Schon als Schüler zeigt Mayburger außergewöhnliches Talent im Zeichnen. In seiner Familie wird später davon erzählt, dass Josef zum Straßwalchener Pfarrer, der erworbene Zeichnungen voll Stolz seinen Bekannten zeigt, gesagt haben soll: „Dös kann i a.“ Als Josef daraufhin seine eigenen Zeichnungen dem geistlichen Herrn übergibt, erkennt dieser das außerordentliche Talent des Buben. Durch den Pfarrer ermuntert, fertigt Mayburger nun im Salzburger Museum Kopien an. Dabei wird er vom Historien- und Landschaftsmaler Georg Pezolt (1810–1878) unterstützt. Für seine weitere künstlerische Entwicklung wird seine Aufnahme in die „Kleine Akademie“ des Malers Johann Fischbach (1797–1871) wichtig. Denn dort kann er seine Fähigkeiten im Zusammenspiel mit anderen Künstlern festigen.
Als ihn Ludwig Mielichhofer, der Redakteur der „Salzburger Zeitung“, mit dem einflussreichen Wiener Kunstsammler und Mäzen Rudolf von Arthaber zusammenführt, rät ihm dieser, ein Gemälde an den Wiener Kunstverein zu schicken. Dieser kauft das Bild sofort an, was Mayburgers Karriere schlagartig befördert. Nun folgen Ausstellungen in Stuttgart und Mannheim, in Prag und Solothurn. Aber auch in den USA werden einige Gemälde Mayburgers angekauft. Zu den beliebtesten seiner Landschaftsmotive zählen Veduten aus der Stadt Salzburg, vom Untersberg und Mönchsberg, vom Tennengebirge, vom Pinzgauer Ferleiten und vom Fuscher Kar, von Gosau und vom Königssee. Mit seiner Landschaftsmalerei wird Mayburger zum bedeutenden Botschafter der Schönheit des Salzburger Landes. Es ist die große Zeit der sentimentalen Landschaftsmalerei, wie sie vor allem durch Caspar David Friedrich, dem großen Maler der Romantik, eingeleitet wurde. Die Bilder zeigen stets Landschaften, die sentimental aufgeladen sind. Im Mittelpunkt steht die Darstellung der zumeist menschenleeren Natur, diese sollte die Emotionalität der Betrachter*innen stimulieren. Damit ist das Ende der beherrschenden Historienmalerei eingeläutet. Es sind stets Atelierlandschaften, gemalt aufgrund von Skizzen, die vom Künstler in der Natur angefertigt, aber im Atelier zu einer relativ freien Komposition zusammengefügt werden.
Das österreichische Kaiserhaus und der Adel beginnen sich nun für Mayburgers Gemälde zu interessieren. Kaiserin Caroline Auguste, die Witwe Kaiser Franz I., die jedes Jahr mehrere Wochen in Salzburg lebt, kauft dem Maler etliche Gemälde ab und lädt ihn auch auf ihr Schloss Persenbeug an der Donau ein. Dort sollen mehr als 40 Bilder mit der Donaulandschaft als Motiv entstanden sein. Auch Erzherzog Ludwig Viktor, der von Kaiser Franz Joseph in das Schloss Kleßheim verbannt ist, die Herzogin von Modena und Graf Esterházy unterstützen ihn mit Ankäufen. Mayburger kann auch der Erzherzogin Antoinette von Toskana einige Jahre lang Zeichenunterricht erteilen.
Mayburger erweist sich aber auch als Entdecker der Talente Hans Makarts, den er in besonderem Ausmaß fördert. Makart hatte an der Wiener Akademie der bildenden Künste studiert, war dort aber wegen fehlenden Talents entlassen worden. Durch die Fürsprache Mayburgers kann Makart nun an der Münchener Akademie studieren und wird zum bedeutendsten Historienmaler der Ringstraßenepoche (s. Kap.: Hans Makart).
Mit 36 Jahren heiratet Mayburger Zita Ganzera, Tochter des Pechermeisters Balthasar Ganzera (Pecher = Hersteller von Harzprodukten) in Nonntal, wo sie das Haus Erhardgässchen Nr. 2 beziehen. Mayburger engagiert sich nun auch politisch und wird 1862 Gemeinderat in der Stadt Salzburg, wo er sich besonders dafür einsetzt, dass die altehrwürdigen Baudenkmäler erhalten werden. Er gründet den Stadtverschönerungsverein, dessen Präsident er von 1873 bis 1875 ist. Außerdem wird er auch Mitglied des Komitees für den Bau des Künstlerhauses und der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde.
Kompromisslos und mit großer Hartnäckigkeit verhindert er die Verbauung des Griesplatzes sowie den Abriss des Klausentors und der Monikapforte samt den Bastionen auf dem Salzburger Mönchsberg. Auch die schonend vorgenommene Regulierung der Salzach in der Stadt ist Mayburger zu verdanken. Nach seiner politischen Tätigkeit muss er zusehen, wie das Linzertor zerstört, der Rudolfskai verbaut und das neue Justizgebäude errichtet werden, was er als Verbrechen bezeichnet. Bis in seine letzten Lebensjahre ist Mayburger künstlerisch tätig. Sein Lebensmotto lautet: „Nulla dies sine linea“ (Kein Tag ohne Strich). In seinem 94. Lebensjahr stürzt Mayburger über die Stiege und kann sich davon nicht mehr erholen. Er stirbt am 2. November 1908. Im Jahr 1924 benennt die Stadt Salzburg die Verlängerung des Elisabethkais nach Mayburger.
Zur Bedeutung Mayburgers als Maler muss gesagt werden, dass er keine revolutionären Wege beschritten und auch nicht an den Aufbrüchen der Sechziger- und Neunzigerjahre des 19. Jahrhunderts (Realismus und Impressionismus) teilgenommen hat, sondern der Tradition der romantischen Landschaftsmalerei verhaftet blieb. Auch der Pleinair-Malerei (Malen in der freien Natur bei normalen Licht- und Schattenverhältnissen) konnte er nichts abgewinnen. Damit ist er in der Kunstgeschichte von geringerer Bedeutung. Doch seine Veduten aus dem Salzburger Land werden auch heute noch sehr geschätzt und gehütet. Und seine Gründung des Stadtverschönerungsvereins kann als bahnbrechende politische Leistung gesehen werden.
ALBERT POLLAK
1833–1921
Salzburgs erster Jude
Das Porträt Albert Pollaks mit dem grünen Wams und dem Gamsbart auf dem Hut lässt vermuten, dass es sich um einen Jäger aus einem der Salzburger Gebirgsgaue handelt. Wenn da nicht der gelbe Judenstern auf der Joppe zu sehen wäre. Tatsächlich handelt es sich bei dem Abgebildeten um den ersten Juden im Bundesland Salzburg. Denn im Jahr 1498 waren unter dem Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach im Erzstift Salzburg alle Juden mit einem Aufenthaltsverbot belegt worden. Als Salzburg nach mehrfachem Besitzwechsel 1816 endgültig zu Österreich kommt, bleiben die bayerischen Judengesetze jedoch weiterhin in Kraft. Juden dürfen Salzburg nur unter Aufsicht eines Polizisten betreten und müssen die Landeshauptstadt spätestens nach einer Stunde verlassen. Erst mit dem Staatsgrundgesetz von 1867 werden alle konfessionell begründeten Aufenthaltsverbote beseitigt.
Pollak entstammt einer jüdischen Familie in Mattersburg, das damals Mattersdorf heißt und zum Königreich Ungarn gehört. Im Zuge seines Militärdienstes beim k.u.k. Infanterieregiment Erzherzog Rainer ist er zehn Jahre in Salzburg stationiert. Es gelingt ihm 1862, die Gewerbeberechtigung für Gold- und Silberwaren sowie Preziosen aller Art zu erlangen, und etabliert sich sehr rasch als gefragter Antiquitätenhändler. Salzburgs Bürgermeister Heinrich Ritter von Mertens soll ihm jedoch erklärt haben, dass er der „erste und letzte Jude sein werde“, der sich in Salzburg niederlasse, und legt ihm nahe, die Stadt zu verlassen (ein dokumentarischer Beleg für diese Aussage fehlt jedoch). Die Aufnahme in den Gemeindeverband der Stadt wird ihm verwehrt.
Im ländlichen Raum des erst seit einem halben Jahrhundert zum Habsburgerreich gehörenden Bundeslandes Salzburg herrscht noch immer eine konservativ-christliche Judenfeindschaft. Die Juden gelten als verdächtige Modernisierer und Sittenverderber. Pollak lässt sich aber nicht beirren, und nach dem Staatsgrundgesetz von 1867, das eine liberale Phase einläutet, holt er Verwandte aus seiner früheren Heimat nach. Diese kommen alle aus dem burgenländisch-westungarischen Grenzsaum der Monarchie. In der Amtszeit des Bürgermeisters Dr. Ignaz Harrer wird er mit 13 zu 8 Stimmen im Gemeinderat als Bürger der Stadt akzeptiert und k.u.k. Hoflieferant, auch für die Königshäuser Belgiens und der Niederlande. So beschafft er für den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand die Einrichtung für das Schloss Blühnbach. Im Jahr 1873 heiratet Pollak die aus Wiener Neustadt stammende Karoline Breuer. Aus der Ehe gehen acht Kinder hervor.
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