„Oje, nun muss ich mich schon wieder bei Ihnen entschuldigen, das tut mir sehr leid, es war nicht meine Absicht“, sagte er und nahm eine Serviette vom Tisch, um ihr die Hose zu putzen. Abigail riss ihm die Serviette aus der Hand und machte ihre Hose selber sauber.
„Sie schon wieder. Sie haben es wohl auf mich abgesehen, denn egal, wann wir uns sehen, kommen Sie mir zu nahe“, sagte sie forsch und als das über ihren Mund kam, hatte sie schon ein schlechtes Gewissen.
„Tut mir leid, so frech wollte ich das jetzt nicht sagen.“ Er versuchte zu lächeln, doch sein männlicher Stolz war etwas angeschlagen.
„Ist schon okay, kann es ja verstehen. War wirklich nicht meine Absicht, doch wir zwei stoßen immer wieder irgendwie zusammen“, meinte er leise und nun musste auch Abigail lachen.
„Stimmt. Doch nun muss ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie Ihrem Chef meine Unterlagen gegeben haben, denn morgen Vormittag habe ich mein Vorstellungsgespräch“, erzählte sie ihm und er nickte.
„Habe ich schon gehört, ich freu mich für Sie und wünsche Ihnen für morgen alles Gute“, sagte er und gab ihr kurz die Hand, um sich zu verabschieden.
„Auf Wiedersehen“, rief sie ihm nach und Hope konnte sich nicht mehr zurückhalten.
„Wer um Gotteswillen war dieses Prachtexemplar von Mann?“, fragte sie und Abigail konnte kaum einen ganzen Satz sprechen.
„Pracht, Prachtexemplar ... du sagst es. Er ist so … göttlich“, schwärmte sie vor sich hin, bis sie von ihrer kleinen Schwester in die Rippen gestoßen wurde.
„Aua, sag mal, spinnst du?“
„Ja, dann erzähle uns doch endlich, wer dieser Kerl ist“, meinte Hope auffordernd. Abi verfiel schon wieder in Träumerei und ihre Wangen röteten sich.
„Das ist der süße Typ vom Autohaus, mit dem ich zusammengestoßen bin, als ich die Unterlagen fallen ließ“, sagte sie und sprach weiter, als sie wieder ganz bei sich war.
„Aber hallo, dieses Mal kann aber ich wirklich nichts dafür, dass er mir reingerannt ist. Denn am Rücken habe ich keine Augen, tut mir leid, da muss er schon selber aufpassen. Tse, meine schöne, weiße Hose. Ihr Lieben, ich geh jetzt noch schnell in das Geschäft und hole mir die Klamotten für mein Vorstellungsgespräch. Ich bin so in einer halben Stunde beim Auto, passt das?“, fragte sie kurz nach und ihre Tante nickte.
„Alles klar, wir sehen uns beim Wagen.“
Abigail huschte aus dem Café und schnurstracks hinüber zu dem Geschäft „Forever New“, um sich den Rock, die Bluse und die schönen Schuhe zu kaufen. Es dauerte auch nicht lange und schon stand sie bei der Kasse an. Die Verkäuferin tippte alles in die Kasse und packte es schön in eine Tüte ein, die sie Abi reichte. Abigail stellte die Tüte auf den Boden und wollte soeben mit der Karte zahlen, als sie den hübschen Kerl bei dem einen Regal stehen sah. Sie war schon wieder in ihren Träumereien vertieft, bis sie durch die Verkäuferin erschreckt wurde.
„Ähm, entschuldigen Sie. Sie müssten noch mit der Kreditkarte zahlen, habe es soeben erneut für Sie eingegeben“, erklärte diese und Abi war etwas peinlich berührt und tippte so schnell wie möglich den Code ein, um verschwinden zu können.
„Hier noch Ihre Rechnung“, meinte die Verkäuferin.
„Vielen Dank, auf Wiedersehen“, sagte Abigail kurz und bündig und ging in die Garage.
Penelope und Hope saßen schon im Auto und warteten auf sie.
„Na endlich, hast du den Weg gefunden?“, meinte Hope gelangweilt.
„Tut mir leid, hab bei der Kasse solange warten müssen.“
Somit war das Thema abgeschlossen und die drei machten sich nach einem anstrengenden Shoppingtag auf den Weg nach Hause.
Als sie nach kurzer Zeit dort ankamen, war jeder froh, wieder zuhause zu sein, doch für Abigail war dieser anstrengende Tag leider noch nicht vorbei.
„So Liebes, husch husch, ab nach oben, Klamotten anziehen und eine Modenschau machen. Wir wollten doch sehen, was du dir tolles ausgesucht hast“, meinte Tante Penelope und Abigail sah sich im Wohnzimmer suchend um.
„Was suchst du denn?“
„Hast du meine Einkaufstüten gesehen?“, fragte sie ihre Schwester, die verneinte.
„Hm, hast du die denn überhaupt aus dem Auto mit herein genommen?“ Abigail wusste es nicht mehr genau, deshalb ging sie noch einmal raus zum Wagen, um nachzusehen.
Doch sie fand nichts.
„Sie sind auch nicht im Wagen. Mist, ich glaube, ich hab sie bei der Kasse am Boden stehen lassen“, meinte sie und die anderen zwei mussten lachen.
„Du bist ja sowas von schusselig, das ist der Wahnsinn mit dir. Komm, ich such dir schnell die Nummer heraus von dem Geschäft und dann rufst du gleich dort an“, sagte Penelope.
Und, wie sollte es auch anders sein, stand ihre Einkaufstüte nun hinter der Kasse und wartete darauf, abgeholt zu werden.
**
Abigail brauchte an diesem Morgen nicht mal einen Wecker, da sie wegen der ganzen Nervosität schon eine halbe Stunde früher erwachte. Sie reckte und streckte sich, blieb noch kurz liegen und betete, dass das Gespräch heute gut verlief. Wenige Augenblicke später stand sie auf, stellte sich unter die heiße Dusche und sang zu dem Lied mit, das gerade im Radio lief.
Als sie danach vor ihrem Spiegelbild stand, sagte sie:
„Wird schon schiefgehen nachher. Sei einfach du selbst, Abigail.“
Nachdem sich Abi fertiggemacht hatte und nach unten ging, roch sie schon den leckeren Kaffeeduft. Penelope begrüßte sie und drückte ihr die Tasse in die Hand.
„Guten Morgen. Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Liebes, es wird schon schiefgehen später, mach dich nur nicht verrückt und sei einfach du selbst“, sagte sie und Abi musste lachen.
„Das sagte ich vorher auch schon zu mir selbst“, meinte sie und setzte sich an den Tisch. Die beide tranken genüsslich an ihrem Kaffee, als wenig später Hope mit ihren Studienunterlagen hereinkam und sich kurz dazusetzte.
„Abi, du musst mir sofort eine SMS senden, wenn du was weißt nach deinem Vorstellungsgespräch. Leider muss ich heute in die Uni und da kann ich schlecht telefonieren“, erklärte sie ihrer Schwester.
„Kein Problem, ich schreibe dir nachher, wie es mir ergangen ist. Doch jetzt muss ich mich auf den Weg machen, nicht dass ich noch zu spät komme.“
„Du siehst sehr hübsch aus, die neuen Klamotten stehen dir total gut“, sagte ihre kleine Schwester und gab ihr ein Küsschen auch die Wange.
„Toi, toi, toi.“
Sie drehte sich nochmal kurz um und winkte den beiden zu, auf dem Weg zum Auto lästerte sie ein kleines bisschen herum.
„Verdammt, diese Schuhe bringen mich ja jetzt schon um, wie soll ich so bloß den Vormittag überstehen?“
Abi startete ihren Alero und hoffte immer wieder aufs Neue, dass er ansprang, da ihr Wagen echt schon eine alte Schrottkiste war.
Aber wie es der liebe Gott wollte, funktionierte das heute Morgen einwandfrei und Abi ließ einen Pfiff aus.
„Na, da kann gar nichts mehr schieflaufen“, sprach sie mit sich und machte sich auf den Weg zum US Highway Nord.
Während der Autofahrt dachte Abigail an ihre verstorbene Mutter, was sie wohl jetzt zu ihr sagen würde, und das gab ihr in diesem Moment viel Kraft.
In null Komma nichts war die Fahrt zum Autohaus vorbei und nun stand Abi auf dem Parkplatz und begann am ganzen Körper zu zittern.
„Oje oje, ich bin zu nervös, das kann doch wohl nicht wahr sein. Entweder sie sagen „Ja“ zu mir oder „Nein“, mehr gibt es ja nicht. Abi Bennett, reiß dich zusammen und beweg deinen Arsch jetzt da rein“, schimpfte sie mit sich und stieg aus dem Auto.
Nochmal tief durchgeatmet, trat Abigail ein und ging zur Anmeldung, wo auch schon eine junge, hübsche Dame stand.
„Hallo, Sie sind sicher Frau Bennett?“, sagte diese freundlich und Abigail lächelte sie an.
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