Ole R. Börgdahl - Fälschung

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Wer ist das kleine Mädchen mit dem Sonnenhut, woher stammt das geheimnisvolle Gemälde, wurde es wirklich von einem Jahrhundertgenie erschaffen? Das Kunst- und Auktionshaus Blammer in München übernimmt den Auftrag zur Versteigerung, doch es ist schwerer als gedacht. Alle Indizien sprechen für die Echtheit des Gemäldes, aber es gibt einfach keinen Herkunftsnachweis, es gibt keine Spur von dem Bild hin zu dem großen Meister. Der Rechtsanwalt Georg Staffa macht sich auf die Suche. Seine Recherche führt ihn bald aus Europa in eine Welt, die er vorher nicht kannte, führt ihn fort von dem Gemälde, hin zu Menschen, deren Geschichte und Schicksal der Schlüssel zu dem Geheimnis ist.

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Am nächsten Morgen war er bei Weitem nicht der Erste im Tate-Archiv. Er kam diesmal erst gegen zehn. Neben seinem Arbeitsplatz hatte sich ein sehr britisch aussehender älterer Herr eingerichtet. Sie begrüßten sich mit einem Nicken, ohne etwas zu sagen. Heinz Kühler musste sich erst einmal wieder orientieren. Seinen Notizblock hatte er gestern auch liegen gelassen. Es waren gerade einmal anderthalb Seiten, auf denen er sich Notizen zu bestimmten Ausstellungen gemacht hatte. In einem zweiten Block hatte er auf immerhin gut zehn Seiten alle Kataloge verzeichnet, die er durchgesehen hatte. Es war der aufwendigste Teil seiner Recherche. Neben den Titeln der Ausstellungen hatte er auch das Jahr und die Anzahl der gezeigten Objekte notiert. Später würde er die Liste im Sekretariat seines Chefs von Frau Hoischen oder von einer der anderen Damen abschreiben lassen. Die Liste diente dann als Beleg für seine Arbeit. Für den Fall, dass ihn später irgendjemand noch einmal auf eine Ausstellung aufmerksam machen würde, könnte er mit der Liste immer nachsehen, ob er die Unterlagen nicht doch schon bearbeitet hatte. Die jetzt noch handschriftliche Liste würde in den nächsten Stunden noch länger werden.

Die meisten privaten Sammler besaßen aus dem Werk von Paul Gauguin nur einzelne Zeichnungen oder Aquarelle, die sie zum Teil gemeinsam mit den Besitztümern anderer Sammler präsentierten. Heinz Kühler hatte schon bei den Museumskatalogen immer mit der Gegenwart begonnen und war dann in der Zeit weiter zurückgegangen. Dies hielt er auch bei der Durchsicht der Privatsammlungen so. Anfangs bestanden die Kataloge und Verzeichnisse noch aus prächtigen Fotografien der gezeigten Bilder. In der Zeit vor 1950 dominierten dann Schwarzweißaufnahmen. In einem der Kataloge waren überhaupt keine Bilder enthalten. Die Objekte wurden lediglich bis ins Detail beschrieben. Die Fotos machten es natürlich leichter. Heinz Kühler musste jetzt die einzelnen Abschnitte genau durchlesen. Die Kreidezeichnungen und Aquarelle hatte er zunächst überschlagen. Er suchte nach einem Ölgemälde. Es fand sich unter den gut dreißig Werken nur ein einziges, ein Stillleben. Er blätterte zurück zum Anfang und ging jetzt alle anderen Texte durch. Er überflog die Seiten meistens nur und suchte dabei nach Begriffen, die etwas mit Edmund Linz Gauguin zu tun haben konnten. Die Aquarelle waren in der Mehrzahl. Der Titel eines Bildes lautete »Die Hirtin«, wenigstens ein weibliches Modell, während die vorherigen Seiten oft nur Landschaften oder Brücken beschrieben. Er las jetzt etwas langsamer. Er übersprang zwei Zeilen, weil sein Auge unbewusst etwas wahrgenommen hatte. Er fand die Stelle, »...bretonischer Mädchenkopf«. Ihm vielen sofort die Worte von Claudius Brahm wieder ein. Claudius Brahm sprach von einer bretonischen Bauerntochter, die Gauguin als Basis für das Motiv des kleinen Mädchens verwendet haben könnte. Er konnte das Kind im übertragenen Sinne von der rauen Atlantikküste mit in die liebliche Südsee genommen und sie in eine neue Umgebung hineinversetzt haben. Es konnte sich dabei um ein stilistisches Mittel handeln, das in der Kunst durchaus üblich war und auch noch heute ist.

»Bretonischer Mädchenkopf«, sagte Heinz Kühler laut vor sich hin.

Der Mann am Nebentisch sah kurz zu ihm herüber. Dann war für einige Sekunden wieder Stille, bis Heinz Kühler ruckartig aufstand. Der Stuhl polterte und er entschuldigte sich für den Lärm. Wo war der Instruktor. Sein Platz war leer. Während Heinz Kühler auf das Pult zuging, sah er sich in den Gängen um. Er hatte Glück, gleich hinter einer Säule zog der Instruktor einen Band aus dem Regal und übergab es an einen seiner Kunden. Heinz Kühler winkte ihm zu und der Instruktor kam ihm langsamen, mit bedächtigen Schritten entgegen.

»Ich suche etwas«, flüsterte er halblaut, als ihn der Instruktor fast erreicht hatte.

Mit dem Zeigefinger an den Lippen wies der Instruktor in Richtung seines Schreibtisches, der außerhalb des Lesesaals stand. Sie gingen gemeinsam hinüber, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

»Ich suche etwas«, wiederholte Heinz Kühler, als sie den Arbeitsplatz erreicht hatten. »Ich habe einen Begriff und den Titel eines Bildes des Malers Paul Gauguin. Leider fehlt mir eine Abbildung. Haben Sie die Möglichkeit danach zu suchen?«

»Wir haben selbstverständlich eine elektronische Stichwortsuche«, erklärte der Instruktor, »aber es kommt natürlich auf das Stichwort an, das Stichwort darf nicht zu trivial sein, ansonsten gibt es zu viele Treffer.«

»Ich habe drei Begriffe. Gauguin, Hirtin und bretonisch. Lässt sich damit etwas machen?«, fragte Heinz Kühler.

Der Instruktor nickte. Er hatte sich die Begriffe sofort notiert und suchte jetzt nach der richtigen Software auf seinem Computer.

»Es wird sicherlich einen Moment dauern. Sie können sich wieder setzen. Ich werde an Ihren Tisch kommen«, sagte er und blickte zum Eingang des Lesesaals.

Heinz Kühler blieb noch einige Sekunden stehen, als habe er nicht richtig verstanden. Dann bedankte er sich und ging wieder zurück an seinen Schreibtisch. Es dauerte eine halbe Stunde. Der Instruktor hatte sogar einen Band unter dem linken Arm, als er wieder langsam und diesmal noch bedächtiger den Lesesaal durchschritt. Er legte das Buch auf den Tisch an Heinz Kühlers Platz ab und blätterte nach einem Lesezeichen, das er hineingelegt hatte. Heinz Kühler erkannte das Bild sofort. Das Mädchen hatte eine dicke Nase und grobe, etwas dümmlich wirkende Gesichtszüge. Beim zweiten Hinsehen waren ihre Gesichtszüge aber wohl eher das Ergebnis täglicher, harter Arbeit schon von Kindesbeinen an. Er kannte das Bild, weil er es bereits gestern einmal gefunden hatte. Das Aquarell hatte nichts mit der kleinen Julie aus der Südsee zu tun, nicht das Geringste. Er bedankte sich bei dem Instruktor und versuchte seine Enttäuschung zu verbergen.

Er hatte bis zum Abend noch einige Kataloge vor sich. Einen vermeintlichen Treffer, wie der mit dem bretonischen Mädchenkopf, erzielte er nicht mehr. Das Fazit der vergangenen beiden Tage war ernüchternd. Die Tate Gallery konnte ihm nichts über das Gauguin-Gemälde sagen, das zu diesem Zeitpunkt in München, im Keller des Kunst- und Auktionshauses Blammer sicher verwahrt wurde. Bei allem, was er bisher recherchiert hatte, gab es im Werk des Malers Paul Gauguin keinen Hinweis auf ein kleines Mädchen namens Julie. Es gab keinen Anhaltspunkt auf eine Julie des Bois, es gab auch keine bretonische Bauerntochter, die mit dem Mädchen auf dem Ölgemälde Ähnlichkeit hatte, es gab nicht einmal irgendein Kind in den Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen, das der Kleinen mit dem Sonnenhut glich. Heinz Kühler gähnte, als er sich aus der Liste der anwesenden Besucher im Tate-Archiv in London austragen ließ. Draußen, auf dem Platz, atmete er die frische Luft tief ein und rieb sich die Augen.

*

Florence war in Gedanken. Sie formte das Wort Fotografie lautlos mit ihren Lippen. Und dann war es wieder da, wieder vor ihrem Auge, jetzt erinnerte sie sich. Die Fotoausstellung in einem der Stationsflure. Es war in der orthopädischen Abteilung und einige hingen auch in der Inneren. Sollte das ein Zufall sein. Sie betrachtete sich das Bild des Ölgemäldes auf ihrem Computermonitor. Sie glaubte, das Gesicht des kleinen Mädchens schon einmal auf einer Fotografie gesehen zu haben oder gab es nur Ähnlichkeiten. Ohne weiter zu zögern machte sie sofort einen Schwarz-Weiß-Ausdruck. Der Drucker in ihrem Büro ratterte und schob das Blatt langsam heraus. Sie nahm es, wedelte noch ein paar Mal damit und verließ dann ihr Büro in Richtung der Krankenstationen. Die Fotogalerie, die sie suchte, gehörte ursprünglich zu einer Ausstellung im Gemeindehaus von Taiohae. Vor zwei oder drei Jahren wurden die Bilder dann als Dauerleihgabe an das Krankenhaus gegeben, wo sie jetzt in den Fluren der beiden Stationen hingen. Florence war schon häufig daran vorbeigelaufen und hatte sich die Aufnahmen immer mal wieder angesehen. Die Bilder stammten aus einer Zeit, als erst wenige Franzosen auf den Marquesas lebten. Das europäisch geprägte Leben in Polynesien spielte sich um die Jahrhundertwende mehr auf Tahiti ab. Die Marquesas lagen eher abseits davon, eigentlich lagen sie auch noch heute abseits der polynesischen Metropolen, aber es hatte sich mit dem Flugverkehr und den schnellen und recht häufigen Schiffsverbindungen natürlich schon sehr viel verändert. Florence erreichte die orthopädische Abteilung. Diese Station war dem Haupteingang des Krankenhauses am nächsten. Gleich hinter der Verbindungstür im Flur, von dem die gut zehn Zimmer abgingen, begann die Galerie der Aufnahmen. Die Bilder waren vergrößert worden, etwa in den Abmaßen eines Schreibmaschinenblattes. Bei einigen Aufnahmen hatte es dazu geführt, dass Details zum Teil verschwommen wirkten. Auf beiden Seiten des Flures hingen die Bilder, alle etwa im Abstand von einem Meter und alle auf gleicher Höhe. Die Rahmen waren größer, sodass die Aufnahmen als Passepartout von einem breiten weißen Rand umschlossen waren. Sie schritt die Galerie ab. In der Hand hielt sie den Ausdruck. Die Bilder an den Wänden zeigten Menschen, hauptsächlich die Ureinwohner der Marquesas, aber es waren auch europäische Gesichter darunter. Es gab Szenen an Anlegestellen, Fischer auf ihren Booten, das Anlanden von Waren oder Postsäcken nach Ankunft eines Versorgungsschiffes. Es gab eine Aufnahme vor einem der ersten Hotels auf Nuku Hiva, im Vordergrund hatten sich die Angestellten versammelt. Florence kannte das kleine Haus sogar. Das Hotel war mittlerweile etwas erweitert worden und heute in einer dunkleren Farbe gestrichen. Unter jedem Foto stand in Bleistift, ganz zart, der Ort, an dem die Aufnahmen entstanden waren und eine Jahreszahl. Florence erinnerte sich, dass noch in der Ausstellung im Gemeindehaus, neben den Fotoaufnahmen kleine Schildchen mit kurzen Erklärungen aufgehängt waren. Die Schildchen fehlten jetzt und waren durch die sorgfältigen Notizen ersetzt. Es gab Fotos, die auf Nuku Hiva, auf Hiva Oa und auf Ua Pou gemacht worden waren. Die Jahreszahlen hatten eine Spanne zwischen 1897 und 1905. Florence suchte nach einer Aufnahme, die sie im Geiste vor sich sah, an die sie sich eben in ihrem Büro erinnert hatte. Es handelte sich um ein Foto vom Strand, mit einem Boot im Zentrum des Bildes. Es war ein kleines Boot mit einem Mast, es gehörte vielleicht auch einem Fischer, der täglich in der Nähe der Inseln seine Netze auswarf. Die Boote, mit denen die Leute weit auf das Meer hinausfuhren, waren größer, es waren richtige kleine Schiffe, mit einem Deck und Laderäumen. Mit diesen Schiffen entfernten sich die Fischer weit von den Inseln und fuhren auf den Pazifik hinaus. Es war das Boot und es war das Gesicht des Mädchens. Beides hatte Florence schon einmal auf einem der ausgestellten Fotografien gesehen. Jetzt wo sie an der Galerie der Schwarz-Weiß-Bilder vorüberging, erinnerte sie sich an das, was sie suchte. Auf einem der Fotos befand sich ein Boot im Mittelpunkt der Aufnahme. Es waren Erwachsene, Halbwüchsige, Kinder, es waren Männer, Frauen, Jungen und Mädchen, die links und rechts neben dem Boot standen und sich fotografieren ließen. Florence war überzeugt, dass eines der Kinder ebenfalls einen Sonnenhut trug, genauso einen, wie die Kleine auf dem Ölgemälde. Sie schritt weiter an der Bildergalerie vorbei. Sie hielt sich jetzt nicht mehr damit auf, jede einzelne Fotografie genau anzusehen. Sie suchte nach dem Motiv, nach der Strandszene. In der Orthopädie hingen gut zwanzig Bilder. Aufnahmen vom Strand waren zwar auch darunter, aber nicht dieses eine, das sie suchte. Es gab noch einen Flur im Krankenhaus, auf der anderen Seite des Gebäudes, auf dem die übrigen Bilder aufgehängt waren. Florence verließ die Orthopädie. Jede Station hatte von außen einen Zugang. Vor dem Krankenhaus verlief ein breiter gepflasterter Weg, von dem die Eingänge zu den einzelnen Stationen abgingen. Sie verließ das Gebäude. Sie ging auf dem Weg, bis ans andere Ende des Komplexes und betrat dann die Abteilung für Innere Medizin. Bereits in dem kleinen Vorraum, von dem die Ärztezimmer und Behandlungsräume abgingen, hingen einige der übrigen Fotografien aus der ehemaligen Rathaus-Ausstellung. Jetzt wusste sie auch, warum sie sich so gut an das Bild erinnern konnte. Auf die Flure der Stationen kam sie eher selten. Hier in diesem Vorraum hatte sie aber mehr als einmal gewartet. Es kam oft vor, dass sie die Ärzte beriet, wenn es um die richtigen Medikamente für einen Patienten ging. Die Gespräche fanden zumeist in den Ärztezimmern auf den Stationen statt. Bei den Terminen musste sie oft noch warten, wenn gerade ein Patient im Behandlungsraum versorgt wurde. Dann hatte sie häufig die Zeit, sich die Fotografien anzusehen. Sie kannte die Aufnahmen hier in der Inneren daher besser als die Bilder, die in der Orthopädie hingen. Das Foto, das sie suchte, fand sie sofort. Es gab sogar noch ein zweites Bild, auf dem das kleine Mädchen zu sehen war und sie war es tatsächlich. Die Ähnlichkeit zwischen dem Gauguin-Gemälde und dem Kind auf den Fotografien war mehr als deutlich. Florence hatte sich zunächst nur an den Sonnenhut erinnern können und weniger an das Gesicht. Sie verglich noch einmal die alten Fotografien mit dem Gemälde. Sie hielt den Ausdruck daneben. Nein, es war eindeutig, sie war es. Florence war ganz aufgeregt. Eines der Bilder aus der Ausstellung war das Gruppenfoto, das Florence die ganze Zeit vor Augen hatte. Im Zentrum der Fotografie befand sich das Fischerboot, es war auf den Strand gezogen. Der Mast war durch den oberen Bildrand abgeschnitten. Mehrere Erwachsene standen links und rechts vom Kiel. Vor ihnen hatten sich Kinder und einige Frauen gehockt. Es waren vielleicht fünfzehn Personen. Das Foto war so aufgenommen, dass die Gesichter all der Menschen gut zu erkennen waren. Die zweite Fotografie zeigte nicht den Strand, sondern eine Siedlung mit Häusern und unbefestigten Straßen. Die Kleine trug hier keinen Hut mehr und hatte auch ein anderes Kleid an. Es war ein schweres, braunes Kleid, das nicht richtig zum Klima der Inseln passte. Vor einem Kolonialwarenladen hatten sich ein Dutzend Kinder versammelt. Es sah beinahe aus wie eine Schulklasse. Einige der Kinder hatten große geflochtene Körbe vor ihre Füße gestellt, die mit Obst und Gemüse angefüllt waren. Neben dem kleinen Mädchen schienen auch alle anderen Kinder europäischer Abstammung zu sein. Das Bild war anders, als die Aufnahme vom Strand. Auf dem Foto vom Strand hatten die Erwachsenen und auch die Kinder noch versucht, sehr würdevoll in die Kamera zu blicken. Insgesamt sahen aber alle immer noch sehr fröhlich aus und lächelten beinahe, als wenn der Fotograf es ihnen vor dem Auslösen der Kamera zugerufen hätte. Auf dem zweiten Foto, das vor diesem Laden aufgenommen worden war, hatte das kleine Mädchen die Augen leicht zusammengekniffen und sah recht ernst aus. Es war eindeutig, dass Gauguin in dem Ölgemälde eher die Stimmung eingefangen hatte, die auch in der Fotografie vom Strand herrschte. Florence nahm die zweite Aufnahme von der Wand und hielt sie neben die Strandszene. Sie sah sich die beiden Fotos genauer an. Ihr Blick wechselte mehrfach vom einen zum anderen. Irgendetwas unterschied die Gesichter des kleinen Mädchens. Es war nicht der Gesichtsausdruck, es war etwas anderes. Florence überlegte, aber sie konnte den Grund dafür nicht feststellen. Die Kleine hatte lange, wohl dunkelblonde Haare, die glattgekämmt über ihrer Schulter lagen. Bei der Aufnahme am Strand waren ihre Haare noch von dem Hut verdeckt. Florence betrachtete sich das Ölgemälde. Gauguin hatte sie so gemalt, dass ihre langen Haare nach hinten über den Rücken gelegt waren. Einige Strähnen bedeckten die Schulter und waren nur schwer von der Farbe ihres Kleides zu unterscheiden. Der Schwarzweiß-Ausdruck des Ölgemäldes gab diesen Kontrast nur schwach wieder. Florence erkannte jetzt auch, dass das Kleid auf dem Ölgemälde nicht nur einen ähnlichen Schnitt hatte, wie das Kleid, das die Kleine auf dem Foto vom Strand trug, das Muster schien auch sehr ähnlich zu sein. Es stimmten erstaunlich viele Details überein. Die beiden Fotografien, auf denen das Mädchen zu sehen war, stammten von der Insel Hiva Oa und waren im Jahr 1904 aufgenommen. Florence stutzte. Sie hatte immer noch eines der Fotos in der Hand und legte es auf den Boden des Stationsflures. Den Ausdruck des Ölgemäldes nahm sie jetzt in beide Hände und hielt ihn in das Licht, das durch die Stationstür von draußen in den Flur strahlte. Sie versuchte den Text zu entziffern, der mit einem feinen Pinselstrich in die rechte Bildecke geschrieben war. Neben der Signatur konnte sie als Entstehungsdatum des Ölgemäldes das Jahr 1902 lesen. Unterhalb von Signatur und Jahreszahl war der Bildtitel geschrieben. »Julie des Bois«, las Florence laut vor. Es war die Jahreszahl, die sie stutzig machte. Sie überlegte. Das Motiv des Ölgemäldes konnte nicht von der Fotografie stammen. Die Fotografie wurde erst zwei Jahre nach der Entstehung des Ölgemäldes aufgenommen. Oder war vielleicht die Datierung der Fotografien falsch, stammten die Aufnahmen vielleicht doch aus dem Jahr 1902. Sie sah sich wieder die Strandszene an und verglich auch diese Fotografie mit dem Ölgemälde. Es war schwer zu sagen, ob Gauguin das Foto gekannt hatte, bevor er sein Bild malte. Ganz sicher war sich Florence nur, dass das kleine Mädchen auf den beiden alten Fotografien mit dem Kind auf dem Gauguin-Gemälde übereinstimmte. Sie bückte sich wieder und hob die abgelegte Fotografie vom Boden auf. Sie hielt diese Aufnahme und das Foto des Ölgemäldes links und rechts neben die Fotografie der Strandszene. Ihr Blick wanderte noch ein paar Mal von Bild zu Bild. Sie klemmte sich den einen Rahmen schließlich unter den Arm und nahm die Strandszene ebenfalls von der Wand. Sie würde die Bilder in einer halben Stunde wieder zurückbringen. Florence verließ die Station und lief den Weg am Gebäude entlang zum Eingangsbereich zurück. In ihrem Büro angekommen, löste sie die Fotografien aus den Rahmen. Die Rückseiten der Bilder trugen Aufkleber, auf denen das Copyright eines Fotolabors vermerkt war. Das Fotolabor hatte seinen Sitz auf Tahiti. Es war eine Hausanschrift und sogar eine E-Mail-Adresse vermerkt. Zusätzlich hatten die Fotografien noch unterschiedliche Registrierungsnummern. Florence notierte sich alles. Im Vorraum ihres Büros hatte sie einen Drucker, mit dem sie die Aufnahmen scannen konnte. Die Dateien wurden an ihren Computer gesendet. Florence ging in ihr Büro, öffnete die Dateien und betrachte sich die Bilder eine Zeit lang am Computermonitor. Dann raffte sie sich auf, baute die Bilderrahmen zusammen und machte sich sofort wieder auf den Weg zur Station der Innerenmedizin.

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