Urzeitvölker haben deshalb viel mehr Fleisch gegessen, denn dieses benötigt keine Fraßgifte. Die meisten Tiere haben andere Mechanismen, um sich vor dem Gefressen werden zu schützen.
Der Vorteil von Bioprodukten mag sein, dass Pflanzengifte nicht so leichtfertig eingesetzt werden, wie im konventionellen Anbau. Das hat aber den Nachteil, dass man an Stelle von „künstlichen Giften“ bspw. mit Kupfer sprüht. Das hört sich „natürlicher“ an als „böse Chemie“. Damit reichern sich aber auf Dauer die Böden mit dem Schwermetall Kupfer an. Metalle sind Elemente, die sich, im Gegensatz zu Kohlenwasserstoffen, also modernen Giften, gar nicht abbauen können. Ob diese „Idee“ wirklich so gut ist?
Momentan steht ein Magen- und Darmtherapeutikum „unter Beschuss“, das Schöllkraut als Wirkstoff enthält, ein „natürlicher“ Stoff, der im Extremfall Leberversagen hervorruft. Dies war bekannt, wurde aber nicht auf dem Beipackzettel erwähnt [43]. Es wird übrigens von der Firma Bayer hergestellt.
Im Bioladen sollte man mit Nahrungsmitteln wie Stevia, Soja oder Gojibeere Obacht geben: Klar ist deren Wirkung nicht und der Mensch hatte im Laufe der Evolution keine Zeit, sich an diese Stoffe anzupassen.
„Kamut“, ein Getreide, das man im Bioladen kaufen kann, ist übrigens ein patentierter Weizen. Da ist nichts „ursprüngliches“ dabei. Denn wenn Getreide ursprünglich wäre, könnte man es gar nicht anbauen, denn der Ertrag wäre so miserabel, dass jeder Biobauer Insolvenz anmelden müsste. Auch Bio kennt Marketing. Das bedeutet aber nicht, dass dieses Getreide irgendwie „schlecht“ wäre.
Die Dosis macht das Gift. Bekannt. Auch an Dihydrogenmonoxid kann man sterben, obwohl die letale Dosis nirgendwo vermerkt ist. Es ist leicht verfügbar und gilt als komplett ungiftig. Nimmt man es in Mengen über etwa sieben Kubikdezimeter zu sich, kann es tödlich sein. Insbesondere dann, wenn man auf die gleichzeitige Aufnahme von angeblich schädlichen Natrium- und Chlorionen verzichtet.
Zu hoch? Also Dihydrogenmonoxid wird im Umgangsdeutsch auch als H2O oder „Wasser“ bezeichnet. Trinkt man zu viel Wasser, werden die Salze ausgespült und man erleidet eine „Hyponaträmie“. „Hypo“ heißt „zu wenig“. „Hyponaträmie“ heißt „zu wenig Natrium“. Im Extremfall zieht dies eine Einlagerung von Wasser in der Lunge oder im Hirn nach sich („Ödem“) und kann zum Tode führen. 2015 starb damit bei einem „Hitzetriathlon“ ein Mann, der nur Leitungswasser trank.
Eine Bekannte trank täglich etwa 5 l Flüssigkeit. Sie fiel regelmäßig um – über Jahre. Ein neuer Hausarzt verbot es und das Umfallen hatte sich erledigt. Leider bekommen auch ältere Menschen häufig erzählt, „dass sie viel trinken müssten“. Wenn diese umfallen, haben sie nicht selten einen Oberschenkelhalsbruch, der tödlich endet. Zumal deren schwächeres Herz mit den Wassermengen schlecht klarkommt.
Viele Giftstoffe (Hormone sind etwas anderes) kann der Erwachsene in moderaten Mengen problemlos abbauen, sofern das Organ (bspw. die Leber), das die Gifte abbaut, nicht vorgeschädigt ist. Helmut Schmidt ist steinalt geworden. Wie viel Gifte er in seinem Leben durch sein Rauchen aufgenommen hat, möchte ich nicht wissen. Wobei Zigarettenrauch nicht nur Nikotin enthält, sondern auch Feinstaub, Teer und Arsen. Stickoxide nicht zu vergessen. Raucher kann man deshalb relativ schlecht mit Arsen vergiften, denn der Körper gewöhnt sich daran. Leute, die es gewohnt sind, werden als „Arsenesser“ bezeichnet.
Die Himbeere ist ein Rosengewächs. Würde man einen Mixer nehmen und sie im Labor auf Gifte überprüfen, dürfte man sie nicht verkaufen, da sie Giftgrenzwerte überschreitet [80]. Eigenartig, oder?
Mit den Giften: Das Thema ist komplex – sowohl von der Gesetzgebung als auch von der Chemie. Eigentlich braucht man dazu ein Chemiestudium, um es zu bewerten: Bspw. schrieb die Presse, dass Glyphosat in Milch gefunden wurde, sogar in der Muttermilch. Ein empörter Aufschrei! Meine Information: Es gibt keinen Weg (also keinen Metabolismus), wie Glyphosat in Milch gelangen kann. Der Fehler, um es nicht zu spannend zu machen, lag in der Nachweismethode: Diese wies nicht Glyphosat, sondern dessen Abbauprodukt AMPA (Aminomethylphosfonsäure) nach. AMPA ist auch ein Reinigungsmittel in der Industrie. AMPA wies man in Mikrospuren nach und dachte, dass es vom Glyphosat käme. Wobei Milch auch phosphorhaltig ist (übrigens ist mehr Phosphor enthalten als in Coca Cola, das durch den Farbstoff „E150“ angeblich giftig ist) und deswegen vielleicht sogar ein Messfehler vorliegt. Die Nachweismethoden mussten erst entwickelt werden.
Wie kommt man auf AMPA?
Normalerweise – gar nicht. Die „Logik“ ist schon beim Bauchfett beeindruckend: Über Jahre hinweg theoretisierte man, dass Fett, das man isst, direkt als Bauchfett angelagert wird. Wenn man aber etwas zu sich nimmt, geht es zunächst in den Verdauungstrakt (Magen, Darm). Dort wird es von Enzymen zerlegt, von der Darmwand aufgenommen, geht dann ins Blut und lagert sich als Bauchfett an, wenn die Energie nicht benötigt wird. Es gibt keinen Metabolismus, wie Glyphosat in die Milch kommt, denn es müsste im Blut herumschwimmen und dann von den Milchdrüsen in die Milch gelangen.
Mittlerweile kann man m.W. Glyphosat direkt nachweisen. Seitdem wird nichts mehr in der Milch gefunden. Keine Pressemitteilung korrigiert die Falschmeldungen.
Als „normaler Mensch“ muss man den Pressemitteilungen auf Gedeih und Verderb vertrauen. Die nicht berichten, dass man nach 2 Gläsern Gojiberensaft im Krankenhaus landen kann. Der „normale“ Name der Gojibeere lautet „Gemeine Wolfsbeere“. Das verkauft sich schlecht. Wie die Kiwi. Als diese vor 40 Jahren ihren Siegeszug aus Neuseeland begann, meinte mein Vater: „Die kenn‘ ich doch“, blätterte im „Parey“ und meinte: „Siehst Du – sie heißt Stachelfrucht“. Ein Kiwi ist ein Vogel. Er ist sicher auch essbar. Allerdings wäre das nicht politisch korrekt.
Die deutsche Presse berichtet, dass Monsanto dafür verurteilt wurde, dass sie in Amerika Glyphosat eingesetzt haben. Das ist falsch: Monsanto wurde verurteilt, da die Firma in Amerika nicht rechtzeitig vor den Gefahren von „Roundup“ warnte.
Als herbizider Wirkstoff ist Glyphosat in Roundup enthalten. Laut Wikipedia ist die letale (= tödliche) Dosis bei Ratten bis über 5 g pro Kilogramm Körpergewicht. 10Ein 80 kg-Mann müsste 400 g zu sich nehmen, um sich umzubringen. Damit es besser von der Pflanze aufgenommen wird, benötigt es ein Benetzungsmittel. Beim Benetzungsmittel Tallowamin, das nur noch im amerikanischen Original-Roundup zugelassen ist, liegt die letale Dosis bei etwa 0,9 g pro Kilogramm Körpergewicht. Es ist also etwa 6-mal so giftig wie Glyphosat selbst. 11
Klar ist, dass der übermäßige Einsatz nicht sinnvoll ist, denn auch Unkräuter werden resistent; analog zum Penicillin. Da Glyphosat leicht antibiotisch wirkt, ist der übermäßige Einsatz für das Bodenleben nicht gut. Das ist bei jedem Dünger aber wahrscheinlich auch der Fall. Glyphosat ist eine Alternative zu Pflügen. Dieses wiederum ist für das Bodenleben auch nicht optimal. Es gibt kein System ohne Nachteile.
Eisenbahnen setzen Glyphosat tonnenweise ein, um Gleisbetten unkrautfrei zu halten. Es ist das letzte zugelassene hochwirksame Herbizid. Wobei schon hier ein Problem auftaucht: Glyphosat darf man nicht auf versiegelte Flächen aufbringen. Beispielsweise ist es verboten, auf gepflasterten Radwegen, durch deren Schlitze insbesondere in Kurven viel Unkraut wächst und die deshalb bei Regen gefährlich sind, Glyphosat einzusetzen. Damit wird die Sturzgefahr von Radfahrern, die sich umweltfreundlich bewegen, erhöht. Bei Gleisbetten aber wird Glyphosat quasi nur auf Steine gesprüht. Hier ist das Verbot, Glyphosat auf versiegelte Fläche aufzubringen, nicht existent.
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