Nachdem Abigail um die Ecke bog und einige Meter von dem Supermarkt entfernt war, jubelte sie drauflos.
„Juhu, wie toll ist das denn! Eine Arbeit zum Wiedereinstieg in das Arbeitsleben, könnte zwar ein besserer Job sein, doch lieber das als gar nichts“, kreischte Abi voller Freunde und rannte fast den ganzen Weg bis nach Hause.
Als sie durch die Haustüre stürmte, rief Penelope gleich:
„Ah, was ist mit dir los? Warum stürmst du denn so herein?“ Hope kam aus dem Wohnzimmer und ging ebenfalls in die Küche, da sie wissen wollte, was mit ihrer großen Schwester los war.
„Erzähl doch, warum bist du heimgerannt und so außer Puste?“, fragte Hope neugierig, und Abigail begann zu kichern
„Ich hab den Job“, brüllte sie schon fast. Hope und Penelope sahen sich an und fragten im gleichen Moment:
„Beim Autohaus?“ Abi sah die zwei an und wusste nicht, warum sie das jetzt fragten. Sie musste husten und meinte dann:
„Wie kommt ihr denn jetzt auf das Autohaus? Ihr wusstet doch, dass ich heute früh zum Supermarkt wollte. Und ja, die haben einen Job für mich. Am Montag beginnt dort meine Probezeit“, erklärte sie ihrer Tante und ihrer Schwester, die etwas irritiert schauten, weshalb Penelope gleich nachhakte.
„Ich verstehe deine Einstellung da nicht ganz. Warum freust du dich denn so über einen Job im Supermarkt? Vielleicht meldet sich das Autohaus nächste Woche noch bei dir, das wäre doch ein Traumberuf. Du bist gelernte Bürokauffrau und hast was Besseres verdient, als in einem Supermarkt zu arbeiten“, erwiderte ihre Tante darauf und Abi wurde böse.
„Das weiß ich selber. Trotzdem ich bin glücklich darüber, vorerst eine Arbeit zu haben und Geld zu verdienen, was anderes kann ich mir nebenbei noch immer suchen“, meinte sie, drehte sich um und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer. Sie rief noch:
„Ich freue mich über diese Zusage und den Job, egal, ob ihr euch mit mir freut oder nicht.“ Das Ende dieses Satzes wurde vom Zuknallen der Türe begleitet. Hope erschrak und blickte zu Penelope.
„Oh, oh, ich glaube, wir haben sie verärgert. Ich werde mal zu ihr raufgehen, mit ihr reden und hoffe, es wieder gutmachen zu können.“ Penelope nickte und machte sich einen Kaffee.
Hope klopfte an Abigails Tür, doch ihre Schwester bat sie nicht herein.
„Abi, jetzt komm. Sei doch nicht gleich so böse auf uns, wir haben das doch nur gut gemeint“, sagte sie und wartete auf eine Antwort, aber vergebens.
„Ich komme jetzt zu dir rein, nur, dass du es weißt.“ Die kleine Schwester betrat das Zimmer und sah Abigail weinend auf dem Bett liegen. Es zerriss Hope das Herz, wenn sie sah, dass es ihrer Schwester nicht gut ging.
„Kleine, was ist denn los? Weinst du jetzt wegen dem, was Penelope zu dir gesagt hat? Oder bedrückt dich was anderes? Bitte rede mit mir, ich bin deine Schwester und ich mache mir Sorgen um dich.“ Liebevoll strich Hope Abigail über die Haare und den Rücken. Es dauerte sicher fast fünf Minuten bis sich Abi umdrehte und ihrer Schwester ins Gesicht blickte. Hope wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht und nahm sie ganz fest in die Arme. Abigail seufzte.
„Weißt du, mir fehlt Mama und es tut mir immer noch so weh, dass sie nicht mehr unter uns weilt. Ich bin jetzt für dich, für uns verantwortlich und ich kann es mir nicht aussuchen, welchen Job ich machen möchte. Darum bin ich sehr glücklich darüber, vorerst mal im Supermarkt beginnen zu können, um Geld zu verdienen. Dass ihr es mir dann so schlechtredet und euch nicht mal einen kleinen Funken für mich freut, das schmerzt mich schon ein bisschen“, sprach sie zu Hope und redete gleich weiter.
„Und was mich noch bedrückt, ist …“ Abi konnte nicht weitersprechen, denn es kamen ihr erneut die Tränen und Hope wusste nicht wirklich, was los war.
„Was bedrückt dich noch, Schwesterchen? Rede doch bitte mit mir. Du bist mit deinen Problemen nicht alleine, wofür gibt es mich denn sonst?“, flüsterte sie Abi ins Ohr.
„Ich weiß, Süße. Okay, dann sag ich es dir. An diesem Wochenende möchte ich die ganzen Sachen von Mama, das, was wir zwei nicht mehr brauchen, in Kisten packen und hinunter in den Keller stellen. Denn je länger das Zeugs hier herum steht und liegt, desto mehr Zeit brauchen wir, damit klar zu kommen, dass Mama nicht mehr da ist.“
Damit hatte Hope ganz und gar nicht gerechnet. Das Thema rührte auch sie zu Tränen. Abigail rutschte etwas an Hope heran und die zwei nahmen sich in die Arme und heulten sich den Frust von der Seele.
Penelope stand schon länger vor der Türe, die einen Spalt offen war, und hörte das ganze Gespräch mit an. Sie ließ den beiden ein paar Minuten Zeit und trat dann ebenfalls in Abis Zimmer und setzte sich auf das Bett.
„Ich bin stolz, solche Nichten wie euch zu haben, ihr habt so viel Wärme und Liebe in euch und das liebe ich so sehr. Auch wenn eure Mutter nicht mehr hier ist, sie wird trotzdem weiterhin über euch wachen und alleine seid ihr nie, denn ich bin auch noch da. Gemeinsam werden wir an diesem Wochenende die Sachen von Susann sortieren und was ihr nicht mehr braucht in Kartons einpacken und wegräumen“, sagte sie fürsorglich und küsste die Mädchen auf die Wange.
„Dankeschön, Tante Penelope, das ist lieb von dir und wir sind wirklich erleichtert und froh darüber, dass du zu uns gekommen bist“, sagte Abi.
„Doch nun lasst uns runtergehen, Kaffee und Kuchen stehen schon bereit. Diesen Nachmittag verbringen wir mit Relaxen und dann müssen wir auch noch auf deinen neuen Job anstoßen, Liebes“, meinte Penelope und die drei gingen nach unten in die Küche.
„Das finde ich auch für eine tolle Idee“, gab Hope noch ihren Senf dazu.
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Das Wochenende war für Abigail alles andere als schön, da es sehr emotional war, als sie die Sachen ihrer verstorbenen Mutter wegräumten. Da es anscheinend nicht genug Qualen waren und sie ununterbrochen das wirklich misslungene Vorstellungsgespräch im Hinterkopf hatte, träumte sie in dieser Nacht auch noch von dem attraktiven Juniorchef.
Abi stand auf und tobte.
„Warum kann ich dieses Autohaus und diesen sexy Boss nicht einfach vergessen und aus meinem Kopf streichen? Nein, ich träume sogar von ihm und davon, wie er mich küsst. Schlimmer geht es doch echt nicht mehr“, jammerte sie vor sich hin und machte sich hübsch für ihren ersten Arbeitstag im Supermarkt.
Schließlich ging sie hinunter in die Küche, Penelope hat ihr sogar schon Kaffee und Frühstück zubereitet.
„Guten Morgen, Schätzchen. Na, hast du gut geschlafen oder warst schon zu nervös wegen heute?“
„Guten Morgen, Tante. Soll ich ehrlich sein, ja? Ach du meine Güte, ich habe geschlafen wie ein Stein, denn ich träumte von dem überaus heißen Juniorchef von dem Autohaus“, erzählte sie und biss von dem Nutella Brot ab.
„Doch jetzt beginnt die Anspannung und die Nervosität vor meinem ersten Arbeitstag im Supermarkt. Würde ich verschiedene Arbeiten auf dem PC erledigen müssen, wäre ich entspannter als heute, wo mir gezeigt wird, wie ich die Regale einräumen muss“, erklärte sie ihrer Tante, die nickte und ebenfalls ihr Frühstück zu sich nahm.
„Das kann ich mir gut vorstellen, doch du meisterst das schon. Am PC arbeiten ist sicher schwieriger als diese Regale ein- und umzuräumen“, sagte sie zu Abigail, um sie damit etwas zu beruhigen.
„Mal schauen, wie der Tag so wird, ich mach mich jetzt auf den Weg. Bis heute Abend.“
„Bis später und hab einen schönen ersten Tag.“
„Dankeschön.“
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Mason war froh, dass dieses Wochenende endlich vorüber war, weil sein erster Weg an diesem Morgen in das Büro seines Vaters führte.
„Guten Morgen, Papa. Wie geht es dir? Was habt ihr denn die letzten Tage so getan, Mama und du?“, fragte Mason und sein Vater bemerkte den sehr netten Unterton in seiner Stimme.
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