Wo waren sie?
Keiner mochte sich vorstellen, welchen Qualen sie ausgesetzt waren.
Es war einfach zu schlimm.
Sie waren kluge Menschen mit Gaben und Fähigkeiten.
Aber die Entführer auch.
Und die waren brutal.
Hemmungslos.
Ohne Empathie und nur für die eigene Macht, Lust und Gier lebend.
Als unsere Gruppe von Erwachsenen eines Abends so weit war, daß wir meinten, der Plan zur Befreiung wäre sicher für alle, begaben wir uns auf den Weg.
In der Nähe der Höhle teilten wir uns auf.
Manche sollten die Wächter geschickt ablenken, um an anderen Stellen in die Höhle zu gelangen.
Meine jüngere Tochter schaffte dies auch und konnte sehen und hören, was da unten los war.
Sie sah ihren Bruder, der ängstlich in einer Nische der Höhle lag.
Etwas entfernt, von den Kindern versteckt, war ein anderer kleiner Junge, dessen Bein schwer verletzt war und der somit dem Tod ausgeliefert gewesen wäre, wäre seine Verwundung entdeckt worden.
Sie hörte schreckliche Schreie von weiter hinten links in der Höhle, wo Gefangene wohl gequält und gefoltert wurden.
Es war einfach grauenhaft.
Mein Mann wartete draußen vor dem engen Höhleneingang auf seine mutige Tochter.
Als sie herauskam, half er ihr dabei, diese Enge zu passieren.
Nun mußten sie einen nach dem anderen der Kinder durch den schmalen Gang leise heraufziehen.
Was wir nicht wußten war, daß sie inzwischen entdeckt worden waren, da an einem anderen Eingang so ein Versuch der Rettung vereitelt worden war.
Allerdings, nachdem schon einige Kinder befreit werden konnten.
Eine Freundin lief mit ihnen weg, rannte um ihr Leben mit ihnen und stieß sie herunter von Sirius, direkt nach Lemuria.
Also, in eine andere Dimension hinein.
Sie kannte den Weg.
Das war ihr Glück, und das große Glück der Kinder.
Meine Tochter beugte sich also herunter in den Eingang und zog ihren Bruder herauf.
Gleichzeitig allerdings wurde sie von so einem starken Sog nach unten gezogen, daß mein Mann es einfach nicht schaffte, sie zu halten und retten.
Trotz seiner großen Energie, die er in diese Rettung steckte.
Sie entglitt ihm.
Da konnte er machen, was er wollte.
Er schaffte es einfach nicht.
Und verlor sie.
Mein Sohn, an dem auch von unten gezogen worden war bei der Rettungsaktion und dabei sehr schwer verletzt wurde, konnte oben nur noch Tod vom Vater geborgen werden.
So hatte der Vater nun den toten Sohn zu seinen Füßen liegen und unsere Tochter an die grausamen Tyrannen verloren.
Von Sekund an verfiel er in eine Starre, die nie wieder enden wollte.
Die Schuldgefühle fraßen ihn auf.
Er war paralysiert.
Und für uns als Gefährte vorerst verloren.
Inzwischen kam heraus, daß fast die gesamte Rettungsaktion, trotz der intensiven, klugen Vorbereitungen, vereitelt wurde und unsere gesamte Familie gefangen genommen wurde.
Der Feind war in der Überzahl, der Angriff kam zu plötzlich, die Wächter waren zu groß, zu wuchtig und zu stark.
Es war das erste Mal, nach so langen Leben, nach so vielen Kämpfen, daß wir besiegt wurden.
Daß wir uns überrumpeln ließen und nun in der Falle saßen.
Auch ich flog auf und wurde grob mitgenommen.
Was wir im Innern der Hölle erleben mußten kann man in kurze Worte fassen.
Alles andere wäre zu grausam:
Mein Mann und ich wurden in einen Käfig gesperrt, der mit Ketten an der Decke hing, so daß wir hilflos alles Geschehen unten mit ansehen mußten.
Unsere mutige Tochter wurde mit dem Kopf nach unten an den Füßen aufgehängt und immer wieder in einen Kessel mit Wasser getaucht.
Die Schreie waren grauenvoll und unerträglich mit anzuhören für uns machtlose Eltern.
Unsere ältere Tochter wurde wieder und wieder vergewaltigt, von so vielen männlichen Gestalten.
Meine Mutter wurde an den Rand einer Grube gebracht, die mit Schlangen und Krokodilen oder ähnlichem Getier bevölkert war und immer wieder bis auf wenige Zentimeter hineingelassen, wurde verletzt, gebissen und verstümmelt.
Es waren Folter, Schmerzen, Grauen, Tod und das alles unter dem Kommando von ein paar satanischen Typen, die das Sagen hatten.
Es geschahen noch so viele bestialische Dinge mit den Gefangenen, die sich wirklich nur kranke Köpfe ausgedacht haben konnten.
Wie sollten wir dies nur überstehen.
Überleben.
Unsere Kameraden retten?
Aber, es war nicht alles verloren.
Unsere Schwiegersöhne wurden zum Glück nicht gefangen.
Das hörten wir aus den Gesprächen der Finsteren heraus.
Die jungen Männer konnten sich verstecken.
Es war unsere Hoffnung, daß sie ihre Energien mobilisieren würden,
sich mit dem kosmischen Rat besprechen, um uns alle zu befreien.
Oder, uns telepatische Signale zu geben.
Das Schlimme war auch, daß wir durch die Schreie und durch die unendlichen Qualen unserer Nächsten manchmal einfach nicht klar denken konnten.
Uns nicht richtig ausrichten konnten auf „Empfang“ und uns so verunsichert fühlten.
Aber, genau das hatte der Gegner geplant.
Uns durch fast unerträgliche Taten an unseren geliebten Nächsten zu schwächen und unsere Emotionen durcheinander zu bringen.
Uns zu verwirren.
So zu entmutigen.
Aber, da hatte er die Rechnung ohne uns gemacht.
Wir hatten Kraftreserven.
Auf die wir immer und immer wieder zurückgreifen konnten.
Wenn wir den Nebel in unserem Oberstübchen vertrieben hatten.
Wir waren ausgebildet, einen klaren Kopf, auch unter der allerschlimmsten Gegebenheiten und Situationen zu bewahren, oder zumindest zurück zu gewinnen.
Und so schafften wir es, uns telepatisch zu motivieren, zusammen zu halten und einen Plan zu schmieden.
Mit unseren verbliebenen Freunden und Familie.
Die das Geschehen von Weitem beobachteten.
Die wußten, wo wir uns aufhielten und wo andere Freunde gefangen gehalten wurden.
Sie sahen auch, daß einige dieser groben Wesen mit Gefangenen verschwanden.
Immer an ein und derselben Stelle.
Sich wie durch eine unsichtbare Wand fortschlichen.
Und dann genau dort wieder auftauchten.
Alleine.
Ohne ihre Geiseln.
Sie mußten also unsere Freunde irgendwo hingebracht haben.
Durch einer weitere, unsichtbare Wand in eine andere Dimension.
Oder über eine Himmelsbrücke, die unseren Augen verborgen war, auf einen nahen Planeten.
Ziel Nummer eins war natürlich, uns aus den Klauen der Bestien zu befreien, damit wir alle gemeinsam unsere Bekannten suchen und finden können.
Nur die Jungs alleine, das wäre zu gefährlich.
Zu anstrengend und zu kraftaufwendig.
Es war auch möglich, daß irgend jemand von uns diese Greueltaten nicht überleben würde und dann als Mitstreiter ausfiel.
Also taten sich die jungen Männer zusammen mit anderen Freunden, von anderen Planeten.
Die hatten sie herbeigerufen.
Um Hilfe gebeten.
Wir wußten von diesem Befreiungsschlag.
Er erfolgte in den frühen Morgenstunden.
Da war unser aller Kraft am Größten und die der Gegner gering.
Sie schliefen noch und wachten nicht richtig über uns.
Waren sich zu sicher ob ihres Erfolges.
Eitel und selbstherrlich.
Alle zur gleichen Zeit mobilisierten wir unsere Gaben, unseren Kampfesgeist, spannten unsere Muskeln an.
Und bekamen weitere Hilfe von Freunden anderer Gestirne.
Zum Glück hatten wir im gesamten Universum sehr viele Freunde, denen wir schon sooft zur Seite gestanden hatten, wenn sie in Not waren.
Und dies zahlte sich nun aus in ungebrochenem Zusammenhalt und hingebungsvoller Freundschaft.
Es war ein plötzliches Tosen, Geschrei, Geklirre.
Es kamen unsere Kameraden in so großer Zahl, daß die Finsteren ihre Beine in die Hand nahmen und flohen.
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