„Ihr seid doch eh nur zu sechst, dann geht Lucy zu euch“ schlug Theo vor.
„Jaja, schon gut, wir nehmen die Frau, dann sind wir auch sieben“, kam leicht sarkastisch die Antwort von Richy, der in Lucys Team offenbar den Ton angab. Genauso gut hätten sie gleich aufgeben können, dachte Lucy. Denen würde sie es zeigen!
Der Anfang fiel ihr ganz schön schwer. Nach ein paar Sprints war sie völlig außer Atem. Sie rannte sich die Seele aus dem Leib, um sich freizulaufen und anzubieten, bekam aber nur dann einen Pass aus der eigenen Mannschaft, wenn keine andere Anspielstation frei war. Also änderte sie ihre Strategie und holte sich die Bälle vom Gegner. Sie sparte jetzt ihre Kräfte, nutzte sie stattdessen für kurze, überraschende Angriffe auf die Gegenspieler und konnte so einige Gegenstöße einleiten.
Nach einer halben Stunde hatten ihre Mitspieler kapiert, was Lucy drauf hatte. Jetzt wurden die meisten auch zusehends müde, und Lucy konnte ihre Schnelligkeit und Ausdauer ausspielen. Immer wieder schickten ihre Mitspieler Lucy auf schnelle Gegenstöße, und sie schoss Tor um Tor.
Nach einer Stunde stand es 11 zu 11. Die Jungs waren müde. Die Sonne stand wie eine milchige, kalte Scheibe am Horizont und schien ihre ganze Kraft für heute verschwendet zu haben. Der Neckar sah mit einem Mal aus wie eine gigantische Bleischmelze. Giftige Rauchschwaden lösten sich aus dem Blei und trieben auf die Wiese zu.
Theo spürte, wie sich sein Rücken zu verkrampfen begann.
„Machen wir Schluss?“ fragte er in die Runde.
„Noch ein Tor, okay?“ schlug Richy vor.
Die Aussicht auf das entscheidende Tor brachte nochmals Schwung in die Partie. Die Angriffsaktionen wurden wieder entschlossener und die Verteidigung agierte verbissener als zuvor. In den folgenden Minuten gelang keiner Mannschaft ein Tor. Dann schickte Richy mal wieder Lucy mit einem langen Pass auf einen Tempogegenstoß.
Sie lief allein auf den Torhüter zu. Zehn Meter vor dem Tor setzte sie zum Vollspannschuss an. Im allerletzten Moment grätschte Theo in den Schuss. Lucy flog in hohem Bogen in den aufgeweichten Rasen. Der Ball landete im Neckar.
„Super gemacht, Theo!“ rief ein Mitspieler von Theo.
„Ja, echt ein Mega-Tackling!“, applaudierte ein anderer.
„Schade um den Ball. War übrigens meiner!“ ätzte Richy.
Der Ball schwamm ungefähr zehn Meter vom Ufer entfernt und begann, mit der Strömung Fahrt aufzunehmen. Theo zögerte kurz; weniger wegen des eiskalten Wassers, sondern weil er großen Respekt vor der Strömung hatte. Dann zog er hastig seine Schuhe aus und sprang ins Wasser. Bald hatte er den Ball erreicht und trieb ihn wie ein Wasserballer vor sich her. Nach wenigen Augenblicken stand er schon wieder am Ufer, während Lucy im Gras saß und ihre Schienbeine inspizierte. Richy war glücklich, seinen Ball wiederzuhaben.
„Ist ja nochmal gutgegangen. Alles klar, Theo?“
„Alles klar“, antwortete dieser bibbernd.
Damit machte sich Richy zusammen mit den anderen auf den Heimweg. Theo stand da wie ein begossener Pudel und schlotterte am ganzen Leib. Lucy gab dem Profi noch eine letzte Chance.
„Willst du nicht vielleicht bei mir duschen? So kannst du ja schlecht mit dem Rad nach Hause fahren. Ich wohne gleich hier gegenüber.“
Das war ein Angebot, das Theo nicht ablehnen konnte. Er schnappte sein Fahrrad und folgte Lucy zu ihrer Wohnung. Er war ganz überrascht, dass sie tatsächlich so nah am Neckar wohnte.
„Hier wohnst du? In dieser Villa? Das ist ja märchenhaft!“
Lucy wollte sich jetzt nicht die Zeit nehmen, um Theo die ganze Geschichte ihrer Wohnungssuche zu erzählen. Dafür zitterte er zu stark. Sie bugsierte ihn in ihr Bad, drückte ihm ein frisches Handtuch in die Hand und ließ ihn allein.
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