Ich fühlte mich merkwürdig! Was war das in meinem Glas gewesen? Es hatte nicht anders geschmeckt als der Drink zuvor. Doch ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Gedanken. So etwas hatte ich noch nie gefühlt! An der Theke kaufte Noel noch ein paar Flaschen Pils und zwei Flaschen Cola.
„Was hast du vor, erwartest du noch Besuch?“, fragte ich angriffslustig.
„Nun, es wird auf jeden Fall eine lange Nacht werden“, erwiderte Noel, schob mich nach draußen und verfrachtete mich in Francos Auto.
***
In meiner Wohnung angekommen, setzte mich Noel auf das Sofa, sich daneben und legte den Arm um mich. „Nun, was befürchtest du, werde ich jetzt mit dir anstellen?“
„Nichts!“, begann ich mutig und wand mich aus seinem Arm. „Du trinkst dein Pils und wenn du danach gehst, werde ich die erste Frau sein, die dir widerstanden hat.“
„Wir werden noch sehen!“
„Ich denke, dass du enttäuscht sein wirst“, beharrte ich. Leicht schwankend stand ich auf, tastete ich mich zum Spiegel und begann, meine Haare zu kämmen. Ich war müde und hatte keine Lust auf dieses Spielchen. Am liebsten wäre ich gleich schlafen gegangen.
Noel trat hinter mich und sah mich durch den Spiegel an. Er lächelte, legte seine Arme auf meine Schultern und drehte mich zu sich um. Wenige Augenblicke später beugte er sich zu mir herunter und küsste mich zart auf die Stirn.
Als er erkannte, dass ich die Augen schloss, küsste er mich auch schon auf den Mund. Sein Kuss war vorsichtig und zärtlich.
„Wolltest du nicht die erste Frau sein, die mir widersteht?“
„Ich glaube, ich werde noch einmal wohlwollend darüber nachdenken“, murmelte ich.
„Gut, sonst müsste ich dich nämlich ohne deine Einwilligung verführen“, flüsterte er und knabberte an meinem Ohr.
„Du bist so etwas von arrogant, dass …“, brauste ich wieder auf, doch Noel küsste mich erneut, diesmal leidenschaftlicher. Der Kuss schien eine Ewigkeit zu dauern. Er hatte gewonnen. Wenig später lag ich auf dem Sofa.
Noel nahm meine Hände und legte sie über meinen Kopf. „Du brauchst nichts zu tun“, sagte er und begann, meine Bluse aufzuknöpfen. Ich protestierte nicht und lag wie benommen vor ihm, mir war immer noch schwindelig. Zärtlich wanderten seine Lippen über meine Brüste. Er durchwühlte mein Haar, schob meinen Rock hoch.
„Nicht!“, bat ich flüsternd und presste meine Schenkel zusammen.
„Glaub mir, es wird dir gefallen“, raunte Noel und brach meinen Widerstand etappenweise. Nach und nach drängte er sein Knie zwischen meine Schenkel. Lippen, Hände, Haut an Haut – er schien überall zu sein.
„Du willst es doch auch, du kleine Schauspielerin“, flüsterte er und seine Lippen verschlossen meinen Mund, bevor ich etwas erwidern konnte. Was er in mir erweckte, hatte ich noch nie gefühlt, ich war wie berauscht von meinen Empfindungen.
Ich hatte bereits jegliches Zeitgefühl verloren, als Noel sich auszog und mein Höschen einfach beiseiteschob. „Nimmst du die Pille?“
Als ich nickte, drängte er sich bereits zwischen meine Schenkel. Ich schrie vor Schmerzen! Er drängte weiter in mich, um dann zu verharren. Ich hatte das Gefühl zu zerreißen, wollte mich befreien. Doch Noel hielt mich fest.
„Du tust mir weh!“
„Es wird gleich besser“, versuchte er mich zu beruhigen. „Ich lass dir noch ein wenig Zeit!“
„Geh raus – bitte!“, bat ich.
Er seufzte. „Ich habe geahnt, dass es nicht einfach für dich werden würde, so eng wie du gebaut bist!“
Das hatte noch keiner zu mir gesagt! Ich starrte ihn ungläubig an. „Lass mich los!“, verlangte ich und strampelte.
„Pssst, ganz ruhig Nina. Du tust dir durch dein Gezappel nur selbst weh! Es lässt gleich nach. Du wirst dich daran gewöhnen!“
Nachdem alles Zappeln und Flehen nichts genutzt hatte, gab ich auf und ließ ihn gewähren. Doch Lust empfand ich dabei nicht.
Plötzlich warf er sich neben mich. „Nina, so geht das nicht! Ich hab mir jetzt wirklich viel Zeit für dich genommen und die hast du sicherlich auch gebraucht, aber wenn wir so weitermachen, dann klappt heute nichts mehr.“
Ich schwieg betroffen.
„Nina, es gibt wenige Frauen, die mich überhaupt noch erregen. Dafür hatte ich schon zu viele Schlampen! Deine kindliche Unschuld hat mich aber echt umgehauen. Du bist noch wie ein Kind! Aber ich raff das nicht! Du hast doch auch mit Leandro geschlafen, und ich weiß, worauf der steht. Du wirkst aber auf mich, als hättest du null Erfahrung. Ist das Show? Was geht in dir vor? Ich finde das zwar alles irgendwie erregend, denn so eine Frau hatte ich noch nie, aber ich glaube, es ist wirklich besser für dich und wahrscheinlich auch für mich, wenn ich dich jetzt in Ruhe lasse und aus deinem Leben verschwinde, bevor ich mir die Finger ernsthaft an dir verbrenne.“ Er setzte sich auf und griff nach seinem Hemd.
„Nein!“, schrie ich erschrocken. Ich rappelte mich auf und krabbelte zu ihm. Er schob mich von sich. „Bitte gehe nicht so mit mir um!“, heulte ich halb schockiert und halb gekränkt.
„Nina, sei vernünftig. Es hat keinen Sinn mit uns“, meinte er fast schon gelangweilt. „Du weißt doch gar nicht, wer ich bin. Ich hab schon so viel erlebt. Auf Dauer kann ich keine Rücksicht auf deine Gefühle nehmen. Es wäre vermutlich ein Leichtes, dir deine kindliche Unschuld zu nehmen. Doch was kommt dann zum Vorschein?“
„Hör auf!“
„Lass mich besser jetzt gehen, bevor es zu spät für dich ist. Du würdest nur daran zerbrechen. Alles, was dich jetzt so einzigartig und unwiderstehlich für mich macht, wäre dann mit einem Schlag verschwunden, du wärst wie jede andere und ich würde dich wegwerfen.“
„Was redest du da für einen Unsinn? Ich bin überhaupt nicht zerbrechlich! Wenn du wüsstest, was man mir schon angetan hat! Ich habe das alles überstanden. Ich kann was aushalten.“
„Wenn ich bliebe, würde ich dir wehtun.“
„Mach mit mir, was du willst, aber geh jetzt nicht“, hörte ich mich flüstern.
„Oh, Nina, du weißt nicht, was du mir da anbietest!“ Er schien resigniert. Wir schwiegen.
„Was muss ich tun, damit du bleibst?“, fragte ich schließlich in die Stille hinein.
Er drehte sich zu mir, nahm mein Kinn und zwang mich, ihn anzuschauen. Sein Blick war fremd. „Was auch immer ich von dir verlange. Egal wann, egal wo, egal wie!“
Mir war plötzlich alles zu viel. Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten und warf mich ins Kopfkissen.
„Mein unschuldiges Lämmchen“, flüsterte er und strich mir über den Rücken. „Du bist ein Traum für jemanden wie mich. Aber für dich würde ich zum Albtraum werden.“
„Bitte geh nicht! Nicht nach dieser Nacht!“, schluchzte ich.
Noel hielt mich so lange in seinen Armen, bis ich mich wieder beruhigt hatte. „Also gut, ich bleibe“, entschied er dann. „Ich werde jetzt ein weiteres Mal mit dir schlafen, und zwar auf die Art, auf die ich abfahre. Vermutlich werde ich dir dabei wehtun. Um dir die Möglichkeit zu geben, dich doch noch anders zu entscheiden, gebe ich dir ein Zauberwort. Es gilt nur für diese Nacht. Was immer ich auch heute Nacht tue, ich werde sofort damit aufhören, wenn du dieses Wort aussprichst. Einverstanden?“
Ich nickte.
„Das Zauberwort ist: De Sade.“
„Was bedeutet das?“
„Marquis de Sade war ein französischer Adliger und Autor. Er hat Bücher geschrieben, die ich fantastisch finde. Ich habe sie alle zu Hause. Wenn du seinen Namen aussprichst, werde ich sofort aufhören mit dem, was ich gerade tue. Doch dann werde ich dich für immer verlassen. Du hast also nur noch einmal die Möglichkeit, dich anders zu entscheiden.“
„Ich werde seinen Namen nicht aussprechen“, versprach ich.
Er lächelte. „Wenn du heute Nacht seinen Namen nicht nennst, bleiben wir so lange zusammen, wie du es mit mir aushältst und ich dich faszinierend finde. Versuche dich nicht zu ändern, was auch immer geschieht.“
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