Sie kannten sich scheinbar schon recht gut, hatten aber offensichtlich nicht viel Sympathie füreinander. Miss Briggs hatte den Vorrang vor Miss Smith, und beide Frauen sahen in Tempera etwas geringschätzig die junge Anfängerin. Sie hörten sehr erfreut, daß Tempera noch nie in Südfrankreich gewesen war. So konnten sie ihre überlegenen Kenntnisse ausspielen, und Tempera mußte sich bei einigen Informationen, die sie nur von ihnen bekommen konnte, auf die beiden verlassen.
Als der Zug schließlich abfuhr, entspannten sie sich jedoch sehr schnell. Die Diener boten ihnen ein Glas Champagner an, das die Damen bereitwillig annahmen, um dann zu erklären, daß sie viel lieber Sandwiches mit Gänseleberpaste äßen als Sandwiches mit Kaviar.
„Eines muß man Seiner Hoheit jedoch lassen“, bemerkte Miss Briggs, als sie das zweite Glas Champagner trank, „was er tut, hat Stil. Sie werden es kaum für möglich halten, aber als wir im letzten Jahr zum Marquis von Tenby fuhren, mußte ich in einem ganz gewöhnlichen Abteil zweiter Klasse reisen, in dem auch noch ein Fremder saß.“
Die Dame sprach in einem solch entrüsteten Ton, daß Tempera Mühe hatte, nicht laut zu lachen.
„Sie haben Ihrer Lady hoffentlich gesagt, was Sie von einer solchen Behandlung halten“, äußerte sich Miss Smith vernehmlich.
„Sehr deutlich!“ betonte Miss Briggs. „Sie war den Tränen nahe, als ich ihr mitteilte, ich sei nach dieser unkomfortablen Reise nicht mehr imstande, ihr Kleid zu bügeln. Sie plante doch, es auf der wichtigen Party zu tragen, die sie am Abend unserer Ankunft besuchen wollte.“
„Auf diese Weise lernen sie es am besten!“ sagte Miss Smith voller Genugtuung. „Ich sehe gar nicht ein, daß wir uns mit irgendetwas abfinden sollen, wenn man bedenkt, daß unsere Ladys ohne uns völlig hilflos sind.“
Sie bemerkte, daß Tempera mit weit-aufgerissenen Augen zuhörte.
„Sie sind noch sehr jung, Miss Riley“, sagte sie etwas mitleidig. „Vermutlich haben Sie noch nicht viel Erfahrung?“
„Das stimmt“, bestätigte Tempera.
„Nun, dann nehmen Sie einen Rat von mir an“, ließ sich Miss Smith herab. „Pochen Sie auf Ihre Rechte und lassen Sie sich nicht davon abbringen. Heutzutage gibt es Herrschaften, die glauben, mit den Dienstboten könne man nach Belieben herumspringen. Aber wir in unserer Stellung können denen schnell beibringen, daß sie sich da irren.“
„Das ist in der Tat so!“ stimmte Miss Briggs mit einem schwachen Lächeln zu. „Aber auf dem Château Bellevue wird es uns nicht an Komfort mangeln. Ein Trost dafür, daß wir jetzt diese ermüdende Reise über uns ergehen lassen müssen.“
„Ich bin noch nie da gewesen“, bemerkte Miss Smith.
„Dort gibt es jeden Luxus“, erklärte Miss Briggs zufrieden. „Und ich kann Ihnen sagen, Miss Smith, das wiederum liegt nur daran, daß der Herzog nicht verheiratet ist. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, daß es in frauenlosen Haushalten, in denen keine hochnäsige Dame des Hauses herrscht, viel komfortabler zugeht.“
„Da kann ich Ihnen nur zustimmen!“ erklärte Miss Smith. „Aber es ist eigenartig, daß Seine Hoheit bisher nicht eingefangen wurde, wo er doch so besonders gut aussieht. Und dabei haben es schon viele Damen versucht, darauf können Sie mein Wort haben.“
„Da brauchen Sie mir nichts zu erzählen“, versetzte Miss Briggs spöttisch. „Letztes Jahr waren sogar zwei Ladys auf der Party hinter ihm her. So was habe ich noch nie gesehen. Sogar Mr. Bates, der Butler, sagte, er sei höchst erstaunt! Das hätte alles übertroffen, was er bis dahin miterlebt hätte.“
„Und die beiden hatten keinen Erfolg?“
„Natürlich nicht. Wenn Sie mich fragen: Seine Hoheit hat nicht die geringste Absicht, irgendjemanden zu heiraten. Er hat sich entschieden, Junggeselle zu bleiben, und wer könnte ihm das verdenken? So wie er aussieht und bei seinem Geld, könnte er jede Frau haben, die er sich nur wünscht, und er müßte nicht einmal Anstalten machen, ihr einen Ehering anzubieten.“
Tempera fühlte, wie ihr der Mut sank. Wenn dies die Wahrheit war, dann wären der Verkauf ihrer Zeichnung und all das Geld für die Kleider ihrer Stiefmutter umsonst gewesen!
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