Welches ist die beste Strategie für die Verbesserung der Psoas-Funktion und letztlich eine Verbesserung von Haltung und Bewegung? Diese Frage lässt sich leider nicht einfach beantworten und war beim Schreiben dieses Buches auch nicht mein Ziel. Es ist nicht meine Absicht, dass dieses Buch zum »Goldstandard« für die Verbesserung der Psoas-Funktion wird und/oder frühere Informationen und klinische Ansätze, die beim M. psoas erfolgreich angewandt wurden, entkräftet. Es ist vielmehr ein Versuch, das Gespräch auszuweiten und meine Beobachtungen aus der klinischen Praxis zusammen mit den Strategien zu teilen, die mein Team bei den Chicago Integrative Movement Specialists während der letzten zwölf Jahre etabliert hat, um die Haltung und, was noch wichtiger ist, die Bewegungseffizienz bei unseren Patienten und Klienten zu verbessern. Ich hoffe, dass dieses Buch Sie zum Nachdenken bringen und Ihre Sichtweise über den Beitrag des Psoas zum Erreichen und Beibehalten einer optimalen Haltung und Bewegung erweitern wird.
Bevor wir nun beginnen, möchte ich noch einen letzten Punkt für die Angehörigen der Gesundheits- und Fitnessberufe ansprechen: Machen Sie mit dem weiter, womit Sie Erfolg hatten. Wenn Sie Ihre eigenen Arbeitsmethoden mit Personen haben, die Psoas-Probleme haben, und wenn diese erfolgreich waren, bleiben Sie bei diesen Methoden und Strategien. Verwenden Sie dieses Buch als Leitfaden und um Dinge in Betracht zu ziehen, über die Sie bisher nicht nachgedacht haben oder um es zusätzlich zu Ihrem derzeitigen Behandlungs-/Trainingsprogramm zu nutzen, mit dem Sie bereits Erfolg haben.
Um die (nur in englischer Sprache verfügbaren) Online-Videos zu sehen, verfahren Sie folgendermaßen:
1.Besuchen Sie die Website www.IIHFE.com/the-psoassolution.
2.Sie werden auf Sign Upgeleitet, um Zugang zu den Videos zu bekommen.
3.Sobald Sie Ihre Angaben gemacht haben, erhalten Sie sofort Zugang.
Folgende Videos sind online verfügbar:
•Three-dimensional Breathing
•Apical to pelvis (top to bottom) dfsdfsa fsafs
•Lateral or costal (side to side)
•Antero-posterior (front to back)
•Thoracopelvic Cylinder and Hip Stabilization
•Happy Baby Unsupported
•Happy Baby mit Dumbbell Pull-over
•Happy Baby mit Heel Drop
•Squat
•Supported
•Parallel
•Split
•Lunge
•Forward
•Reverse
•Elevated rear leg
•Bending
•Spinal flexion
Forward Bending
Pelvic Tilt
•Hip Hinge
Supported
Unsupported
•Spine and Hip Extension
•Spine Extension
Prone Lengthen
Back Bending
•Bird Dog
•Hip Hinge Bridge
•Marching Bridge
•Single-leg Bridge
•Psoas Assessment
•Abgewandelter Thomas Test
•Impingement Test
•Manual Muscle Test
•Neutral Alignment
•Standing Assessment
•Pelvic alignment and motion
•Suspension
•Sitting Posture
Schematische Darstellung des Skeletts
KAPITEL
1
Funktionelle Anatomie des M. psoas
Themen
•Knöcherne und myofasziale Ansätze des M. psoas
•Terminologie zur Bewegung von Hüften, Wirbelsäule und Becken
•Die funktionelle Rolle des M. psoas bei Stabilisierung und Bewegung der Wirbelsäule, bei Gang und Atmung
•Anatomische Zusammenhänge zwischen M. psoas und M. iliacus, M. gluteus maximus und M. multifidus
Wahrscheinlich wird kein anderer Muskel im Körper, der die Aufmerksamkeit von Studenten, Chiropraktikern, Physiotherapeuten, Ärzten und Fitnessexperten auf sich zieht, mehr missverstanden oder schlechtgemacht als der M. psoas. Häufig wird er dafür verantwortlich gemacht, eine Vielzahl an muskuloskelettalen Problemen zu verursachen wie Schmerzen im unteren Rücken, Verhärtungen in der Hüfte und Hemmung der Gesäßmuskulatur. Außerdem ist er in Verruf, der primäre Muskel zu sein, der für häufige posturale Dysfunktionen wie eine Kippung des Beckens nach vorne und eine übermäßige Lordose im Lumbalbereich mitverantwortlich ist. Der M. psoas wird chirurgisch gelöst, wenn davon ausgegangen wird, dass er zu einem Impingement und zu Problemen mit einer »schnappenden« Hüfte beiträgt (Hwang et al. 2015, Dobbs et al. 2002, Taylor und Clark 1995).
Um zu verstehen und zu würdigen, welche Funktion dem M. psoas tatsächlich bei Haltung und Bewegung zukommt, wird dieses Kapitel die funktionelle Anatomie des Muskels bezüglich seiner Ursprünge und Ansätze sowie seinen Einfluss auf die mit ihm in Verbindung stehenden Gelenke erkunden. Zwar nehmen Interesse und Forschung am M. psoas zu, an Gesamtwissen über seine tatsächliche Funktion fehlt es jedoch verglichen mit anderen Muskeln. Soweit vorhanden, werden jedoch evidenzbasierte Informationen über seine Funktion geliefert. Wo solche Informationen fehlen, wird eine Kombination aus Forschung und klinischer Erfahrung genutzt, um daraus Informationen zu extrapolieren und das weitgehend akzeptierte Wissen über den M. psoas entweder zu erweitern oder kritisch zu hinterfragen.
Ursprünge und Ansätze des M. psoas
Theoretisch hilft der M. psoas bei der Stabilisierung der Wirbelsäule im Thorax-Beckenzylinder (TPC)(Osar 2015). Die faszialen Ursprünge und Ansätze des M. psoas vom Zwerchfell bis zum Beckenboden und in das Becken hinein legen nahe, dass er zusätzlich zu seinem Einfluss auf die Hüfte eine wichtige Rolle für die Stabilität des unteren Anteils des TPC spielt.
Der M. psoas major (PMj) entspringt von den vorderen seitlichen Wirbelkörpern und Querfortsätzen jedes Wirbels von T12 bis L5. Er entspringt auch, abgesehen von L5–S1, an den Zwischenwirbelscheiben der Lendenwirbelsäule. Weiter oben verbindet sich die Faszie des M. psoas mit den Zwerchfellschenkeln und geht in den M. transversus abdominis über (Stecco 2015, Gibbons 2005ab, Gibbons 2007, Myers 2014). Die Faszie, die das hintere Zwerchfell bedeckt, verbindet Zwerchfell, M. quadratus lumborum und M. psoas (Bordoni und Zanier 2013).
Distal wird der PMj dicker, verbindet sich mit dem Beckenboden und bindet sich durch Faszien in die unteren Fasern des M. transversus abdominis und des M. obliquus internus ein (Gibbons 2005ab, Gibbons 2007). Er verbindet sich mit dem Beckenrand und durch seine Faszien mit dem Beckenboden, bevor er weiter nach unten verläuft, um am Trochanter minor des Femur anzusetzen (Gibbons 2005ab, Gibbons 2007). So wirkt der M. psoas als myofasziale Verbindung zwischen Zwerchfell und Beckenboden (Bild oben).
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