sagen? Dass er mitgeht und tröstet? Dass er die Kinder aufnimmt (so wie häufig das Evangelium von der Aufnahme der Kinder durch Jesus bei Kinderbestattungen gelesen wird)?

Aber da fängt es schon an, schwierig zu werden: Wer ist dieser Gott, der diese Kinder aufnimmt? Wenn er sagt „lasset die Kinder zu mir kommen“ meint er dann auch, dass er sie so gerne bei sich hat, dass er sie ihren Eltern wegnimmt? Nicht selten habe ich solche Assoziationen von Eltern gehört. Ja, ist er denn verantwortlich für das Sterben dieser wirklich ganz und gar unschuldigen Kinder, die mit dieser Unschuldigkeit auch jeglichen Tun–Ergehens–Zusammenhang zwischen Schuld und Tod aufheben? Ist er schuld an ihrem Tod? Wie kann eine Mutter einem Gott, der schuld ist am Tod ihres Kindes, ihr Kind anvertrauen?

Sehr schnell stand ich vor dieser Frage, die mich daran gehindert hat, leichtfertig davon zu reden, dass Gott diese Kinder aufnimmt. Aber was kann ich diesen Eltern dann noch sagen? Habe ich ihnen als Theologin überhaupt etwas zu sagen? Natürlich gibt es auch eine persönliche Überzeugung bei mir, die sagt, dass Gott nicht so (punktuell) in die Welt eingreift, dass Allmacht etwas Anderes ist als „Fügung“, dass er doch der Gekreuzigte ist und als solcher ein Mitleidender im Leid dieser Eltern. Aber die Rede davon hat diese Eltern nicht erreicht. Im Gegenteil: Sie blieben stumm bei den Bestattungen. Sie weinten noch nicht einmal. So verstummte auch ich mit dieser Botschaft von Kreuz und Auferstehung.

Es stellte sich die Frage, was nun zu tun war. In der Praxis der Bestattungen habe ich mich in der Folgezeit an die Seite dieser Eltern gestellt: Ich habe ihre Wut auf diesen und ihre Angst vor diesem Gott aufgenommen und versucht, sie zu verbalisieren. Ich habe die Eltern Kerzen anzünden lassen: Kerzen ihrer Hoffnung, ihrer Liebe für diese Kinder – und habe sie diese Kerzen zum Sarg in der Kapelle stellen lassen. Ich habe ihnen Raum gegeben, das, was an Trauer, Wut, Hoffnung und Liebe da ist, zu verbalisieren und zu symbolisieren. Dieses Ritual empfanden die Eltern als gut. Sie waren dankbar, dass sie Raum bekommen hatten für das, was sie bewegte.

Aber was habe ich mit diesem Ritual vom christlichen Gott gesagt? Diese Bestattung war bestimmt „gut“ – und trotzdem ließ mich die Frage nicht los, ob es nicht etwas gibt, was ich als Theologin sagen könnte. Hildegund Keul hat sich mit dem Zerbrechen von Sprache und der schöpferischen Macht der Gottesrede auseinandergesetzt 15: „Die christliche Rede von Gott setzt bei solchen Erfahrungen der Sprachlosigkeit an.“ 16Ich begann Gottesmetaphern zu suchen, denn ich las bei ihr:

„Das Versagen von Sprache in Gottesfragen fordert zur Auseinandersetzung mit Metaphern heraus. Denn die Metapher ist eine Sprachform, die genau hier ansetzt. Sie dient dem Überschreiten von Sprache durch Sprache. […] Denn in den Gottesmetaphern kommt das zur Wort, was alle Worte übersteigt und letztlich unsagbar ist: das Geheimnis des Lebens, das sich in dessen Zerbrechlichkeit offenbart.“ 17

Ich begann nach solchen Metaphern zu suchen, stieß aber auf eine weitere Schwierigkeit: Fast keiner dieser jungen Menschen wusste etwas vom christlichen Gott bzw. konnte etwas mit Metaphern anfangen, die ich in dieser Situation fand, einfach, weil das Verständnis der Welt ein ganz anderes ist. Es gibt kaum noch christlich–religiöse Prägung in Göttingen – fast keine/r kann z.B. das Vaterunser beten, keine/r weiß, was ein Segen ist. Wir haben auch muslimische Eltern dabei oder Buddhisten oder Menschen, die an heidnische Gottheiten glauben. Ich war also konfrontiert mit Menschen, die nicht christlich sind – hatte ich das Recht, nur weil ich die Bestattung als Christin und Seelsorgerin durchführte, sie in ein christliches Konzept von Bestattung zu pressen? Wozu habe ich hier überhaupt ein Recht? Darüber hinaus stellt sich nicht nur die Frage, ob ich das Recht habe, von dem Gott zu sprechen, an den ich glaube, weil ich der Bestattung vorstehe, sondern auch, ob ich dazu nicht sogar verpflichtet bin? Aber wie sollte ich es tun, wenn mir die Sprache von ihm angesichts des Leids dieser Eltern zwischen den Fingern zerbröselte?

Das waren Fragen, die sich mir immer lauter stellten.

Ich erkannte, dass Sprachlosigkeit Sensibilität für Begriffe schafft. Meine Sprachlosigkeit führte dazu, dass das, was ich einst als Gesprächsführung – aufbauend auf humanistischer Gesprächspsychologie 18– als Spiegelung rein verbaler Sprache sehr vereinfacht gelernt hatte, für mich an eine Grenze kam. Ich hatte es mit Sprachlosigkeit bei Trauernden, mit Wortlosigkeit bei mir und ihnen zu tun. Ich merkte, dass diese Sprachlosigkeit mir half, die Menschen genauer in den Blick zu nehmen. Ich erkannte die Sprachlosigkeit als Weg zu diesen Menschen und hielt sie nicht mit Worten doch auf eine bestimmte Art und Weise auf Distanz.

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