Der „Esel“ war - neben dem DORIAN GRAY im Frankfurter Flughafen - einfach Kult und seine vielen Stammgäste absolute Trendsetter in Sachen Mode und Frisuren.
Schade, irgendwann begann die Techno- und House-Welle und andere Zeiten zogen übers Land. Die Disco-Welle, die in den 70ern ausgelöst von John Travolta als tanzender Tony Manero eine Flut von Diskotheken selbst in die tiefste oberhessische "Getreide-Provence" gespült hatte, war nun endgültig zu Ende.
Im Rückblick bin ich froh, dass es zu meiner Jugendzeit noch keine Fotohandys und Smartphones gab. Man konnte sich fürchterlich daneben benehmen, beim Tanzen auch mal hinfallen oder mit misslungener Haarpracht die Anlage verlassen, niemand hat sich länger als unbedingt nötig dafür interessiert. Schon gar nicht wäre man auf die Idee gekommen, dieses oder jenes Missgeschick zu fotografieren und es herumzuzeigen oder in die Zeitung zu setzen.
Man kann wohl sagen, dass früher nicht alles schlechter war… Aber wahrscheinlich werde ich nur alt.
Und wer nach 1 Uhr noch immer nicht nach Hause wollte, der fuhr „auf die Raststätte“ nach Langenbergheim, A 45, kurz vor dem Hanauer Kreuz, und trank dort noch einen heißen, schwarzen Kaffee bis zum Sonnenaufgang. Die anderen Nachteulen wagten sich mutig ins Foxtrott-Feindgebiet, die Nachbardisco, das „WINDSOR“, der spätere ONLINE-Club – hier wurde die Tanzbein-Abteilung bis drei Uhr früh zufriedengestellt.
Heute wären die Helene-Fischer-Fans von so einem Club sicher mega-begeistert - oder gleich atemlos.
Aber mittlerweile gibt es in der Gegend kaum noch Diskotheken. Die einzige Location, die sich tapfer seit nahezu 50 Jahren hält, ist das BLACK INN Ranstadt, aber das ist auch keine Disco im klassischen Sinn. Alle anderen haben längst die letzte Scheibe abgegeben.
Die Menschen gehen auch nicht mehr so oft aus, denke ich. In meiner Jugendzeit fing traditionell mittwochs das Wochenende an, sprich, man ging außer Montag und Dienstag jeden Abend aus! Das große Bier hat 3 Mark (echtes, hartes Geld!) gekostet und man konnte das Haus noch mit einem Zehner in der Jeans verlassen und hat - mit Glück - sogar noch etwas übrigbehalten.
Heute gehen die Leute wohl nicht mehr so viel aus, sie sind dafür aber online .
Oder wo sonst lernen sich die meisten jetzt kennen? Das, was früher der Heiratsmarkt für die Sitzengebliebenen und in die Jahre gekommenen Mauerblümchen war, nämlich die gute alte Kontaktanzeige, ist ja nun die fast schon übliche Variante, einen Flirt zu beginnen.
Wie gesagt, schön, dass es „damals“ noch anders war.
Obwohl, das DAMALS noch gar nicht sooo lange her ist...
Die Dame mit dem Sonnenschirm

Die Dame mit dem Sonnenschirm
Öl auf Leinwand, 1986
20 x 35 cm
Genau hundert Jahre, nachdem Monet 1886 das Original der "Studie einer Figur im Freien (nach links blickend)" gemalt hat, habe ich mich aufgemacht, mein erstes Ölgemälde zu wagen. Frei nach dem Motto: "Am besten man fängt gleich mit den Meistern an..." Naja, für einen ersten Versuch ist es doch ganz gut gelungen.
Es hängt bis heute schön gerahmt im Flur und hat schon einige Umzüge miterlebt.
Ich kann mich noch genau erinnern, wann es entstanden ist, es waren die Sommerferien nach Tschernobyl. Wahrscheinlich brauchte ich etwas "heile Welt" nach all den schlechten Nachrichten...
Auch ein Dienst, den Kunst leisten kann. Etwas Ablenkung von der Realität. Manchmal muss das sein, auch wenn sich dadurch nicht wirklich etwas ändert. Doch den Blick woanders hinzulenken, die zumeist negativen Nachrichten für bestimmte Momente aus dem Bewusstsein zu verbannen, das kann auch heute noch hier und da von Vorteil sein. Wer hält schon all die Meldungen aus, die einem rund um die Uhr entgegenschlagen. Da kann so eine "vom Winde verwehte Dame" in einer bunten Sommerwiese doch nicht so verkehrt sein?
The Spirit of the Eighties
The Spirit of the Eighties, 1987
Wasserfarben und Fineliner auf Karton
50 x 35 cm
Das Bild ist – wie die meisten meiner Gemälde – aus der Phantasie entstanden. Es muss wohl eine Mischung aus Verliebtheit, enttäuschter Liebe und Sehnsucht gewesen sein. Damals war Annie Lennox, die Sängerin der Eurythmics, eine Ikone des Androgynen. Ich glaube, die Frau auf dem Bild spiegelt diesen Typ Mensch ziemlich genau. Es gab und gibt immer wieder Phasen, wo es angesagt ist, dass Grenzen verschwimmen. Style war in den 80ern schon genauso hip wie heute, aber die Leute haben sich halt eher mal die Haare gefärbt und hochtoupiert oder ihren Look mittels Klamotten neu definiert. Man hat sich halt nicht gleich beim Schönheitschirurgen angemeldet, wenn man etwas an sich entdeckt hat, was einem nicht gefiel.
Hier einige Textzeilen aus dem Lied „COOL“, das ich mit meiner damaligen Band Mazzu, gespielt habe. Ich fand, es passt zu dem Gemälde, da es zur gleichen Zeit entstanden ist. Auf irgendeiner Cassette habe ich noch einige Stücke aus dieser Phase. Es wird Zeit, dass ich das mal auf CD konserviere, bevor es zu spät ist. Nichts ist für die Ewigkeit.
Herzklopfen,
Dröhnen der Einsamkeit…
Es treibt mich heraus auf die Suche
nach dem Etwas
Etwas,
das man nicht finden kann –
Es helfe mir der PUNK,
ich tret‘ nur so um mich –
bin kratzig und bissig, will cool bleiben.
Cool sein – cool bleiben…
Mitgehen, rumstehen, wer ist hier bloß cool?
Cool sein – cool bleiben…
Gehasste Männerwelt?
Geliebte Frauenwelt?
Gehasste Männerwelt?
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