Wir brauchen hier verantwortungsvolle und emanzipierte Bürger*innen. Wir brauchen sowohl Mitgefühl als auch klare Regeln des Zusammenlebens. Regeln oder Rahmenbedingungen, in denen freie Bürger*innen handeln, sind kein Problem, wenn wir sie klar kommunizieren und aufs Grundlegendste und Notwendigste zurückfahren. Weder Staat noch Gesellschaft haben das Recht, darüber zu entscheiden, welchen Namen ich meinem Kind gebe. Aber sehr wohl hat der Staat das Recht, die Rechte der Kinder zu schützen. Was darf/muss der Staat regeln und gegebenenfalls sanktionieren und wo geht der Staat zu weit? Was kann/darf die Mehrheitsgesellschaft bestimmen/entscheiden und wo werden Minderheiten benachteiligt? Vor nicht allzu langer Zeit war es in Österreich nicht per Gesetz geregelt, dass eine Frau selbst entscheiden konnte, ob sie arbeiten möchte. Was in den eigenen vier Wänden passierte, war eine private Angelegenheit. Zum Glück sind wir heute ein gutes Stück weiter in diesem Bereich gekommen und sanktionieren solche Ungerechtigkeiten. Heute ist die Frage: wo müssen wir hinschauen und wo übertreiben wir, wenn wir neue Regeln fordern oder erstellen? Was darf ein Kollektiv von einem Individuum erwarten? Somit müssen wir automatisch über Freiheit, Angst, Neid, Rassismus, Chancengleichheit und Selbstermächtigung sprechen. Es sind weder Bio-Österreicher*innen per definitionem böse, noch Migrant*innen heilig. Es kommt immer auf das Individuum an und die Rahmenbedingungen einer Gesellschaft, in der dieses Individuum lebt. Also schaffen wir solche Rahmenbedingungen, in denen bestmögliche Entwicklungs- und Verwirklichungschancen für ein Individuum existieren. Stärken wir unsere Bürger*innen, damit sie gerne Verantwortung für ihr Leben übernehmen und aktiv an unserer Gesellschaft teilhaben können … und das unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrem sozialen Status.
Während ich dieses Buch schreibe, ist die weltweite Corona Pandemie ausgebrochen. Derzeit wütet das Virus auf der ganzen Welt. Kein Mensch hat mit so einem Szenario gerechnet, das alle Wahrheiten und Prioritäten durcheinander bringt. Was ist noch wichtig? Mit welchen Fragen macht es noch Sinn, sich auseinander zu setzen? Spielt Integration noch eine Rolle in einer Welt, die durch das Virus so herausgefordert ist, dass sie droht zusammenzubrechen? Sollen wir unsere Anliegen, Wünsche, Ideen für eine bessere Gesellschaft hinten anstellen, uns derzeit nur an der “Corona-Wirklichkeit” beteiligen? Ist es ignorant und unverantwortlich, in so einer Zeit über Integration und andere Probleme zu schreiben und darüber zu sprechen?
Mir werden diese Fragen immer wieder gestellt und ich stelle sie mir selbst. Ich habe hier eine klare Antwort für mich gefunden, die ich Ihnen gerne mitteilen möchte, liebe/r Leser*in. Zu keiner Zeit der Menschheitsgeschichte ist es ignorant oder unverantwortlich, sich Gedanken über eine zukünftige, eine bessere Gesellschaft zu machen. Nur so können wir Menschen bleiben, nur so können wir unsere Würde bewahren. Es ist nicht gut, den Kopf oder die Hoffnung auf eine Zukunft, die besser wird, zu verlieren. Wenn wir unser ganzes Dasein an ein Virus binden, dann haben wir bereits verloren und auch als Menschen aufgehört zu existieren. Also ich würde sagen:
„In Zeiten von Corona darf man, ja muss man sogar Bücher schreiben.”
Savo Ristić
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