Ich kenne keine Mutter mit kleinen Kindern, die es sich zeitlich leisten kann, zwölf Stunden bei der Arbeit zu sein oder am Feierabend mit ihren Kollegen an einer Bar abzuhängen. Auch traf ich während meiner beruflichen Laufbahn kaum auf flexible Arbeitsstrukturen. Eher erntete ich feindliche Blicke, wenn ich meinen Arbeitsplatz erst nach neun Uhr erreichte oder die «Frechheit» besass, um fünf Uhr auszustempeln, um in die Kita zu eilen. Für mich würden familienfreundliche Strukturen aber bedeuten, dass die Arbeitstage kürzer wären, die Möglichkeit für Home-Office bestünde oder projektbezogene Arbeiten zu Hause ausgeführt werden könnten, was in vielen Dienstleistungsberufen problemlos möglich ist. Mein Chef jedoch hielt nichts von diesen Ideen, offenbar war ihm meine Anwesenheit im Betrieb mehr wert als mein Output.
Ebenfalls herrscht eine Doppelmoral, was Kinder betrifft. Einerseits werden sie heute wie Prinzen und Prinzessinnen auf Händen getragen, und es wird penibel darauf geachtet, dass dem Nachwuchs sämtliche Steine aus dem Weg geräumt werden. Andererseits sollten Kinder heute möglichst in eine Kita abgeschoben werden, am besten gleich drei Monate nach der Geburt, damit die Mutter ihre Karriere nahtlos weiterverfolgen kann. «Normal» aber müsste sein, dass erwerbstätige Mütter von zeitraubenden Haushaltspflichten befreit werden und Familienväter tatsächlich Teilzeit arbeiten.
Niemand will zurück in die steife Zweigeschlechterwelt, die Schüler nur noch vom Hörensagen kennen. Doch an der sogenannten Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss noch viel gearbeitet werden, solange sich Mütter bis zum Umfallen verbiegen müssen, wenn sie das tun, was mittlerweile von ihnen erwartet wird. Denn wirklich geändert hat sich in den letzten zehn, zwanzig Jahren allein das Anforderungsprofil an die «moderne Mutter», das zu einer noch grösseren Gesamtbelastung der Frau führt. Alles andere ist mehr oder weniger beim Alten geblieben.
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