Das ganze Streben grauenvoller Rache.
Doch welche Rache! Sind ja doch die Zinnen
Des Himmels mit Bewaffneten besetzt,
Die jeden Zugang unerreichbar machen.
Oft lagern Legionen an dem Rand
Des Abgrunds, mit den dunkeln Schwingen tief
Und weit in's Reich der Nacht hinein zu spähn,
Des Überfalles spottend. Könnten wir
Bahn brechen uns zum Himmel mit Gewalt,
Und folgte mit der schrecklichsten Empörung
Die Höll' uns auf den Fersen, um des Himmels
Licht zu vertilgen, würde dennoch unser
Gewalt'ger Feind unüberwindlich auf
Dem ewig unbefleckten Throne sitzen,
Und der äther'sche Stoff, der Flecken bar,
Vermöchte bald das Unheil auszustoßen,
Vom niedern Feuer glorreich sich zu läutern.
Zurückgeschlagen so, bleibt unsre Hoffnung
Verzweiflung nur; wir müssen den Allmächt'gen
Erbittern und zu höchster Wut ihn reizen,
Die uns vernichtet und dann unser Nichtsein
Als Heilung bringt; o schreckenvolle Heilung!
Wer würde wohl, wenn er auch voller Qual,
Dies geist'ge Sein verlieren, die Gedanken,
Die durch die Ewigkeiten wandern, nur,
Um zu vergehn, verloren und verschlungen
Vom weiten Schoß der unerschaffnen Nacht,
Bewegungslos und des Gefühls beraubt?
Wer weiß, wenn dies ein Gut auch selber wär',
Ob der ergrimmte Feind es geben kann,
Und ob er's jemals will? Ob er es kann,
Ist zweifelhaft; daß er's nicht will, gewiß.
Wird er, der Weise, seinen Zorn auf einmal
Entzügeln, um aus Unbedacht und Schwäche
Den Feinden ihr Begehren zu erfüllen?
Im Grimm sie zu vernichten, die sein Grimm
Endlosen Strafen aufbewahrt? Was zaudern!
So rufen Jene, die zum Kriege raten,
Wir sind zu ew'gen Leiden ja bestimmt,
Was wir auch immer tun, was können wir
Noch mehr erdulden und wohl Schlimm'res leiden?
Ist es das Ärgste, daß beratend wir
Also im Waffenschmuck hier niedersitzen?
Wie, wenn wir schnell entflöhn, verfolgt, getroffen
Vom Himmelsdonner und die Tiefe bäten,
Uns zu beschirmen? Dann erscheint die Hölle
Uns Zuflucht für die Wunden. Oder wenn
Gekettet auf dem Feuersee wir lägen?
Dies wär' ja ärger noch. Wie, wenn der Hauch,
Der dieses grimm'ge Feuer zündete,
Zu siebenfacher Wut er steigern wollte,
Um in die Flammen uns zu stürzen? Oder
Von oben die beruhigte Rache wieder
Die rote rechte Hand bewaffnete,
Uns neu zu quälen? Wie, wenn alle Räume
Geöffnet und der Hölle Firmament
In Feuerkatarakten sich ergösse
Und niederhängende Schrecken unsre Häupter
Mit grauenvollem Einsturz einst bedrohten,
Indessen wir vielleicht glorreichen Kampf
Beraten, und ein Feuerstrudel uns
Ergriff und an die Felsen heftete,
Ein Spiel und Raub der wilden Wirbelwinde,
Wenn wir in Ketten für die Ewigkeit
In jenen siedenden Ozean versänken,
Dort unter ew'gem Stöhnen, unerleichtert,
Mitleidlos, unerlöst, jahrtausendlang
Ganz hoffnungslos zu weilen? Ärger wär's!
Zum Krieg, zum offnen, zum verborgenen,
Mag ich mit meiner Stimme drum nicht raten.
Was täte List und Stärke wider Den,
Der Alles ja auf Einmal übersieht?
Von Himmelshöhn verlacht er all die eitlen
Empörungen, und macht all' unsre Pläne
Zunichte, weil er der Gewalt durch Allmacht
Zu widerstehn vermag. Im Elend leben,
Wie sollten wir's, ein Volk des Himmels, das
Gedrückt, verstoßen, Qual und Ketten trägt?
Eh' dies als Ärg'res – ist mein Rat, dieweil
Ein unvermeidlich Schicksal uns bewältigt,
Der Wille des Besiegers und sein Rat.
Und leiden, so wie handeln können wir;
Gerecht ist das Gesetz, das es befiehlt.
Wenn klug wir waren, rieten wir dazu
Schon damals, als wir mit dem mächt'gen Feind
Es wagten, wo der Sieg so ungewiß.
Ha! lachen muß ich, zittern solche, die
Kühn auf die Waffen trotzten, wenn sie fehlen,
Und Jenes fürchten, was doch, wie sie wussten,
Erfolgen mußte: Schande, Ketten, Elend
Und Pein, wozu der Sieger sie verdammt.
Dies ist nun unser Los, und wenn wir's dulden,
Wird unser höchster Feind vielleicht dereinst
Ablassen von dem Zorn, und so entfernt
Von ihm beleid'gen wir ihn nicht, und er
Begnügt mit der erteilten Strafe sich.
Dann wird sich mindern auch des Feuers Wut,
Sobald sein Atem nicht die Flammen facht
Das rein're Wesen überwindet dann
Den grassen Dampf; vielleicht auch würden wir,
Daran gewöhnt, ihn nicht mehr fühlen, oder
Verändert und mit diesem Ort vertraut,
Die Schmerzen nicht der grimm'gen Hitze fühlen;
Der Schrecken wird uns mild, das Dunkel hell.
Wer weiß, welch eine Hoffnung die beständ'ge
Flucht künft'ger Tage mit sich bringen kann,
Welch einen Wechsel, wert, darauf zu warten,
Da unser jetzig Los zwar glücklich nicht,
Nur schlimm ist; schlimm jedoch das schlimmste nicht,
Wenn wir uns selbst nicht größres Weh erzeugen.«
Also riet Belial, gehüllt die Worte
In der Vernunft erborgtes Kleid, zur Ruh',
Zu freudevoller Trägheit, doch nicht Frieden,
Und nach ihm redete der Mammon so:
»Entweder streiten wir, wenn Krieg das Beste,
Damit den Himmelskönig wir entthronen
Und wiederum verlornes Recht gewinnen.
Ihn zu entthronen können dann wir hoffen,
Sobald das ew'ge Schicksal sich in Zufall
Verwandelt und das Chaos Richter wird.
Das Erstere zu erhoffen, ist zu eitel
So wie das Letztre. Welchen Platz im Himmel
Vermögen zu erringen wir, wenn nicht
Den höchsten Herrn des Himmels wir bezwingen?
Wenn er besänftigt uns auch Gnade böte,
Sobald Gehorsam wir und Treu verhießen,
Mit welcher Stirne beugten wir uns ihm,
Um des Befehls zu lauschen, seinen Thron
Mit Hymnen hoch zu feiern, seiner Gottheit
Gezwung'nes Halleluja singend, während
Als Herr er auf dem Thron beneidet herrschte,
Und sein Altar ambrosisch duftete
Von Blumen, die wir sklavisch opferten?
Dies wär' im Himmel unser Tagsgeschäft
Und unsre Lust; welch eine Ewigkeit,
Wenn, den wir hassen, wir verehren müßten.
Drum laßt uns nicht den frühern prächtigen
Vasallenstand auf's Neue jetzt erstreben,
Da wir unmöglich durch Gewalt ihn zwingen,
Und ihn verschmähn, wenn selbst ihn Gnade reicht.
In uns allein sei unsre Seligkeit,
Für uns allein zu leben, sei es auch
In dieser Wüste hier, damit wir frei
Und unabhängig statt des leichtern Jochs
Des Sklavenpomps die schwere Freiheit wählen.
Im schönsten Licht wird unsre Größe glänzen,
Wenn Großes wir aus Kleinem, Nützliches
Aus Schädlichem und Heil aus Unheil schaffen,
Und wo es sei, wenn unter Übeln wir
Zunehmen und durch Leiden und durch Mühen
Vergnügen aus der Marter ziehen können?
Und graut es uns vor dieser tiefen Welt
Der Finsternis? Wie oft erwählt der Höchste
In dichten dunkeln Wolken seinen Sitz,
Ganz unbeschadet seines Glorienscheins,
Wann er den Thron mit aller Majestät
Der Finsternis umzieht, mit Donnerbrüllen,
So daß an Wut der Himmel gleicht der Hölle!
Wie unser Dunkel er nachahmen kann,
So werden wir's wohl auch mit seinem Licht!
Auch diese Wüste hat verborgnen Glanz
An Gold und Edelstein, uns fehlt es nicht
An Kunst und an Geschick, vortreffliche
Gebäude zu vollenden, und vermag
Der Himmel mehr? Was unsre Pein jetzt ist,
Wird mit der Zeit zu unserm Element;
Mild wird das Feuer, das uns jetzo quält,
Nach seinem Wesen ändert sich das unsre,
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