Julia Julia Julia rennt durch den Wald. Mit den langen Röcken ist das nicht einfach. Ihr ist furchtbar heiß. Aber sie muss rechtzeitig zu Hause sein. Darum beeilt sie sich. Wie hat sie nur so dumm sein können! Sie wollte so gerne einmal allein weg. Reiche Mädchen dürfen das nicht. Es muss immer eine Anstandsdame dabei sein. Also dachte Julia: Ich ziehe einfach die Kleider meiner Amme an. Dann kann ich ohne Begleitung in den Wald. Und ich nehme einen Korb mit. Ich tue so, als würde ich Erdbeeren suchen. Für ein Dienstmädchen ist das nichts Ungewöhnliches. Im Wald fühlte sich Julia wohl. Sie beobachtete viele schöne Vögel. Im Fluss schwamm ein Otter. Und war das ein Fuchs, der vor ihr weglief? Ganz sicher war sie sich nicht. Plötzlich sah sie Mercutio. Er stieß mit seinem Fuß kleine Steine weg. Julia kannte ihn. Sie hatte Angst: Wenn er mich nun erkennt? Rasch versteckte sie sich hinter einem Baum. Sie hoffte, Mercutio würde einfach weitergehen. Aber Mercutio gefiel es hier, genau wie ihr. Er zog die Schuhe aus und steckte die Füße ins Wasser. Julia musste heimlich lachen. Das machten doch nur kleine Kinder! Und dann passierte etwas. Langsam näherte sich ihr ein Wildschwein. Das Schwein bemerkte sie nicht. Zum Glück. Aber es kam ihr ganz nahe. Julia wusste, dass Wildschweine gefährlich sein können. Doch weglaufen hatte keinen Sinn. Das Wildschwein würde ihr sofort nachrennen. Also war sie schnell auf den Baum geklettert.
Das verkleidete Fräulein Das verkleidete Fräulein Vorsichtig schlüpft Julia durch das Gartentor. Keiner darf sie sehen. Weder der Gärtner noch die Stalljungen. Julia hat Glück. Es ist so heiß, dass sich niemand im Garten aufhält. Nur der Priester sieht, wie Julia durch den Garten schleicht. Verkleidet als ihre Amme. Er muss darüber lächeln. Leise öffnet Julia die Haustür. Es ist eine schwere Tür mit einem eisernen Ring. Meistens quietscht sie, aber jetzt nicht. Das kommt sicher von der Hitze. Julia ist erleichtert. Sie schleicht an der Küche vorbei. Zwei Küchenmädchen helfen dem Koch. Sie schauen nicht auf. Rasch geht Julia den Gang entlang. Die breite Treppe hinauf. Dann verschwindet sie in ihrem Zimmer. Niemand hat sie gesehen. Im Zimmer wartet die Amme auf sie. „Oh Fräulein, ich machte mir solche Sorgen“, ruft die Amme. Julia nickt. „Ich auch.“ Sie erzählt der Amme von ihrem Abenteuer im Wald. „Schnell, reiche mir meine Kleider“, sagt Julia. „Und hilf mir beim Ankleiden.“ Die Amme hat Julias Kleider schon bereitgelegt. Julia ist gerade fertig, als der Gong ertönt. Es ist das Zeichen, dass sie zum Essen kommen soll. Sie geht die Treppe hinunter in den Speisesaal.
Das Ballkleid Das Ballkleid Am Tisch wird nicht gesprochen. Der Einzige, der etwas sagen darf, ist Julias Vater. „Bei den Orsinis gibt es einen Ball“, berichtet er seiner Frau. „Julia hat eine Einladung bekommen. Sie soll hingehen. Es wird Zeit, dass sie einen Mann findet.“ Julias Mutter nickt. Ihr Mann gibt ihr ein Zeichen, dass sie sprechen darf. „Ich werde morgen mit ihr zum Schneider gehen“, meint die Mutter. „Julia braucht ein Ballkleid.“ „Ja, tue das“, brummt ihr Mann. „Suche ein besonders schönes Kleid aus. Für die schönste aller Töchter. Sie verdient das schönste Kleid.“ Nach dem Essen wird ein Diener zum Schneider geschickt. Er kommt mit Zeichnungen von verschiedenen Kleidern zurück. Ein Kleid ist schöner als das andere. Julia und ihre Mutter sind stundenlang beschäftigt. Auf einer Zeichnung gefällt ihnen der Rock. Auf einer anderen der Kragen. Auf der dritten die Ärmel. „Und morgen suchen wir einen Stoff aus“, beschließt Julias Mutter. „Ich möchte gerne ein rotes Kleid“, meint Julia. Doch die Mutter ist dagegen. „Rot ist keine Farbe für ein junges Mädchen. Weiß ist gut. Oder Hellblau.“ Julia verzieht das Gesicht. „Das sind Farben für Kleinkinder. Ich bin schon 16.“ Natürlich bekommt Julia kein rotes Kleid. Julia muss tun, was ihre Mutter will. Man näht für sie ein weißes Ballkleid. Aber es ist wirklich wunderschön.
Julia träumt von Romeo
Romeo träumt von Julia
Bei den Orsinis
Der Ball
Ein unerwartetes Treffen
Verliebt?
Das blaue Haus
Die weiße Taube
Masken
Eine traurige Liebesgeschichte
Kein glückliches Ende
Und nun?
Herzklopfen
Das Wiedersehen
Tybalt
Auf dem Balkon
Der Kuss
Jetzt sterben
Alles stimmt
Verheiratet
Der Kampf
Noch ein Toter
Es kommt noch schlimmer
Weg aus Verona
Eine Idee
Das geheimnisvolle Fläschchen
Der Brief
Nach Verona
Streit auf dem Friedhof
Leb wohl
Füreinander sterben
Drei Tote
Frieden
Wörterliste
Im Text kommen einige ungewohnte Wörter vor. Sie sind unterstrichen und werden in der Wörterliste ab Seite 91 erklärt.
Romeo und Julia ist eine alte Liebesgeschichte.
Es ist die bekannteste Liebesgeschichte der Welt.
Gleichzeitig ist es eine sehr traurige Geschichte.
Sie handelt von zwei jungen Menschen.
Diese zwei Menschen heißen Romeo und Julia.
Ihre Geschichte ist das Werk von einem berühmten Schriftsteller. Er lebte vor mehr als 400 Jahren in England.
Sein Name war William Shakespeare.
Shakespeare schrieb viele Theaterstücke.
Diese Stücke werden auch heute noch aufgeführt.
Romeo und Julia ist eines dieser Theaterstücke.
Hier wird dieses Theaterstück nacherzählt.
Die Liebesgeschichte von Romeo und Julia spielt in Italien.
Genauer gesagt in der italienischen Stadt Verona.
Im 16. Jahrhundert.
Damals lebten und dachten die Menschen anders als wir.
Wir finden das heute oft altmodisch.
Sie redeten auch viel vornehmer.
Deshalb können einige Wörter in dem Buch ungewohnt sein.
Doch ein paar Dinge waren nicht anders als heute.
Man verliebte sich zum Beispiel.
Und man stritt sich.
Meine Nacherzählung weicht ein bisschen vom Original ab.
Ich habe einiges weggelassen.
Denn Shakespeares Geschichte ist ziemlich kompliziert.
Ich wollte einen Text schreiben, der leicht zu lesen ist.
Hier und da habe ich auch etwas hinzugefügt.
Um zu erklären, wie das Leben im 16. Jahrhundert war.
Und dann muss ich noch etwas über die Liebe sagen: Im 16. Jahrhundert wurde nicht offen über Sex gesprochen. Das fand man unanständig.
Trotzdem wollten die Menschen darüber reden.
Darum benutzten sie eine Art Geheimsprache.
Eine weiße Taube war zum Beispiel eine schöne Jungfrau.
Saß die Taube in einem Käfig, war eine eingesperrte Jungfrau gemeint.
Und wenn die weiße Taube wegflog, war das Mädchen keine Jungfrau mehr.
Das Mädchen hatte also mit einem Jungen geschlafen.
In der heutigen Zeit wird offen über Sex geredet.
Ohne Tauben und Käfige.
Das habe ich in meiner Nacherzählung auch getan.
Doch eines habe ich nicht geändert:
Die große Liebe zwischen Romeo und Julia.
Und das traurige Ende ihrer Liebe.
Marianne Höhle
Romeo geht in der Stadt spazieren.
Das macht er fast jeden Tag.
Er genießt seine Streifzüge.
Er bummelt durch die schmalen Straßen.
Er geht zum Fluss, wo Dienstmädchen Wäsche waschen.
Er schlendert über den Markt.
In Verona ist immer etwas los.
Viele Menschen aus der Umgebung besuchen den Markt.
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