„Sagen Sie mal, sind Sie von allen guten Geistern verlassen, hier den ganzen Ständer umzuschmeißen?“, schimpfte diese gleich darauf los, was Abigail recht wütend machte.
„Es tut mir leid, das war nicht meine Absicht“, sagte sie leise, doch die Verkäuferin konnte sich nicht zurückhalten. „Tja, Ihnen tut es leid und ich habe jetzt die ganze Arbeit damit. Vielen Dank auch.“ Nun wurde Abi aber doch etwas böse.
„Wissen Sie was, machen Sie mal halblang. Sie brauchen nicht so herum zu schimpfen, das kann jedem mal passieren und außerdem helfe ich Ihnen ja, alles wieder zu sortieren und einzuräumen. Also alles halb so schlimm“, erwiderte sie etwas härter, und die Verkäuferin sagte nichts mehr, sondern bückte sich, um die Zeitungen aufzuheben. Nach nicht einmal zehn Minuten hatten die zwei alles aufgeräumt und wieder neu in den Ständer sortiert. Abigail sagte:
„Na sehen Sie, war alles halb so wild.“ Diese unsympathische Verkäuferin erwiderte nur kurz und bündig darauf:
„Ja, aber auch nur für Sie, denn ich habe wegen Ihnen nun meinen Morgenkaffee versäumt.“ Sie drehte sich um und weg war sie.
„Tse, was ist das denn für ein Morgenmuffel? Nicht mal danke kann sie sagen“, lästerte Abi und schüttelte den Kopf. Doch nun schnappte sie sich noch ein paar Zeitungen und war darauf bedacht, nicht nochmal etwas umzurennen und begab sich auf den Weg zur Kasse.
Als sie wenige Minuten später zuhause ankam, waren Hope und Penelope auch schon wach und saßen im Esszimmer bei einem Kaffee.
„Guten Morgen, ihr zwei, na, schon wach? Ihr wisst ja nicht, was mir gerade im Supermarkt passiert ist“, sagte sie und erzählte ihnen von dem Zwischenfall.
Hope bekam sich nicht mehr ein vor lauter Lachen und prustete los:
„Das ist wieder mal typisch für dich. Montagmorgen und meine Schwester richtet ein Chaos an im Supermarkt, kein Wunder, dass die Verkäuferin nicht gut auf dich zu sprechen war.“ Eine kurze Pause entstand und Abi wollte gerade Konter geben, als ihr ihre Schwester dazwischen sprach.
„Ach Süße, das war ein Spaß, komm runter und hol dir frischen Kaffee, dann bereite ich mal das Frühstück vor.“
Abigail kniff ihrer kleinen Schwester in den Po und sagte:
„Jetzt hast du aber nochmal Glück gehabt, du Frechdachs“, meinte sie und alle mussten Lachen.
„Ihr zwei seid schon so früh am Morgen verrückte Hühner, das bin ich nicht gewohnt, so einen Trubel zu haben“, gab Tante Penelope von sich und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee.
„Ja, liebes Tantchen, damit musst du rechnen, solange du hier bei uns bist“, sagte Hope frech und verschwand in der Küche. Penelope sah Abigail an und musste grinsen.
Es war schön, gemeinsam zu frühstücken und tat gut, nicht alleine zu sein nach den traurigen Tagen, die sie hatten. Abigail ging danach ins Wohnzimmer, studierte die Zeitungen und hoffte, etwas Passendes zu finden, um gleich Bewerbungen schreiben zu können.
Nach fast einer Stunde kam Tante Penelope zur Tür herein.
„Hier Liebes, ein frisch gepresster Orangensaft für dich zur Stärkung“, sagte sie liebevoll und Abi lächelte.
„Das ist lieb von dir, danke schön.“ Sie nahm das Glas und trank genüsslich einen Schluck.
„Oh, ist der lecker, das kann ich jetzt gut gebrauchen. Denn nun habe ich schon vier Zeitschriften durchgeblättert und nirgends ist eine Stelle zu finden, auf die ich mich bewerben könnte“, jammerte sie und fuhr fort.
„Aber eine habe ich noch, vielleicht entdecke ich da was.“ Penelope legte die Hand auf ihren Kopf und strich ihr zärtlich über das lange, blonde Haar.
„Immer mit der Ruhe. Du findest noch den richtigen Job, gut Ding braucht Weile, sagte deine Mutter immer.“ Abigail gab ihrer Tante ein Küsschen auf die Wange und vertiefte sich wieder in ihre Zeitung.
Schon fast hat sie die Hoffnung aufgegeben, eine gute Stellenanzeige zu finden, doch siehe da, auf der letzten Seite stand was, das Abi ansprach:
Sekretariats-Assistent(in) Automobile
Bei uns erwartet Sie ein sehr gutes Arbeitsklima mit anspruchsvollen Projekten und abwechslungsreichen Aufgaben in einem professionellen Team.
Ihre Aufgaben:
Unterstützung im Automobilmanagement
Mitarbeit in Projekten
Inserate erstellen und verwalten
Telefon- und E-Mail-Korrespondenz
Organisation Büro
Ihr Profil:
Proaktive Arbeitsweise sowie Eigeninitiative
Erfahrung in der Automobilbranche von Vorteil
Sehr gute EDV-Kenntnisse (Office, Excel)
Hohe Einsatzbereitschaft
Sehr gute Umgangsformen und offene Persönlichkeit
Es erwarten Sie spannende Tätigkeiten in einem jungen und motivierten Team. Ein wertschätzender Umgang ist uns dabei sehr wichtig.
Wir bieten eine marktkonforme Bezahlung in Abhängigkeit von der Qualifikation und Berufserfahrung.
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung.
Autohaus Baker Chevrolet
24633 US Highway 19 North
Clearwater, FLORIDA 33763
„Ich bin begeistert, das hört sich ja interessant an. Hab zwar keine Erfahrung in der Autobranche, doch mit den anderen Anforderungen kann ich ihnen dienen“, sprach sie mit sich selbst und begann ihre Bewerbung zu schreiben.
Abi druckte alles schön sorgfältig aus und legte es einer Bewerbungsmappe bei, als soeben ihre Schwester in das Wohnzimmer kam.
„Nanu, bist du doch noch fündig geworden, weil du hier eine Mappe mit deinen Unterlagen liegen hast?“, fragte sie neugierig und Abigail grinste.
„Kaum zu glauben, auf der letzten Seite und sogar die letzte Stellenanzeige war es, die mich ansprach. Autohaus Baker am US Highway North sucht eine Sekretariats-Assistentin. Ist nur fünfzehn Minuten von unserem Zuhause entfernt und hört sich sehr vielversprechend an. Ich habe zwar keine Erfahrung in der Automobilebranche, doch die anderen Aufgaben kann ich gut erfüllen“, gab ihr Abi zur Antwort.
„Toll, das hört sich echt super an. Ich drück dir ganz fest die Daumen. Wann fährst du dorthin, um die Bewerbung abzugeben?“
„Werde auf gut Glück heute noch hinfahren. Vielleicht ist jemand da, dann ist es gut und sonst hinterlasse ich meine Unterlagen“, sagte sie und Hope nickte.
„Gute Idee, ich muss nachher zur Uni, da wir wieder Lesungen haben, doch am Abend bin ich wieder zuhause“, sagte sie zu ihrer großen Schwester.
Nach dem Mittagessen schnappte Abigail sich ihre Unterlagen und packte alles in ihr Auto, als ihr etwas auffiel.
„Ha, dieses Autohaus verkauft doch Chevrolets und wenn ich da mit meinem Alero Flitzer auftauche, kann doch gar nichts mehr schiefgehen“, sang sie voller Vorfreude, die aber schnell verflog, als ihr fünfzehn Jahre altes Auto wieder mal nicht ansprang.
„Das gibt’s doch nicht, komm schon, du darfst mich jetzt nicht im Stich lassen“, sprach sie zu ihrem Auto, das zum Glück nach etlichen Startversuchen ansprang.
Nun war sie auf dem Weg auf den US Highway Nord. Abis Nervosität stieg an, doch sie betete dafür, dass es mit dem Job klappen würde. Nach nicht mal fünfzehn Minuten fuhr sie auf den Parkplatz des Autohauses und atmete nochmal tief durch.
„So, nun reiß dich zusammen, Kleines und bring alles gut hinter dich“, sprach sie zu sich, stieg aus und ging zur Eingangstür. Abi freute sich, dass keine Leute zu sehen waren und ging zur Anmeldung. Da niemand auf dem Platz saß, betätigte sie die Glocke, die auf dem Schreibtisch stand und legte ihre Unterlagen darauf ab. Abigail trat von einem Fuß auf den anderen und hoffte, dass bald jemand kam, denn sie zitterte immer mehr vor lauter Aufregung. Kurz darauf sah sie einen jungen, hübschen Mann aus der Werkstatt kommen.
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