Was wäre beispielsweise, wenn die Vergangenheit unserer Kultur liebevoll und entspannt mit dem Thema Sexualität umgegangen wäre? Meinen Sie, es gäbe dann so etwas wie Unterdrückung der sexuellen Freude, die zu Ängsten und „Perversionen“ aller Art sowie zu sexueller Gewalt führen? Aber das nur als Gedankenspiel am Rande.
Gleichzeitig ist eine individuelle Geschichte auch das, was sie ist – eben individuell. Kein Mensch macht genau dieselben Erfahrungen wie ein anderer. Selbst wenn die äußeren Bedingungen die gleichen sind, so kann das Erleben jener Situation ein völlig anderes sein, als bei einem anderen Menschen.
Die energetische Ebene
Im vergangenen Kapitel habe ich über die Chakren und ihre Polung gesprochen. Ich möchte Sie an dieser Stelle zu einem kleinen Experiment einladen:
Wenn Sie die folgende Anleitung durchgelesen haben, kann es hilfreich sein, für die Durchführung der Übung die Augen zu schließen.
Übung (siehe Hinweis auf Seite 196):
Stellen Sie sich zunächst eine Situation vor, in der Sie sehr aktiv sind. Vielleicht machen Sie eine Sportart, die Sie auch im Alltag praktizieren, oder Sie stellen sich vor, Sie hacken Holz oder putzen die Fenster, so schnell Sie können. Versuchen Sie sich möglichst körperlich mit dieser Vorstellung zu verbinden. Wie fühlt sich Ihr Körper an? Die Muskeln, die Atmung, der Pulsschlag? Wenn Sie das richtig gefühlt haben, atmen Sie ein paar Mal bewusst ein und aus und lassen dieses Bild und die damit verbundenen Empfindungen hinter sich.
Jetzt stellen Sie sich als Nächstes vor, Sie sitzen in der Badewanne oder in der Sauna oder in der Natur an einem besonders schönen und stillen Ort. Versuchen Sie sich wieder so konkret wie möglich mit der Vorstellung an sich sowie den Körperempfindungen zu verbinden, die das in Ihnen auslöst. Vielleicht können Sie fühlen, wie der Atem ruhig wird, der Körper entspannt sich, die Gedanken werden ruhiger und es entsteht ein Gefühl des körperlichen Loslassens.
Verweilen Sie in diesem Zustand, so lange Sie möchten.
Dann atmen Sie wieder einige Male bewusst ein und aus und verbinden sich mit der Situation, in der Sie sich gerade befinden.
Sie haben soeben eine Erfahrung gemacht, wie sich die aktive und die rezeptive Energie im Körper anfühlt.
Das Wurzelchakra der Frau ist, im gesunden Zustand, rezeptiv gepolt. Es beeinflusst die Grundverbindung, die wir zum Leben haben. Hier entscheidet sich, wie wir uns grundsätzlich im Leben fühlen. Als Frau stellen wir diese Verbindung auf empfängliche Weise her. Ist diese rezeptive Polung intakt und das Chakra entspannt, können wir in einem weiblichen Körper die Erfahrung machen, dass das Leben zu uns kommt und dass es uns beschenkt mit allem, was wir brauchen. Auf dieser Ebene können wir uns entspannt zurücklehnen und einfach empfangen. Die rezeptive Polung wirkt auf natürliche Weise anziehend.
Natürlich hängt unsere Erfahrung von Fülle oder Nicht-Fülle im Leben noch von verschiedenen anderen Faktoren ab, aber hier liegt eine wichtige Voraussetzung dafür.
Es gibt zwei Schwierigkeiten, die die rezeptive Grundpolung unseres Wurzelchakras behindern:
Zum einen sind leider immer noch erschreckend viele Frauen in ihrem Wurzelchakra, also ganz konkret auch im Bereich der Vagina, verletzt. Jegliche Form von sexuellen Übergriffen ist in unseren Zellerinnerungen gespeichert und führt zu Verspannungen und Blockaden im Vaginalbereich. Immer wieder aufs Neue erschrecken mich die Statistiken, wie viele Mädchen und Frauen bis heute Opfer physischer und sexueller Gewalt sind. Es sind aber nicht nur unsere individuellen Erfahrungen, die diesen Bereich blockieren können. Wir tragen auch die Verletzungen der Generationen vor uns in unserem Energiesystem. Zum einen genetisch und systemisch, durch die Ahnenreihe der Frauen in unserer Familie, und eben auch aus dem kollektiven Feld. Da gibt es noch einiges freizuräumen, sowohl auf der psychisch-energetischen wie auch auf der politischen Ebene, bevor das kollektive Feld der Frauen an diesem Punkt erleichtert aufatmen kann. Wir arbeiten daran …
Das andere Thema betrifft die Polung selbst. Die Körper-, Frauen- und Sexualfeindlichkeit, aus der unsere Kultur gerade langsam erwacht, hat dazu geführt, dass viele Frauen das Wissen über ihre Sexualität verloren haben. Es geht mir dabei nicht um das Wissen von Abläufen im Sinne der sexuellen Aufklärung. Auch wenn es an dieser Stelle sicher immer noch weiteren Bedarf gibt, kann man sagen, dass die meisten jungen Frauen in unserer Gesellschaft heutzutage über die sexuellen Abläufe informiert sind. Auch die Emanzipationsbewegung hat viel dazu beigetragen, Frauen zu ermutigen, ihre ureigene Sexualität zurückzuerobern. Es ist kaum zu glauben, dass erst in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts langsam publik wurde: Auch der weibliche Körper hat die Fähigkeit zum Orgasmus. 1948 wurde zum letzten Mal überliefert, dass – wohlgemerkt in Amerika – einem Mädchen die Klitoris amputiert wurde, da es angeblich widernatürliche sexuelle Regungen hatte, indem es masturbierte.* 15Man kann diese tiefe Sexualfeindlichkeit, besonders in Hinblick auf die Frauen, also keinesfalls ins Mittelalter abschieben.
Der Aspekt, den ich in diesem Zusammenhang jedoch herausheben möchte, ist, dass die Form der Sexualität, die heute in unserer Gesellschaft allgemein gelehrt und angepriesen wird, sehr stark von männlicher Energie geprägt ist. Viel, schnell, heiß, orgasmusorientiert. Männliche Energie ist wunderbar, Hitze, Leidenschaft – herrlich! Aber die unbewusste, übergroße und ausschließliche Konzentration auf Reibung kann im Wurzelchakra einer Frau auf Dauer zu einer energetischen Umpolung führen. Das Wurzelchakra wird positiv geladen. Es kann energetisch nicht mehr aufnehmen und empfangen. Was unser Wurzelchakra natürlicherweise in Balance hält, wäre der Ausgleich von Hitze und Kühle, von Leidenschaft und Verweilen, von Sturm und Ruhe im Liebesspiel. Die Verteilung ist ganz und gar individuell und soll jetzt nicht als neues Konzept missverstanden werden. Wir haben häufig vergessen, was uns wirklich guttut und entspricht. Wir waren so lange entmündigt und sind verstummt. Wir haben den Zugang zu unserem natürlichen Rhythmus bei einer sexuellen Vereinigung verlernt. Aber jetzt können wir, wenn wir wollen, dieses Terrain für uns zurückerobern und die Sexualität so für beide Geschlechter wieder bereichern.
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