1.2.3 Jünger bleiben
Ist es Ihnen nicht auch schon passiert, dass Sie ein Lied aus Ihrer Schulzeit gehört und sich plötzlich wie bei einer der Schulpartys gefühlt haben, als sie noch jung, knackig und draufgängerisch waren? Vielleicht haben Sie daraufhin eine alte Schulfreundin angerufen und sind nochmal ausgelassen in die Disko gegangen, um mit längst vergessen geglaubten Tanzeinlagen die gleichen begehrlichen Blicke der Umstehenden auf sich zu spüren, wie früher. Eine Art Zeitreise mit Anti-Aging-Effekt.
1.2.4 Ängste überwinden
Sicher standen auch Sie schon vor Herausforderungen, die Sie erfolgreich gemeistert haben. Ob als Kind den ersten Sprung vom Fünfmeterturm im örtlichen Schwimmbad, als Erwachsener den Bungee-Sprung in Neuseeland, die bestandenen Prüfungen mit anschließender Abi-Feier oder auch der erfolgreiche Kontaktversuch in der Tanzschule. Erinnern Sie sich noch an das Hochgefühl, das Sie danach verspürt haben, und das Gefühl, alles meistern zu können? Welche Musik haben Sie damals gehört?
1.2.5 Stress bewältigen
Machen Sie Wellness oder haben Sie schon einmal mit einem heißen Tee in der „Milchbar“ gesessen und beim Blick auf die stürmische Nordsee den entspannenden Klängen der eigens komponierten Hausmusik gelauscht? Wo immer Sie diese Musik später wieder hören werden, Sie werden förmlich zurückversetzt an den Ort, an dem Sie Ihre Seele haben baumeln lassen. Auch wenn Sie gerade eine schwere Prüfung, einen wichtigen Termin oder einen Vortrag vor sich haben.
1.2.6 Motivation steigern
Den oben genannten Beispielen ist eines gemeinsam: sie steigern die Motivation, etwas zu tun und dabei innere Zu- und Widerstände zu überwinden. Oftmals gehen mit der Überwindung bzw. dem Resultat daraus Emotionen einher, wie die Vorfreude auf den nächsten Urlaub, das Erfolgserlebnis beim Verlust der ersten 2 kg Körpergewicht, oder die tiefe Befriedigung nach dem Bungee-Sprung. Nicht selten verstärken diese Folge-Emotionen dann wiederum den Willen, weiterzumachen bzw. durchzuhalten, und setzen so eine Erfolgsspirale in Gang.
2. MAER: Methodik und Begriffe
Der AER-Ansatz macht sich die Erkenntnisse und Gemeinsamkeiten aus den oben genannten, exemplarischen Einsatzgebieten zu Nutze. In den beschriebenen Fällen, in denen wir von unseren Emotionen profitieren, sind diese mit positiven Erlebnissen aus unserer Vergangenheit verknüpft. Der Abruf dieser Erinnerungen ruft in uns ähnliche positive Emotionen hervor, wie in der ursprünglich erlebten Situation, die diesen Erinnerungen zugrunde liegt. Damit wir uns an ein Erlebnis erinnern und damit Zugang zu der damit verknüpften Emotion erhalten, benötigen wir den passenden Schlüssel, wie beispielsweise ein Musikstück aus dieser Zeit.
Mit der abgeleiteten Methode des Media-supported Active Emotion Retrievals (MAER) werden diese Zusammenhänge zu einer praktisch anwendbaren Methodik kombiniert, die den Anwendern einen systematischen, zielgerichteten und vorteilhaften Zugriff und Umgang mit ihren eigenen Emotionen ermöglicht.
2.1 Active
Der Abruf der Erinnerungen an positive Erlebnisse aus der Vergangenheit ist beim MAER ein aktiver Prozess. Erinnerungen und folglich die entsprechenden Emotionen entstehen nicht zufällig, spontan oder unbewusst, sondern sind das Ergebnis einer bewussten Auswahl, also willentlichen Selektion, die Sie selbst treffen. Damit können Sie einerseits den Einfluss von negativen Emotionen reduzieren, indem Sie diesen ganz bewusst positive entgegensetzen. Andererseits bringen Sie sich selbst durch die aktive Auswahl positiver Emotionen in die ‚richtige Stimmung‘, die Ihnen in der aktuellen Situation und bei der Bewältigung einer anstehenden Herausforderung zuträglich ist.
2.2 Emotion
Auch wenn sich sicher jeder etwas unter dem Begriff „Emotion“ vorstellen kann, so spiegelt sich die landläufige Weisheit „ein Gefühl lässt sich schwer in Worte fassen“ durchaus auch in den Ansätzen wissenschaftlicher Definitionen wider. Einen Auszug aus den Ergebnissen der zahlreichen Studien zur Emotionsforschung in den verschiedenen psychologischen Teildisziplinen liefert z.B. Wikipedia:
„Emotion bezeichnet eine Gemütsbewegung im Sinne eines Affektes. Sie ist ein psychophysiologisches, auch psychisches Phänomen, das durch die bewusste oder unbewusste Wahrnehmung eines Ereignisses oder einer Situation ausgelöst wird. Das Wahrnehmen geht einher mit physiologischen Veränderungen, spezifischen Kognitionen, subjektivem Gefühlserleben und reaktivem Sozialverhalten. […] Der Lebenszyklus einer Emotion unterteilt sich in sensorische, kognitive, physiologische, motivationale und expressive Komponenten“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Emotion, 23.11.14)
2.2.1 Komponenten
Entscheidend für den Effekt der MAER-Methodik sind die Komponenten des angesprochenen Lebenszyklus einer Emotion. Jede Emotion ist demnach mit mindestens einem sensorischen Reiz verbunden, also etwas, das wir im Zusammenhang mit dem erlebten Ereignis gesehen, gehört oder auch gerochen haben. Bei der kognitiven Verarbeitung, also der Wahrnehmung, dem subjektiven Erkennen, Interpretieren und geistigen Abspeichern des Ereignisses als Erinnerung, werden auch die sensorischen Reize mitgespeichert.
Die subjektive Interpretation des Ereignisses führt zur Erregung bestimmter Hirnregionen (v.a. des limbischen Systems und der Amygdala) sowie Ausschüttung entsprechender Neurotransmitter bzw. Hormone und löst dabei mehr oder weniger spürbare physiologische, also körperliche Reaktionen, wie beispielsweise Herzklopfen bei Freude, Gänsehaut bei Erregung, Tränen bei Rührung, oder Schwitzen bei Aufregung aus. In diesen Reaktionen zeigt sich der Kern der empfundenen Emotion.
Hinzu kommt die größtenteils unbewusste, triebgesteuerte Motivation zu einer Handlungsreaktion als Folge der Interpretation des Ereignisses, wie beispielsweise Flucht- oder Angriffsverhalten als Folge der Emotion Angst. Diese wird begleitet von unwillkürlichen, expressiven Verhaltensweisen, also beispielsweise nonverbalen Ausdrucksformen wie Mimik oder Gestik. Als Teil der nonverbalen Kommunikation führen diese Ausdrucksformen bei den beobachtenden Menschen (Empfänger) in der Regel zu Reaktionen, die die auslösende Emotion (beim Sender) eventuell noch verstärken können.
Anhand der Komponenten einer Emotion wird deutlich, dass es sich dabei keineswegs um ein rein mentales, psychologisches Phänomen handelt, sondern diese mit teilweise deutlichen körperlichen Reaktionen und Auswirkungen auf unser Sozialverhalten einhergeht. Umso wichtiger, dass wir lernen, mit der Kraft unserer Emotionen umzugehen und diese zu unserem Vorteil zu nutzen.
2.2.2 Emotionen und Stimmungen
In der Fachliteratur wird bisweilen zwischen Emotion und Stimmung (engl. mood) unterschieden. Dabei unterscheidet sich die Stimmung von der Emotion vor allem dadurch, dass erstere über einen längeren Zeitraum andauert, wie beispielsweise das Hochgefühl in einem Urlaub. Oftmals geht das Phänomen der Emotion mit dem der Stimmung jedoch einher, ineinander über oder verstärkt sich wechselseitig. Die MAER-Methode unterscheidet nicht zwischen den beiden Phänomen, sondern macht sich beide gleichermaßen zunutze.
2.3 Retrieval
Sucht man nach der Definition des Begriffs „Retrieval“ (engl. für Abruf) wird man sowohl im Bereich Psychologie als auch Informatik fündig. In beiden Disziplinen ist dabei oft vom Information Retrieval die Rede, also dem Abruf gespeicherter Informationen. In der Informatik werden Informationen von einem Computer, Server oder Speichermedium abgerufen, in der Psychologie aus dem Gehirn bzw. dem Gedächtnis.
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