Das ELThG 2wird es als Print- und in Kombination damit als E-Book geben. Damit gewährleisten wir eine universale Verfügbarkeit, ganz gleich ob zu Hause am Schreibtisch oder unterwegs, in Form von bequem zu wälzenden Lexikonbänden oder leicht zu handhabenden Dateien. Wir sprechen auf diese Weise auch unterschiedliche Nutzer an: Diejenigen, für die Lexikonbände ein eingeführtes Arbeitsmittel sind, werden sich auch heute sicherlich für die Print-Ausgabe entscheiden. Neben diese Benutzer treten die User, für die es selbstverständlich ist, ihre wichtigsten Informationen, Texte und Dateien digitalisiert mit sich zu führen oder über ein Netz verfügbar zu haben. An sie wenden wir uns mit dem digitalisierten Format des Lexikons.
Mit seiner Anlage wird das ELThG 2zu einem Arbeitsinstrument, das in mehrfacher Weise passt:
Die konsequent wissenschaftliche Formatierung: Sie liefert nicht nur eine solide Information, sondern macht die Artikel auch zitierbar (mehrfache, fachwissenschaftliche Sichtung jedes Beitrages; Belege für alle Zitate; knappes, aber weiterführendes Literaturverzeichnis; ausgefeiltes Verweissystem).
Praktischer Aufbau: Größere Überblicksartikel, die bis zu neun fachspezifisch differenzierte Unterartikel aufweisen und so einen raschen wie umfassenden Überblick verschaffen.
Orientierung über den engeren theologischen Bereich hinaus: Es werden nicht nur die klassischen theologischen Fachdisziplinen berücksichtigt (also Systematische Theologie mit Dogmatik und Ethik, Bibelwissenschaft des Alten und Neuen Testaments; Praktische Theologie mit Homiletik, Seelsorge und Religionspädagogik sowie Kirchen- und Theologiegeschichte), sondern auch die Nachbardisziplinen und die theologischen Fächer, die sonst eher am Rande ein Dasein fristen (Mission und Missionsgeschichte, u.a. in den umfangreichen Länderartikeln; Diakoniewissenschaft, Philosophie inkl. Philosophiegeschichte; Religionsphilosophie und Wissenschaftstheorie; ebenso Kunst und Literatur, soweit sie einen religiösen Bezug haben). Wichtig war uns auch, dass ethnologische, anthropologische, soziologische, juristische und weitere Gesichtspunkte als eigene Perspektiven zur Sprache kommen, wo das der Gegenstand oder die Diskussionslage gebieten.
Damit erreicht das ELThG 2das Ziel, nicht nur zuverlässig zu informieren, sondern »alles aus einer Hand« anzubieten, was im Bereich Theologie, Kirche, Religion und Nachbarwissenschaften von allgemeinem Interesse ist.
Zur inhaltlichen Ausrichtung dieses Lexikons
Eine Spezialität des ELThG 2ist der Bereich der landeskirchlichen und freikirchlichen, neupietistischen und charismatischen Persönlichkeiten und Werke mit prägender Bedeutung. Einbezogen sind neben Deutschland auch Österreich und die Schweiz. Nicht nur, aber auch in dieser Hinsicht wird die zweite Auflage des ELThG eine an keiner anderen Stelle so zu findende Bündelung einschlägiger Informationen bieten.
Eine diesbezügliche kritische Anfrage hatten wir bei der Konzeption des Lexikons zu bedenken: Hat es Sinn, positionell zu verfahren? Leben wir nicht in einem postpositionellen Zeitalter? Spalten Positionen nicht nur? Käme es nicht darauf an, Konsense zu suchen? Und weiter: Gibt es überhaupt so etwas wie die evangelikale Theologie oder Bewegung? Ist Letztere nicht so breit, dass es in vielen, auch wichtigen Fragen keinen Konsens mehr gibt, etwa bei den klassischen hermeneutischen Themen wie Autorität der Heiligen Schrift und historisch-kritische Forschung oder bei der Frage nach der Richtung des gesellschaftlichen Engagements von Christen und Kirchen? Im Sinne postmodernen Philosophierens kann man darüber hinaus ganz grundsätzlich fragen, ob ein Denken im System nicht als solches obsolet sei. Selbst wenn die Herausgeber und Fachherausgeber ihre Stellung nicht nutzen, um ihre eigenen Inhalte durchzusetzen, hat der ganze Apparat der Selektion, Prüfung und Korrektur von Artikeln eine eminent formierende Wirkung. Wir haben uns diese Fragen selbst gestellt und dazu folgende Antworten gefunden:
Herausgeber und Fachherausgeber maßen sich nicht an, die evangelikale Theologie und Bewegung zu repräsentieren oder evangelikale Positionen in diesem Lexikon quasi flächendeckend abzubilden. So repräsentiert ja schon die Gruppe der Autoren eine große Bandbreite von Positionen. Ziel des Unternehmens war und ist kein »evangelikales«, sondern ein »evangelisches« Lexikon. Die vom Verlag beauftragten Herausgeber haben sich der Herausforderung gestellt, Mitarbeiter zu finden, die sich als Fachleute neben der selbstverständlichen Verpflichtung auf Wissenschaftlichkeit zwei Anliegen verbunden fühlen, die man vielleicht tatsächlich als evangelikal bezeichnen kann, die aber ob ihrer grundsätzlichen Bedeutung die kirchen- und theologiegeschichtliche Partikularität der evangelikalen Bewegung auch sprengen:
Das Anliegen einer Theologie, die sich und andere zurückruft zu den biblischen Grundlagen christlichen Glaubens, wie sie sich speziell durch die Neuentdeckung der Reformatoren darstellen. Wer diesen – bei allen Schwierigkeiten – pointierten Maßstab der Schriftgemäßheit zum Ausgangspunkt nimmt, wird immer wieder kritische und erneuernde Gesichtspunkte finden, die Theologie und Kirche, persönlichen Glauben und Gemeindeleben in fruchtbarer Weise infrage stellen und vitalisieren. Das ELThG2 ist in diesem Sinne einer kritischen, auf biblische Erneuerung abzielenden Theologie verpflichtet.
Eine solche Theologie kommt nur zum Ziel, wo sie »erwecklich« wirkt. Das dokumentiert sich im ELThG2 nicht nur in dem starken Anteil von Kirchengeschichte und praktischer Theologie und in der breiten Berücksichtigung von Missionstheologie und -geschichte; es zeigt sich auch in der Beachtung von geistlichen Aufbrüchen, soweit sich diese dokumentieren und abbilden lassen.
Die große ökumenische Spannweite von Mitarbeitern, die sich für das Unternehmen haben gewinnen lassen, zeigt, dass diese Anliegen eine weit über die evangelikale Bewegung hinausreichende Zustimmung erfahren. Dieses Sachanliegen sammelt also; es trennt nicht, es verbindet.
Als Herausgeber hoffen wir, im Großen und Ganzen der Versuchung entgangen zu sein, durch die Auswahl der Autoren und die Anlage der (Unter-)Artikel im aktuellen Meinungsstreit nur eine einzige Position als richtig oder allein gültig zu präsentieren. Die Absicht, an der wir gemessen werden wollen, ist aber keine in jedem Falle »ausgewogene« Darstellung. Das machte dieses sehr aufwendige Editionsunternehmen ja auch zu einem erheblichen Teil überflüssig, langweilig und irrelevant. Leitend waren vielmehr zwei Ziele:
Zunächst: Wo ein Artikel stark positionell ist, eben weil er sich auf aktuelle Debatten bezieht, da soll er dem Anspruch genügen, auch inhaltlich gegenteilige Standpunkte korrekt abzubilden und zu einer fairen Auseinandersetzung anzuleiten. Naturgemäß bietet der sehr beschränkte Raum eines Lexikonartikels nur begrenzt die Möglichkeit zu einer tieferen und differenzierten Darstellung.
Und sodann: Wo selbst ein solches Verfahren zu monopolistisch und seine Ergebnisse zu einseitig wirken könnte, sind wir so verfahren, dass in verschiedenen Teilartikeln zu einem Stichwort Autoren zu Wort kommen, die unterschiedliche Positionen vertreten. So kann es durchaus sein, dass in den Teilartikeln zu einem Stichwort unterschiedliche Akzente gesetzt werden.
Auch durch diese editorischen Maximen ist unser Lexikon ein Gespräch – im Herausgeberkreis, mit den Autoren und nun mit Ihnen, unseren geschätzten Lesern. Nicht um ein System, eine enzyklopädische Darstellung richtiger Theologie war es uns zu tun, wohl aber um eine Momentaufnahme der evangelischen Theologie aus der Perspektive biblischen und erwecklichen Denkens.
Dank
Unser Dank gehört zunächst den Autoren, ohne die dieses Projekt nicht hätte realisiert werden können. Unser besonderer Dank gilt jenen Autoren, die pünktlich geliefert haben und »zum Dank« weit länger als geplant auf die Publikation dieses ersten Bandes warten mussten, weil sich andere weniger an die Vereinbarungen gebunden fühlten.
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