„Verdammt! Verdammt! Verdammt!“ Mit jedem heftig herausgepressten Fluch stampfte Pia, so kräftig sie nur konnte, gegen das Holz zu ihren Füßen. Es war ihr egal, dass sie sich dabei die Knie aufschlug, Blut nun auch ihre Jeans tränkte. Beim dritten Verdammt spürte sie etwas Weiches unter ihren Füßen. Hatte sie das Vieh tatsächlich erwischt? Wie irre trampelte Pia nun, immer und immer wieder auf das Fellbündel, das ihre nackten Füße spüren konnten. Es bewegte sich längst nicht mehr, doch sie trat weiter und weiter … bis sie das Gefühl hatte, kein Tier, sondern einen unförmigen Lappen zu treten. Jetzt hörte sie auf, schwer atmend und zitternd vor Wut und Erregung. Ruhig, ganz ruhig , redete sie sich selbst gut zu. Doch es gelang ihr nicht, ihre Atemfrequenz herunterzufahren. Pia brauchte eine Weile, bis ihr der Grund dafür einfiel – natürlich, die Atemluft hier drinnen war verbraucht.
Jemand hatte die Klappe geschlossen. Und die Ratten hier hereingesetzt.
Wer hasst mich so? Wer hat die Macht, mir das anzutun?
„Hilfe! Ich will hier raus!“
Salzige Tränen rannen über ihre Wangen, vermischten sich mit dem Blut auf den Händen, an denen sie zwischen ihren Schreien immer wieder kaute und sog. Der Schmerz hielt sie wach, denn sie spürte Schwindel in sich aufkommen, hatte Angst, das Bewusstsein zu verlieren und in ewiger Nacht zu versinken.
Pia schniefte.
Ihr Schluchzen ging in ein Wimmern über. Ihr Atmen war nur noch ein Keuchen. Pia spürte, wie sie kraftloser wurde, ihr Bewusstsein schwand und ihr Hirn stattdessen tröstende Bilder vorgaukelte.
Ein Wald, in dem die Vögel zwitscherten.
Das Rauschen des Meeres.
Vor allem aber Sonne. Licht.
Es sollte nicht für immer Nacht sein.
Pia erwachte aus einem traumlosen Schlaf. Unter größter Anstrengung gelang es ihr, die Augen einen Spaltbreit zu öffnen. Da war wieder dieser schwache Lichtschein. Jemand hatte die Klappe erneut geöffnet. Sie konnte frei atmen. Eine vertraute Stimme sprach zu ihr:
6
„Hallo Pia, wie fühlst du dich?
Lachen erklang.
„Du sagst ja gar nichts? Hatte dein k.o-Tropfen-Kater Spaß mit den beiden Ratten?“
Er kniete nieder, sodass sein Kopf dicht über dem kleinen Schacht im Boden war.
Die Bodenplatte war längst ausgehärtet. Nur noch über diesen Zugang ließ sich die Klappe an der Seite der Holzkiste erreichen.
„Weißt du Pia, alles wäre anders gekommen, wenn du bescheidener gewesen wärst. Aber du konntest ja nicht genug kriegen. Dein Ehemann sollte dir dein Traumhaus bezahlen. Ich sollte es nicht nur bauen, sondern dir auch noch jeden Mittwoch deine Langeweile wegficken.“
Seine Hand zog einen Mörteleimer heran.
„Pia, Pia. Du hast dich für ihn und gegen mich entschieden. Ich akzeptiere das. Da hast du dein Haus! Liege deinem Mann ewig zu Füßen!“
René beugte sich noch tiefer hinab. Zuerst schloss er sorgfältig die kleine Holzklappe. Dann füllte er das Loch in der Bodenplatte mit Beton.
„Gute Nacht, Pia.“
Ihre Schreie hörte er nicht mehr.
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