Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein und nervig, wenn wieder mal alles nicht so zu laufen scheint, wie wir es gern hätten. Und wir stehen dann wie der Ochs vor dem Berg und wissen nicht, wie wir ihn erklimmen sollen. Na wie wohl? Der Stier in uns weiß es und Mutter Natur lebt es vor:
Halten, erhalten und behalten
Ursprünglich hieß der Mai „Winnimanod“, ein altdeutscher Ausdruck, der Weidemonat bedeutet und prima passt. Dass die Tiere endlich wieder auf die Weide können, ist für sie bestimmt wonniglich, keine Frage. Ob es nun schon heiß ist wie im Sommer oder auch mal zwischendurch wieder friert und schneit, sie nehmen es gelassen, fressen, was die Weide hergibt, ohne groß zu muhen. Das würde ja auch nichts bringen und nur unnötig Energie fressen. Es geht dabei weniger um Anpassungsfähigkeit, das ist kein Talent des Stiers. Legendär ist vielmehr seine Hartnäckigkeit. So ein Stiernacken ist ja auch ziemlich breit und trägt ein Joch mit Leichtigkeit, auch wenn er sicher nicht darauf steht, überhaupt eines zu tragen. Da wird dann schon mal gemuht und gemeckert. Er hält einiges aus und oft lange durch, auch unter widrigsten Umständen. Das muss man ihm lassen, darin ist er gut.
Es geht also ums Aushalten, Ausharren, sich nicht unterkriegen zu lassen. Andere Wege und Möglichkeiten wollen gefunden werden und wir sollen dranbleiben, bis wir es gebacken kriege, was auch immer. Die Kühe auf der Weide zeigen Gelassenheit den Umständen gegenüber und betrachten trotzdem alles mit sanftem und liebevollen Blick. Sie lieben das Leben und genießen den Moment, und würden sie das nicht, würde das auch nichts ändern. Die Umstände sind halt manchmal ideal, manchmal nicht. Also, warum die Dinge des Lebens nicht einfach nehmen wie sie sind und das Beste daraus machen? Kämpft man nicht dagegen an, spart man Kraft für Wesentlicheres, auf das man Einfluss hat, so wie die Pflanze, deren Blüten abgefroren sind und die stattdessen beim Wachstum zulegt.
So stoisch, stur und gelassen der Stier-Teil in uns auch ist, was er liebt, das will er behalten – das Leben, sein Haus, seine Lieben, den Status quo … –, da hängt er dran, das lässt er nicht mehr los. Nähert man sich einem Kälbchen auf der Weide, wird die sonst so sanfte Kuh zur Furie. Sie verteidigt es um jeden Preis. Und manchmal ...
Die Sache mit dem toten Gaul
… ist der Stier in uns so beharrlich, dass er sich immer noch im Kreis dreht, obwohl das Korn längst alle ist, fein gemahlen, in Säcken verpackt und verkauft. Man steigt auch dann nicht vom Gaul, wenn er am Boden liegt. Er hat sich so daran gewöhnt, etwas immer wieder zu wiederholen, dass es schwer ist, davon abzulassen. Einerseits ist das verständlich, so ein Stier hat sehr viel Masse und ist sie mal in Schwung, ist es schwer, sie zu bremsen. Da überlegt man es sich zweimal, ob man in Rage kommen soll, ob sich der Aufwand lohnt, denn ist der Stier erst losgelassen, gibt es kein Halten mehr. Dann könnte einiges in die Brüche gehen und das Aufräumen danach bedeutet noch mehr Arbeit. Puh!
Und ja, natürlich, manchmal ist es auch pure Bequemlichkeit, den alten Trott beizubehalten. Der Stier ist DAS Gewohnheitstier schlechthin, weil der immer gleiche Trott ein gewisses Maß an Sicherheit verspricht, egal wie langweilig und mühsam er sich gestaltet. Darauf steht der Stier in uns. Er ist eben auch unser Sicherheitschef, der alles auf Erhalt, Statik, Untergrund überprüft, mit beiden Beinen fest im Leben steht, auch wenn der Boden unter seinen Füßen manchmal wackelt, worauf er gar nicht steht. Gut für den, der in den Knien federn kann. Das ist aber bestimmt nicht der Stier und nicht sein Zuständigkeitsgebiet. Aber macht ja nichts, auf ihn können wir bauen, auf ihn ist Verlass. Er hält durch und macht sein Ding wie Mutter Natur, was es auch kostet, kraftvoll, beharrlich und stur wie ein Panzer.
Auch die Sonne gewinnt eindeutig an (Stier-)Kraft und der Frühling nimmt ebenso stur Fahrt auf. Und manchmal, ja, manchmal ist es eben doch pure Wonne unter der Maisonne.
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