6 | Das DAO II 6 | Das DAO II Das DAO, die Inspiration des Lebens, besteht ewig. Der Ursprung des Lebens funktioniert nach dem weiblichen Prinzip; ohne Ende wird neues Leben geboren Auch der einzelne trägt diese Energie in sich. Der Ursprung von Himmel und Erde ist unergründlich. Die Energie des Lebens mit ihrer Wirkkraft ist unsichtbar. Wir sehen die Ergebnisse, sobald wir die Energie des Lebens anwenden. Die Energie fließt, ohne sich jemals zu erschöpfen.
7 | Für andere da sein 7 | Für andere da sein Der Himmel existiert ewig, die Erde existiert seit langer Zeit. Warum existieren Himmel und Erde dauerhaft? Weil der Zweck von Himmel und Erde darin besteht, für andere da zu sein. Dieses ist das Geheimnis ihrer Dauerhaftigkeit. Deshalb lebt der weise Mensch ebenso: Er beobachtet das Leben, mischt sich nicht ein und ist dennoch gegenwärtig. Er stellt sich hinten an und steht dennoch vorne. Dienst du den Bedürfnissen anderer, so werden deine eigenen Bedürfnisse hierdurch gestillt. Selbstloses Handeln bringt dir ein erfülltes Leben.
8 | Wie Wasser sein 8 | Wie Wasser sein Gute Menschen verhalten sich wie Wasser. Wasser ist den zehntausend Dingen von Nutzen, ohne mit ihnen zu konkurrieren. Wasser fließt an niedrige Orte, auch zu denen, die nicht geschätzt werden. Daher ist das Wasser dem Ursprung des Lebens sehr nahe. Lebe in Übereinstimmung mit der Natur der Dinge. Stehe anderen zur Seite, so wie die Erde es tut. Gehe tief in dein Inneres. Sei hilfsbereit und gib aus Mitmenschlichkeit. Halte dein Wort und sei vertrauenswürdig. Sei gerecht gegenüber jedem. Behalte den Überblick, ordne deine Gedanken. Nutze deine Fähigkeiten. Wähle für alles den richtigen Zeitpunkt. Wenn du solidarisch mit anderen Menschen bist, gibt es keine Probleme.
9 | Maßvoll leben 9 | Maßvoll leben An etwas festhalten, ist nicht so gut wie loslassen. Jemanden mit etwas zu überhäufen, ist weniger gut als damit aufzuhören. Schlägt man etwas, so verliert man es. Schleift man etwas, so verliert es seine natürliche Form. Ein Haus voller Reichtümer kann niemand schützen, eines Tages vergeht der Reichtum wieder. Sind Ehre und Stolz sowie dein Besitz dir sehr wichtig, so lädst du dir selbst Schwierigkeiten auf. Wenn das Werk getan ist, dann ziehe dich zurück. Dies ist der Weg des Himmels.
10 | Vollkommenheit 10 | Vollkommenheit Kannst du die Trennung von Körper und Seele aufheben und dich als eine Einheit empfinden? Kannst du zur Erlangung von Lebensenergie dich wie ein neugeborenes Kind bewegen? Kannst du das Weiche in dir zulassen? Kannst du dein Inneres wie in einem Spiegel betrachten und keine Fehler an dir entdecken? Kannst du Verantwortung für Menschen übernehmen, frei, ohne vorgefasste Meinungen und Regeln? Kannst du Zugang zum Tor des Lebens haben, ohne dass neues Leben entsteht? Kannst du eine klare und vollständige Vorstellung von der Welt haben, ohne zu handeln? Zur Welt bringen und aufziehen, jedoch nicht in Besitz nehmen; handeln, jedoch nichts erwarten; wachsen lassen, jedoch nicht kontrollieren; dies ist die beste Art des Umgangs.
11 | Leere 11 | Leere Bei einem Rad laufen dreißig Speichen in einer einzigen Radnabe zusammen. Von diesem Loch in der Mitte hängt es ab, ob das Rad funktioniert. Knete Tonerde zu einem Gefäß. Die Leere in der Mitte macht das Gefäß brauchbar. Nimm einen geschlossenen Raum; brich aus den Wänden Türen und Fenster heraus. Durch das Nichts in den Wänden wird der Raum nutzbar. Die Nützlichkeit und Brauchbarkeit von allen Dingen, hängt vom Unsichtbaren, dem Nicht-Fassbaren ab.
12 | Zuviel von allem 12 | Zuviel von allem Fünf Farben gleichzeitig zu verwenden, macht das Erkennen einzelner Farben unmöglich. Fünf Töne gleichzeitig anzuschlagen, macht die Ohren taub. Fünf Gewürze gleichzeitig zu nehmen führt zur Abstumpfung des Geschmacks. Immer in Eile zu sein, das Jagen nach dem großen Glück, macht die Menschen rastlos. Energie und Lebenszeit mit der Erlangung von überflüssigen Gegenständen zu vergeuden, schadet dir. Der weise Mensch beobachtet die Welt, vertraut aber auf seine eigene innere Vision. Er lässt die Dinge kommen und gehen. Der weise Mensch arbeitet für seinen Magen, nicht für seine Augen. Er arbeitet, um genügend zu essen zu haben. Er arbeitet nicht, um Dinge sein eigen zu nennen.
13 | Anerkennung und Kritik 13 | Anerkennung und Kritik Lob und Tadel beeinflussen dich, sie erschrecken dich gleichermaßen. Weshalb wiegen Anerkennung und Kritik gleich schwer? Suchst du die Anerkennung der anderen Menschen, so verlässt du deinen eigenen Weg und passt dich an. Du hast Sorge vor dem Tag, an dem die anderen dir keine Anerkennung mehr geben. Das macht dich unglücklich. Wirst du kritisiert, fühlst du dich in gleicherweise unglücklich. Große Verantwortung und deine gesellschaftliche Stellung können dich belasten. Weshalb kann große Verantwortung ein Problem sein? Wir haben viele Probleme, weil wir an unser persönliches Ich-Sein glauben. Würden wir nicht an unser einzelnes Ich glauben, dann gäbe es diese Schwierigkeiten nicht. Wer sich als Teil des Ganzen dieser Welt begreift, der kann die Erde beschützen. Wer sich selbst so liebt, wie alle anderen auch, der kann der Welt helfen.
14 | Das DAO III 14 | Das DAO III Was nicht zu sehen ist, nennen wir unsichtbar. Was nicht zu hören ist, nennen wir unhörbar. Was wir nicht festhalten und ergreifen können, nennen wir nicht spürbar. Unsichtbares, Unhörbares, Nichtspürbares sind Eins. Jede dieser drei Formen ist zu subtil, um sie zu beschreiben. Doch durch Intuition, dein eigenes Gespür, kannst du sie sehen, hören und fühlen. Dann ist das Unsichtbare, das Unhörbare und das Unfassbare in einem da. Du näherst dich dem unbekannten Ursprung und findest keinen Anfang. Du folgst dem Weg und stellst fest, es gibt kein Ende. Du kannst den Ursprung nicht kennen, aber trotzdem Teil dieses Ursprungs sein. Zu entdecken, wie das Leben immer schon war, bringt dich in Einklang mit dem Weg.
15 | Weisheit des Herzens 15 | Weisheit des Herzens Weise Menschen hatten immer schon ein tiefgründiges Wissen und ein feines Gespür. Man sah ihnen ihr tiefes Verständnis nicht an, weil sie sich nicht hervortaten. Ein weiser Mensch ist jemand, der umsichtig und aufmerksam ist, so als würde er im Winter einen strömenden Bach überqueren. Es ist jemand, der einfach und unverstellt ist, wie unbearbeitetes Holz. Jemand, der zurückhaltend ist, wie ein guter Gast. Jemand, der sich zurücknehmen kann, wie schmelzendes Eis. Jemand, der so weit und offen ist, wie ein schönes Tal. War ein weiser Mensch betrübt und fühlte sich wie trübes Wasser, so verschwanden seine Sorgen durch Ruhe und Gelassenheit, alles wurde klar. Aus der Stille entsteht in der Meditation neues Leben. Wer das Wissen über das DAO in sich bewahrt, wünscht sich kein neues Leben. Er sucht das andere Leben nicht, selbst wenn das augenblickliche Leben nicht perfekt scheint, weil er schon heute lebt.
16 | Kreislauf des Lebens 16 | Kreislauf des Lebens Lass dein Inneres Ruhe finden, indem du leer, indem du frei von Wünschen und Zielen bist. Betrachte mit Abstand, wie aus dem weltlichen Durcheinander, wie aus den zehntausend Dingen, wie aus dem ständigen Kommen und Gehen, wie aus einem Ende ein neuer Anfang wird. Alles erblüht, wieder und wieder, nur aus dem Grund, um zu dem Ursprung zurückzukehren; zu dem was ewig ist und ewig sein wird. Diesen ewigen Kreislauf nicht zu erkennen, macht unglücklich. Zur Wurzel zurückzukehren, heißt inneren Frieden zu finden. Inneren Frieden zu finden, bedeutet deine Bestimmung zu finden. Deine ursprüngliche Bestimmung zu erfüllen, bedeutet beständig zu sein. Das Wissen um die Beständigkeit verschafft dir Einsicht und Klarheit. Fehlt dir das Wissen um dein ewiges Leben, so tust du leicht das Verkehrte. Das Wissen um die Beständigkeit führt zu Offenheit. Offenheit führt dazu, dass man ohne Vorlieben ist. Bist du ohne Vorlieben, dann bist du wie der Himmel. Bist du wie der Himmel, dann bist du wie der Ursprung. Bist du wie der Ursprung, dann wirst du eins mit dem Leben sein. Eins mit dem Leben zu sein dauert ewig. Lebst du in dieser Weise, so bist du bis zum Lebensende nicht in Gefahr.
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