Joachim Kügler - Hände weg!?

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Es gibt viele Gründe, die Bibel nicht zu lesen. Wer erwartet, dass ihn ein freundlicher Erzähler am Anfang an die Hand nimmt, auf geradem Wege durch den Text begleitet und am Ende unbeschadet wieder entlässt, wird garantiert enttäuscht werden. Denen, die es gerne leicht haben, ist deshalb vom Bibellesen abzuraten; doch auch all jenen, die z.B. vor den frauenfeindlichen, gewalttätigen und intoleranten Seiten der Bibel lieber die Augen verschließen. Bibellesen – so könnte man zusammenfassen – ist nicht ungefährlich für den Glauben. Indem der Bibelwissenschaftler solcherart mit einer gehörigen Portion (Selbst-)Ironie vom Bibellesen abrät, weist er auf tatsächlich vorhandene Probleme hin. Zugleich gibt er Hinweise darauf, wie und warum man diese eigenartige, faszinierende Schrift lesen sollte.

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Bei der Bibel darf man das Gehirn nie abschalten. Aufmerksames und wachsames Lesen ist gefordert – und Selbstständigkeit. Denen, die es gerne leicht haben beim Lesen, sei deshalb vom Bibellesen dringend abgeraten.

… nichts für Laien!

Wer die Bibel liest, liest alte Texte. Zwar hält die moderne Bibelwissenschaft das Alte Testament nicht mehr für so alt, wie man früher dachte. Die Experten/-innen datieren den Beginn der schriftlichen Fixierung heute eher in das 8. Jh. v. Chr. Als die älteste datierbare Schrift gilt das Buch des Propheten Amos, ca. 750 v. Chr. Aber der zeitliche Abstand zu heute ist trotzdem gewaltig. Damit einher geht ein kultureller Abstand, der für viele, die sich heute an die Bibel heranwagen, extreme Verständnisprobleme mit sich bringt. Selbst wenn ich mich mit hoher Sensibilität für die Textstruktur und das interne Beziehungsgeflecht ans Lesen mache, werde ich schnell an Stellen kommen, die ich einfach nicht verstehen kann, weil mir das kulturelle Wissen, das der Text voraussetzt, fehlt.

Und gerade die besonders aufmerksam Lesenden, die den Text wirklich wahrnehmen und auf ihn hören möchten und nicht einfach ihre eigenen Gedanken und Vorurteile in den Text hineinzwängen wollen, gerade die werden schmerzlich feststellen müssen, dass sie mit ihrem Verstehen immer wieder an schier unüberwindliche Grenzen stoßen. Da ich, wie ich eingangs gestanden habe, Bibelwissenschaftler bin, könnte das bisher Gesagte den Eindruck erwecken, dass ich die „normalen“ Menschen vom Bibellesen abhalten möchte, weil die Bibel eben nur etwas für Experten ist. Das ist nicht der Fall, aber ich bin schon der Meinung, dass man sich – so weit es möglich ist – Hintergrundinformationen holen sollte, wenn man sich ans Lesen der Bibel macht. 4

eine Frage des Wissens

Allein dadurch, dass die alten Texte der Bibel in einigermaßen exotischen Sprachen geschrieben sind, sind Nichtfachleute vom Lesen der Originaltexte ausgeschlossen. Nur wenige können Hebräisch, Aramäisch oder Altgriechisch! Alle anderen sind auf Übersetzungen angewiesen, die sie nicht kontrollieren können. Und wer dann auch noch etwas über diese alten Texte wissen will, ist völlig abhängig von dem, was die Bibelwissenschaft sagt. Ein großer Teil ihrer Arbeit ist aber so spezialisiert, dass Außenstehende davon nichts verstehen können. Das ist bei anderen Wissenschaften auch so. In Bezug auf die Bibel sendet das hohe wissenschaftliche Niveau die Botschaft aus, dass es eigentlich keinen Sinn hat, dass Nichtfachleute versuchen, die Bibel selbst zu lesen. Ist es daher nicht besser, die Beschäftigung mit diesem Buch ganz denen zu überlassen, die etwas davon verstehen? Würden wir denn etwa jemanden an der Hüfte operieren, obwohl wir keine chirurgische Ausbildung haben? Das fänden wir doch eine ziemlich abwegige Idee.

Wenn Laien (im wissenschaftlichen Sinn) die Bibel lesen, dann machen sie sich halt so ihre Gedanken, die Bibelwissenschaft aber versucht, mit wissenschaftlichen Methoden den Sinn eines Textes zu erfassen.

Darf also solche Wissenschaft nicht berechtigterweise den Anspruch erheben, ihr Umgang mit dem Bibeltext sei zumindest besser als andere Arten, die Bibel zu lesen? Erledigt sich mit einem solchen wissenschaftlichen Qualitätsanspruch das Lesen der Laien nicht von selbst? Ist es nicht besser, dass „Normalglaubende“ den Textsinn von der Bibelwissenschaft übernehmen, anstatt selbst in der Bibel lesen zu wollen? Wer hat schon die Zeit, sich mit (populär) wissenschaftlichen Büchern in die kulturellen Hintergründe der biblischen Welt einzuarbeiten und dann auch noch das mühevolle Lesen dieses komplizierten Textgewebes (siehe oben!) auf sich zu nehmen?! Genügt es nicht, zu wissen, dass es Menschen gibt, die wissen, worum es in der Bibel geht?

eine Frage der Macht

Außerdem könnte ich auch noch aus ganz anderen Gründen gegen das Bibellesen sein. Immerhin sind biblische Texte ja nicht irgendetwas, sondern sie bilden (in der Kombination des Alten Testaments mit dem Neuen Testament) den Kanon der christlichen Kirchen.

Kanonische Texte aber sind Machttexte. Wenn eine Gemeinschaft einen Kanon festlegt, dann definiert sie damit die Menge der Texte, die maßgeblich sein sollen für ihre Identität. Der Kanon ist die Basis für ihre Erinnerung an die Vergangenheit, für ihr Handeln in der Gegenwart und ihre Erwartungen an die Zukunft. Da der kanonische Text die Identität der Gemeinschaft begründet, muss er stets auslegend aktualisiert werden. Wer die Auslegung beherrscht, kontrolliert die kollektive Identität und damit das Denken und Handeln der Gruppe. Kanonische Texte sind deshalb ein Ort der Macht. Diesen Ort zu verlieren heißt die Macht zu verlieren.

Das gilt auch für die Bibel als Kanon. Deswegen hat die Kirche lange versucht, das Lesen der Bibel den priesterlichen Experten zu reservieren. Wir können uns das heute, wo doch das Bibellesen kirchlich gefördert wird, nicht mehr vorstellen, aber im Mittelalter wurde das Bibellesen sogar verboten. Laienbewegungen, die sich bemühten, mit Hilfe von Übersetzungen in die Volkssprache die biblischen Texte auch Laien zugänglich zu machen, wurden verketzert und verfolgt.

Ein besonders krasses Beispiel sind die Waldenser, die im 12. Jh. von „Petrus“ Valdes, einem reichen Bürger von Lyon, gegründet wurden. Valdes ließ sich die Bibel in die provenzalische Volkssprache übersetzen und entschied sich für ein apostelgleiches Leben als armer Wanderprediger. Während sein Projekt zunächst höchste kirchliche Zustimmung fand, geriet er später in ernste Konflikte mit seinem Bischof und als er sich diesem nicht unterordnete und seinen Widerstand auch noch mit einem Bibelzitat ( „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ , Apostelgeschichte 5,29) begründete, wurde er mitsamt seiner Gruppe exkommuniziert und gnadenlos verfolgt. 5

Die Klerikerkirche sah hier und in ähnlichen Fällen in der Gefährdung ihres exklusiven Zugriffs auf die Offenbarungstexte auch eine Gefährdung ihrer Macht. Und das mit Recht! Man wusste ja, wie viel Deutungsarbeit notwendig war, um die gewaltige zeitliche und kulturelle Distanz zwischen dem alten Text und der gegenwärtigen Theorie und Praxis der Kirche zu überwinden. Ungeheuerliches konnte geschehen, wenn jemand den puren Text unvermittelt mit der nackten Realität der zeitgenössischen Kirche konfrontierte und damit die göttliche Autorität der Offenbarung gegen die Kirche, die Hüterin dieser Offenbarung, wendete!

Die mittelalterliche Armutsfrömmigkeit ist ein Beispiel für die Erschütterungen, die eine Konfrontation der kirchlichen Wirklichkeit mit dem biblischen Text auslösen konnte: Ist der Kontrast zwischen dem armen Jesus und der reichen Kirche nicht ein Skandal? Wie kann der Papst „Heiliger Vater“ genannt werden, wenn doch Jesus generell verbietet, einen der Jünger auch nur „Vater“ zu nennen? Wie kann die Kirche zu Kreuzzügen aufrufen, wenn Jesus doch zur Gewaltlosigkeit mahnt? …

Manche dieser Fragen haben nichts von ihrer Brisanz verloren und treffen noch heute wunde Punkte der christlichen Praxis. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es bei der kirchlichen Abwehr einer direkten, wörtlichen Lektüre der Bibel nicht nur um Machtegoismus ging, sondern durchaus auch um die berechtigte Frage, ob ein solch unvermitteltes Bibellesen zum Guten führt. Die Gefahr einer biblizistischen – wir würden heute sagen „fundamentalistischen“ – Lesart scheint dann später auch Luther gespürt zu haben: Einerseits holte er mit seiner Übersetzung die Bibel aus ihrem Latein-Ghetto und schuf für alle, die lesen konnten, einen Zugang zum Bibellesen. Andererseits aber betonte er die Bedeutung des theologisch gebildeten Predigers, der der Gemeinde die Grundperspektiven des Lesens an die Hand gibt.

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