Natürlich vertragen unterschiedliche Völker unterschiedlich viele Gifte. Es gibt sogar Leute, die sich nicht an rohen Bohnen vergiften. Sie benötigen dazu einen Gendefekt und essen diese Bohnensorte, um Krankheiten vorzubeugen, die in den Tropen vorkommen. Dabei gibt es auch Personen, die durch diese Bohnen sterben. Vielleicht wären sie schon viel früher durch die Tropenkrankheit gestorben. Das ist ein reiner Optimierungsprozess, der sich das kleinste Übel aussucht.
Dann begann der Mensch, Pflanzen zu züchten. Das machte er, um den Ertrag zu erhöhen, aber auch, um die Gifte herauszuzüchten, die in den Pflanzen sind, damit sie nicht gefressen werden. Diesen Schutz übernahm dann der Mensch. Man weiß bei Gurken, dass man die bitteren Enden wegschneiden soll. Dasselbe gilt für Zucchini. Bitterstoffe zeigen, dass die Stellen giftig sind: Ein Hobbyzüchter hat sich vor einigen Jahren mit einer selbst gezüchtete Zucchini umgebracht: Die Ehefrau weigerte sich, die bittere Suppe zu essen und überlebte. Deshalb gibt es auch die Regelungen über das Saatgut. Wenn hier giftige Sorten entstehen, kann das böse enden, wie der Hobbygärtner im Selbstversuch demonstrierte. Der Fall ging durch die Presse, leider nicht, was er bedeuteten kann und wie der Zusammenhang zum modernen System ist.
Der Mensch empfindet den Geschmack genau deswegen als „bitter“ beziehungsweise unangenehm, da die Evolution es so eingerichtet hat, dass der Mensch im Lebenskampf gegenüber Giftstoffen überleben soll. Wenn er nämlich Gifte als süß wahrnehmen würde, wäre er längst ausgestorben. Grundsätzlich käme zudem nie ein Tier auf die Idee zu sagen: „Ich fresse das jetzt, weil es besonders grässlich schmeckt, damit ich gesund werde.“ Da sind Tiere klüger als Menschen.
Was nicht heißen soll, dass manchmal das System überreguliert. Zunächst geben sich auch Gutachter und Leute, die Regeln verfassen, auf die sichere Seite. Denn sie wissen, was passiert, wenn man die Vorgaben nicht korrekt verfasst. Ich verweise auf die giftige Zucchini.
Nun gibt es die Auffassung, dass Gifte, wie sie die Bauern einsetzen, schlimm sind und man auf Gifte komplett verzichten muss. Wie sollen sich Pflanzen gegen Fraßfeinde „verteidigen“? Dies ist insbesondere deshalb nicht möglich, da die Fraßgifte herausgezüchtet wurden. Von dieser Seite her ist der Einsatz von Insektiziden und Pestiziden notwendig. Über moderne Technik, also Wettervorhersagen oder sonstige Methoden, kann man den Einsatz der Gifte minimieren. Pflanzen haben diese Möglichkeit nicht; sie müssen die Gifte permanent mitschleppen, da sie keinen Wettervorhersagecomputer eingebaut haben.
Religiöse Züge nimmt es an, wenn Leute „nur natürliche Gifte“ einsetzen wollen. Sie meinen, dass Gifte, die man „natürlich“ gewinnt, unschädlicher seien als dieselben Gifte, die man aus Erdöl hergestellt.
Hier merkt man, dass die Schiene der Kausalität verlassen wird und Dämonen und Götter wieder Einzug in die Moderne gefunden haben. Postfaktisch eben. Giordano Bruno hätte sich wohl nie gedacht, dass er 420 Jahre nach seiner Verbrennung auf dem Scheiterhaufen von einigen Leuten genauso verbrannt worden wäre, um ihre Religionen auszuleben.
Schädigend für die Gesellschaft wird dieser Unsinn, wenn sich diese Leute gegenseitig an die Gurgel gehen: Normale Leute argumentieren nach dem Stand der geltenden Naturwissenschaft und Technik (der sich auch ändern kann, aber nur innerhalb geltender Naturgesetze), die anderen nach dem Stand ihrer religiösen Überzeugung. Jeder will dem Anderen nur diskreditieren. Da geben sich beide Lager nichts.
Bei den Kreuzzügen wurde im Namen des christlichen Glaubens gebrandschatzt, gemordet und vergewaltigt. Das soll nicht bedeuten, dass andere Religionen besser sind. Genauso, wie sich alle Religionen irgendwann erledigt haben. Nein – bei unserer, die wir jetzt haben, „passiert“ das natürlich nicht…
Sinn und Missbrauch religiöser Ansichten
Religionen geben wertvolle Hinweise, wie das Zusammenleben von Menschen im jeweiligen Kulturkreis konfliktfrei vonstatten gehen kann, wie es etwa bei den 10 Geboten der Fall ist. Weiterhin dienen sie dem Überleben der Religionsgruppe. Allerdings sind auch sie einer gewissen Evolution unterworfen; auch hier gilt das Recht des Stärkeren.
Beim Missbrauch religiöser Ansichten steht gegenwärtig die Überheblichkeit der gottgläubigen Menschen über die nichtgläubigen bzw. andersgläubigen Menschen im Vordergrund. Ausgeprägt findet sich diese Haltung bei fanatischen Gläubigen. Bei diesen führt dies bis zum vermeintlichen Recht der Unterwerfung und physischen Vernichtung der Ungläubigen und Andersgläubigen. Es sei nur an die Verfolgung von Christen in Afrika durch muslimisch extremistische Gruppen, die Vertreibung muslimischer Minderheiten durch buddhistische Burmesen, die ständigen Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten, Hinduisten in Indien und Islamisten und Hinduisten in Pakistan erinnert. Nicht zuletzt sei hier der immerwährende Konflikt zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen, der stets eine große Anzahl von Menschenleben kosten, erwähnt. Dies alles im Namen Allahs.
Einzelne Gruppen von Ungläubigen (Atheisten) sparen nicht mit überheblichen Äußerungen über gläubige Menschen, die das Leben des Menschen nicht auf das irdische Dasein beschränkt sehen. Atheistisch orientierte Führer erwiesen sich als religionsfeindlich. Bspw. Stalin hat Christen verfolgt und auch in der DDR mussten Christen wesentliche Nachteile ertragen.
Besonders verwerflich ist es jedoch, unter Paradiesversprechen Menschen dazu zu überreden, als lebendige Waffe andere Menschen aus Glaubensgründen mit in den Tod zu reißen.
Kriegerische Auseinandersetzungen verschiedener christlicher Gemeinschaften untereinander und die Kreuzzüge gegen den Islam in das damalige Palästina gehören der Vergangenheit an. Sie drohen im Irland-Konflikt im Rahmen des Brexit wieder auszubrechen.
Doch im Vordergrund müssten Verständigungsgespräche der geistigen Führer der verschieden Religionsgemeinschaften und atheistischen Gruppen stehen, um dem Missbrauch religiöser Ansichten entgegenzuwirken und zwischenmenschliche Toleranz zu fördern.
Bio – ist in den meisten Fällen etwas nichts Logisches: Zunächst einmal muss man bei der Bewertung dieses Themas wissen, dass in der Realität Giftgrenzwerte oft quasi beliebig (!) festgesetzt werden. Schweden hat im Fisch hohe Grenzwerte für Dioxin für die Ostseefische. In der Ostsee ist der Dioxingehalt hoch. Bio-Hühner sind stärker Dioxinbelastet als Hühner aus Batterien. Aber auch diese Dosis kann man völlig vernachlässigen. Denn man kann heutzutage alles messen, auch Mikrospuren. Diese findet man immer, wenn man gründlich danach sucht.
Im Umkehrschluss meinen einige Leute, dass jede noch so kleine Menge Gift schädlich sei. Ein „Spektrum der Wissenschaft“-Sonderheft von 2017 mit dem Titel „Die geheimnisvolle Welt der Gifte“ stellt dies infrage: Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist es so, dass sich minimale Giftmengen positiv auswirken. Was man bspw. daran erkennen kann, dass Kinder, die mit Katz, Hund und Pferd aufwuchsen, weniger Allergien haben. Schwefelwasserstoff hat heilende Wirkung. Nimmt man zu viel zu sich, ist es giftig. So einfach ist es also nicht. Koffein ist das Fraßgift der Kaffeepflanze. Es schützt vor Darmkrebs und wirkt stimmungsaufhellend.
Unwissenschaftlich ist, dass behauptet wird, dass es „natürliche“ und „unnatürliche“ Gifte gibt: Wenn die chemische Formel identisch ist, ist es der Stoff auch: Die Herkunft ist irrelevant. Mit irgendwelchen Giften muss man die Kulturpflanzen spritzen, da die Gifte, mit denen sie sich ursprünglich gegen Insekten und Pilze geschützt haben, „herausgezüchtet“ wurden. So muss man sie wieder aufbringen (vgl. auch Ref. 117).
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