Nick Lubens - Heavy Metal

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Heavy Metal: краткое содержание, описание и аннотация

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Karl-Marx-Stadt 1988:
Weit weg von Mauer, Stacheldraht, der Politprominenz in Berlin und den politischen Aktionen der anwachsenden Opposition in der Hauptstadt der DDR und in Leipzig gründen vier Zehntklässler in der Provinz eine Heavy Metal-Band. Was als Akt jugendlicher Experimentierfreude und pubertärer Rebellion gegen die starren Regeln der Gesellschaft beginnt, wächst den vier jungen Männern schon bald über den Kopf. Unversehens geraten sie in das Visier der Staatsorgane und setzen ihre Zukunftsaussichten im sozialistischen Arbeiter- und Bauernparadies aufs Spiel. Und zu allem Überfluss gibt es da noch die Verlockungen dieses faszinierenden anderen Geschlechts…

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Ich mache mir ein paar Stichpunkte, in die ich die üblichen Worthülsen wie „revolutionärer Weltprozess“, „Beitrag zum weiteren Fortschreiten des Sozialismus in der Welt“, „geschichtliche Notwendigkeit der Überwindung des kapitalistischen Imperialismus“ und – mein absoluter Favorit – „notwendiger Führungsanspruch der marxistisch-leninistischen Partei zur Befähigung der Arbeiterklasse für die herangereiften Aufgaben“ einbaue. Seit ich in der 8. Klasse erkannt habe, dass dem Lehrer, wenn man diese Phrasen in einer Arbeit verwendet, keine andere Möglichkeit bleibt, als diese mit einer 1 zu benoten, nutze ich sie bei jeder sich mir bietenden Gelegenheit und gelte deshalb bei den Lehrern als einer der Klassenbesten in diesem Fach. Meine Mitschüler nennen meine Sprache dagegen hinter vorgehaltener Hand abgehobenes Geschleime, aber da spricht doch nur der Neid. Mit vagem Interesse nehme ich zur Kenntnis, dass diese Begriffe offenbar nicht nur bei Themen rund um unser Vaterland, die DDR, Gültigkeit besitzen, sondern auch bei Diskussionen um die Entwicklung Afrikas, die wir seit mehreren Wochen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachten.

Robert stupst mich von der Seite an. Ich drehe meinen Kopf und sehe, dass er unter seinem Buch den Zettel liegen hat, den ich ihm vor der Stunde noch schnell zugeschoben habe. Ich bin nicht wenig stolz auf den ersten eigenen Songtext, den ich geschrieben habe, und da Robert unser anerkannter Experte auf dem Gebiet des Heavy Metal ist, habe ich ihn als Erstleser auserkoren.

„Bist du wahnsinnig?“, raunt er mir zu und verdreht die Augen wie eine irre gewordene Kuh.

„Wieso?“, flüstere ich zurück. „Gefällt‘s dir nicht?“ Ich versuche, mir meine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

„Willst du, dass sie uns gleich einkassieren?“, brummt Robert. „Damit kannst du nicht nur eine Spielerlaubnis vergessen, da können wir uns auch gleich auf ein paar Jahre Bautzen einstellen.“

Ein Schauer läuft mir über den Rücken, als ich an die Gerüchte denke, die über das berüchtigtste Gefängnis der DDR kursieren. Klar habe ich auch ein bisschen provoziert, es soll ja schließlich Rockmusik sein, aber ein Protestsong ist es jetzt auch nicht gleich geworden. „Wir spielen doch erstmal nur für uns. Muss ja keiner hören.“, versuche ich, Robert milde zu stimmen.

„Und du meinst, wir können den anderen trauen?“, fragt er mit hochgezogener Augenbraue.

„Ich denke schon.“, druckse ich herum.

„Zu 100 Prozent?“, lässt er nicht locker.

Ich schaue kurz zu Sirko und Olaf hinüber, die über den anstehenden Oberligaspieltag diskutieren.

„Glaub schon.“, sage ich kleinlaut.

„Glauben reicht nicht.“, zischt Robert. „Und merk dir einwas. In unserem Geschäft darfst du niemandem trauen! Niemals!“

„Robert! Tilo! Was gibt es denn da zu tuscheln?“, ruft Barbara Kästner durch den Raum. Offenbar hat sie ihre Diskussion mit den Klassenstreberinnen beendet und ihre Lümmel wieder ins Visier genommen.

„Ja, es ist so.“, beginne ich, um einen Augenblick zu gewinnen und meine Gedanken zu sortieren. „Der Text lautet ja: ,Die sozialistischen Bruderstaaten: Vorkämpfer für Frieden und gegen Unterdrückung‘. Als Beispiele finden wir hier Angola und Mosambik. Jetzt haben wir uns gefragt, ob es einen historischen Grund gibt, dass der Sozialismus in Europa erfunden wurde und nicht in Afrika.“

Barbara Kästner schaut mich für einen Augenblick sprachlos an. Robert wirft mir einen erschrockenen, zugleich aber auch imponierten Blick zu. „Das ist eine sehr intelligente Frage.“, stellt die Pionierleiterin fest, so als hätte sie uns so etwas gar nicht zugetraut. „Wie sehen die anderen das?“, gibt sie meine Herausforderung geschickt weiter.

Sibylle Heinze, deren Vater ein hohes Tier am Gericht ist, prescht mit einer wohl formulierten These vor: „Ich halte es nur für eine Laune der Geschichte, dass die europäische Entwicklung der in anderen Erdteilen vorauseilt. Alle notwendigen Revolutionen auf dem Weg zum Kommunismus wurden bisher auf unserem Erdteil eingeleitet, deshalb musste sich auch der Sozialismus zuerst hier durchsetzen, bevor er seinen Siegeszug auf der ganzen Welt antreten konnte.“

Das kann Liane Schulze nicht auf sich beruhen lassen. Sie schnippt mit den Fingern, um ebenfalls einen Kommentar beisteuern zu können: „Ich stimme Sibylle zu. Es ist nur ein Zufall. Wie man ja gerade an den Beispielen Angola und Mosambik sieht, können auch Neger sehr gute Sozialisten sein.“

„Das hast du sehr schön formuliert, Liane.“, lobt Barbara Kästner diese ausgefeilte Analyse.

„Ich hoffe, damit ist eure Frage hinreichend beantwortet.“, sagt sie mit einem strengen Blick zu Robert und mir.

Wir nicken brav und senken beide den Blick auf unsere Bücher.

„Jetzt aber noch zu einem anderen Thema.“ Die Pionierleiterin klatscht in die Hände. „Legt eure Bücher weg! Wir müssen noch über die Transparente sprechen.“

„Transparente?“, höre ich Olaf nuscheln.

„7. Oktober.“, klärt ihn Sirko auf. „Es ist wieder Zeit zum Demonstrieren.“

Aus jahrelanger Erfahrung als Pioniere und FDJler sind wir auf dieses Thema natürlich vorbereitet und haben uns längst Gedanken gemacht. Nicht, dass wir ernsthaft daran interessiert wären, was letztendlich auf dem albernen Transparent stehen wird, das irgendwer vor uns hertragen wird, aber so eine Diskussion ist immer eine gute Möglichkeit, Punkte zu sammeln.

Roberts Arm schießt nach oben. Barbara Kästner scheint mindestens genauso überrascht wie der Rest der Klasse, denn dass Robert sich freiwillig am Unterricht beteiligt, gleicht einer Sensation.

„Ja, Robert?“, kommt die Aufforderung zum Reden dann auch sehr zögerlich.

„Unsere Schule – Kampfplatz für den Frieden!“, schlägt Robert vor, verschränkt die Arme vor der Brust und grinst mich selbstgefällig an. Ich kann ein anerkennendes Nicken nicht unterdrücken. Dagegen kann kein Parteisekretär der Welt etwas einwenden.

„Ich weiß nicht.“, meldet sich die dicke Yvonne zu Wort. „Das klingt irgendwie komisch, wenn man Kampfplatz und Frieden in einen Satz tut.“

„Lern du erstmal richtig Deutsch.“, murmelt Robert in seinen Bartansatz hinein.

„Andere Vorschläge?“, ruft die Pionierleiterin in die Runde und schreibt Roberts Satz an die Tafel.

Wir sind natürlich nicht die Einzigen, die sich Gedanken zu diesem Thema gemacht haben.

„Wir lernen für den Frieden.“, schlägt Jan vor.

„Dank Euch, Ihr Sowjetsoldaten!“, ruft Katja begeistert, wird aber sogleich niedergezischt. „Das hatten wir schon letztes Jahr!“

„Der Sozialismus – meine Welt.“, sagt Sirko ohne viel Enthusiasmus. Er hat einen todsicheren Standardspruch aus unserem Jugendweihegeschenk ,Sinn des Lebens‘ gewählt, von dem er weiß, dass er nie und nimmer gewählt wird.

„Viel zu altbacken.“, befindet dann auch Alex.

„Außerdem stand der schon bei der Jugendweihe an der Wand.“, erinnert sich Kathrin.

„Olaf, du hattest dich auch gemeldet.“, fordert ihn Barbara Kästner zum Sprechen auf.

„Für Sozialismus und Frieden?“, nuschelt Olaf.

Ein überlautes Gähnen aus der letzten Reihe kommentiert seinen Vorschlag. Ich tippe auf Alex, tue ihm aber nicht den Gefallen, mich umzudrehen.

Der Blick der Pionierleiterin bleibt an mir hängen. Unruhig ruckle ich auf meinem Stuhl herum. Eigentlich hatte ich einen anderen Spruch herausgesucht, aber gerade ist mir etwas eingefallen, was genau zum Thema unserer heutigen Stunde passt: „Solidarität mit den revolutionären Völkern Afrikas!“, schlage ich in der Gewissheit, damit mehrere Pluspunkte sammeln zu können, vor. Barbara Kästners Augenbraue zuckt überrascht hoch, dann wendet sie sich zur Tafel um, wo auch mein Vorschlag notiert wird.

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