4.2 Montreal Cognitive Assessment (MoCA)
Das Montreal Cognitive Assessment (MoCA) ist ein relativ neues Verfahren (Nasreddine et al. 2005). In der Durchführung dauert es etwas länger als die MMSE. Es eignet sich als Screeninginstrument für leichte kognitive Beeinträchtigungen und Demenz. Wie bei der MMSE können maximal 30 Punkte erreicht werden. Der Cut-off-Score liegt bei 26 Punkten für eine leichte kognitive Beeinträchtigung; in manchen Studien wird ein Score von 23 Punkten zur Erhöhung der Spezifität empfohlen. Die Scores von MoCA und MMSE korrelieren hoch miteinander (r = 0,87). Im Unterschied zur MMSE wird bei der Auswertung des MoCA der Bildungsgrad berücksichtigt, und zwar durch die Addition von einem Punkt für Personen mit 12 oder weniger Bildungsjahren. In vergleichenden Untersuchungen zeigt sich das MoCA der MMSE aufgrund seiner höheren Sensitivität bei der Erkennung einer leichten kognitiven Beeinträchtigung überlegen (Trzepacz et al. 2015).
Der Uhrentest (Shulman et al. 1993) gehört ähnlich wie die MMSE zu den bekanntesten Instrumenten bei der Beurteilung von kognitiven Defiziten. Dieser Test ist ein sehr schnelles Screening-Verfahren, leicht in der Durchführung und der Auswertung, das die visuelle Konstruktion und Problemlösung prüft. Es wird gut durch die Patienten angenommen und wird kaum durch Bildung, Kultur und Sprache beeinflusst. Die Sensitivität des Tests ist hoch, jedoch ist er wenig spezifisch. Maximal können 6 Punkte erreicht werden, je höher der Wert, desto größer die Defizite. Ein Score von 3 oder höher wird als Hinweis auf das Vorliegen einer Demenz gewertet.
4.4 Strukturiertes Interview für die Diagnose einer Demenz vom Alzheimer-Typ, der Multiinfarkt- (oder vaskulären) Demenz und Demenzen anderer Ätiologie (SIDAM)
Das strukturierte Interview für die Diagnose einer Demenz vom Alzheimer-Typ, der Multiinfarkt- (oder vaskulären) Demenz und Demenzen anderer Ätiologie (SIDAM) (Zaudig und Hiller 2002) ist ein praktikables, wenig zeitaufwendiges Untersuchungsverfahren, das einen guten Gesamteindruck von der kognitiven Leistungsfähigkeit des Probanden liefert. Der kognitive Leistungstest führt zum SISCO (SIDAM-Score) und umfasst die Skalen Orientiertheit, Gedächtnis (unmittelbare Wiedergabe, Kurzzeitgedächtnis, Langzeitgedächtnis), intellektuelle Leistungsfähigkeit und höhere kortikale Funktionen (verbale/rechnerische Fähigkeiten, optisch-räumliche Konstruktionsfähigkeit und Aphasie/Apraxie). Das SIDAM enthält auch die Items der MMSE, so dass mit dem SIDAM gleichzeitig der MMSE-Score ermittelt wird. Die maximale Punktzahl für den SISCO beträgt 55 Punkte; Werte zwischen 34 und 51 sprechen für eine leichte kognitive Beeinträchtigung und Werte unter 34 für das Vorliegen einer Demenz (Busse et al. 2002). Die Dauer für die Durchführung des SIDAM beträgt zwischen 15 und 30 Minuten.
4.5 Consortium to Establish a Registry for Alzheimer’s Disease (CERAD)
Das Consortium to Establish a Registry for Alzheimer’s Disease (CERAD) ist eine umfangreiche, in den USA entwickelte Testbatterie, die für den deutschsprachigen Raum von der Universität Basel übersetzt und normiert wurde (Monsch 1997). Die CERAD-Testbatterie umfasst sieben Untertests, nämlich Mini-Mental State Examination (MMSE), Wortflüssigkeit, Modified Boston Naming Test (MBNT), konstruktive Praxis, Lernen, Wiedergeben und Wiedererkennen einer Wortliste), einen verbalen Intelligenztest (Wortschatztest, WST) und einen visuomotorischen Geschwindigkeitstest (Zahlen-Verbindungs-Test-G, ZVT-G).
Seit 2005 gibt es die erweiterte Version CERAD-NP (Neuropsychologische Testbatterie), in der zusätzlich die Untertests Trial Making Test und phonemische Wortflüssigkeit aufgenommen wurden. Das CERAD sowie das CERAD-NP ist nach Alter, Bildung und Geschlecht normiert. Die Dauer der Testung beträgt 45–50 Minuten. Bei der Auswertung werden Bildung, Alter und Geschlecht berücksichtigt (Satzger et al. 2001).
4.6 Verbaler Lern- und Merkfähigkeitstest (VLMT)
Beim Verbalen Lern- und Merkfähigkeitstest (VLMT) (Helmstaedter et al. 2001) wird dem Probanden zunächst fünfmal eine Liste aus 15 semantisch unabhängigen Wörtern präsentiert. Im Anschluss an jede Präsentation sollen die präsentierten Wörter in beliebiger Reihenfolge wiedergegeben werden. Nach diesen fünf Durchläufen findet eine Distraktionsaufgabe, ein Abruf nach der Distraktion und nach einem weiteren halbstündigen Intervall ein Wiedererkennungsdurchgang statt. Mit dem VLMT können unterschiedliche Parameter des deklarativen verbalen Gedächtnisses wie die Supraspanne, die Lernleistung, die langfristige Enkodierungs- bzw. Abrufleistung und die Wiedererkennungsleistung erfasst werden. Es werden insbesondere Kurzzeitgedächtnis, Arbeitsspeicherprozesse und Wiedererkennungsprozesse erfasst. Die Testzeit beträgt etwa 20–25 Minuten; hinzu kommt noch die halbstündige Verzögerung bis zur Erfassung der Wiedererkennungsleistung.
4.7 Repeatable Battery for the Assessment of Neuropsychological Status (RBANS)
Die Repeatable Battery for the Assessment of Neuropsychological Status (RBANS) (Randolph et al. 1998) besteht aus zwölf Untertests, die zu fünf Scores für die Leistungsbereiche Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis, visuospatiale Leistungen und Sprache führen. Die RBANS wurde zum Screening für Demenz und leichte kognitive Beeinträchtigung entwickelt. Der Gesamtwert erlaubt die Feststellung eines kognitiven Defizits mit hoher Sensitivität und Spezifität (Duff et al. 2010). Die Durchführung dauert etwa 30 Minuten.
Die eben aufgeführten Tests werden als Papier-Bleistift-Tests von einem Testleiter mit den Patienten durchgeführt. Diese Testsituation wird von den Probanden mitunter als unangenehm erlebt. Sie empfinden Scham oder Scheu, befürchten Defizite zu zeigen und fühlen sich bloßgestellt. Für das Testergebnis spielen auch die sogenannten Testleitereffekte eine Rolle. Dazu gehört zum Beispiel die Erwartung des Testleiters an den Probanden wie auch die gegenseitige Sympathie oder Antipathie, die zu Bewertungsfehlern führt.
Eine Möglichkeit, diese Probleme zu umgehen, kann der Einsatz einer computergestützten Testung bieten. Derartige Verfahren bieten einige Vorteile gegenüber der traditionellen Testung. Durch die standardisierte Durchführung und Auswertung wird eine hohe Testgüte garantiert und die Störvariablen werden minimiert. Die computergestützte Testung ist zeit- und personalsparend bei der Durchführung und Auswertung. Auswertungsfehler werden vermieden und die Verlaufsdiagnostik wird durch die schnelle Verfügbarkeit von vergleichbaren gespeicherten Ergebnissen erleichtert. Außerdem entfallen die unangenehme soziale Situation für die Probanden und die Testleitereffekte. Daher sollen an dieser Stelle zwei computergestützte Testbatterien, die für die Demenzdiagnostik geeignet sind, dargestellt werden.
4.8 Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery (CANTAB)
Die Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery (CANTAB) ist eine in England seit den 1980er Jahren entwickelte computergestützte Testbatterie, die ursprünglich insbesondere für die Untersuchung von Kindern angewendet wurde (Fried et al. 2015). Sie enthält unter anderem Aufgaben zum räumlichen Arbeitsgedächtnis, zur Reaktionszeit und zu exekutiven Funktionen. Auch für die Erkennung von Patienten mit Demenz und leichter kognitiver Beeinträchtigung ist das Verfahren geeignet (Cacciamani et al. 2018).
4.9 Merkfähigkeits- und Aufmerksamkeitstest (MAT)
Der Merkfähigkeits- und Aufmerksamkeitstest (MAT) wurde als Verfahren zur Früherkennung kognitiver Beeinträchtigungen bei Patienten mit beginnender Demenz entwickelt und validiert (Adler et al. 2012). Es werden Aufgaben zur selektiven Aufmerksamkeit, zum visuellen, verbalen und episodischen Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis sowie zu exekutiven Funktionen präsentiert. Der MAT ist einfach konstruiert und kann auch von Patienten mit leichter Demenz gut durchgeführt werden. Der Test ist für Bildung, Geschlecht und Alter normiert. Der MAT wurde auch schon zur Untersuchung kognitiver Beeinträchtigungen bei Patienten mit Multipler Sklerose verwendet (Adler und Lembach 2015). Die Untersuchungsdauer für die bei der Untersuchung von Patienten mit beginnender Demenz ergiebigsten Leistungsbereiche (selektive Aufmerksamkeit, episodisches Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis, exekutive Funktionen) beträgt etwa 30 Minuten.
Читать дальше