Üblicherweise empfing er die Besucher im kleinen Hauptsaal, aber eines Tages kam ein Gläubiger an die Türe zu seinem privaten Zimmer, klopfte an, der Mönch bat ihn herein. Die so unterschiedlichen Menschen grüßten sich freundlich.
Völlig verwundert blickte sich der Fremde um, es waren keine Möbel oder Gegenstände im Zimmer, nur eine kleine Matte lag am Boden, darauf ruhte der Mönch.
„Meister, habt ihr keine Möbel, keinen Besitz“, fragte er den Mönch.
Der Mönch antwortet ihm: „Und deine Möbel, dein Besitz, wo sind sie“?
„Aber ich bin doch auf der Reise, da habe ich doch nichts bei mir“ antwortete der Besucher.
Darauf erwiderte der Mönch: „Ich bin auch auf der Reise, egal wo ich bin, bin ich nur zu Besuch“.
Das Haften an Besitz, an Menschen, an Begebenheiten, am Zustand, am Ruhm, an der Ehre; alles Begehren, alles Wünschen, alles Hoffen, alles Glauben, das ist die Ursache allen Leidens. Wer sich frei macht von weltlichen Dingen wird „frei sein“ für die Wirklichkeit seiner Selbst, seines Ichs.
Der Volksmund sagt: „das letzte Hemd hat keine Taschen“, niemand kann etwas mitnehmen!
Was uns jetzt lieb und teuer ist, wird in hundert Jahren vermodern und verschimmeln, vermutlich schon in einem Jahr unbeachtet in einer Ecke liegen.
Große Weisheit hat keine äußerliche Gestalt, gut Ding will lange Weile haben, starke Töne erklingen selten
– Lü Buwei –
Vor vielen Jahren saß ein alter Wandersmann unter einem Baum, machte Rast.
Da kam der Gott der Seuchen an seinem Platz vorbei, der Mann erschrak und Angst überfiel ihn. Trotzdem grüßte er den Gott und fragte ihn, was er denn in dieser Gegend mache, warum er hier sei.
Der Seuchengott antwortete ihm, er sei auf dem Weg in die nächste Stadt, um dort 100 Bewohner zu töten, das sei seine Aufgabe, das müsse er machen.
Froh, dass der Gott nicht ihn töten wollte, verabschiedete sich der Mann vor der furchteinflößenden Gestalt, nahm sich eine Flasche Wein aus seinem Sack und leerte sie in einem Zug, er fiel in einen tiefen Schlaf und fing an tief zu träumen.
Der Wahnsinn hatte ihn ergriffen, nun sah er die Stadt vor sich, viele Menschen starben eines furchtbaren Todes, überall war Feuer, Rauch, Gestank und Schreie. Auch sah er in seiner Einbildung den Seuchengott durch die Stadt streifen, wie er dabei die Menschen mit einem Stab berührt, wie diese dann anfingen zu schreien, in Panik wegliefen, eine Apokalypse spielte sich in seiner Vorstellung ab.
Auf einmal drehte sich der Seuchengott um, sah den Wandersmann direkt an, im Traum, ohne Warnung. Der Wanderer nahm allen Mut zusammen und sprach den Gott an: „Du sagtest mir unter dem Baum, dass Du 100 Menschen töten wolltest, ja müsstest, nun sind abertausende schon tot und viele mehr werden sterben, warum tust Du das, warum tötest Du mehr Bewohner als es deiner Aufgabe entspricht“?
Der Seuchengott antworte: „Aber ich habe nur 100 getötet, die anderen Menschen sterben an ihrer Angst, an der Furcht, am Grauen. Und an den Ereignissen, die aus diesem Horror entstehen; ich habe nur meine Arbeit gemacht und 100 getötet, der Rest stirbt an den Folgen, für die die Menschen selbst verantwortlich sind, nicht wegen mir, ich habe die Ursache gesetzt, ja, aber an den anderen Konsequenzen bin ich nicht schuld“.
Der Mann wachte schweißgebadet auf, nahm sein Bündel und ging seines Weges, in diese Stadt kam er nie wieder!
Was lernen wir aus dieser Geschichte?
Mit unserer Geisteshaltung bestimmen wir unser Ich, wir wirken damit auf unsere Umgebung ein, wir beeinflussen alles um uns herum, Menschen, Tiere, Dinge.
Das Grauen schleicht von Haus zu Haus, und klingelt alle Leute raus.
Ich baue jetzt meine Klingel ab, stelle mein Telefon aus, und auch sonst, ich bin nicht mehr zu erreichen für das Grauen.
Weisheit wächst an ruhigen Plätzen!
Niemand rettet uns, außer wir uns selbst. Niemand kann und niemand darf das. Wir müssen selbst den Weg gehen.
– Buddha–
Gerade waren sie noch ein Teil von mir, von meinem Körper, jetzt nicht mehr, ich habe sie abgeschnitten, die Nägel.
Dann mache ich mir keine Gedanken mehr um sie, sie sind aus meinem Blickfeld, landen im Müll.
So wie diese Nägel kann ich auch meine Gedanken „abschneiden“, weglegen, diese sind dann auch kein Teil mehr von mir, einfach die Sorgen und Nöte abstellen, entsorgen, zu den Akten legen, ja, das geht, wenn man möchte, geht nämlich alles.
Holen Sie ihre Schere, legen Sie diese vor sich auf den Tisch. Dann nehmen Sie sich drei kleine Zettel und schreiben auf jedes Blatt ein Stichwort, nämlich die 3 Sachen, die Sie am meisten bedrücken, beschäftigen, belasten. Schauen Sie sich diese Zettel fünf Minuten lang an, volle Konzentration auf ihre Gefühle, auf ihre Gedanken.
Nach den fünf Minuten nehmen Sie die Zettel und schneiden Sie diese durch, dadurch schneiden Sie sie ab von Ihrer Person, von Ihrem Sein, von Ihrem Leben.
Gerade waren die Probleme noch auf dem Zettel, jetzt sind die Zeilen zerschnitten, weg, werfen Sie diese in den Müll.
Ich will Ihnen nicht erzählen, dass die Probleme jetzt verschwunden sind, das wäre Blödsinn, nein, diese Dinge sollen Sie einfach nicht mehr belasten, sich nicht auf Ihr Gemüt legen, ändern können Sie an solchen Dingen sowieso nichts, aber Sie können damit aufhören, sich darum zu sorgen, Ihr „Ich“ zu blockieren.
So wie der große Lehrer es uns vorgemacht hat, so können Sie diese Beschwernisse in den Hintergrund treten lassen.
Belastungen können wir von uns abtrennen, eben wie die Nägel von den Fingern abschneiden, und dann entsorgen, eben wie Müll.
Die Erkenntnis muss Wachsen
Wer Recht erkennen will, muss zuvor in richtiger Weise gezweifelt haben.
– Aristoteles –
Eine organische Abstraktion des Seins bringt eine beredte Sprache, gigantische Gedanken, eine Menge an Fragen, Fragen über Fragen! Traurig, zu hektisch, alles geht zu schnell?
Nachfragen an mein Ich, Zweifel, wie kann das sein?
Und überhaupt, warum, illusorischer Komfort, perverser Stillstand in der Einsamkeit der Gedanken? Wenn ich von einer Idee Kenntnis erhalte, dann zweifle ich zuerst, ich „kaufe“ keine Geschichten von höheren Mächten, wenn ich die Perspektive ändere, dann komme ich zu anderen Kausalitäten, die Geschichte wäre anders verlaufen, was wäre gewesen, wenn?
Kolumbus segelte irrtümlich nach Westen und fand den Osten!
Wenn Sie morgen etwas entscheiden müssen, denken Sie an die Entdeckung Amerikas, „gut“ ist nicht immer „gut“, „schlecht“ kann auch schnell zu wunderbaren Dingen führen, „gut“ kann ein Desaster werden, wer weiß schon was morgen sein wird.
Wächst Ihre ERKENNTNIS vom Wesen der Dinge?
Erkennen Sie?
Dinge, die wichtig sind, die Menschen und Begebenheiten, die ihr Umfeld prägen, ausmachen, erfüllen?
Wissend anstatt unwissend?
Der Lehrer aller Lehrer sagte: Nur wenige sehen ein, dass Dulden auch geduldig macht! Die Philosophie Buddhas, da können schon Zweifel auftauchen. Die Erkenntnis muss wachsen, sind die Worte des heiligen Mannes aus längst vergangenen Tagen. Aber heute ist auch gestern, morgen ist auch schon fast vorbei, alles fließt jetzt, und auch übermorgen ist schon bald wieder Vergangenheit.
Zweifeln Sie nicht, in der Hässlichkeit unseres Daseins liegt dennoch unglaubliche Schönheit.
In meinem Kulturkreis sind die Menschen humanistisch geprägt, Zweifel sind erlaubt, die Erkenntnis muss wachsen, Kultur wächst aus Geschichte!
Es sterben so viele Lebewesen, wie solche geboren werden!
Dumm gelaufen!
Конец ознакомительного фрагмента.
Читать дальше