(Zit. n. SchlobinskiSchlobinski, Peter/Kohl, Gaby/Ludewigt, Irmgard/Kohl/Ludewigt 1993, S. 59f.)
Die Betrachtung von Jugendsprache als ein Medienphänomen kann wichtigen Aufschluss sowohl über die Bildung, Verbreitung als auch Vermarktung jugendlicher Sprachstile durch das Spektrum der klassischen Print- und AV-Medien geben. SpreckelsSpreckels, Janet (2014) analysiert in einem Beitrag zur humoristisch-subversiven Medienaneignung einer Mädchengruppe die Verwobenheit von Medienformaten und MedienrezeptionMedienrezeption. Die Jugendlichen nutzen die medialen Texte als Terrain für SelbstinszenierungenSelbstinszenierung, sprachliche Spielereien und kritische Auseinandersetzungen mit den medialen StereotypenStereotyp:
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( (Larissa setzt mit einem neuen Lied ein, das sie voller Inbrunst singt; Zeilen 25–37 werden parallel zu ihrem Gesang gesprochen) ) |
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St |
< ich trag auch immer voll die ROCK-t-shirts – |
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mit< ROSes-> (-) |
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mit ROsen drauf und-> |
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Ke |
< und=nem krEU:z> |
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St |
<��↑ ja:> |
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Ke |
< auf einem [ist sogar ] |
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St |
[und SCHWA:rz;] |
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Ke |
=ne SCHLANGe drau:f;> |
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St |
( ( lacht lauthals) ) |
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( ( 1.0: nur Larissa Gesang ) ) |
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Ke |
< mit bissel GRAU drum-> |
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St |
<
ja:>
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Ke |
< wo ums SCHERT drum geht;> |
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St |
( ( lacht ) ) |
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( ( 1.0: nur Larissa Gesang ) ) |
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St |
< und viele DO:Rnen drauf> |
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Ke |
<St>DO:Rnen> hahaha |
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St |
< und voll SCHWARZ;> |
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Mod |
<
schön,
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danke schön; |
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ich kann nur sagen – |
Beispiel: „ich trag auch immer voll die ROCK-t-shirts“
(zit. n. SpreckelsSpreckels, Janet 2014, S. 171f.; Fettdruck hier: Imitation der Castingshow-Teilnehmerin)
Zunehmend bildet aber der Sprachgebrauch Jugendlicher als intensive Nutzer der elektronischen Medien einen aktuellen Schwerpunkt der Jugendsprachforschung, und zwar weltweit. Als Vertreter der „Generation EGeneration E“ beherrschen sie den medientypischen Sprachgebrauch oft virtuoser als manche Erwachsene. Dies zeigt der folgende Abschluss einer ChatChat-KommunikationChat-Kommunikation:1Neue Medien
Glykeia: Milo mal ganz dolle knuddelt […]
Milo23: hui freu, glyk mal n Schmatza geb[…]
Glykeia: cool
Glykeia: winkt zum Abschied. *fg*
Beispiel: „Chattertreffen“ (Originalorthographie) (Zit. nach Henn-Memmesheimer/HoferHenn-Memmersheimer, Beate/Hofer 2006, S. 198)
4.5 Jugendsprache als internationales Phänomen
Vielen sprachinteressierten und sprachbesorgten Laien ist unbekannt, dass die Bildung besonderer Sprechweisen Jugendlicher sich durchaus nicht auf den deutschen Sprachraum beschränkt. Jugendsprache ist auch ein internationales Phänomen. Ein vergleichender Blick über die Grenzen unserer Nationalsprache hinaus führt rasch zu der Erkenntnis, dass Jugendliche auch in den skandinavischen Ländern, im anglo-amerikanischen Sprachraum, in Frankreich, Spanien und Italien sowie in anderen, zum Teil noch weniger gut untersuchten Ländern einen besonderen, von der jeweiligen Standardsprache unterschiedlichen Sprachgebrauch ausgebildet haben.
Kontrastive Analysen1Zimmermann, Klaus haben ähnliche Strukturmerkmale von Jugendsprachen verschiedener Nationen herausgearbeitet, darunter: die Bildung von AbkürzungenAbkürzungen und neuartigen Zusammensetzungen, Prozesse von Bedeutungsveränderungen sowie EntlehnungenEntlehnungen. Dabei zeigt sich, dass der Einfluss des Englischen auch in anderen Nationalsprachen nachzuweisen ist (frz.: se shooter ; span.: shootear ; frz./engl./dt.: cool, trip ). Auch die Vorliebe für bildliche Ausdrucksweisen, witzige Redensarten und SprachspieleSprachspiele (vor allem das französische VerlanVerlan) scheint sich als ein generelles Generationsspezifikum im Sprachgebrauch Jugendlicher zu erweisen. Ebenso wird deutlich, dass Jugendliche aus den verschiedenen Ländern in vergleichbaren Gegenstandsfeldern (z.B. Musik, Freizeit, Sozialkontakte) differenzierte Wortschatzregister ausgebildet haben.
Die vergleichende Perspektive auf jugendlichen Sprachgebrauch in anderen Ländern macht einerseits auf nationale Grenzen überschreitende allgemeine soziokulturelle Entwicklungen aufmerksam, die sich im Sprachgebrauch der Jugendlichen verschiedener Nationalitäten und Kulturen niederschlagen und zu deren globaler Verbreitung die MedienMedien entscheidend beitragen. NeulandNeuland, Eva 2007 (S. 12f.) stellt einige solcher Besonderheiten im Sprachgebrauch Jugendlicher verschiedener nationaler Herkunft vor, die vor allem aufgrund ihrer Gebrauchsfrequenzen als jugendtypisch gelten können:
Phonetik und Prosodiez.B. Apokopen, Synkopen, Kontraktionen ( hass`e für hast du ), InterjektionenInterjektionen ( ey ), Onomatopoetika als allgemeine Kennzeichen mündlichen Sprachgebrauchs
WortbildungWortbildungz.B. Derivation: Präfigierung: ab-, rum-, durchhängen ; SuffigierungSuffigierung: dt. Schlaffi, Prolo , frz. prolo ; KurzformenKurzformen: dt. Bib, Prof , frz. ado, sp. biblio, profe/profa , Komposition: dt. oberaffengeil
LexikLexikz.B. Neubildungen: Tussi, Proll; EntlehnungenEntlehnungen, nicht nur, aber vorwiegend aus dem Englischen: dt. (un)cool, trip , ausgeflippt , Null-, Durchchecker , frz. cool (coule), killer, killerie , span. flipar, flipado Wortfelder: Differenzierung typisierender Personenbezeichnungen und WertungsausdrückeWertungsausdrücke: cool, geil, krass, fett , Verwendung von Schimpfwörtern und Fäkalausdrücken
Semantik, v.a. BedeutungswandelBedeutungswandelz.B. Bedeutungserweiterung: dt. geil, krass, korrekt , frz. méchant , dt. Braut, Penner , Bedeutungsverengung: Schlampe
PhraseologiePhraseologie, MetaphorikMetaphorikz.B. tote Hose , total Banane sein , voll der Hammer
Stilistikz.B. Stilmittel der Intensivierung: dt. echt , HyperbolikHyperbolik, hyperbolisch: intern. mega, super, hyper , Zitierungen, AnspielungenAnspielung, SprachspieleSprachspiele
Stil- und SprachmischungenSprachmischungz.B. in BegrüßungsformelnBegrüßungsformeln: hadi ciao , hadi tschüss , hadi bye bye
PragmatikPragmatik (der Jugendsprache)PragmatikBegrüßungs- und VerabschiedungsformelnVerabschiedungsformeln, AnredeformenAnredeformen: dt. na, du Penner? , ey, Alter Alter ! , frz. t`es prêt, champion? alors, trouduc, tu dors?
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