Mit einem lauten Platschen schlägst du unten auf und gehst sofort unter. Du bist in einem Gewässer gelandet!
Es ist sehr dunkel um dich herum...
Es erscheint dir wie eine Ewigkeit, und die Luft wird immer ungenießbarer. Wirst du hier drinnen ersticken? Du vernimmst allerlei Geräusche. Es wird gescheppert, geklopft, gerumpelt. Die Arbeiter sind wieder voll bei der Sache. Irgendjemand brüllt herum und erteilt Befehle.
Dann hämmert es an deinem Fass. Jemand donnert auf den Deckel, und dir vibrieren die Ohren. Plötzlich dreht sich alles. Dein Fass wurde umgekippt und du verlierst sofort die Orientierung. Wo oben und unten ist kannst du nicht sagen. Du bist auch zu sehr damit beschäftigt dich mit allen vier Gliedmaßen so abzustemmen, dass dein Körper nicht wie verrückt herumpurzelt.
Alles bewegt sich. Du wirst weggerollt und verzweifelt spannst du alle Muskeln an, um dein Gewicht nicht zu verlagern. Wenn das Fass zu unrund rollt, wird sicher jemand stutzig.
Es geht auf und nieder. Du stößt dir mehrmals den Kopf, als es besonders rumpelig zugeht. Jeden Moment haben sie mich, denkst du dir. Aber anscheinend scheint niemand misstrauisch zu werden. Dir wird langsam mächtig schwindelig. Gerade als du denkst, du musst dich übergeben, kommst du endlich zu stehen.
Wurdest du auf die Kutsche verladen? Schritte entfernen sich. Um dich herum ist es totenstill. Du hast dich überall geprellt, bist total verklebt und bekommst nur noch schwer Luft.
Du entscheidest dich, dass...
...du sofort hier raus musst!
...du trotzdem erst einmal abwartest.
Gierig greifst du nach dem Stein. So etwas Wertvolles hast du noch nie besessen.
Den Moment deiner Ablenkung nutzt Will schamlos aus und nimmt dich in den Schwitzkasten! "Denk nicht mal dran...", flüstert Will in deine Richtung, als du ins Leere greifst. Irgendwie ist dein Messer in seine Hände gewandert. Wie macht er das nur?
Will lässt dich wieder frei und du ringst nach Luft. Vorwurfsvoll siehst du zu deinem Hund, der eigentlich ein Wolf ist. Warum hat er dir nicht geholfen? Auch wenn das unmöglich ist, meinst du Schadenfreude in seinem hechelnden Blick zu erkennen.
"Keine Sorge, Junge. Ich tu' dir nichts. Aber jeder ist sich selbst der Nächste. Die alten Tricks sind doch immer noch die besten", lacht er. Du ärgerst dich. Wie konntest du so naiv sein und einem wildfremden Halunken so schnell dein Vertrauen schenken?
Mit den Worten, "Die sind zwar wertlos, aber nützlich", nimmt Will dir deinen Stein wieder ab. Den Bogen lässt er dir, und sogar dein Messer gibt er dir zurück.
"Ich habe mit der Wache noch ein Hühnchen zu rupfen, aber du machst besser, dass du Land gewinnst. Ich kann dir noch einen Ratschlag geben, wie du hier rauskommst. Bin ja kein Unmensch."
Du hörst dir Wills Ratschlag an.
Du hast die Schnauze voll und gehst trotzig weiter.
Adrenalin versetzt deinen Körper in höchste Alarmbereitschaft. In wenigen Sekunden wird die Türe sich öffnen. Mit einer Mischung aus dem Mute der Verzweiflung und Selbstüberschätzung machst du dich sprungbereit. Du beschließt, dass dir der Überraschungseffekt zum Sieg verhelfen wird. Dein Hund muss die nahende Gefahr bereits gewittert haben und er steht knurrend und mit gespitzten Ohren neben dir.
Gemeinsam fixiert ihr die Türe mit den Augen...
...bis diese sich endlich öffnet. Dein Plan war sicher gut gemeint, aber wie das oft im Leben ist, kommt alles ganz anders. Ein Hüne von einem Mann betritt den Raum und muss sich dabei unter dem Türrahmen den Kopf einziehen. Der Koloss ist mit einer Rüstung aus Leder und Bärenfall bekleidet, die von einer absurden Anzahl metallener Nieten zusammengehalten wird. Doch dir bleibt wenig Zeit den furchteinflößenden Recken zu begutachten. Dein Hund schnellt aus der der Deckung hervor und beißt dem schwarzhaarigen Krieger in die Wade. "Verdammte Töle! Wer hat dich von der Kette gelassen", brüllt er und hat dich noch immer nicht bemerkt. Er greift nach seiner Waffe und stellt dabei fest, dass er sie im Nebenraum abgelegt haben muss. Als er Anstalten macht mit bloßen Fäusten auf das wütende Fellbündel einzuschlagen, schüttelst du endlich deine Schockstarre ab. Wütend wirfst du dich dem riesigen Kerl an die Gurgel, was einem kleinen Kunststück gleich kommt, ob seiner schieren Körpergröße. Du blickst in ein erstauntes Gesicht und kannst seinen fahlen Atem aus nächster Nähe spüren. Doch sein Erstaunen schlägt unmittelbar um in Zorn. "Jetzt hab ich aber genug!". Er schüttelt euch beide ab wie welkes Laub, und du krachst schmerzhaft auf den Boden. Deinem Hund entfährt ein Jaulen als er gegen den Tisch geschleudert wird. Aus den Augenwinkeln siehst du noch wie sich hinter dem Krieger ein weiterer Soldat einen Weg in deine Richtung bahnt. Du hast keine Chance. Jetzt könnt ihr nur noch fliehen. Ihr nehmt die Beine in die Hand und rennt.
Es gelingt dir nicht der Versuchung zu widerstehen. Nach einem beherzten Griff in die Schale steckst du dir gierig grüne Trauben in den Mund. Schon lange hast du von nichts Süßem mehr genascht.
Doch so süß sind die Trauben gar nicht! Im Gegenteil. Nach wenigen Kaubewegungen hat dein Kiefer die Reben zu einer mehligen Paste verarbeitet, die abscheulich schmeckt. Die Trauben standen hier wohl doch schon eine ganze Weile.
Angewidert spuckst du alles aus und musst dich dabei fast übergeben. Zum Glück steht eine Karaffe mit Wasser auf dem Tisch. Hastig spülst du dir den Mund aus, um dem Geschmack loszuwerden.
Dein Hundefreund sieht dich vorwurfsvoll an und seine großen Augen scheinen zu sagen "Ich hab dich ja gewarnt.."
Der Nachgeschmack ist furchtbar...
...aber du wendest dich jetzt der Türe zu.
Im wabernden Licht der Öllampen machst du dich auf den Weg. Der Lufthauch wird schon nach einigen Schritten zu einem kalten Luftzug. Bist du der Freiheit nahe?
Als der Gang eine Rechtskurve macht, führen einige Stufen nach unten zu einem kleinen Torbogen. Sonnenstrahlen leuchten dir bereits den Weg. Du machst einen innerlichen Jubelsprung und dein Herz schlägt schneller! Doch just in dem Moment hörst du ein Geräusch. Da draußen ist irgendjemand oder irgendetwas.
Du entscheidest dich...
...dich nicht beirren zu lassen, und schleichst weiter.
...umzudrehen und gehst zurück in die andere Richtung.
Mit großer Entschlossenheit schreitest du bibbernd zu einem kleinen Steg, an den die Wellen mit schmatzendem Geräusch im Rhythmus klatschen. Die Anlegestelle ist gerade groß genug für ein Ruderboot, und du fragst dich wozu sie dient und wer hier wohl festmacht?
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