Unabhängig davon, wie sinnvoll „Bio“ ist, ist es inakzeptabel, wenn die konventionellen Bauern den Biobauern – wie auch immer sie das machen – das Gift auf die Pflanzen kippen, das sie nicht haben möchten. Es kommt auch niemand auf die Idee, das Auto des Nachbarn mit roter Farbe einzusprühen, wenn es weiß ist. Im folgenden Jahr setzten die Biobauern ihre Pflanzen unter Plastikfolien. Ursächlich für diesen extremen Schritt war somit die Abdrift.
Biobauern behaupten, dass sie „die Armen“ sind, was mit der „Abdrift“ erklärt wird. Damit wird das Referendum begründet. Denn es ist ein erheblicher finanzieller Verlust, wenn Sachen mit Bio angebaut werden, man sie aber als solche nicht verkaufen kann.
Nun kann man „Spritzaktionen“ der Bauern bewundern. Die Apfelbäume, um die es meist geht, haben eine Höhe von etwa 2,5 m. Aber selbst bei Bauern, die bei kompletter Windstille korrekt spritzen (die meisten), erreichen die Sprühnebel eine Höhe von 7 m und mehr. Somit muss zwangsläufig ein technisches Problem vorliegen. Einige Bauern haben das sogar selbst erkannt und die obersten Düsen (etwa 10 Düsen in Reihe von unten nach oben) lahmgelegt.
Bei den Spritzgeräten erzeugt ein Gebläse einen Luftstrom, der das Spritzgut mitnimmt. Der Luftstrom, geht aber nicht nur zur Seite, sondern auch nach oben. Viele sind also falsch konstruiert. Sogar auf dem Plakat des Umweltinstituts München, das die „Sprüherei“ in Südtirol anprangert, sieht man, dass die Spritzgeräte in den Himmel sprühen und ein technisches Defizit vorliegen muss.
Die Fehlkonstruktion wurde dokumentiert. So hätte man die Konstruktion ändern und damit die Abdrift abstellen können, um den Streit zwischen konventionellen und Biobauern beizulegen. Ich versandte das Gutachten an alle Parteien. Auch der Bürgermeister von Mals und die Grünen bekamen eine Version. Die Fakten interessierten aber nicht: Es gab weder eine Rückmeldung noch eine Rückfrage. Offensichtlich landete der Bericht im Papierkorb.
Eine „Person des öffentlichen Interesses“, die den Biobauern nahe steht (und sich selbst deshalb als „intellektuell“ sieht), kontaktierte ich als Ultima Ratio telefonisch. Er erklärte, dass es sein „eigentliches Ziel wäre, die unnatürlichen Gifte abzuschaffen“.
Es existieren aber keine „unnatürlichen“ und „natürlichen“ Gifte, denn wie sie hergestellt werden, ist irrelevant. Wenn die chemische Formel identisch ist, ist es das Gift auch. Weiterhin sind noch nicht alle in der Natur vorkommenden Gifte gefunden: ich las, dass ein Gift in Pilzen gefunden wurde, das seit längerer Zeit in der Landwirtschaft verwendet wird. Vielleicht meinte er auch „natürlich hergestellte“ Gifte. Aber auch hier gilt: Weshalb sollen diese unschädlicher sein als Gifte, die aus „unnatürlichen Rohstoffen“ (Öl) hergestellt wurden? Wie man es dreht und wendet: Es wird mit Behauptungen argumentiert, die man ad hoc ad absurdum führen kann.
An diesem Vorgang erkennt man, dass es nicht um das Abstellen von Defiziten oder um Deeskalation geht. Vielmehr will man die eigene Weltanschauung bzw. das eigene, postfaktische Weltbild als „Umweltreligion“ leben. Da man die eigene Sicht der Dinge als alleingültig festgelegt hat, will man diese Anderen aufzuzwingen. Das kann aber in einer demokratischen Gesellschaft auf Dauer nicht funktionieren, da sie auf gegenseitigem Verständnis und sachlichem, faktenbezogenem, kritischem und vor Allem tolerantem Diskurs aufbaut.
Analog agieren die deutschen Grünen bei Nitratmesswerten im Wasser: Es wurden Messstellen direkt unter Bauernhöfen an einem Hang (Poing, Bayern) eingerichtet. An dieser Messstelle werden extrem hohe Nitratkonzentrationen gemessen. 20 km im Umkreis dieser Messstelle ist keine einzige andere. Es gibt übrigens europaweit keine Norm, wie diese Messstellen auszusehen haben. Weiterhin ist jedem Land zu überlassen, wie es die Messwerte statistisch auswertet.
Bestimmung der Mittelwerte
Eine Möglichkeit besteht darin, alle Messwerte zusammenzuzählen und damit den Mittelwert zu bilden. Eine andere Möglichkeit ist es, die geografische Verteilung der Messstellen einzubeziehen. Damit würde die einzelne Messstelle in Poing, die hohe Messwerte hat, ein höheres Gewicht bekommen, da in deren Umkreis von 20 km keine andere Messtelle existiert. Keine Methode ist „richtig“ oder „falsch“. Durch Wahl der Positionierung und Auswertung der Messstellen kann man aber den Mittelwert beeinflussen.
Auf Basis dieser beliebig ermittelten Zahlen werden dann europaweit identische Gesetze gemacht. Die Begründung für diesen gesellschaftsschädigenden Unsinn kann nur sein, eine möglichst hohe Belastungen messen zu wollen, um eine Rechtfertigung zu erhalten, gegen „Umweltsäue“, in diesem Fall Bauern, vorzugehen, neue Gesetze zu erlassen. Da sie sich für so gute Menschen halten, meinen sie, dass sie das Recht haben, mit offensichtlich manipulierten Statistiken argumentieren zu dürfen. Weitere Details zu manipulierten Statistiken siehe Ref. 154.
Da alles nur noch von allen Seiten auf dieser Ebene ausgetragen wird, befindet sich Deutschland und der Rest Europas im freien Fall. Man wacht erst auf, wenn alles „dem Gefühl nach“ korrekt geregelt ist. Dann ist es aber zu spät. Denn andere Staaten regeln nach den geltenden Gesetzen der Physik bzw. der Naturwissenschaften.
Alles Andere muss scheitern.
Energie und die Versorgung
Der Physiker sagt: „Energie ist invariant“. Das hört sich kompliziert an, ist aber einfach: Die Summe aller unterschiedlichen Energiearten verändert sich nicht und nie. Energie kann man nicht erzeugen und nicht vernichten, denn Energie wird immer von einer in eine andere Form umgewandelt. Am Ende wird immer Wärmeenergie erzeugt, sofern man nicht als technischen Prozess die Energie in etwas hineinsteckt. Auch Pflanzen schaffen es, die Energie des Sonnenlichtes über ihre Blätter aufzunehmen, um sie dann zum Wachsen in Blättern, Ästen und Stängeln zu „deponieren“.
Energie kann man nicht beschreiben, denn sie ist nichts Sachliches, sondern abstrakt. Am einfachsten kann man sagen: Energie ist eine physikalische Hilfsgröße, die sich Physiker ausgedacht haben, um mit Hilfe der Mathematik die Welt möglichst einfach beschreiben zu können. Die geniale Einfachheit dieser Größe besteht darin, dass alle Energiearten zusammen in einem geschlossenen System immer gleich groß, also invariant sind: Wenn irgendwo Energie geringer wird, ist es zwangsläufig so, dass eine oder mehrere andere Energien größer werden müssen. Dies ist ein Naturgesetz. Auch ist es „cool“, dass der Weg von einem Zustand A nach einem Zustand B völlig egal ist. Man muss nur die vorhandenen Energien beim Zustand A zusammenrechnen und dies auch für den Zustand B tun. Die Zahlen, die man errechnet, müssen gleich sein. Sind sie es nicht, hat man sich verrechnet.
Die schiefe Ebene und der Energiesatz
Lässt man einen Körper ohne Berücksichtigung der Luftreibung einen Meter tief fallen, so beträgt seine Geschwindigkeit v nach diesem Meter 2,21 m/s {5}. Stellt man die Frage, wie schnell der Körper ist, wenn man ihn reibungsfrei eine „Schiefe Ebene“ heruntergleiten lässt, kann man mit den relativ aufwändigen Formeln der Beschleunigung und Kräftedreieck („Bewegungsgleichungen“) 13die Endgeschwindigkeit berechnen. Benutzt man den Energiesatz, so erkennt man, dass die Geschwindigkeit am Ende der schiefen Ebene exakt dieselbe sein muss, wie wenn man den Körper senkrecht fallen lässt. Sogar die Formeln sind dieselben. Nur die Richtung der Geschwindigkeit und die Zeit, die benötigt wird, um diese Geschwindigkeit zu erreichen, ist eine andere. Lageenergie wird in Bewegungsenergie umgewandelt.
Einige Dinge sind dabei aber zu beachten: Energie benötigt ein Gefälle, wenn man sie entnehmen möchte. Hier kann man an ein Wasserkraftwerk denken, das Berge benötigt. In Nordfriesland funktioniert ein Wasserkraftwerk also nicht, denn dort sind keine Berge und kein Gefälle, bei dem Wasser eine Turbine antreiben kann. In den Bergen hat man Gefälle und man kann Energie in einem See speichern. Oder wenn Luft unter hohem Druck eingeschlossen ist, kann man mit dessen Energie erst dann eine Turbine antreiben, wenn die Luft in einen Behälter mit geringerem Druck ausströmen kann.
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