„Es ist mir egal, was du getan hast und was du bist", sagte er mit hohler Stimme. „Ich kümmere mich nicht darum, was du selbst von dir denkst. Ich liebe dich. Und ich will dich haben. Ich werde alles versuchen, um dich zu heiraten."
Vanessa sah ihn neugierig an. Sie schüttelte den Kopf.
„Du bist verrückt. Oder auf dem besten Weg, es zu werden. Du bist nicht so wie ich oder meine Freunde. Nein, du weißt wirklich nicht, auf was du dich da einlässt. Komm, sei vernünftig und erinnere dich, dass ich nur dein Bestes will. Und trag mir nichts nach."
Sie war völlig unvorbereitet, als Justins Hand sie plötzlich am Handgelenk packte und sie über das Bett zu sich zog.
„Ich kann dich nicht mehr vergessen!", rief er grimmig und verschloss ihren Mund mit seinen Lippen. Sie versuchte anfangs, sich zu wehren. Aber der Männerkörper über ihr hatte sie förmlich festgenagelt.
Wie ein Wahnsinniger packte Justin sie an den Brüsten und riss ihre Beine auseinander. Sie spürte seinen heißen Atem im Gesicht. Da stieg auch in ihr wieder die Lust auf. Taumelnd ließ sich Justin zur Gänze auf sie fallen, hinein zwischen ihre Beine, während er mit der Hand ihre Öffnung massierte. Sie war feucht und bereit, ihn aufzunehmen. Er stieß ihr sein Glied hinein, und begann wie ein Fuhrknecht zu arbeiten.
Vanessa keuchte. Er zog ihn heraus, in der vollen Länge, und rammte ihn wieder hinein. Doch in Justins Begierde mischte sich auch wilde Verzweiflung. Sie würde ihn wieder verlassen, ihn wieder der quälenden Einsamkeit übergeben. Justin stieß mit aller Kraft zu, pumpte all seine Lust und seinen Schmerz in ihren zarten Körper.
„Nun, du verdammtes Biest, wirst du mich heiraten?", fragte er keuchend, nachdem es ihm gekommen war und er atemlos auf ihr lag.
„Ja", quiekte sie wie eine furchtsame kleine Maus.
„Was? Was hast du da gesagt?"
Er war so überrascht, dass sie zu lachen begann.
„Ich habe gesagt, dass ich dich heiraten werde. Aber sage hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Wenn du mich haben willst, zusammen mit vielen anderen Männern, dann will ich deine Frau werden."
„Vanessa!", sagte er. „Ich glaube dir nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du wirklich so bist, wie du dich schilderst, oder vorgibst zu sein. Ich werde dich ändern."
„Das ist es ja gerade!", schrie sie und stieß ihn von sich. „Ich kann mich nicht ändern, selbst wenn ich es wollte. Und letztlich will ich es auch gar nicht. Für einen Lehrer bist du selbst aber ziemlich unbelehrbar. Schau, wir leben doch in verschiedenen Welten. Du in deiner und ich in meiner. Ich liebe dich, wie ich zuvor noch nie jemanden geliebt habe. Aber ich werde darum meine Welt und mein Leben nicht aufgeben. Nicht, dass du es nicht wert wärest, aber ich hänge nun einmal drin, so tief, dass mich keiner mehr herausholen kann. Entweder lässt du mich meinen Weg gehen, oder wir müssen uns trennen."
„Aber du hast doch gesagt, dass du mich heiraten willst!"
Sie seufzte. „Sicher habe ich das gesagt. Ja, ich will. Aber nur zu meinen Bedingungen!"
„Die Bedingung ist, dass ich dich mit irgendjemandem, der dich gerade anquatscht, ins Bett steigen lasse?"
„Das und eine ganze Menge anderer Dinge mehr. Ich wusste ja, dass du das nicht verstehen würdest. Das alles erscheint dir verrückt und ausgefallen, ja? Ich werde dir schon noch erklären, wie ich lebe, und warum ich so sein muss. Dann kannst du dir ja ausrechnen, ob du dich wirklich mit so einer einlassen möchtest. Nun aber bin ich müde vom Reden. Und Hunger habe ich auch."
„In Ordnung", gab er zur Antwort. „Lass uns schwimmen gehen, und dann wollen wir frühstücken."
Justin Thalheims Wohnung lag in einem Mehrfamilienhaus in zweiter See Reihe. Man brauchte nur die Meersburger Straße überqueren um in den Bodensee springen zu können.
Die Miete dafür war höher, als Justin es sich eigentlich leisten konnte, aber er verfügte noch über einige Ersparnisse und wollte sich einfach diesen Luxus für einen überschaubaren Zeitraum gönnen.
Hand in Hand schlenderten sie am Ufer des Bodensees entlang. Außer ihnen waren noch ein paar Teenager am Strand, die im See herumsprangen oder sich als Wellenreiter betätigten.
Er bemerkte, dass einige der Jungs Vanessa in ihrem weißen Bikini bewundernd anstarrten. Er konnte sich vorstellen, warum — ab einer gewissen Entfernung war es nämlich schwer, den Bikini zu erkennen, man hätte ebenso gut denken können, dass es sich um ungebräunte Stellen handelte, und dass das Mädchen darum so gut wie nackt war.
Er grinste. Aber dieses Grinsen verschwand sogleich, als er bemerken musste, welchen Effekt es bei ihr ausgelöst hatte.
Es war genau wie gestern, als sie mit ihm gegangen war. Mit tropfenden Haaren rannten sie in die Wohnung zurück und stellten sich gemeinsam unter die Brause.
Danach bereitete er das Frühstück, während sie ihre Haare trocknete und ein weißes Kleid anzog. Beim Kaffee setzten sie dann ihre Unterhaltung fort.
„Ich war knapp achtzehn, als ich Ben begegnete", erzählte sie ihm.
„Ich lebte mit meiner Familie in Karlsruhe. Ich hatte gerade mein Abitur gemacht und war im Begriff, mich an der Universität einschreiben zu lassen, als Ben mir über den Weg lief. Wir begannen eine leidenschaftliche Beziehung. Ein halbes Jahr später waren wir verheiratet. Etwa einen Monat nach unserer Eheschließung besuchten wir eine Party, und ich hatte den ersten Schwips meines Lebens. Jeder flirtete mit jedem, nur ich hielt mich damals noch zurück.
Als ich in die Küche ging und Ben zusammen mit der Gastgeberin fand, wurde es mir zu bunt. Sie saß auf dem Rand des Spülbeckens und ließ sich — den Rock hatte er ihr bis über die Hüften hinaufgeschoben — von Ben befingern und küssen. Ich machte keine Szene. Ich ging hinaus und suchte nach ihrem Mann.
Ich erzählte ihm, was in der Küche vorging. Aber der lachte nur und sagte, das sei eine Party, bei der so etwas üblich sei, und ob ich denn niemanden hätte, der es mir besorgte. Bevor ich noch kapierte, was er meinte, küsste er mich auch schon und hatte seine Hand unter meinem Rock.
Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte, aber dann auf einmal fühlte ich mich doch recht wohl dabei und dachte an Ben, der in der Küche mit der Hausfrau das gleiche trieb. So ließ ich mich von ihm ins Schlafzimmer führen und legte mich mit ihm ins Bett.
Am nächsten Tag sprachen Ben und ich über die Sache und kamen zu dem Schluss, dass ein wenig Fremdgehen eine Menge Spaß machte und unserer Ehe schon nicht schaden würde. Das Komische daran ist, dass das stimmte — ich liebte Ben und wusste, dass auch er mich liebte — trotz allem.
Wir fanden eben, dies sei die beste Art, der Monotonie des Ehealltags zu entgehen. Wir ließen es bei diesem einen Mal natürlich nicht bewenden. Wir trieben es mit jedem, der uns passte, überall und jederzeit.
Als Ben bei einem Autounfall ums Leben kam, war ich gerade richtig reif für diese Art von Vergnügungen geworden. Um die Wahrheit zu sagen — so schön wie damals, als Ben noch lebte, war es dann allerdings nicht mehr. Ich glaube, der Reiz lag eben darin, dass er von mir wusste, was ich trieb und umgekehrt."
„Ich kann nicht verstehen, wie so etwas möglich ist", murmelte Justin. „Ich könnte es jedenfalls nicht als Reiz empfinden, wenn ich dich in den Armen eines anderen Mannes wüsste."
Vanessa zuckte die Schultern.
„Wahrscheinlich musst du erst auf den Geschmack kommen. Ich habe mit Dutzenden von Paaren gesprochen, bei denen Partnertausch etwas ganz Selbstverständliches ist und sie alle sagten das gleiche: dass es keinen größeren Genuss gibt, als den Partner zu beobachten, wie er sich mit einem Fremden vergnügt."
„Und so etwas erwartest du von mir?", fragte Justin. „Du willst also allen Ernstes, dass ich zu solchen Partys mit dir gehe, um dir zuzusehen, wie du es mit anderen Männern treibst?"
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