Meister Laozi rät uns daher: »Arbeitet für eure Mägen und nicht für eure Augen. Reduziert eure Bedürfnisse auf ein vernünftiges Maß, und ihr werdet fortan glücklicher sein.«
Macht, Prestige und Reichtümer können das wahre Leben nicht ersetzen.
13 | Anerkennung und Kritik
Lob und Tadel beeinflussen dich,
sie erschrecken dich gleichermaßen.
Weshalb wiegen Anerkennung und Kritik gleich schwer?
Suchst du die Anerkennung der anderen Menschen,
so verlässt du deinen eigenen Weg und passt dich an.
Du hast Sorge vor dem Tag, an dem die anderen
dir keine Anerkennung mehr geben.
Das macht dich unglücklich.
Wirst du kritisiert, fühlst du dich in gleicherweise unglücklich.
Große Verantwortung und deine gesellschaftliche
Stellung können dich belasten.
Weshalb kann große Verantwortung ein Problem sein?
Wir haben viele Probleme,
weil wir an unser persönliches Ich-Sein glauben. Würden wir nicht an unser einzelnes Ich glauben, dann gäbe es diese Schwierigkeiten nicht.
Wer sich als Teil des Ganzen dieser Welt begreift,
der kann die Erde beschützen.
Wer sich selbst so liebt, wie alle anderen auch,
der kann der Welt helfen.
13 | Anerkennung und Kritik
Wir Menschen sehnen uns nach der Liebe und Anerkennung unserer Mitmenschen. Als Mensch möchten wir dazu gehören und ein positives Feedback von anderen erhalten. Hierfür rücken wir manchmal sogar von unseren eigenen Überzeugungen ab. Bleibt eine lobende Anerkennung aus, fühlen wir uns unglücklich. Genauso unglücklich, als hätte uns jemand kritisiert.
Es ist erstaunlich: Es geht nicht um Ereignisse, sondern nur um Worte! Einfache Worte, sowohl positive als auch negative, können deine Gedanken und Gefühlswelt durcheinanderbringen. Du denkst über Dinge nach, die jemand gesagt oder auch leider nicht zu dir gesagt hat, und lässt dir davon den schönen Tag verderben. Eben noch warst du glücklich, im nächsten Moment bist du todunglücklich. Dabei ist gar nichts passiert, du hast nur etwas Neues gedacht! Du kannst dich mit nur einem Gedanken in den dunklen Kellerraum oder nach oben in die strahlende Sonne begeben. Die Ereignisse des Tages lassen sich häufig nicht beeinflussen, doch die damit verbundene Stimmung schon. Darum achte darauf, für welche Stimmung du dich entscheidest.
Es ist dein gutes Recht, negative Emotionen zu deinem Lebensinhalt zu machen. Aber ist dies auch sinnvoll? Negatives Denken führt doch nur dazu, dass du dich schnell deprimiert und erschöpft fühlst. Du kämpfst dann mit dir und deinen Gedanken, kannst schlecht schlafen und machst dir Sorgen. Wozu soll das gut sein? Halte an diesem negativen Muster nicht länger fest, inspiziere nicht andauernd deine Kellerräume. Dein Haus hat viele lichte Stockwerke, dort ist es viel schöner.
Wie soll ich das anstellen, fragst du dich vielleicht. Du kannst etwas Großartiges für dich tun, indem du es lernst, deine Gedanken zu lenken. Mache auch du dir die angeborene Neutralität deines Verstandes zunutze!
Achte darauf, wenn sich negative Gedanken einschleichen, und unterbrich diese aktiv. Du kannst deinen Kopf durch Meditation trainieren, du kannst dich ablenken, es gibt viele Möglichkeiten. Der erste Schritt besteht darin, bewusst wahrzunehmen, wann das Gedankenkarussell startet. Startet das Karussell, dann stelle sofort den Strom ab. Du kannst mit dir selbst vereinbaren, dass du höchstens eine Stunde des Tages für deine Sorgen reservieren wirst. Diese Zeitspanne ist im Grunde genommen viel zu lang, doch für jemanden, der seine Sorgen pflegt, stellt diese zeitliche Begrenzung eine wirkliche Herausforderung dar. Was mache ich nur den ganzen Tag ohne meine Sorgen? Eine Stunde Sorgen sind doch wirklich genug! In dieser Zeitspanne kannst du alles tun, um deine Probleme zu lösen. Du löst deine Probleme nicht, indem du deine Sorgen rund um die Uhr mit dir herumschleppst! Wenn die für Sorgen reservierte Zeit vorbei ist, ist es nur vernünftig, die nächsten dreiundzwanzig Stunden »sorgenfrei« zu haben. Deine Sorgen dürfen am nächsten Tag wieder bei dir anklingeln und dich mit Beschlag belegen. Wie bei anderen Gewohnheiten und Übungen auch, verstärkt sich ein positiver Mechanismus. Durch das Nicht-Grübeln wird sich dein Leben sehr viel positiver und lebenswerter entwickeln. Du beschäftigst dich wieder mehr mit den angenehmen Seiten des Lebens und weniger mit deinen Problemen.
Kontrolliere deine Gedanken und nutze die angeborene Neutralität deines Verstandes.
Was nicht zu sehen ist, nennen wir unsichtbar.
Was nicht zu hören ist, nennen wir unhörbar.
Was wir nicht festhalten und ergreifen können,
nennen wir nicht spürbar.
Unsichtbares, Unhörbares, Nichtspürbares sind Eins.
Jede dieser drei Formen ist zu subtil, um sie zu beschreiben.
Doch durch Intuition, dein eigenes Gespür,
kannst du sie sehen, hören und fühlen.
Dann ist das Unsichtbare, das Unhörbare
und das Unfassbare in einem da.
Du näherst dich dem unbekannten Ursprung
und findest keinen Anfang.
Du folgst dem Weg und stellst fest,
es gibt kein Ende.
Du kannst den Ursprung nicht kennen,
aber trotzdem Teil dieses Ursprungs sein.
Zu entdecken, wie das Leben immer schon war,
bringt dich in Einklang mit dem Weg.
Für uns Menschen ist es nicht vorstellbar, wie groß das Universum ist, da es über eine unbegrenzte Menge an Energie verfügt. Selbst mit modernen wissenschaftlichen Methoden werden wir daher das DAO niemals in seiner Gesamtheit erfassen können. Einerlei, ob wir uns mit mikroskopisch kleinen Dingen oder mit fernen Galaxien beschäftigen, unsere Forschungen führen immer nur zu einem minimalen Erkenntnisgewinn. Diesen Zustand, nicht zu wissen, woher wir kommen, empfinden wir Menschen als äußerst unbefriedigend und suchen daher nach anderen Methoden, um dem Geheimnis des Lebens auf die Spur zu kommen. Glücklicherweise müssen wir nicht sehr weit gehen, um Klarheit zu erhalten. Da wir selbst Teil des DAO sind, können wir das Geheimnis auch selbst lösen. Jedem Menschen ist es möglich, tiefergehende Erkenntnisse über das Leben zu gewinnen. Es müssen hierfür keine Voraussetzungen erfüllt werden. Unabhängig von Vorkenntnissen, religiösen Einstellungen oder der Mitgliedschaft in Organisationen können wir jederzeit eigene Erfahrungen machen. Wir benötigen hierfür nur etwas Zeit und Ruhe und die Bereitschaft zu meditieren.
Was ist eigentlich Meditation? Viele Menschen denken, dass es sich bei der Meditation um eine Form von Konzentrationsübung handelt. Beginnt man zu meditieren, dann trifft diese Vorstellung auch weitestgehend zu. Durch Stille versuchst du, deinen Geist zu stabilisieren, so dass der Verstand nicht die ganze Zeit etwas in dein Ohr flüstert. Im fortgeschrittenen Stadium handelt es sich bei einer Meditation jedoch nicht mehr um eine Konzentrationsübung, sondern eher um das Gegenteil. Als erfahrener Meditierender wirst du alle Gedanken und Gefühle loslassen können. Je entspannter du bist, desto offener bist du für die kosmische Energie um dich herum. Übrig bleibt eine endlose Weite, das Göttliche in dir und in allen Dingen. Du spürst den Augenblick. Du spürst, was das DAO ist. Diese Erfahrung ist unendlich befreiend und verbindet dich mit dem Leben auf eine neue Weise. Du kannst in diesen Momenten voller Liebe und Mitgefühl erkennen, dass du ein Teil der universellen Energie bist. Zeitliche und räumliche Vorstellungen haben keine Relevanz mehr. Statt dessen erlangst du eine tiefe innere Gewissheit, dass du in diesem Leben gut aufgehoben bist.
Hast du das Unsichtbare, Unhörbare und Nichtgreifbare erlebt, so wird dich dieses Erleben von vielen negativen Vorstellungen befreien. Leider kannst du jedoch »Bewusstheit« nicht durch einfaches Bücherlesen erwerben. Bewusstheit ist eine persönliche Erfahrung und wird von jedem individuell erlebt. Meine Wahrheit ist nicht deine Wahrheit. Nur wenn du dich persönlich auf die Suche begibst, wirst du Antworten auf deine Fragen erhalten. Der Meister kann dir bestenfalls einige hilfreiche Hinweise mit auf den Weg geben.
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